Mönchengladbacher Bürgerwehr

Bildung neuer Struktur: „Germanys Muslims forever“

In Mönchengladbach war vor einigen Jahren auch zeitweise die Gruppierung „Einladung zum Paradies“ aktiv. Vor dem Hintergrund einer lebhaften salafistischen Szene gab es erhebliche Kontroversen mit der Mehrheitsgesellschaft:

http://blog.zeit.de/joerglau/2011/10/13/einladung-zum-paradies-wie-die-salafisten-in-monchengladbach-scheiterten_5144

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/salafisten-in-moenchengladbach-verfuegten-ueber-halbe-million-euro-aid-1.6306333

Aktuell bildet sich – zumindest nach Eigenangabe – dort wieder eine problematische Struktur. Unter der Vorstellung, Muslime als ganze Gemeinschaft litten unter nicht mehr überschaubaren und zunehmenden Übergriffen, wird ein allgemeiner Verteidungsfall der Ummah imaginiert und in die nahende Zukunft verlegt. Aber auch jetzt schon stattfindende Ereignisse mahnt man an und will man erhindern. Auch wenn selbstredend jeder der kürzlich berichteten Vorfälle (200 in den ersten Monaten dieses Jahres, wobei allerdings auch eher nur verbale Ausfälligkeiten mitgerechnet werden) einer zu viel ist: Im Gegensatz zur Selbstwahrnehmung und -darstellung erscheinen Muslime nicht als Gruppe, die tatsächlich auf der Straße andauernd Übergriffen ausgesetzt wäre, auch wenn dies vereinzelt vorkommt. Die häufige Wiederholung des Opfer-Narrativs von Bernhard Falk bis hin zu Aiman Mazyek hinterlässt jedoch Wirkung in der Community.

Ein Mönchengladbacher Konvertit ist aktuell der Meinung, dass man sich „bereit“ machen müsse. Unter aggressiven Tönen hat er „Germanys Muslims forever“ gegründet, eine Organisation, die an das Rocker-Milieu erinnert:

 

 

Innerhalb kürzester Zeit haben sich Unterstützer gefunden:

Quelle: fb-Seite von Marcel Knust, Abruf 11.06.2017

 

Das Logo:

 

Die religiöse Motivation und Konnotation unterscheiden allerdings deutlich vom Rockermilieu:

 

Auch ein Video gibt es schon:

„Sie sollen wieder Respekt vor dem Islam haben“ sagt der Herr Knust, und meint damit wohl v.a. die Nichtmuslime:

 

Immerhin über 12.000 Klicks. Fortsetzung:

 

Zu den Rückmeldungen merkt er an:

Quelle: Facebook-Seite von Marcel Knust, Abruf 11.06.2017

 

Wer nun meint, der Herr Knust sei doch sicher jemand, den mit solchen Haltungen nur wenige beachten, der irrt: Der Herr Knust hat immerhin die Höchstzahl an Facebook-Freunden, also schon mal eine nicht unerhebliche Zahl an Personen, die seine Ergüsse mitkriegen. Auch die Zahl der Aufrufe der Videos lässt auf einen gewissen Rückhalt in der Szene schließen.

Geplant ist wohl so eine Art Bürgerwehr, man möchte „für den Fall der Fälle bereit sein“. Es wird von einem „Schutz der Moscheen“ erzählt. Ziel ist vor allem jedoch der „Respekt vor dem Islam“. Man kann sich berechtigt fragen, warum ein Nichtmuslim den Islam respektieren müsse. Dass antimuslimischer Rassismus inakzeptabel ist, ist klar. Aber evtl. gewalttätig „Respekt“ für eine Ideologie einzufordern – das übersteigt denn doch die Grenzen statthafter Religionsausübung, da man sich ja als Religionsgemeinschaft sieht. Der Herr Knust stellt zwar fest, dass man keine neue religiöse Gruppe im Sinne einer theologischen Abspaltung sei, man bezeichnet sich aber als solche (Facebook). Personen mit solcher Grundeinstellung halten ihre Religion für etwas, das „beleidigt“ werden könne ( = Mangel an Respekt). Wer Rechte wie sie eigentlich nur Personen zustehen, auch für seine Weltanschauung fordert, möchte seine Ideologie immunisieren. Schon über die Weltanschauung anderer Meinung zu sein, beleidigt da schnell einmal Gefühle und der Herr Knust ist anscheinend der Meinung, dass man sich das nicht mehr trauen können sollte. Nun – die Forderungen vom Herrn Knust werden wenig an der Meinungs- und Pressefreiheit ändern, wenn er auch Einzelpersonen vielleicht ein wenig Furcht einflößen kann mit seinem verbalen Säbelrasseln.

Auch wenn das ganz frisch ist, ist aus den Darstellungen doch eine erhebliche Militanz und Aggressivität trotz der expliziten Benutzung des Wortes „Frieden“ erkennbar. Die Entwicklung dieser Struktur sollte aufmerksam verfolgt werden.

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Ein Gedanke zu “Mönchengladbacher Bürgerwehr

  1. Es wird interessant sein, zu beobachten, wieviel die Justiz einer islamistischen Bürgerwehr/Selbstjustiz im Vergleich zu deutschen /patriotischen Bürgerwehren erlauben wird.

    Außerdem halte ich es für extrem gefährlich, wenn Rechtsradikale sich zum Islam bekennen und ihre demokratiefeindlichen Ideen nun unter dem religiösen Deckmantel verbreiten dürfen. Man stelle sich einmal einen islamistischen Neonazi vor, der nun zwar nicht mehr an Rassenreinheit glaubt, dafür aber an die Überlegenheit von Menschen, die sich als Ausersehene ihres allmächtigen einzig wahren Gottes begreifen, die Jagd auf Ungläubige machen dürfen und laut Koran, machen sollen.
    Das ist eine sehr gruselige Allianz.
    Der extreme/radikale/fundamentale Islam in den Händen von Nazis. Das käme einer göttlichen Legitimation (Sure9, Vers 5, ohne Haditen) zum Abschlachten vieler Menschen gleich. Eine entsetzliche Vorstellung!!

    Dass sich Islamisten in NRW immer breiter machen, war vorhersehrbar. Denn besonders hier wird dem Islam fast jede Freiheit eingeräumt und er ist politisch erwünscht.
    Weil man unter „Islam“ nur seine wirklich friedlichen Formen verstehen wil, die keine verfassungsfeindlichen Strömungen darstellen. Damit will man zwar versuchen, friedliche Moslems nicht zu brüskieren, das wirkt sich aber auf der anderen Seite fördernd auf demokratiefeindliche Kräfte im Islam aus, weil auch diese von unseren Toleranzgesetzen profitieren.

    Ich halten eine Anpassung der Politik und unserer Gesetze für dringend erforderlich, traue dies jedoch den amtierenden Politikern nicht zu.

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