VPN: Mitarbeiter disqualifizieren sich selbst

Differenzierungsschwierigkeiten in der Präventionsarbeit

Der Präventionsdienstleister Violence Prevention Network (VPN) war die letzten Tage in den Medien und hier mehrfach Thema.

http://hessenschau.de/gesellschaft/mitarbeiter-von-beratungsstelle-gegen-radikalisierung-suspendiert,verfassungsschutz-beratungsmitarbeiter-extremismus-100.html

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/25/vpn-interessanter-fischteich/

VPN hat sicherlich etliche gute und bemühte Mitarbeiter, für deren Betätigung die Gesellschaft auch jenseits der Kostenübernahme für die Arbeit dankbar sein kann. Auch hat der Verein an sich wertvolle Arbeit bei anderen Extremismusformen geleistet und kann dies dort auch nachweisen. Es ist daher wichtig, dort ausreichend zwischen konkreten Problemen bei bestimmten Personen und bestimmten Problemen bei konkreten Strukturdefiziten zu unterscheiden. Genausowenig wie „vorher“ alles gut war, ist nun alles schlecht. Es darf aber nicht Glückssache sein, ob es gut oder schlecht ausgeführt wird, ob Prävention betrieben oder die andere Richtung eingeschlagen wird, also Jugendliche erst zu einem fundamentalistischen Islamverständnis hingebracht werden. Dazu muss man genau hinsehen und halt auch zuhören. Gute Arbeit muss honoriert und weitergetragen, schlechte darf aber nicht mit durchgeschleppt werden. Denn dieses Thema ist zu wichtig, zu heikel und zu sensibel. Dies sollte ausreichend berücksichtigt werden.

Trotz oder entsprechend dieser Vorrede sind oder waren auch einige Personen dabei, die sehr problematische Sichten vertreten oder bei denen begründete Zweifel hinsichtlich ihrer Haltungen zur FDGO bestehen. Die Abgrenzung konservativer Muslim – fundamentalistische Haltungen und Einbindungen muss der Präventionsdienstleister mindestens selber schaffen, sonst kann man dort keine öffentlichen Gelder hingeben. Zu groß ist die Gefahr, dass unter dem Deckmantel der Prävention sonst problematische Sichten verbreitet und gesellschaftsfähig werden, die wieder neue Probleme schaffen und denen man dann wiederum entgegentreten muss. Aus dem hessischen Innenministerium wurde wurde deshalb eigentlich Selbstverständliches noch einmal betont:

Wir erwarten selbstverständlich, dass VPN keine Extremisten beschäftigt“, betonte der Sprecher von Innenminister Peter Beuth (CDU).

http://www.fnp.de/rhein-main/Mitarbeiter-von-hessischer-Salafismus-Beratungsstelle-unter-Extremismusverdacht;art801,2496401

Das ist sicher etwas, was jeder Innenminister von der Prävention erwartet. Es gibt weitere Regionen und weitere Projekte, in denen diese Erwartungen sehr enttäuscht werden. Aber das wird peu a peu sichtbar werden.

Diese Kritik soll dazu dienen, Probleme anzugehen, Defizite auszugleichen. Und sie wird öffentlich geäußert, nachdem relevante Bedenken zu lange offensichtlich unberücksichtigt blieben, also die Eigenbetätigung an problematischen Stellen dem Anschein nach eben nicht funktionierte. Da in der Prävention aber auch die Zeit eine Rolle spielt, ist dies kein zu vernachlässigender Faktor.

Das hessische Innenministerium nimmt die nachweislichen Betätigungen der Mitarbeiter offensichtlich nicht auf die leichte Schulter. Das ist also – um Kritiker einmal darauf hinzuweisen – eher auf der Seite der Belege und nicht auf der Seite derer, die diese Belege oftmals nur nicht einordnen können, aber trotzdem eine Meinung haben. Belege können überzeugen. Belege sind allerdings etwas für Personen, die Sachverhalte ernst nehmen.

Wer das allerdings sehr, sehr locker nimmt, sind Betroffene selber
Taskinsoy ist derjenige, der bei der problematischen bin Bayyah Konferenz in Abu Dhabi war (s. blog) und einen Antisemiten und bin Bayyah-Schüler als seinen „geliebten Gelehrten“ bezeichnete. Nach Angaben von VPN selber steht zudem im Raum, dass die Konferenz „aus möglicherweise extremistischen Quellen finanziert“ wurde

http://www.violence-prevention-network.de/de/

:Der andere junge Mann arbeitet auch für VPN; er macht sich über die Angelegenheit lustig:

vpn-taskinsoy-uelger-170227

Taskinsoy teilt das, ein weiterer Mitarbeiter liked das.

Es geht nicht um den reinen Kontakt zu Extremisten, sondern um Unterstützung. Niemand zwang dazu, problematische Vortragende einzuladen oder Frauen erst einem problematischen Umfeld auszusetzen. Niemand zwang dazu, ins ferne Abu Dhabi zu reisen (auf wessen Kosten auch immer). Niemand zwang dazu, auf problematische Veranstaltungen auf dem Twitterkanal des Vereins „Islam auf deutsch“ erst hinzuweisen, ohne dass man das selbst vielleicht sogar besuchte. Man war da Multiplikator für diese Inhalte. Ohne Not und vor allem: ohne einordnende Relativierung.

