Stralsund: Goethe war gut

Über die aktuellen Betätigungen des „Weimar Institut für geistes- und zeitgeschichtliche Fragen e. V.“

Das „Weimar Institut für geistes- und zeitgeschichtliche Fragen e. V.“ ist ein Verein, der maßgeblich auf die Initiative des Rechtsanwalts Andreas Abu Bakr Rieger und einiger anderer Konvertiten (vornehmlich) im Jahr 1996 zurückgeht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Weimar_Institut

Der Vereinssitz ist in Weimar. Das Institut ist Herausgeber der Islamischen Zeitung, deren Chefredakteur Stefan Sulaiman Wilms ist:

https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitung

In den Jahren nach 2000 wohl war das Institut in Potsdam aktiv:

Ganz anders sieht es in der Weinbergstraße 21 aus – die zweite Anlaufstelle für Potsdamer Muslime: das Gebäude des Weimar Instituts für geistes- und zeitgeschichtliche Fragen e.V.. Die hübsch sanierte Villa besitzt im Gegensatz zur Al Farouq-Moschee mehrere großzügige Räume für das Gebet. […] Neben Bosniern, Iranern und Marokkanern gehören vorwiegend zum Islam Konvertierte dem Institut an. Rund 50 Mitglieder hat der Verein in Potsdam, darunter viele Familien mit rund 40 Kindern.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Gebäude: Was die Gemeinden in der Leipziger und in der Weinbergstraße eint, ist ihre offizielle Ablehnung des politischen Fundamentalismus und seinem verkündeten Hass gegen die Werte des Westens. […] 

Vorwürfe anderer Art bestehen gegen das Weimar-Institut. Hinter ihm steht die international agierende Murabitun-Sekte. Der Potsdamer Instituts-Geschäftsführer Ahmad Gross war sogar Schüler des Sektenführers Ian Dallas, der sich Scheich Abdalqadir Al-Murabit nennt. Dallas soll in seinen Schriften Adolf Hitler „als erstaunliches und enttäuschend unerfülltes Genie“ gerühmt haben. Auch die deutsche Murabitum-Bewegung soll laut Verfassungsschutz schon in den 90er Jahren mit „aggressiv-antidemokratischen“ und „antisemitischen“ Publikationen auf sich aufmerksam gemacht haben. Jedoch sei bei der Gründung des Weimar-Instituts ein direkter Bezug zu den Murabitum vermieden worden – allerdings ohne im Kern von den Ideen des Scheichs abzurücken. Gegenüber den PNN bestätigte Gross diese Verbindungen.

http://www.pnn.de/potsdam/58971/

Zu den Betätigungen in Potsdam 2006/2007 siehe auch den Verfassungsschutzbericht des Landes Brandenburg 2008, S. 140:

http://www.verfassungsschutz.brandenburg.de/media_fast/4055/VSB_2008.pdf

Die Eigendarstellung des Instituts bzw. das Marketung der Betätigungen finden sich auf der Internetseite des Instituts:

In diesem Sinne lassen sich die regelmäßigen Aktivitäten und Angebote des Weimar Institut e.V. folgendermaßen gliedern:

• Bildungsarbeit und Dienstleistungen für muslimische Frauen und Jugendliche
• Organisation und Durchführung von Bildungsreisen
• Organisation und Durchführung von öffentlichen Vorträgen und Seminaren
• Teilnahme an und Mitgestaltung von Dialog-und Trialogveranstaltungen, Seminaren und Podiumsdiskussionen
Bürobetrieb in Weimar, als Dienstleistung für Kulturinteressierte aus aller Welt.
• Kooperation mit öffentlichen Schulen im Bereich Dialog, Integration und Information
• allgemeine Integrationshilfe
• religiöse Hilfestellung und Beratung für junge und neue Muslime
• Kooperation mit kulturellen und sozialen Einrichtungen in Europa und Afrika
• Betrieb eines Seminarzentrums in Stralsund
• Größere Textübersetzungen
• „Tag der Begegnung“
• Kurse zum Studium von Quellentexten
• Vorträge und Seminare
• Interreligiöser Dialog
• Sprachkurse Deutsch für ImmigrantInnen und StipendiatInnen
• Sprachkurse Arabisch für Erwachsene, Jugendliche und Kinder
• Stadtführungen durch & Seminare in Weimar“

