Alte neue Pläne für „den Westen“ von Hizb ut Tahrir

Die in Deutschland seit 2003 verbotene Gruppierung Hizb ut Tahrir hat nach Angabe des Bundesamtes für Verfassungsschutz seit Jahren etwa die gleiche Anhängerzahl. Zuletzt (2015) wurde ein leichter Anstieg der Zahl auf 320 geschätzt, S. 155:

Klicke, um auf vsbericht-2015.pdf zuzugreifen

Auch wenn diese Zahl relativ gering erscheinen mag, ist diese Gruppe durchaus relevant, weil in ihr oftmals Akademiker organisiert sind und man als eine Art Vordenker v.a. auch in Universitätsstädten agiert. U.a. in Großbritannien und den USA ist die Hibz ut Tahrir als Partei organisiert. Die Hizb ut Tahrir scheint z.B. über eine verallgemeinerte Kapitalismuskritik den Anschluß bzw. politische Schnittmengen zu linken Studentengruppen zu suchen. Auf dem offiziell der britischen Sektion zugehörigen Facebook-Account werden übrigens neuerdings auch deutschsprachige Botschaften veröffentlicht:

https://www.facebook.com/htbritain/

Die dort regelmäßig verbreitete Kapitalismuskritik stammt vornehmlich aus einer Quelle:

https://www.facebook.com/EconomyDissected/?hc_ref=PAGES_TIMELINE

Der Kanal wird betrieben von Jamal Harwood, der sich zwar als Sufi bezeichnet, aber Hizb ut Tahrir ein interessantes Interview gab und Hizb ut Tahrir GB in dieser Hinsicht als Stichwortgeber dient:

 

Auf dem deutschsprachigen Internetportal kalifat.com werden weitere Botschaften an die deutschsprachigen Anhänger verbreitet. Es finden sich dort immer wieder auch aktuelle Stellungnahmen und Ausarbeitungen. So findet sich derzeit dort eine Ausarbeitung, die die speziell muslimische Einwanderung in die „westlichen Länder“ betrachtet. Diese Ausarbeitung ist eine Art Plan, Anleitung und Zielvorgabe nach Hizb ut Tahrir-Vorstellungen, einige Auszüge:

Ab S. 10:

Ein Muslim betrachtet nämlich die Fortpflanzung aus zwei Blickwinkeln: Der erste ist allgemein, menschlich angeboren. Er verkörpert die Absicht, die menschliche Art zu sichern. Der zweite ist spezifisch religiös-islamischer Natur mit dem Ziel, den Fortbestand der Muslime zu sichern und ihre Anzahl zu vermehren. So sprach der Gesandte (s): [arabische Zitate jeweils weggelassen]

Heiratet die Liebevolle, die Gebärende, denn ich werde mit Stolz auf eure Anzahl verweisen. (Bei anNasāʾī von Miʿqal ibn Yasār tradiert) In der Überlieferung von Miʿqal ibn Yasār bei Abū Dawūd heißt es:[…] Ich werde mit Stolz vor den Völkern auf eure Anzahl verweisen. Und bei Imam Aḥmad wird der Hadith von Anas mit dem Wortlaut tradiert:[…] Ich werde am Tage der Auferstehung vor den Propheten mit Stolz auf eure Anzahl verweisen. Was den westlichen Menschen anbelangt, so sieht er das Kinderzeugen und die Fortpflanzung als etwas an, was seine persönliche Freiheit einschränkt, ihn von den Vergnügungen des irdischen Lebens und seiner Annehmlichkeiten abhält und ihn finanziell belastet. Besonders über den letzten Punkt, also das Finanzielle, macht sich ein Muslim keine Sorgen, da er von der Aussage des Erhabenen überzeugt ist, die lautet:[…]

Wahrlich, dein Herr erweitert und beschränkt die Versorgung, wem Er will, denn Er kennt und sieht Seine Diener wohl. Und tötet eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut; Wir sorgen für sie und für euch. Wahrlich, sie zu töten ist ein großes Vergehen. (17:30-31) Deshalb gelang es den Fördermaßnahmen der Regierungen im Westen nicht, die westlichen Menschen zu überzeugen, mehr Kinder zu bekommen. Auch haben ihre Druck- und Täuschungsmittel es nicht geschafft, die Muslime zu überzeugen, weniger Kinder zu bekommen.