Es geht um einen erheblichen Vorwurf. Es geht um ernste Dinge, die auch für den Arbeitgeber erheblich sind. Immerhin steht ja im Raum, dass VPN Extremisten beschäftigen könnte, ein Vorhalt, der wegen der Betätigungen in den sozialen Netzwerken (Empfehlung einschlägiger Vorträge z.B. auf dem Twitter-Account des Vereins) nicht abwegig erscheint. Niemand zwang sie, dies zu tun. Da sie damals wohl auch noch nicht für VPN arbeiteten, steht das auch nicht im Zusammenhang mit der Arbeit, sondern erscheint eher wie ein Abbild der mitgebrachten Haltungen.

Wer solche Vorstellungen mitbringt, wird kaum in der Lage sein, Jugendlichen einen liberalen Islam vorzugeben, sondern wird ihnen eher ultra-konservative bis fundamentalistische Sichten vermitteln. In der „humoristischen Bearbeitung“ kann man auch sehr viel Abwertung sehen: Menschen, die andere und den Vorgang ernst nehmen, sollten eigentlich zerknirscht sein.

Diese Haltung disqualifiziert und zeigt auf, dass diese jungen Männer weder etwas auf ihren Arbeitgeber noch den Innenminister geben. Das ist im Prinzip eine ähnliche Haltung, wie sie auch Ben Hatira zeigte: Keine Einsicht, nur blanker Hochmut.

Dem Anschein nach sind sie nach etwas ostentativer Zerknirschung, die wohl intern zur Schau getragen wurde und bei Personen, die etwas stark mit ihren Projektionen beschäftigt sind („also bei mir hätte das gewirkt“, man hat sich ja distanziert) Wirkung zeigt, schon wieder der Meinung, dass sie da nichts falsch gemacht haben. Man lese auch die Einlassung von Serdar Aslan auf seiner fb-Seite, der mit einigen der Herrschaften im Verein „Islam auf deutsch“ agiert und detailliert darlegt in einem fb-Mehrteiler, warum die Muslimbrüder, Muslimbrüder-Sympathisanten, Fundamentalisten und Hamas-Freunde so gute Menschen sind.*

Da allerdings kann man nicht übereinkommen. Denn diese Herrschaften werden ihr Bild, dass Muslimbrüder, Muslimbrüder-Sympathisanten, Fundamentalisten und Hamas-Freunde so gute Menschen sind, denen man nacheifern sollte, an die weitergeben, die von ihnen betreut werden. Da kann man eher von Prävention gegen westliche Werte sprechen, von einer Immunisierung gegen staatliche Autorität durch Identitätsbildung. Und zwar bezahlt von dem Staat, über dessen Werte sie sich lustig machen. Wenn das die jungen Muslime sind, die sich andere junge Muslime zum Vorbild nehmen und nehmen sollen, dann haben wir – sie sind ja Multiplikatoren – nachfolgend ganz, ganz viele junge Muslime, die ein wenig ostentative Zerknirschung zeigen, wenn dies nützlich ist. Nur dann. Die aber auf alles spucken, was man ernst nehmen sollte, wenn sie denken, es bleibt ohne Folgen für sie.

Diese Vorbilder braucht keiner. Schon gar nicht auf Staatskosten. Das sollte VPN realisieren. Diese Differenzierung muss VPN leisten können, sonst sind sie nicht nur nutzlos, sondern im Ergebnis kontraproduktiv.

 

 

* Der guten Ordnung halber die Sicht auf die Dinge von Herrn Aslan:

Ich vermisse in seinen Stellungnahmen zu bin Bayyah defintiv die Verbindungen und die langjährige Kooperation von bin Bayyah mit Al Qaradawi. Er spart die genau als kritisch zu betrachtenden Punkte aus, geht eben nicht auf die Belege konkret ein, warum?

Es ist doch sinnvoll, auf die Kritikpunkte einzugehen, nicht anderes zu bringen, was nicht kritisiert wird. Über diese Strategie sollte Herr Aslan noch einmal deutlich nachdenken.

Ich ergänze also:
Herr Serdar Aslan verteidigt konkret u.a. Abdallah bin Bayyah und Yusuf Hamza. Deren Einbindungen bitte ich in der internationalen Presse jenseits der Show-Termine und langjährig zu überprüfen. Für das Eintreten für die Hamas etc. finden sich ja Belege. Da nützt halt auch shake hands mit wem auch immer nichts.

Was da nutzen würde: Distanzierung von diesen Strukturen. Laut. Öffentlich. Nicht nur diffus. Persönlich gefragt waren alle Diktatoren & Co der Vergangenheit immer ganz gegen Gewalt. Die friedlichsten Menschen auf Erden. Mindestens. In der Sicht ihrer Anhänger sowieso. Das alleine bringt also wenig.

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