Berlin: Verkennungen einer Begegnungsstätte

NBS: Eigen- und Fremdsicht

Die letzten Tage sorgte der „Moschee-Report“ von Constantin Schreiber für Aufsehen. Schreiber hatte eine Reihe von Moscheen besucht und  – mal verdeckt, mal offen – Eindrücke gesammelt. Diese Eindrücke wurden am 27.03.2017 gesendet, hier eine Zusammenfassung auf tagesschau online:

https://www.tagesschau.de/inland/moschee-report-101.html

Im Januar hatte Schreiber am Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam (FFGI) erste Einblicke gegeben und sich der Diskussion gestellt:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/01/13/zu-freitagspredigten/

Eine der besuchten Moscheen, die in Teil 1 Erwähnung fand, war die Berliner Dar Assalam Moschee, die auch als Neuköllner Begegnungsstätte e.V. (NBS) bekannt ist. Diese Einrichtung bzw. ihre Verantwortlichen fühlen sich aktuell verkannt und zu schlecht dargestellt.

Bei genauer Betrachtung ist diese Einrichtung jedoch sehr, sehr gut weggekommen in der Berichterstattung, da dem recherchierenden Team und Herrn Schreiber die vielfachen problematischen Einbindungen der Einrichtung und auch aktuelleren Betätigungen wohl nicht konkret bekannt waren.

In der verbreiteten Eigensicht der NBS sieht das nämlich so aus:

Die Neuköllner Begegnungsstätte leistet hervorragende Arbeit im Bereich Integration, Radikalisierungsprävention, Jugendarbeit und Dialog der Religionen. Genau wegen dieses unermüdlichen Einsatzes, der Transparenz und unserem Bemühen für ein gutes Miteinander in Neukölln und Berlin wird diese von politischen, kirchlichen und weiteren gesellschaftlichen AkteurInnen geschätzt. Es wird derzeit ein nicht zutreffendes Bild der Dar Assalam Moschee und ihrer Arbeit konstruiert, indem Dinge wissentlich unterschlagen oder in andere bzw. falsche Kontexte gestellt werden.

Aus dem Original:

 

Dieser Vorwurf an die ARD irritiert, er kommt aber nicht ganz überraschend.
Auch die Einlassungen der „Pressesprecherin der Neuköllner Begenungsstätte“ sind etwas bizarr. Dass die NBS eine Pressesprecherin hätte, wäre neu. Frau Villamor-Meyer taucht als solche nicht auf an anderen Orten im Internet im Zusammenhang mit der NBS. Das müsste also tatsächlich ganz neu sein.

Sie findet sich hingegen als Kontakt des „Berliner Forums der Religionen e.V.“:

http://www.berliner-forum-religionen.de/impressum/

Update 15.12.2017: Da gab es dem Anschein nach eine Veränderung, Frau Villamor-Meyer wird jetzt dort nicht mehr geführt. Beleg der damaligen Nennung:

Villamor Meyer 170330 VEREIN – Berliner Forum der Religionen

Die Frau Villamor-Meyer hat man also wohl ein wenig vorgeschickt: Sie weiß wahrscheinlich recht wenig über die NBS und kann sich daher auch nicht vertun. Ungeachtet dessen ist „Pressesprecher“ im Gegensatz zum erzeugten Eindruck nichts, was einer Form bedürfte: Beauftragen kann man, wen immer man beauftragen will.* Dass das „Berliner Forum der Religionen“ diesen mutmaßlichen Mummenschanz mitmacht, befremdet nachdrücklich auf den ersten Blick. Auf den zweiten schon nicht mehr, denn neben vielen Personen, die bereitwillig wohl nur nach der Selbstauskunft von Herrn Sabri schauen und alles nur an der „Realität dieser Person“ festmachen, sitzt im Koordinierungskreis dieses Forums auch Fereshta Ludin. Das sorgt wohl für den richtigen Drive:

http://www.berliner-forum-religionen.de/ueber-uns/koordinierungskreis/

Möglicherweise ist die Frau Villamor-Meyer also eine Art „Leihgabe“, immerhin macht man sich dem Anschein nach die Sicht der NBS zu Eigen:

 

Von der NBS trat tatsächlich also wohl niemand auf: Es steht der NBS natürlich frei, wen auch immer man will, zu beauftragen für eine solche Aufgabe. Man sollte dann aber schon einmal schauen, wie sich das wohl wirklich verhält.

Und Sabri selber?

Ob der Herr Sabri, der Imam der NBS, all seinen Gesprächspartner, von denen er sich wohl Vorteile verspricht, von den Besuchen und Veranstaltungen erzählt, die weniger für die Mehrheitsgesellschaft und deren Wahrnehmung und mehr für die Community gedacht sind? Wohl kaum. Zum Besuch der Berliner Bezirksbürgermeisterin Giffey in der NBS im letzten Juli:

Beim Berliner Verfassungsschutz raufen sie sich noch immer die Haare wegen dieses Besuchs. Sie führen den Moscheeverein im aktuellen Verfassungsschutzbericht als Verbindungsglied zur Muslimbruderschaft auf, einer panarabischen Organisation, deren Ziel ein islamischer Staat ist und aus der unter anderem die palästinensische Hamas hervorgegangen ist. Sie sehen Taha Sabri als Galionsfigur einer Terrororganisation. Mit so jemandem kuschele man nicht, finden sie. Und es macht ihnen Sorge, dass die Berliner Politik genau dies tut.