Ab S. 24:

„Der Westen setzte das islamische Überzeugungsfundament mit dem christlichen gleich und dachte, dass das islamische Überzeugungsfundament wie das des Christentums sich jedem System und jeder Ideologie anpasst. Der Westen nahm das Christentum als eine spirituelle Glaubensanschauung
wahr, die sich jedem politischen Überzeugungsfundament unterordnet, wie die Trennung der Religion vom Leben bzw. vom Staat. In gleicher Weise betrachtete er auch das islamische Überzeugungsfundament als eine spirituelle Glaubensanschauung, die sich um die Angelegenheiten des Jenseits kümmert, ohne mit den Angelegenheiten des diesseitigen Lebens in Verbindung zu stehen, insbesondere nachdem ihre Anhänger besiegt und ihr Staat zerstört wurde. Davon
ausgehend legte der Westen seine Integrationspolitik fest und dachte, dass die Muslime sich seinem politisch-säkularen Überzeugungsfundament anpassen würden. Dies war jedoch ein illusorisches Wunschdenken. Denn es liegt nicht in der Hand des Muslims zu entscheiden, ob er sich anpasst oder
nicht. Das Problem liegt vielmehr im Überzeugungsfundament selbst. Das islamische Überzeugungsfundament ist ein spirituellpolitisches, das – im Gegensatz zum Christentum – eine Anpassung an ein anderes nicht akzeptiert. Ein integrierter, angepasster Muslim wird sich – über kurz oder lang – eines Tages mit der Realität der islamischen ʿaqīda konfrontiert sehen. Entweder wird er sie – so wie sie ist – annehmen oder er wird sie – so wie sie ist – zurückweisen. Aus diesem Grunde ist die (westliche) Integrationspolitik falsch, da sie eine Verallgemeinerung vornimmt und zu kurzsichtig
ist, als dass sie zwischen den unterschiedlichen Überzeugungsfundamenten unterscheiden würde. Deshalb wird sie unmöglich zu verwirklichen sein, solange der Muslim an seinem Überzeugungsfundament festhält.“

Ab S. 29:

„Der islamische Rechtsspruch bezüglich der Integration
Den Muslimen ist es verboten (ḥarām), sich in die westliche Gesellschaft zu integrieren. Beleg dafür ist Folgendes: 1) Die Integration, zu der der Westen aufruft und die er den Muslimen aufdrängen möchte, bedeutet, einen Teil der islamischen Geistesbildung und Kultur aufzugeben und sie
durch die Geistesbildung und Kultur des Westens zu ersetzen. Der Islam akzeptiert jedoch keine Zerlegung. Vielmehr muss er vollständig – mit seinem Überzeugungsfundament und seiner
Lebensordnung – angenommen werden. Es ist nicht zulässig, irgendeinen seiner Rechtssprüche preiszugeben. Der Erhabene sagt:[…]

2) Die Integration in die westliche Gesellschaft bedeutet, sich an die westliche Lebensweise und an ihren Lebensstil anzupassen. Sie bedeutet, dass Nutzen und Neigungen zum Handlungsmaßstab erhoben werden und das islamische Recht keine Entscheidungsgewalt mehr besitzt. Und dies hat
der Islam durch das Einschränken des Handlungsmaßstabs eines Muslims auf das, was Allah erlaubt und verboten hat, untersagt. So sagt der Erhabene:[…]

3) Die Integration in die westliche Gesellschaft bedeutet, Nichtmuslime in Dingen nachzuahmen, die zu ihren Eigenheiten (Spezifitäten) zählen. Die Nichtmuslime in einer Angelegenheit ihrer Religion, ihrer Geistesbildung oder Kultur nachzuahmen, ist verboten. So sagt der Erhabene:[…]