http://www.weimarinstitut.net/

Das liest sich sehr vielfältig und so, als ob („regelmäßig“) am Stammsitz Weimar eine relevante und breite Arbeit stattfinde (einmal davon abgesehen, dass öffentliche Schulen sicher nicht mit einer solchen Organisation kooperieren wollen, wenn sie im Bilde sind über die Ausrichtung und v.a. die Beobachtung).

Zu den aktuellen Betätigungen in Thüringen bzw. am Sitz Weimar erklärt auf Anfrage das Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales hingegen:

Beim „Weimar Institut“ handelt es sich um einen Verein, der mit einer Postadresse in Weimar (Briefkasten) gemeldet ist. Er verfügt über einen Internet-Auftritt. Seit seiner Anmeldung vor einigen Jahren sind in Thüringen keine Aktivitäten öffentlich bekannt geworden. Lediglich der Vereinsname stellt Bezüge nach Thüringen dar.

Der Verein betreibt eine Moschee in Stralsund/Mecklenburg-Vorpommern.

Die Darstellungen sind also nicht ganz kongruent.

Das Institut plant nun eine Begegnungsstätte mit Andachts-/Gebetsraum in Stralsund.
In einer aktuellen Antwort auf eine Kleine Anfrage gibt die MV-Landesregierung bekannt, dass die Stralsunder Zweigstelle dieses Instituts unter Beobachtung des Landesamtes für Verfassungsschutz MV stehe:

http://www.verfassungsschutz-mv.de/cms2/Verfassungsschutz_prod/Verfassungsschutz/content_downloads/Anfragen/Drs-7-250.pdf.

In der Ostsee-Zeitung gab es die Tage verschiedene Beiträge hierzu.

http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Stralsund/Muslime-planen-Begegnungszentrum

http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Stralsund/Muslime-planen-Kulturzentrum-am-Kuetertor

http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Stralsund/Islamisches-Weimar-Institut-fordert-zum-Dialog-auf

In einem der Artikel in der OZ lässt sich der Herr Wilms dahingehend ein, man weise den Vorwurf des Islamismus zurück und werde dagegen „gegebenenfalls“ juristisch vorgehen.

Das aber wundert nun etwas. Das Institut steht wohl nicht erst seit kurzem im Fokus der Behörden. Man hätte gegen die Beobachtung und die Einstufung bereits vorgehen können (gegenüber dem Verfassungsschutz). Tat man das nicht? Und wenn nicht, warum nicht? der Herr Rieger ist doch Rechtsanwalt. Ihm sollten die rechtlichen Möglichkeiten, gegen eine angebliche Fehleinschätzung verwaltungsrechtlich vorzugehen, präsent sein. Es wäre nicht ganz nachvollziehbar, wäre man diesen Schritt nicht gegangen, wenn man sich fehleingeschätzt glaubt..

Interessant auf der Seite des Instituts sind nun einige bekannte Protagonisten:

Quelle: Screenshot 25.04.2017, eigene Markierungen http://www.weimarinstitut.net/

Auf dem Bild: Mit der roten Krawatte der Herr Rieger. Unter dem Goethe-Schiller-Denkmal nach rechts blickend der Herr Wilms. Die markierte Dame ist wohl die Frau Fereshta Ludin. Und unten links markiert Mohamed Ibrahim und rechts Eren Güvercin. Mohammed Ibrahim ist der Imam einer Wolfsburger Einrichtung, der für diese muslimbrudernahe Moschee Gelder aus den VAE besorgen konnte:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/04/05/moschee-report-diesmal-eine-ganz-andere-moschee/

Auch Frau Ludin dürfte über beste Kontakte verfügen.