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/mohamed-taha-sabri-warum-der-verfassungsschutz-ein-problem-mit-diesem-imam-hat-24853040

Es gibt dem Anschein nach zwei Seiten der NBS. Die eine findet sich auf der Internetseite der NBS, sie ist wohl für die Mehrheitsgesellschaft (die NBS-Webseite ist wegen „geplanter Wartungsarbeiten“ gegenwärtig nicht verfügbar**):

https://web.archive.org/web/20160910154923/http://www.nbs-ev.de/index.php/events

Das ist der Vorstand:

https://web.archive.org/web/20160809105945/http://www.nbs-ev.de/index.php/2014-11-12-05-43-33/adm-2

Es werden, sofern Kritik öffentlich gemacht wird, solche Statements abgegeben. Das ist konsistent in der Sicht, wie man sie von sich in Mehrheitsgesellschaft und bei den politischen Entscheidern wohl haben möchte.


https://web.archive.org/web/20160913001629/http://www.nbs-ev.de/

Die „anderen Events“ findet man hingegen nicht auf der Internetseite. Die findet man zwar auch, aber nur über Umwege. Ob das „Berliner Forum für Religionen e.V.“ diese andere Seite kennt, darf durchaus bezweifelt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass man in Gänze weiß, wofür und für wen man da in die Bresche springt. Veranstaltungen, die nicht so „marktgängig“ sind in der Mehrheitsgesellschaft, die muss man erst einmal auffinden. Wie z.B. dieses hier:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/03/18/fatwas-made-in-germany/

und:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/07/10/muss-der-berliner-verfassungsschutz-vor-buergermeisterin-warnen/

In der NBS finden immer wieder solche problematischen Veranstaltungen statt. Auch „schön“:

Der Herr Al Arifi in der NBS mit einem äußerst gut gelauten Herrn Sabri daneben:

 

Das ist der – international bekannte Herr, der so etwas von sich gibt:

 

Aber der Herr Müller, die Frau Giffey und all die Herrschaften vom „Berliner Forum der Religonen“ vetrauen ja lieber auf die Selbstauskunft. Auf der Facebook Seite des letzteren wird sogar beherzt ausgerufen: „Es ist Zeit für eine positive Anerkennungskultur. NBS und Imam Taha: Weiter so machen und nicht einschüchtern lassen von Leuten, die zwar Vorurteile und Vorbehalte haben, aber offensichtlich keine Ahnung!

Nun, es gibt auch positive Vorurteile und man hat offensichtlich *überhaupt* keine Ahnung für wen oder was man da den Jockel und Testimonial abgibt.

Darauf ist also die Mehrheitsgesellschaft noch gar nicht so richtig aufmerksam geworden, was man ändern sollte, die NBS aber nicht erfreut. Lieber umgibt man sich mit Leuten wie denen vom „Berliner Forum für Religionen“, die persönlich bekannt sein mit Durchblick haben verwechseln und die so verliebt sind in ihre Projektionen, dass sie weder genau hinschauen noch durchblicken wollen.

Man redet zwar sehr von „Transparenz“, weil sich das gut anhört und man damit Eindruck macht. Zu viel Transparenz, also das für „die andere Community“, das ist nicht so gerne gesehen. Da wird aktuell überlegt, wie man diese Transparenz und vor allem auch die Wertung über das Vorgefundene wieder ausgleichen kann. In obigem Facebook-posting wird ja über das rechtliche Vorgehen geredet. Nur: Wahre Tatsachenbehauptungen und mediale Aufbereitung muss man bei öffentlichem Interesse hinnehmen, auch wenn es nicht gefällt. Es gibt eine Menge Urteile hierzu und erst kürzlich hat man sich höchstrichterlich noch einmal deutlich zur Pressefreiheit bekannt und geklärt, was alles hinzunehmen ist. Unwahres – dagegen kann man vorgehen. Aber Zutreffendes – da wird es schwierig. Alleine der artikulierte diesbezügliche Wille lässt ein angespanntes Verhältnis zur Meinungs- und Pressefreiheit ahnen. Wenn was falsch übersetzt wurde, ist es in Ordnung, dagegen vorzugehen. Das ist Rechtsstaat. Wenn hingegen nicht falsch übersetzt wurde, sollte man sich daran gewöhnen, dass die eigenen Betätigungen nicht nur wohlwollend gesehen werden. Das ist üblich und das ist normal. Man kann ja durchaus mal breiter über die andere Seite reden. Nur Leugnen ist halt nicht in Ordnung, wenn Fakten dagegen sprechen. Ungeachtet dessen, was dort nun herauskommt, bleiben die fragwürdigen Betätigungen und Einbindungen der NBS – da gibt es keinen Dissens oder Interpretationsspielraum hins. Übersetzungen und da gibt es auch kein Vertun.

In Relation zu dem, wie sich die Begegnungsstätte also darstellt in der Fremdsicht, ist sie aktuell noch recht gut weggekommen medial. Interessant ist im Übrigen auch, wer sich jetzt an die Seite der angeblich angegriffenen Einrichtung stellt. Eine noch freundliche und zutreffende Sicht wird schon als Angriff verstanden, anscheinend will man mit aller Macht durchsetzen, dass die Darstellungen a ´la Villamor-Meyer und Sabri die einzige medial verbreitete Sicht sind. Das allerdings wird nicht halten, jeder Nebel verzieht sich mal.

 

 

* Nachfrage auf der Fb-Seite des Forums lieferte keine Begründung.

** NBS Startseite, 30.03.2017:

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