Koordinierte Intransparenz

Über einen Rat, der keine übliche Struktur hat – wie sich der Koordinationsrat der Muslime zusammensetzt

In Berlin wurden heute „15 Thesen für Zusammenhalt in Vielfalt“ vorgestellt: Das Ansinnen ist lobenswert, die Zahl der Vertreter der Gesellschaft ist groß und es sind wirklich viele gesellschaftliche Gruppen repräsentiert::

http://kulturelle-integration.de/thesen/

Mit dabei war jedoch auch der „Koordinationsrat der Muslime“ (KRM), vertreten durch Aiman Mazyek. Den Zentralrat der Muslime kann man in der Auflistung dort nicht finden:

 

Es kann schon verwundern, dass die anderen (fast , s.u.) allesamt ordentlich organisierten Vereine und Verbände eine Einzelperson, hinter der eben nicht mindestens vereinsrechtlich organisiert ein Rat steht, sondern nur sozusagen eine Wannabe-Struktur, akzeptieren. Der KRM ist eine Absprache mit Geschäftsordnung, mehr nicht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Koordinationsrat_der_Muslime_in_Deutschland

http://www.religion-recht.de/2010/08/geschaftsordnung-des-koordinationsrates-der-muslime-in-deutschland/

Aus dieser Geschäftsordnung:

Die Büroleitung ist bis auf weiteres bei der DITIB.“

Ob die Mitgliederversammlungen schon nach dieser Geschäftsordnung ordnungsgemäß einberufen und abgehalten wurden, ist ganz unklar. Wie viel gesellschaftlichen Einigungswillen mit auch nur dezent von der eigenen Linie abweichenden Personen und Strukturen Verbände haben, die es sogar im Eigeninteresse in 10 Jahren nicht vollbracht haben, sich auf eine gemeinsame verbindliche Struktur zu einigen, sei einmal dahingestellt. Man kann darin bestenfalls einen nicht eingetragenen Verein sehen oder eine nicht rechtlich spezifizierte Gesellschaft. Ruft man das Impressum im Webarchiv (Stand 28.12.2016) auf, so wird die VIKZ angezeigt:

https://web.archive.org/web/20161228002900/http://www.koordinationsrat.de/4/6.html

Vielleicht hat man sich abgewöhnt, beim Herrn Mazyek nach der Struktur und der Beauftragung zu fragen: Man(n) steht für sich.

Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration stehen für eine weltoffene Gesellschaft.“ heißt es da. Nun, das trifft für die allermeisten aufgeführten Organisationen zu. Beim KRM bestehen jedoch jenseits des Eigenmarketings erhebliche Zweifel an diesen hehren Zielen, s.u.

Will man sich auf der Seite des Koordnationsrats informieren, so greift man zur Zeit ins Leere. Es ist aktuell eine Umschaltung zum VIKZ e.V. gelegt, dessen Seite aber als „Aktuelles“ nur 2 Jahre alte Pressemitteilungen enthält. Hier zum Ausprobieren:

 

Im Webarchiv ist einsehbar, dass dies noch im Januar dieses Jahres anders war. Dort kann man einsehen, dass man noch seitens des Rates auf den Anschlag vom Breitscheitplatz reagierte:

Quelle: Screenshot KRM webarchiv 17.01.2017, Abruf 16.05.2017

https://web.archive.org/web/20170113124419/www.koordinationsrat.de/

Welche Strukturen sind denn nun alles drinnen im Rat nach Eigenangabe (als sie noch verfügbar war)?

Schaubild KRM nach Eigenangaben

ZMD = Zentralrat der Muslime
VIKZ = Verband der islamischen Kulturzentren
IR = Islamrat, der eine ebenfalls für Außenstehende intransparente Binnenstruktur hat und IGMG-dominiert scheint*
DITIB ist sie selbst
IGD = Islamische Gemeinde Deutschlands, in der nach Verfassungsschutz auch Muslimbrüder organisiert sind
ATIB = Ein Abkömmling der sog. „Grauen Wölfe“ nach Bundestagsdrucksachen und Verfassungsschutz
IGMG = Milli Görus, die länderweise vom Verfassungsschutz beobachtet wird

Wenn er denn, ja, mehr wäre als eine mit Geschäftsordnung verfasst scheinende Absichtserklärung, wäre das eine tatsächlich breite Vertretung des organisierten konservativen bis fundamentalistischen Islam in Deutschland. Da bestehen bei so einigen Thesen Zweifel, ob die jenseits der heutigen Papierform, die ja auch eine Absichtserklärung darstellt, vom KRM tatsächlich mitgetragen und gelebt werden. Das kann man sich bei manchen Unterstrukturen selber beantworten.

