Muslimbrüder: Einmal Dublin und zurück

Über ein wenig bekanntes Gremium, das die Politik in Europa beeinflussen will

Zu einem 2016 gegründeten Rat, der künftig muslimische Belange in Deutschland koordinieren soll, war bereits berichtet worden, ein Beitrag zum Fatwa-Ausschuss Deutschland:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/03/18/fatwas-made-in-germany/

Es fiel schon dort auf, dass man zwar in der Berliner Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) tagte, jedoch wegen der Besetzung eher von einem Rat FÜR Deutschland als einem Rat von Personen, die mindestens in Deutschland wohnen, sprechen konnte. Die Besetzung dieses Ausschusses ist mehrheitlich aus islamischen Kernländern herstammend. Einzig der Frankfurter Dr. Khaled Hanafy findet sich in dem Gremium (zumindest was die öffentlich sichtbaren Quellen angeht; ich lasse mich da gerne belehren). Besucht wurde die Auftaktveranstaltung im März letzten Jahres aber von Personen wie Kamouss, Ibrahim El Zayat oder Ferid Heider, die in Deutschland die Weichenstellungen für die Ausbreitung einer muslimbrudernahen Ideologie vorantreiben und gesellschaftlich eingebunden sehen möchten.

Auf europäischer Ebene ist dies kaum anders. Ein Gremium für Europa besteht seit langem (1997), ist aber mehrheitlich von außereuropäischen Akteuren besetzt, das „European Council for Fatwa and Research“ (ECFR). Der Sitz ist aktuell in Dublin. Auch dort findet sich wieder der Frankfurter Dr. Hanafy, der sehr viel unterwegs erscheint, was das Voranbringen der Sache an und für sich betrifft. Da kann man auch schon mal grübeln, womit tatsächlich das Brot und die Reisen verdient werden. Hier bei einer Ausschuss-Sitzung letzten Oktober dieses Gremiums.

Ganz links auf dem Podium.

Hier noch mal beim allgemeinen Gruppenbild vom letzten Oktober:

 

Aus Deutschland sitzt in dem Rat auch noch der Herr Borgfeldt (Muhammad Siddiq), ein Herr, der für das Haus des Islam verantwortlich zeichnet, die Muslimische Jugend Deutschlands e.V. (MJD) mit gründete, wohl – nach der Wikipedia – eine zeitlang vom Handel mit Parfümölen lebte und derzeit auch Verantwortlicher eines Mekka-Reise-Angebots ist:

http://www.soultreat.de/

Er war auch mal Schriftführer ab 1997 beim Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)*:

http://zentralrat.de/14562_print.php

Im realen Leben also Parfumhändler, Kulturzentrumsleiter (wenn man das „Haus des Islam“ so nennen will) und Reiseveranstalter, in der Gegengesellschaft geehrter Scheich in einem internationalen Gremium und Vermittler von Botschaften aus fernen Landen u.a. in das hessische Lützelbach. Da kann man sich vorstellen, was dem Ego wohler tut (und warum man Besuche/Aktivitäten von Gruppen dort besonders kritisch sehen sollte).

Und noch einmal die Großgruppe:

2. v.r. wohl der Herr Borgfeldt.

Der Herr Dr. Hanafy und der Herr Borgfeldt sitzen also in Dublin bei dem Gremium, das – nach Eigensicht – die Belange der europäischen Muslime vertreten und auch regeln will. Da der Dr. Hanafy und der Herr Borgfeldt aber nur einen sehr kleinen Teil und auch einen normalen Mitgliedsposten einnehmen, kann man sich berechtigt fragen, wer da die europäische Linie vorgeben will. Da allerdings trifft man dann direkt auf den Herrn Al Qaradawi und auch wieder den Herr bin Bayyah. Die Welt ist klein und besonders klein dort in Dublin.

Ratsmitglieder, von der Seite des Rats:

Professor Yusuf Al-Qaradawi, Präsident des ECFR
Sheikh Professor an Qara Daghi , Vizepräsident des Rates.
Professor Ali alqorah Daghi, Vice President von ECFR
Sheikh Dr. Abdullah Judia Vizepräsident des Rates.
Scheich Dr. Abdullah Aljudaia, Vizepräsident des ECFR
Sheikh Dr. Mohammad Hussein Secretary General des Rates.
Sheikh Dr. Hussein Halawa GS
Scheich Dr. Ahmed Assistant Secretary – Allgemeine
Sheikh .Dr Ahmed Jaballah. MGS
Sheikh Najjar Professor Acanutorabdal.d Mitglied des Sekretariat
Sheikh Dr. Abdelmajid Najaar. AGS
Dr. Sheikh Arab Human. Mitglied des Generalsekretariats.
Sheikh Dr. Larabi Bechri MGS
Prof. Sheikh Ahmed Rawi
Sheikh Mr. Ahmed Alrawi
Sheikh Dr. Akram Kalash
Sheikh Dr. Amin Al – Hazmi
Sheikh Acanutoronas Kerkah
Sheikh Dr. Ounis Guergah
Sheikh Dr. Bakali Muffler
Sheikh Dr.Albaqqali Alkhammar
Sheikh Dr. Jasser Auda
Sheikh Prof. Dr. Jamal Badawi ,
Sheikh Prof. Dr. Hussain Hamid Hassan
Sheikh Dr. Hussein Kvazovic
Sheikh Dr. Hamza bin Hussein Al Fa’ar Sharif
Sheikh Dr.Khaled Hanafy
Professor Sheikh Rashid Ghannouchi.
Sheikh Dr. Salem Sheikhi.
Sheikh Dr.Salman Bin Fahd Alouda.
Sheikh Dr. Salah Sultan.
Dr. Sheikh Suhaib Hasan Ahmed
Sheikh Dr. Tahir Mehdi
Sheikh Dr. Abdul Sattar Abu Ghuddah.
Sheikh Dr. Abdullah bin Biyyah
Sheikh Dr.Abdullah bin Ali Salem.
Sheikh Prof. Dr. Ajil al Nashmi
Sheikh Professor Dr. Essam al – Bashir
Sheikh Mahboob Rahman
Sheikh Dr. Mohammad Ali Al Mansouri
Sheikh Muhammad Siddiq
Sheikh Dr. Mustafa Mlaooglu
Sheikh Nhat Ajaftjy Abdulkuddous