Vielleicht möchte der Herr Schech Al Qasimi, nachdem in München seine Spendengelder doch nicht „angelegt“ werden konnten, nun in Stralsund sein frommes Werk tun?

Oder die neue Herausforderung in Stralsund ist Teil der Wachstumsstrategie der Muslimbruderschaft in Ost-Deutschland?

http://www.mdr.de/sachsen/verfassungsschutz-meyer-plath-muslimbrueder-aktiv-in-sachsen-100.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verfassungsschutz-warnt-vor-muslimbruedern-im-osten-14871916.html

Sozusagen outgesourcet an die Murabitun, weil die halt schon vor Ort sind?

Fragen über Fragen.

Eine der sinnvollsten dürfte sein, woher bei der Unternehmung in Stralsund das Geld stammen soll. Herr Rieger betont ja auf der eigenen Seite und in Bezug auf die Islamische Zeitung (was dann sicher auch für das Institut gelten dürfte):

Trotz dauerhafter Geldnot versuchen wir, einigermaßen professionell zu arbeiten.

http://www.abubakrrieger.de/biografie-2/

Das gelingt ja auch.

Das mit der Geldnot erscheint aber hinsichtlich der offiziellen Zahlen durchaus zutreffend, hier einmal die beiden letzten dokumentierten Geschäftsjahre:

Quelle: Screenshot Bilanz im Bundesanzeiger Geschäftsjahr 2014, Abruf 25.04.2017

Und 2015:

Quelle: Screenshot Bilanz im Bundesanzeiger Geschäftsjahr 2015, Abruf 25.04.2017

 

Mit Bordmitteln erscheint das also kaum zu bewerkstelligen. Man sollte daher einmal schauen, wie man sich das vorstellt, konkrete Planung, Finanzierungsaufstellung, Zeitschiene. Gründlich. Oder um es mit Goethe zu sagen: „Mehr Licht!“*

 

 

Weiter lesenswert dazu:

http://jungle-world.com/artikel/2001/51/24713.html

* Es erscheint fraglich, ob das Goethe tatsächlich sagte. In diesem Kontext, in dem Goethe, Schiller und die anderen, kulturell für hochwertig gehaltenen Altvorderen jedoch für allerlei Schabernack herhalten müssen, macht das auch nichts mehr aus.

 

Update 04.05.2017:

Eine Zusendung eines Bildes vom Klingelschild der Stralsunder Filiale lässt die Aussage des Thüringer Innenministeriums zusätzlich glaubhaft erscheinen (auch wenn sich deren Aussage auf die Weimarer Einrichtung bezog). :

 

2 Gedanken zu „Stralsund: Goethe war gut

  1. Ein zugesandter Kommentar:

    “ Kommentar zu Stralsund: Goethe war gut.
    Dem Begründer der Murabitun Ian Dallas oder dann Abdalqadir Al-Murabit bin ich Mitte der 80er Jahre während einer Wochenendveranstaltung begegnet, die in dem damaligen Sufi-Zentrum Haus Schnede in der Lüneburger Heide stattfand. Es mag 1983 oder 1984 gewesen sein. Sein Auftreten war freundlich – britisch. Er dozierte über Juden und den Kommunismus, die für ihn eine Einheit bildeten. Schlimmer noch waren seine Versuche und auch die seiner britischen Follower, frisch konvertierte junge Menschen für die, wie er es nannte, islamische Weltrevolution zu werben. Er verlegte kurze Zeit später seine unheilvolle Tätigkeit nach Granada. Woran ich mich noch sehr gut erinnere war die Beschreibung der Twin Towers als die beiden senkrechten Striche im Dollar als Zeichen der Geldherrschaft. Die Zerstörung war für ihn damals schon nötig, weil er sich davon erhoffte, den Faden, der den Geldkapitalismus hält zu kappen.
    Knapp 15 Jahre später war es dann soweit. Er sprach damals auch immer von „wir“ und es ist ja deutlich geworden, das er weder allein war, noch ist.
    Dieser Gesellschaft droht, wenn überhaupt, ein böses Erwachen.“

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