Wer ein Volk nachahmt, der gehört zu ihnen. (Bei Aḥmad tradiert) Dies sind einige Belege für das Verbot der Integration. Es existieren noch weitere, die wir in dieser Abhandlung nicht darlegen möchten, da es den Rahmen sprengen würde. Aus diesen Gründen dürfen die Muslime sich in die westliche Gesellschaft nicht integrieren und müssen sich dieser gefährlichen Idee widersetzen, mit der beabsichtigt wird, die Merkmale der muslimischen Persönlichkeit auszulöschen und die Kennzeichen ihrer Besonderheit, die ihrer spezifischen Kultur entspringen, zu eliminieren.[…]

Ab S. 33:

Der Hass gegenüber dem Islam und die Verachtung seiner Anhänger, die in der innersten Seele des Westens als Tiefenkonzeptionen verankert sind, lassen ihn seine eigene Ideologie vergessen und bringen ihn dazu, die Prinzipien von Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit, zu denen er aufruft und
mit denen er immerfort prahlt, zu ignorieren, um den Muslimen die Parole „Integriere dich oder verschwinde!“ entgegenzuhalten.[…]

Ab S. 36:

Anstatt die Integrationspolitik zu akzeptieren, sollten die Muslime in den Ländern des Westens zu dieser richtigen Politik aufrufen, einen Druck auf die westlichen Staaten aufbauen und sie davon überzeugen, diese Politik auf die Muslime anzuwenden. Die islamische Politik in dieser Angelegenheit
stützt sich auf eine Reihe von Prinzipien, zu denen folgende zählen: Erstens: Das Konzept der Staatsbürgerschaft Staatsbürger (ar-raʿīya) sind alle Menschen, die in der Stätte des Islams wohnen und sich der Regentschaft des Islams unterworfen haben, und zwar unabhängig von ihrer Religion,
Überzeugung, Geschlecht, Hautfarbe, Volkszugehörigkeit oder Anzahl. Mit anderen Worten bestehen die Staatsbürger aus islamischer Sicht aus allen Einwohnern des Landes, seien sie Muslime oder Leute, die einer anderen Religion als dem Islam angehören. Die letztgenannten werden als
Schutzbefohlene (ahl aḏ-ḏimma) bezeichnet.

S. 47:

Was vom Islam notwendigerweise bekannt sein muss, ist die Tatsache, dass der Erhalt der Gaubensordnung (dīn) vor dem Erhalt des Lebens, des Eigentums und der Nachkommenschaft
Vorrang hat. Deshalb fällt dem Muslim in den Ländern des Westens die Pflicht zu, die Glaubensordnung des Islams zu erhalten, dazu aufzurufen und sie so darzustellen, wie sie herabgesandt wurde – ohne Verdrehung oder Verfälschung. Er macht im Glauben keine Zugeständnisse und schmeichelt niemandem. Er präsentiert den Islam nicht so, wie es der Westen gerne hören möchte, sondern wie er tatsächlich ist, um damit das Wohlgefallen Allahs zu erstreben
und nicht das Wohlgefallen der kuffār.

S. 55;

Dies sind einige Beweise, die die Realität der islamischen Umma verdeutlichen und sie gegenüber anderen hervorheben. Sie belegen die Pflicht, ihr zuzugehören, und die Pflicht, sie zu bewahren.
Zu den Erscheinungsformen der intellektuellen und emotionalen Zugehörigkeit zur islamischen Umma gehören die Verteidigung ihres Überzeugungsfundaments, der Einsatz für ihre Einheit und das Teilen ihrer Freude und Trauer.

S. 61:

Die Realität zeigt, dass die Muslime zu ihrem Glauben zurückgefunden haben, sich nach der Rückkehr des Islams in Staat, Gesellschaft und Leben sehnen und das Bestreben haben,
dem Kalifen den Treueeid zu leisten, ihre Länder zu befreien und ihr Recht zurückzugewinnen.

