Gießen: Es hat geklickt

Über ein fundamentalistisches Portal aus Gießen

Der Facebook-Account „Mach`s klick?“ wendet sich an ein jüngeres Publikum, dem islamische Inhalte in einer islamistischen Auslegung nahe gebracht werden sollen. Verschiedene Beiträge auf dem Portal waren auf dem blog schon einige Male genannt worden, z.B. hier:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/09/16/hippe-fundis/

Dieses jüngere Publikum wird zunehmend erreicht. Die Seite hat mittlerweile über 24.000 Nutzer:

 

Betreiber ist der türkischstämmige Gießener Turgay Altıngeyik,

Er möchte, dass jeder Lebensbereich vom Glauben durchdrungen wird. Das Leben soll völlig auf den Glauben und das Jenseits ausgerichtet werden. Ohne Ausnahme sollen seine Zuschauer dahin gebracht werden, von der Gottesfurcht gesteuert zu werden. Er versucht, Angst zu wecken. Angst, die auch die Abtrennung von anderen Menschen bedeuten soll, die nicht derart glaubensstreng sind. Von Eltern wird isoliert, wenn sie nicht den Regeln, wie er sie vorgibt, folgen. Von anderen Menschen, die seine Anhänger beeinflussen oder auch nur sozial einbinden könnten, sowieso. Soziale Isolation, Segregation. Deren Kritik deutet er als Einflüsterungen des Teufels um, die seine Anhänger verbrennen würden, folgten sie ihnen. Er weckt eine Dauerangst vor dem Tod, die eine solche Hinwendung bewirken soll.
Die Haltungen und die Aggressivität des Vorbringens zeigen einen Fanatiker auf, dessen Anhänger dies aber als nützliche „Ermahnungen“ sehen:

Quelle: Screenshot Bewertungen der Seite „Macht`s Klick“ Abruf 10.09.2017

Diese Videos finden Zuschauer. Manche werden über 30.000 mal angeschaut, die links zu ihnen werden hundert- oder taisendfach geteilt.

Wie sieht nun das reale Leben aus?

In Gießen gibt es u.a. die „Islamische Jugend Gießen“. Die Gruppierung war schon 2014 ins Visier der Sicherheitsbehörden gekommen, da sie salafistische Propaganda u.a. von Ibrahim Abou Nagie, Pierre Vogel und Marcel Krass verbreitete. Die Gruppe traf sich physisch wohl bei der Islamischen Gemeinde Gießen (IGG), wie die Giessener Allgemeine Zeitung zuerst herausfand

Bei der Islamischen Jugend Gießen, die eine Facebook-Seite betreibt, handelt es sich offenbar um eine unabhängige Gruppe, die zu keiner der Gießener Moscheegemeinden gehört. Auf diese Feststellung legt jedenfalls die Islamische Gemeinde Gießen wert, in deren Räumen die IJG bis zum Frühjahr dieses Jahres [2014, SHM] Veranstaltungen durchführte.“

http://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/art71,96159

Die „Islamische Gemeinde Gießen“ ist eine Einrichtung, die eine klassische Doppelstrategie verfolgt, wie sie für Einrichtungen, die der Muslimbruderschaft nahestehen, zu beobachten ist. Frei nach den Worten eines hochrangigen deutschen Funktionärs: „Man kann alles machen – wenn man es nicht an die große Glocke hängt.“

Zur Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und zur Stadtpolitik hin wird die Begegnung gesucht. Schaut man dann auf den Facebook-Account der Gemeinde, finden sich all die hochrangigen und seit vielen Jahren bekannten Personen aus den Muslimbruderstrukturen: Von Dr. Khaled Hanafy bis hin zu Dr. Ahmed Khalifa ist alles da. Ein Video auch vom Fatwa-Auschuss (erwähnt im Berliner Verfassungsschutzbericht) von ersterem. Oder der Vorsitzende des unter Beobachtung stehenden RIGD, Taha Amer, korrekt zugeordnet und beschriftet:

 

Hier der Herr Altıngeyik auf einem Bild der Gemeinde, das Ende Juli 2014 hochgeladen wurde. Anscheinend eine Art Ausflug (man beachte aber das Muslimbruderzeichen bei Einzelnen)?

 

Noch mal größer:

 

Oder hier:

 

Liebevolle Porträt-Aufnahme des nach Medienberichterstattung wohl von der IGG „exkommunizierten“ Altıngeyik, der mit seiner Jugendgruppe nicht dazugehört haben soll, die trotzdem die Moschee nutzen durfte:

 

[War da nicht mal was mit: „Richtige Religionseinbindung immunisiert? Nur so ein Gedanke.]

Aber was ist das? Die nicht dazugehörende Jugendgruppe, sogar mit „offiziellen“ Bannern:

 

Eine Jugendgruppe, die nur die Räume nutzt, wird schwerlich von einer Gemeinde derart angekündigt auf die eigene Facebook-Seite übernommen. Da scheint der Herr Altıngeyik doch ganz gut in das Gemeindeleben eingebunden gewesen zu sein – aber das war ja auch vor der Berichterstattung.

