Solidaritätsbekundungen für Fussballer Ben-Hatira

Der Bundesliga-Profi Änis Ben-Hatira engagiert sich seit geraumer Zeit für den Hilfsverein Ansaar International e.V. Dieses Engagement fiel vor einiger Zeit auf, nachdem er auch seine beruflichen Einbindungen für Marketing für diesen Verein nutzte:

http://hessenschau.de/gesellschaft/ben-hatira-verteidigt-engagement-fuer-islamistischen-hilfsverein-,ben-hatira-124.html

Nach zwei Monaten, in denen sich der Spieler relativ unbeeindruckt zeigte von öffentlicher Kritik, in denen auch der Verein, bei dem er aktuell unter Vertrag war, wiederholt keine Handlungsnotwendigkeit sah, wurde nun der Vertrag aufgelöst. Auslöser waren neben der zweimaligen deutliche Aufforderung des hessischen Innenministers Peter Beuth auch Vorhalte einer Fan-Gruppierung und einiger Sponsoren des Vereins:

http://hessenschau.de/tv-sendung/video-27580.html

Dieses Engagement war auch deshalb so stark angemahnt worden, weil Ben-Hatira auf seiner Facebook-Seite seinerzeit über 170.000 Follower hatte. Seine Reichweite insbesondere und Jüngeren, Fussball-Fans, Personen mit Migrationshintergrund und – wahrscheinlich – im Schnitt schlechter gebildeten Personen war also erheblich. Der Bildungsgrad ist deshalb wichtig, weil bei eher einfach Gebildeten die Neigung zur Zweit-Quelle und zur Relativierung des Vorbildes bzw. zur Einordnung seiner Handlungen in einen größeren Kontext geringer ist.

Ben-Hatira sieht sich allerdings, obwohl er Auflösung des Vertrages zuletzt zustimmte, im Recht und seinerseits von der Öffentlichkeit schlecht behandelt:

Ben-Hatira sieht sich in der Diskussion über sein Engagement für den islamischen Verein Ansaar International weiterhin im Recht und kündigte via Facebook eine baldige öffentliche Äußerung dazu an. „Es gibt wenige Menschen, die eine große Verantwortung tragen, dennoch täglich in den Spiegel sehen können und sich mit Stolz selbst erkennen. Gott sei Dank, ich kann das“, schrieb der 28 Jahre alte Fußballer auf seiner Facebook-Seite.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/ben-hatira-sieht-sich-nach-trennung-im-recht-frings-beste-loesung-14762023.html

Zur Einordnung ist dieses Interview beachtenswert:

http://www.deutschlandfunk.de/fall-aenis-ben-hatira-ich-kann-keine-einsicht-des-vereins.1346.de.html?dram%3Aarticle_id=377562

Interessanter als die Uneinsichtigkeit des Herrn Ben-Hatira und die Darstellungen von Ansaar selber

 

sind aber die breiten Solidaritätsbekundungen. Bei diesen sind eine Reihe einschlägig bekannter Akteure mit von der Partie, die aus dem Fall eigene Publicity schöpfen möchten. Eine kleine, aber bezeichnende Auswahl:

Bushido & „Kollegen“

 

Ab 3:55 ist ein Herr beim Gebet zu sehen, der (anscheinend im Hobby-Keller) vor einem „LIES!“-Banner betet. Die Anleitung zum Gebet (nebst Winkelangaben bei der Gebetshaltung!) gibt es gleich mit hinzu.

Martin Lejeune*:

 

Ferid Heider, der Imam einer unter Verfassungsschutzbeobachtung stehenden Berliner Moschee:

 

Generation Islam, eine Gruppierung, die sehr massiv gegen die Mehrheitsgesellschaft aufwiegelt und Islamisten gerne als normale Muslime tarnen möchte*:

 

Die Gruppierung „Realität Islam“, eine problematische Frankfurter Gruppierung, die sich wiederholt in islamistische Zusammenhänge stellte, drehte ebenfalls ein eigenes Video zum Fall*:

 

Die Larmoyanz der Szene wird nur von ihrem Mitteilungsbedürfnis übertroffen. Dabei wird einiges unterschlagen. Er wurde nicht verleumdet, sondern ihm wurden Belege vorgehalten und er wurde kritisiert, etwas, das ganz normal ist in dieser Gesellschaft. Ben-Hatira wurde eben nicht fristlos gekündigt, sondern stimmte gegen Ablöse einer Vertragsauflösung zu. Eine fristlose Kündigung ist etwas, was man bei einer gleichartigen Betätigung für einen rechten Verein sicher arbeitsrechtlich riskiert hätte. Es geht auch nicht um eine normale Betätigung als Muslim und für einen normalen muslimischen Verein. Genau diese Protagonisten versuchen, jüngere Personen in dieser Hinsicht zu täuschen und sie aufzuwiegeln gegen das Gemeinwesen und auch gegen ganz normale Kritik. Man polarisiert absichtlich und unterschlägt dabei, dass viele Muslime, die so etwas wie Ben-Hatira nicht tun, ganz normal ihren Betätigungen und auch Engagements nachgehen können.

Der Herr Ben-Hatira seinerseites hat für heute abend – wichtig, wichtig – eine „Dokumentation“ abgekündigt. Man darf auf die alternativen Fakten gespannt sein:

https://www.facebook.com/BenHatira/?fref=ts

Man ahnt schon ein zweites Leben als Botschafter für die ganzen salafistischen Hilfsvereine: Wer sich an Ansaar International e.V. nicht stört, dessen Einbindungen in den Verfassungsschutzberichten benannt werden, wird erst recht kleinere oder neuere Vereine hoffähig machen. Salafistische Betätigungen unter dem Deckmantel der Hilfe. Wenn der Verfassungsschutz nicht als Argument gilt (anscheinend nicht einmal bei einem Akteur der Mehrheitsgesellschaft wie dem SV Darmstadt 98 Präsidenten Fritsch), dann hat man es sehr schwer, solche Umtriebe als so problematisch glaubhaft zu machen, wie sie sind.

Ben-Hatiras Popularität hat auf jeden Fall durch die Solidaritätsadressen der islamistischen Hardliner und Multiplikatoren einen gewaltigen Schub erlebt: Innerhalb kurzer Zeit sind knapp 40.000 Follower hinzugekommen und werden andächtig Verschwörungstheorien und einer neu geborenen Legende lauschen, die zwischen Heldenepos und Opfermythos im Sekundenbruchteil wechselt. Ein tragischer Held ist geboren. Zumindest für die Anhänger. Für all jene aber, die Ben-Hatira nur als einen 28 Jährigen sehen, der wenig auf die Institutionen seines Geburtslandes gibt, ist er weder Opfer noch Held. Für die ist er einer, der Holzwege auch noch pflastert.

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* Beiträge auf diesem blog zur Person oder Gruppierung vorliegend.

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