Leipzig: Imam-Franchise

Kopie eines vermeintlichen Erfolgsmodells

Über die Einbindungen des in der Deradikalisierungsarbeit eingesetzten Hesham Shashaa u.a. war gestern berichtet worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/13/hesham-shashaa-der-janus-imam/

Bei Claudia Dantschke muss man annehmen, dass sie die ideologische Grundhaltung Shashaas erkennen und sie ebenso wie die von z.B. Muhamed Ciftci oder Hassan Dabbagh zuordnen konnte.
Sogar derart problematische Personen als Gesprächspartner in Betracht zu ziehen, lässt vermuten, dass Grenzziehungen eher diffus und von der persönlichen Wirkung abhängig waren. Wer mit jedem redet, kann dem Irrglauben verfallen, dass schon das Gespräch ein Gewinn sei, dass seine persönliche Wirkung dies ermögliche und nicht die äußeren Bedingungen und die Absichten seines Gegenübers. Die Selbsttäuschung, man könne selber prinzipiell nicht getäuscht werden oder sich schlicht irren in der Beurteilung einer Person, ist möglicherweise Ausdruck einer Selbstüberschätzung. Ausnahmslos jeder kann sich mal irren. Insbesondere bei Personen, die es auf Täuschung anlegen, kann die Authentitäts-Simulation äußerst eindrucksvoll und einnehmend sein. Um so wichtiger ist es, bei problematischen Personen einen mindestens zweiten Blick auf die Person und die Handlungen werfen zu lassen. Dialog ist kein Selbstzweck. Dialog, der die „schwierigen Themen“ außen vor lässt, ist wenig weiterführend. Sicher gab es nicht öffentlich genug warnende Stimmen.

Nach der aktuellen Berichterstattung des BR gibt das BAMF an, bereits 2015 gegenüber Hayat bekundet zu haben, dass man Shashaa als Deradikalisierer für ungeeignet halte. Stimmt dies, so hat sich Hayat über die Sichten nicht nur der Sicherheitsbehörden, sondern auch die eines seiner Zuwendungsgeber hinweggesetzt. Letztlich zu verantworten hat das Dr. Bernd Wagner, der als Geschäftsführer von Hayat und dem ZDK fungiert:

http://hayat-deutschland.de/impressum

http://zentrum-demokratische-kultur.de/zdk/

Das wurde also von der Leitung zumindest nicht unterbunden. Die Leitung ist die einzige Instanz, die das hätte unterbinden KÖNNEN. Bitten und Forderungen von außen müssen von der Leitung berücksichtigt werden; schlussendlich bleibt einem Auftraggeber bei einem Dissens nach vergeblichem Anmahnen zur Ausführung nur die Aufkündigung der Beauftragung. Auch Einflüsse von Kollegen sind letztlich nicht zielführend. In einer Firma wird zu Recht von den Angestellten erwartet, dass sie Kritik zuerst intern äußern und dies nicht öffentlich tun*. Im Gegensatz zu einem Verein, den man meist ohne größere Folgen verlassen kann, ist eine Arbeitsstelle etwas anderes.

Warum das ZDK die Einbindung von Shashaa wohl sogar gegen einen der Zuwendungsgeber weiter verfolgt hat, lässt sich kaum noch mit pekuniären Gründen erklären. Man hält sich m.M.n. anscheinend nicht nur für unfehlbar, sondern auch für unersetzlich? Es erscheint als Selbstüberschätzung und eine Kette von Vertrauensvorschüssen, die wie bei einer Spekulationsblase zu einer deutlichen Überbewertung führte. Existiert eine solche Blase erst einmal, wird eine sachgerechte Beurteilung der einzelnen Handlung schwierig, denn die Beteiligten am Ende der Blase haben oft viel mehr zu verlieren als die am Anfang.

Strukturell ging man andere Wege. Vernetzung ist ein Weg, die eigenen Interessen zu sichern. Die eigenen Interessen können auch schwierige eigene Meinungen oder Handlungsmaximen umfassen, die man aber durchsetzen will.

In einer Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG) wird dies auch deutlich. Man organisiert sich u.a. gegen die Zuwendungsgeber, macht in gewisser Weise sein eigenes Ding:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/19/wer-schuetzt-vor-dieser-praevention/

Als Gesprächspartner zur Politik hin kann man dann – theoretisch – Gegennarrative gesellschaftlich installieren, wenn man wollte. Hat man flankierend Zugang zu Meinungsbildnern, z. B. einen speziellen Zugang zu Medien oder bestimmten Medienvertretern, kann man das – theoretisch – medial flankieren. So ist Claudia Dantschke (wie übrigens Daniel Bax auch**) bei den „Neuen Deutschen Medienmachern“ (NDM) aktiv, die für oft durchaus berechtigte und nachvollziehbare Anliegen eintreten, aber n.m.M. auch manchmal eher schwierige Dinge propagieren. Wer hört noch auf die Sicherheitsbehörden, wenn Medienvertreter das freundliche Gesicht von Claudia Dantschke präsentieren, die naturgemäß mehr zu jedweder Sache sagen darf als Sicherheitsbehörden? Hat man Zugang zu Informationen, die für Journalisten interessant sind, kann man dies auch jenseits direkter Kontakte durchaus – theoretisch – für sich nutzen. Gegenseitige Dependenzen könnten da eine Rolle spielen. Das Image ist besonders dann wichtig, wenn es an fassbarem wie Zahlen mangelt***.