Ende Juli 2014 fand dann auch das hier in Gießen statt, eine Anti-Israel-Demo mit 1200 Teilnehmern:

Auch die weiteren Redner wie Alice Karkhiran, Mohammed Johari und Turgay Altingeyik forderten etwa Freiheit für Palästina.

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/demontrationen-1200-menschen-ziehen-durch-die-innenstadt–gegenkundgebung-mit-100-teilnehmern_14377854.htm

Aus welchen Gemeinden die 1200 Teilnehmer wohl kamen? Ging dahin der Ausflug? Mohammed Johari wirkt immer wieder in Muslimbruderzusammenhängen (s. z.B. „der nette Muslimbruder von nebenan“ auf diesem blog). Die IGG war oder ist auch Mitglied des August 2016 unter Beobachtung gestellten Deutsch-Islamischen Vereinsverbandes Rhein-Main (DIV). Der hatte im gleichen Zeitraum zu einer Anti-Israel-Demo aufgerufen, der in Frankfurt auch relevant Personen nachkamen.

Treibende Kraft bei der IJG, die im September mit einem Infostand in der Fußgängerzone Präsenz zeigte, ist offenbar ihr Prediger, der in etlichen Videos auftritt. Er gehörte Ende Juli auch zu den Hauptrednern bei der großen Gießener Free-Gaza-Demonstration gegen den Militäreinsatz Israels im Gaza-Streifen.

http://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/art71,96159

Vielleicht fiel die angeblich nicht dazu gehörende Jugendgruppe ja auch vor der Berichterstattung nicht auf in der Gemeinde, weil man sich in wesentlichen Punkten nicht so fern ist. Es gibt wohl wesentlich mehr Schnittmengen und Kenntnisse des Vorstands, als die IGG öffentlich zugeben mag. Es ist ja ein verbreitetes Schema, dass man erst Nichtwissen, dann Nichtkennen vorschützt und schließlich einräumt, wenn die Belege gar zu erdrückend sind, dass „die“ irgendwie nicht dazu gehörten.

Die Jugendgruppe jedenfalls antwortete in gewohnter Weise:

Die IJG spricht von »haltlosen Vorwürfen«, die auf »Vermutungen und fehlerhaften Beobachtungen« beruhten. Auch sei die Beobachtung durch den Verfassungsschutz »kein Beleg für verfassungsfeindliches Handeln, sondern ein Beleg dafür, dass man bisher keinen Beweis für solches hat«.

http://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/art71,96438

Der Facebook-Account der Islamischen Jugend Giessen gint nicht sehr viel her:

https://www.facebook.com/IslamischeJugendGiessen

Der youtube-Kanal ist leer und wurde wohl gelöscht.

Aber der Instagramm-Account existiert noch:

https://www.instagram.com/islamische_jugend_giessen/

Herr Altıngeyik versucht, v.a. junge Muslime gegen diese Gesellschaft aufzubringen. Das maßgeblich von ihm getragene Portal „Macht`s Klick“ wurde etwa einen Monat nach der Berichterstattung 2014 über die „Islamische Jugend Giessen“ ins Leben gerufen. Sicherlich ist er noch im Raum Giessen aktiv. Mittlerweile hinterlegt er seine Videos oder nimmt gleich im Freien auf. Die älteren Videos zeigen jedoch teilweise verschiedene Innenräume von Moscheen. Er findet wohl immer wieder einmal Orte, an denen er tätig sein kann.

Herr Altıngeyik ist Freiberufler, sein Angebot nennt er „Pixeltouch“:

https://www.xing.com/profile/Turgay_Altingeyik

Wegen der wachsenden Bedeutung und dem sich vergrößernden Zugang anscheinend nicht nur zu Giessener muslimischen Jugend sollte man das in Gießen im Blick haben. Und die Oberbürgermeisterin sollte sich fragen, warum sie ausgerechnet Moschee-Vereine aufwertet zur Stadtgesellschaft hin, deren gesellschaftsgestaltende Vorstellungen mehr beim Modell von Medina sind denn bei „Vielfalt leben“ (was sie zur Mehrheitsgesellschaft hin vorgeben). Sie sollte sich mal beim Verfassungsschutz erkundigen, wo sie da hingeht. Dort darf es dann gerne mal „klick“ machen.

 

 

 

 

 

 

 

* Falls noch letzte Zweifel hinsichtlich der Ausrichtung der IGG vorhanden sein sollten, hier ein Veranstaltungsplakat der IGG, auf dem der Frankfurter Khaled El Bakri zu sehen ist mit Yusuf Al Qaradawi. Das Foto stammt von einer Reise im Jahr 2011, bei der eine ganze Reisegruppe u.a. mit Ferid Heider und Dr. Bilal El Zayat eine Art Privat-Audienz bei einem der weltweit einflussreichsten Muslimbrüder erhielt:

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