Sogar das eher unkritische bis sehr wohlwollende domradio merkte vor einem Jahr schon an:

Koordinationsrat der Muslime erfüllt bislang kaum seine Funktion
Dringender Reformbedarf
Er soll den rund vier Millionen Muslimen in Deutschland eine Stimme geben. Doch derzeit ist der Koordinationsrat der Muslime weitgehend lahmgelegt. Das soll sich nach den Vorstellungen seines derzeitigen Sprechers bald ändern.

Wer sich auf der Internetseite des Koordinationsrats der Muslime (KRM) etwa über die muslimische Sicht auf die Flüchtlingskrise, die Attentate von Paris oder die Gewalttaten von Köln informieren will, findet nichts.

Koordinationsrat fehlt öffentliche Wahrnehmung […]

https://www.domradio.de/themen/islam-und-kirche/2016-02-02/koordinationsrat-der-muslime-erfuellt-bislang-kaum-seine-funktion

Hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung hat der Herr Mazyek heute sicherlich zumindest sein Bestes gegeben. Das ist ihm wahrscheinlich geübt gelungen, denn es fragt anscheinend keiner mehr nach, siehe Mitgliederliste der Initiative.

An all diese anderen Beteiligten sei aber die Frage gestellt: Überprüft man nicht, bevor jemand geladen wird? Ist „persönlich bekannt“ über die Eigendarstellung dasselbe wie eine ordentliche Vertretung, wie es bei fast all den anderen Mitgliedern der Initiative der Fall ist?**

Man kann solche Initiativen ja machen. Auch mit dem KRM (sofern es mind. ein Verein ist, also etwas Verbindliches) und auch mit den NDO (sofern auch dort ein Mindestmaß an Struktur da ist) , s.u..
Aber ein wenig mehr Ordnung, Transparenz und tatsächliche Verbindlichkeit wären schön.

 

 

*
https://de.wikipedia.org/wiki/Islamrat_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland

**
Man kann das auch bei den „Neuen Deutschen Organisationen“ fragen, wo u.a. auch die Gülen-Bewegung mitmachen soll. Es stellt sich die Frage, warum man bei den „Alten deutschen Organisationen“, nicht einfach als Gleicher unter Gleichen (und wo das nicht gegeben ist, dafür streiten!) mitmachen mag. Siehe auch Positionen:

http://neue-deutsche-organisationen.de/de/ueber-uns/positionen/

Auch bei den „Neuen Deutschen Organisationen“ sieht es im Impressum etwas seltsam aus:

Quelle: Screenshot „Neue deutsche Organisationen“, Impressum, Abruf 170516

http://neue-deutsche-organisationen.de/de/kontakt/impressum/

Da stehen dann nur noch die „Neuen Deutschen Medienmacher“. Ob und wie sie ihre „Mitglieder“ vertreten, ob das überhaupt so mit allen genannten abgesprochen ist, bleibt unklar. Ob die Mitglieder sich überhaupt als Mitglieder der „Neuen Deutschen Organisationen“ sehen, also mehr als eine Darstellungplattform, sondern auch mit Wirkung gegen Dritte, auch. Ruft man die Liste auf, wird eine Teilnehmerliste an einem Bundeskongress der „Neuen Deutschen Medienmacher“ von 2015 gezeigt. Klickt man die Organisationen an, steht da sderen Selbstdarstellung. Wer da vertritt, welche Legitimation da besteht, alle diese genannten Organisationen zu vertreten, bleibt im Vagen. Die NDM hätten doch z.B. – siehe Mitgliederliste – einfach als sie selber auftreten können. Das wäre doch ganz ok gewesen. Aber Vertretung?

Da stellen sich durchaus Fragen.

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