Eine weitere dieser Strukturbildungen besteht seit letztem Jahr in Sachsen:

https://www.projekt21ii.de/kompetenzverbund-extremismus-kve-sachsen-gegruendet/

Neben Claudia Dantschke arbeitete auch Solveigh Prass nicht nur mit Hesham Shashaa:

Doch der Imam kooperiert erfolgreich mit Claudia Dantschke und Solveigh Prass und bespricht am Rande des Leipziger Treffens nächste Maßnahmen. Adam sagt, er betreue derzeit etwa zehn bis zwölf Jugendliche in ganz Sachsen und darüber hinaus.„****

Klicke, um auf swr2-wissen-20160409.pdf zuzugreifen

Dort läuft überdies mit „eigenem“ Imam so eine Art Salafi-Imam-Franchise mit der Kindervereinigung Leipzig e.V.:

Klicke, um auf Programm_Fachtag.pdf zuzugreifen

Frau Solveig Prass, die durchaus m.M.n. ihre Verdienste im Bereich der Aufklärung zu Sekten hat, bietet anscheinend seit einiger Zeit Deradikalisierung an:

https://eine-frage-des-glaubens.de/leipzig/stationen/

Der dort eingesetzte Imam heißt richtig (Eigenangabe!)  Muhammad Mansour.

 

Der Herr Mansour ist ein Wegbegleiter von Hesham Shashaa seit Münchner Tagen und er findet diese Einrichtung, die lange unter Beobachtung des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz stand, auch aktuell noch richtig, richtig gut. Wenige Wochen alte verbalisierte Wermutstropfen:

Ein bisschen her, aber ein so schönes Gruppenbild mit „Sheikh“:

 

Zum Menschenbild:

 

Da passt wohl in jeder Hinsicht kaum ein Blatt Papier zwischen die Haltungen des einen wie des anderen.

Man tritt auch sicher Frau Prass nicht zu nahe, wenn man sie für weniger erfahren im „Deradikalisierung-Business“ bezüglich Islamismus hält als Frau Dantschke. Weniger Eigenerfahrung und weniger verläßliche Eigeneinschätzung, zudem womöglich die Empfehlung von Frau Dantschke und Herrn Shashaa – das war doch sicher die Basis eines wunderbaren… Vertrauensverhältnisses. Da es sich so gut machte und so unwidersprochen blieb, wurde diese Art Franchise sicher als bereichernd empfunden. Da wurde dann wohl nahezu völliger als völlig vertraut (weil man kaum anders kann und auch wohl nicht des Arabischen mächtig ist) und gleich dem Anschein nach sehr deutlich delegiert:

 

Auf dieser Basis nimmt man demokratiedistante Haltungen einfach hin, um vermeintlich den Dialog z.B. über konkrete sicherheitsrelevante Haltungen führen zu können, auch wenn die Hinnahme der demokratiedistanten Haltungen im Vorfeld genau Gewalt durchaus wahrscheinlicher macht: Die demokratiedistanten Narrative liefern Erklärungsmuster, die nicht notwendigerweise Gewalt direkt billigen, die sie aber in gewisser Weise legitimieren können und sie im Ergebnis wahrscheinlicher machen. Sollten sich die Vorwürfe hinsichtlich des Herrn Shashaa bewahrheiten, so steht darüber hinaus nicht nur mangelnder bzw, fraglicher Nutzen für die so Angesprochenen im Raum, sondern auch verdeckter Schaden ist möglich.

Vielleicht sollte man in Leipzig das weniger zu einer Frage des Glaubens machen. Oder nur Personen betrauen, die nicht nur Vertrauen zur Basis einer Zusammenarbeit machen. Kontrolle – das muss man wollen und können. Fehlt entweder der Wille oder das Können, dann duldet die Gesellschaft solche Gegengesellschaften nicht nur, sondern befördert und finanziert sie.

 

 

 

* Daniel Bax mit einem Ablenkungsversuch m.M.n.:

http://www.taz.de/!5444639/

**
http://www.neuemedienmacher.de/ueber-uns/der-verein/

*** siehe auch:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/09/metamagie/

**** Diesen Zahlenangaben wurden damals nicht widersprochen. Woher sie stammen mögen?

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