Neben vielem anderen hier aufzufinden:

Klicke, um auf Hijra-A5-1_Seite_pro_Blatt.pdf zuzugreifen

Auf der offiziellen verlautbarungsseite:

http://www.hizb-ut-tahrir.info/gr/

finden sich weitere Einlassungen und Kommentare.

All das gibt eine grobe Vorstellung davon, dass diese Gruppierung und die, die ihr folgen, ohne ihr anzugehören, ein steter Quell der Herausforderung bleiben werden. Mit ihrer Aggressivität und ihren Unterwerfungsphantasien bei gleichzeitiger Ablehnung von Kompromissen (nun ja, bei Unterwerfung darf man leben) zeigt sich immer wieder, wie richtig und notwendig das Verbot seinerzeit war.

In Hessen erscheinen mittlerweile – ohne sich so zu nennen – einige Gruppen aktiv, die ideologisch nah an der Hizb ut Tahrir zu verorten scheinen. Diese und auch ihre potentiellen Bündnispartner Rechtsextreme (im Antisemitismus) und Linksextreme (bei ihrer strikten Kapitalismuskritik) und beide im Antiamerikanismus muss man stets aufmerksam beobachten. Durch die Nähe zur universitären Landschaft, die sich vielleicht nicht mehr so stark wie früher darstellt, aber wohl erhalten ist, könnten sie Stichwortgeber und spin doctoren so einiger dortiger Gruppen sein.

2 Gedanken zu „Alte neue Pläne für „den Westen“ von Hizb ut Tahrir

  1. „Hizb ut Tahrir … potentiellen Bündnispartner Rechtsextreme“ … vor 15 Jahren:
    http://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/npd-mahler-bei-den-islam-fanatikern

    Bei Hizb ut Tahrir zu Gast und im Bild: Horst Mahler und Udo Voigt, Min. 3.15.

    Heute ist das Spektrum eher der Damaszener-Baathistischen Variante von „Kuschel-Islam“ zugetan, respektive dem quer-frontlichen Chancenangebot aus Moskau, zumal dieses auch noch einen mutmaßlich „arischen“ Iran mit anempfiehlt. Was für treue Press-TV- und Putin Today KonsumentInnen sich auch schon seit ca. sechs Jahren abzeichnete.

    Seitdem das (sunnitische) „Arabische Erwachen“ vor den Toren von Damaskus aufschlug.

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  2. Alles war auch schon einmal ganz anders. Hier ein Einblick in eine zeitweilige Praxis von real gelebtem Islam nach aber eher westlichem Plane. Clara Zetkin berichtet aus dem Kaukasus:

    Die „moslemischen Frauen und Mädchen im Klub zu Tiflis … singen die „Internationale“ in der Stimmung eines frommen Protestanten, der das Abendmahl empfängt, von der Überzeugung erschüttert, daß er sich mit „seinem Herrn Jesus Christus“ und mit „seinem Gott“ verbindet, indem er Wein und Hostie zu sich nimmt … und daß sie in dieser Anerkennung eins werden mit Millionen … auf dem Erdenrund.

    Die nämliche Stimmung bricht in den Reden einiger Mohammedanerinnen glühend hervor, die in dem Klub führend sind.“

    Clara Zetkin, Ausgewählte Reden und Schriften Bd. 3, Berlin 1960 S. 214.

    Etwas für die nächste Offenbarung zu Münster, der Stadt des nämlichen religiösen Friedens.

    Signatur HR 0245 Bd.3 im PEG, Uni Frankfurt. Fernleihe müsste auch gehen.

    „Unbeschreiblicher Jubel über die neue Wertung und Stellung der Frau, über ihre Einreihung in die weltumspannende Gemeinschaft der Freiheitskämpfer mischt sich mit heißem Dank für das erlösende Werk der proletarischen Revolution, der Sowjetordnung und klingt aus in heiligen Eiden …“

    Da hat dem Genossen Kautsky anscheinend niemand von berichtet.

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