http://www.e-cfr.org/%D9%85%D9%86-%D9%86%D8%AD%D9%86/

Bin Bayyah war dort wohl auch mal Stellvertreter Qaradawis.

In Dublin also war im letzten Oktober der Weg wieder einmal sehr, sehr kurz zwischen Al Quaradawi und bin Bayya (sofern er teilnahm, keine Bilder/Beleg vorhanden) und Frankfurt bzw. Lützelbach.

Das, worüber man beriet, erschließt sich wohl besser im arabischsprachigen Original. Warum man bei einem Gremium, das für Europa Entscheidungen treffen will, die Texte etc. nicht in einer europäischen Sprache anbietet, erscheint für sich genommen schon einmal fragwürdig. Das erweckt den Eindruck, in die eigene Community Inhalte vermitteln zu wollen, diese aber einem allgemeinen Publikum in Europa, das mehrheitlich eben nicht der arabischen Sprache mächtig ist, eher nicht offen legen zu wollen. Schon gar nicht der Presse. So erschwert man, dass Fragen nach Sinn, Zweck, Legitimation und Wirkungsausübung dieses hochrangig besetzten Gremiums gestellt werden, die eigentlich zu stellen sind. Dieses Gremium, in dem viele als extremistisch einzustufende Personen sitzen, beratschlagte allerlei Politisches, auch zu Extremismus, den sie aber etwas anders definieren als dies in europäischen Gesellschaften gesehen wird. Sie selber empfinden sich nämlich als überaus mittig, auch wenn man z.B. die Hamas gut findet oder Frauen nicht mehr Rechte zubilligen mag, als ihnen nach den alten Schriften zustehen (man erinnere sich z.B. an das Seminar neulich vom Dr. Hanafy zum Frauenschlagen – für Frauen).

Man hat also ein völlig anderes Koordinatensystem. Ein islamistisches Wertesystem, das nicht hinterfragbar, nicht änderbar, sondern allenfalls dezent in Nuancen anders auslegbar ist oder über dessen Marketing man sich austauscht. Oder vielleicht gemeinsam überlegt, wie man das alte, islamistische Wertesystem in Europa so gefällig darbieten kann, dass europäische Beobachter kaum merken, dass ihnen ein identitäres, islamistisches System untergejubelt wird. Zum Beispiel, indem man einen aus der Reihe in Dalai Lama-Manier europäisch-medienwirksam den milden alten Mann geben lässt, während gleichzeitig junge und für naiv gehaltene Menschen das Banner eben dieses identitären und islamistischen Weltbilds für sich entdecken und – wichtiger noch – allen verkaufen sollen. Diese alten Werte möchte man nämlich über Strukturbildung – siehe Aufbau Parallel-, hier besser Gegengesellschaften an vielen Orten – in Europa voranbringen und unter dem Deckmantel kulturellen Empowerments und religiöser Identitätsfindung verbreiten. Da sind Seminare wie die von Dr. Hanafy, in denen über das Schlagen von Frauen schwadroniert wird, nur ein Baustein von vielen.**
Politik, getarnt als Kulturbeflissenheit und Frömmigkeit.

Man könnte ja mal die Herren Hanafy und Borgfeldt fragen, was man da so machte und plante. Es erscheint allerdings fraglich, dass man von den beiden Herren Antworten jenseits des Marketings erhält.

 

 

 

* Man beachte in dem Dokument von 1997 die Gegenstände der Beratungen. Schon damals wurde beklagt, dass Muslime in den Medien zu schlecht dargestellt würden. Da das deutlich vor 9/11 und IS war, muss es sich um einen regel- und gewohnheitsmäßig beklagten Zustand handeln, der nahezu unabhängig von den Zeiten ist. Ob ein Zustand zur Zufriedenheit zu erreichen ist, mag man da sinnieren.

** Man kann mangels Transparenz über die Inhalte nur spekulieren. In Anbetracht seiner sonstigen Einbindungen könnte man allerdings annehmen, dass den Frauen erklärt wird, dass MANN sie nicht zu dolle schlagen darf, die grundsätzliche Erlaubnis aber unangetastet bleibt (sonst gäbe es kein Seminar, sondern nur ein Wort dazu: „haram“).

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