Nur nicht drüber reden

Über den neuen Vorstand des Frankfurter „Rats der Religionen“

Der Frankfurter Rat der Religionen hat sich aktuell neu konstitutiert:

http://rat-der-religionen.de/portfolio/frankfurter-neue-presse-berichtet-ueber-neuen-vorstand

Leider wurde die Chance zu einem echten Neuanfang versäumt. Die jüdische Gemeinde ist immer noch außen vor, es gelang offensichtlich nicht, sie wieder einzubinden. Die neue Aufstellung, der Vorstand:

„Prof. Dr. Joachim Valentin
Dr. Karsten Schmidt
Saber Ben Neticha
Dr. Christophe Fleege
Dr. Armin Eschraghi“

Die gesamten Mitglieder:

http://rat-der-religionen.de/ueber-den-rat/mitglieder

Alternativ wird jetzt anscheinend darauf gesetzt, Information und damit auch mögliche Kritik an einzelnen Ratsmitgliedern bzw. an deren Entsendungsstrukturen  dadurch zu verunmöglichen, dass man auf Intransparenz setzt:

Quelle: Seite des Frankfurter Rats der Religionen, Abruf 18.05.2017

 

Herr Taskinsoy ist – nicht nur auf diesem blog – an vielen Stellen im Internet auffindbar als Person, die für DITIB-Strukturen auftritt. Bis vor wenigen Monaten war er als Delegierter für die DITIB auch beim Rat der Religionen Frankfurt aufgeführt:

 

Ob sich da aktuell etwas geändert hat oder ob das weiterhin so ist, er also Delegierter für die DITIB ist, man dazu nur nicht öffentlich stehen mag, ist nicht bekannt. Und man sorgt – offensichtlich vom restlichen Rat gebilligt – dafür, dass es intransparent bleibt oder wird.

Ähnlich verhält es sich bei Herrn Neticha. Er saß für den Deutsch-Islamischen Vereinsverband e.V. (DIV) im Rat. Nunmehr will wohl man verschwimmen lassen, für wen er Delegierter ist. Immerhin steht der DIV unter Beobachtung des Landesamtes für Verfassungsschutz. Die Seite des DIV, auf der Herr Ben Neticha als Vorstandsmitglied geführt wurde, ist seit über einem halben Jahr im Wartungszustand:

https://www.div-rm.de/

Auch der Verein Salam e.V. war im DIV, die Vereinsvorsitzende im Vorstand als Frauenbeauftragte:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/10/09/nur-friede-am-krankenbett/

Klicke, um auf Workshop%202.pdf zuzugreifen

Darüber soll also anscheinend nicht geredet werden.

Transparenz geht anders.

Von Seiten des Integrationsdezernats weist man leider dem Anschein nach auch nicht auf die nicht satzungsgemäße Zusammensetzung des Rats hin. Delegierte können nämlich nur Vertreter von Religionsgemeinschaften sein. Der DIV ist – jenseits des problematischen Ansatzes, Delegierte von unter Beobachtung stehenden Vereinen einzubinden – nämlich wegen seiner Zusammensetzung (Hilfsverein!, Pflegeverein!, Seelsorgeverein!) keine Religionsgemeinschaft. Der Verein Salam e.V. ist nämlich selber auch keine Religionsgemeinschaft – er bietet zwar muslimische Seelsorge an, aber das definiert eben keine Religionsgemeinschaft. Das ist im Prinzip ein islamischer Dienstleister. Bitte dazu einmal das städtische Justiziariat befragen, der „Rat der Religionen“ erhält nicht irgendwelche öffentliche Zuschüsse, oder? Und selbst, wenn es nicht so ist: Eine satzungsgemäße Zusammensetzung sollte doch das Mindeste sein.

„Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit, auf gemeinsame Veranstaltungen, Projekte und den regelmäßigen Austausch mit den Mitgliedern des Rates“, so Weber. „Gerade wenn es um die interkulturelle Öffnung der Verwaltung und die Umsetzung des 10-Punkte-Plans des Oberbürgermeisters geht, wird der Rat der Religionen auch zukünftig eine zentrale Rolle spielen.

http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar%5B_id_inhalt%5D=32292206

Da sehr viele Mitglieder nicht nur deutsche Staatsbürger sind, sondern auch kulturell nicht so anders, wie anscheinend im Integrationsdezernat wahrgenommen, befremdet der Ansatz, Kultur nur über Religion zu erfassen. Kultur ist nicht nur Religion. Es ist ein durch die Integrationsdezernentin aufgegebenes Rätsel, was wohl Delegierte, deren Entsendungsstrukturen so weit ausserhalb der verfassungsmäßigen Ordnung stehen, dass sie unter Beobachtung stehen, zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung beitragen mögen. Aber darauf findet man keine Hinweise öffentlich, sondern nur den pauschalen Glückwunsch. Nun denn.

Es bleibt als Fazit, dass der Rat einen Mummenschanz mitträgt, der befremdet. Am meisten jedoch irritiert, dass man den „Dialog“ mit Strukturen verfestigt, obwohl sie unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen, während man den Dialog mit der jüdischen Gemeinde wohl für entbehrlich hält.

Aus der Satzung des Rats:

und wichtige Signale an die örtlichen Gemeinden und die Stadtöffentlichkeit senden.

http://rat-der-religionen.de/ueber-den-rat/satzung

Das aktuelle Signal ist mindestens, dass der Rat seine eigene Satzung nicht allzu ernst nimmt. Zumindest nicht dann, wenn es wichtig wäre und mal etwas unbequem. Dass er beim § 3 a) absichtlich wegschaut bzw. der Meinung ist, dass die Ratsmitglieder besser wissen als der Verfassungsschutz, was unter „Achtung des Grundgesetzes“ zu verstehen ist, erscheint äußerst fragwürdig. Die Mehrheitsgesellschaft soll das aber wohl dem Anschein nach lieber nicht so explizit wahrnehmen. Das alles erscheint so, dass man sich lieber vor der Debatte drückt – vor der mit den entsendenden islamischen Organisationen, aber auch vor dem zur Mehrheitsgesellschaft hin. Das alles funktioniert nur, weil man sich mit einigen städtischen Akteuren wohl einig ist. In einem anderen Kontext nennt man so etwas „Hinterzimmer“.

Was einem das über die Ratsmitglieder sagt?
Das sei jedem selbst überlassen.

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