Vernebelt: Ein Werbefilm für Taha Sabri

Wie 3sat mit einem Dokumentarfilm einen Gegen-Narrativ zum Verfassungsschutz aufbaut

Die Neuköllner Begegnungsstätte e.V. (NBS) war auf diesem blog schon mehrfach Thema. Die Berliner Einrichtung taucht seit Jahren im Berliner Verfassungsschutzbericht auf und wird allgemein als Einrichtung gesehen, die relevant in das Netzwerk der Muslimbruderschaft eingebunden ist. Die Einbindungen der Einrichtung und die Betätigungen wesentlich verantwortlicher Personen sind eindeutig zuordnungsfähig. Eindeutig ist auch die Doppelstrategie, die verfolgt wird. Will man sich solchen Protagonisten journalistisch nähern, muss man solche Strategien kennen, sonst macht man sich, vielleicht ohne es zu wollen, gemein.

Heute abend wird von 3sat ein Film ausgestrahlt, der unter Zentrierung der Eigenauskünfte der NBS ein sehr einseitiges, mindestens aber tendenziöses Bild dieser Einrichtung und seines Imams entwirft. Der Film wurde von der „Keil Kruska Film UG“ im Auftrag von 3sat/ZDF produziert und angekauft. Verfassungsgegner kommen breit und nicht eingeordnet zu Wort:

https://www.3sat.de/page/?source=%2Ffilm%2Fdokumentarfilm%2F193843%2Findex.html

Auf dieser Seite ist der Beitrag bereits anzusehen. Ab den Minuten 28:45 und ab 36 der Herr Heider.

Der Eigenpropaganda wird breiter Raum gegeben, Vorwürfen hingegen kaum nachgegangen:

Ihm wurden und werden immer noch Verbindungen zu anderen als radikal eingestuften muslimischen Vereinen in Deutschland nachgesagt. Was genau an den Vorwürfen dran ist, bleibt bis heute weitgehend nebulös. Die Berichterstattung erschien uns oft oberflächlich und bestand häufig im Wiederkäuen tendenziöser Vorgängerartikel. Das filmisch miterleben zu können, war erhellend und es war interessant zu sehen, wie hoch der Druck in den Zeiten einer aufgewühlten und unsicheren Gesellschaft und Öffentlichkeit auf die im Fokus des Zweifels stehende Minderheit der Muslime wirkt.

Nein, eigentlich ist da nichts „nebulös“, sofern man ordentlich recherchiert bzw. sich nur ein wenig Mühe gibt, so man sie sich denn geben will.

Da findet sich nämlich einiges bei ordentlicher Recherche.
Es ist aber auch schon hinreichend, wenn man in der Lage ist, den Verfassungsschutzbericht verstehend zu lesen. Wenn man den nicht versteht, hätte man sicher eine erläuternde Stellungnahme der zuständigen Behörde einholen können. Es bleibt offen, ob man das tat.
Nur lesen und verstehen muss man den Bericht schon, bevor man solche Behauptungen in die Welt setzt. Anscheinend haben die filmenden Damen auch nicht zur Kenntnis genommen, dass hinsichtlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin herauskam, dass die Staatskanzlei eben nicht das Votum des Verfassungsschutzes einholte bzw. dieses überging.

Bei Rechtsextremisten wäre eine ähnlich auf Identifikation abzielende Aufbereitung, die sich fast ausschließlich die Sicht der Betroffenen zu Eigen macht, zu Recht undenkbar. Den berechtigten und begründeten Vorhalten wird nicht substanziell nachgegangen. Anscheinend, man kennt sich dem Text zum Film nach seit 2013, wollte man einen Film drehen, der eine muslimische Integrationsfigur nachzeichnet. Man hat sich i.W. die Eigenangaben dieser Person zu Eigen gemacht, anscheinend ohne stärker herausfinden zu wollen, was nun die Realität hinter diesen Vorwürfen ist. Deswegen vielleicht auch der Kniff, den Protagonisten nur bei der Betrachtung der Presse zu zeigen, wohl keine Stellungnahmen derjenigen einzuholen, die diese Vorwürfe begründen könnten. Der besagte Nebel oben blieb wohl mit Absicht, denn man hätte nachfragen können – was man zumindest in meinem Fall – nicht tat. Das anvisierte schöne Bild hätte vielleicht leiden können, was man nicht wollte, kann man vermuten.

Extra für die verantwortlichen Journalistinnen Antje Kruska und Judith Keil und die Redaktion, die wohl ankaufte:

Man kann eine Menge Dinge aus dem „Nebelfeld“ wissen, sofern man schon nur die Berichterstattung der Kollegen ausreichend wahrnimmt. Um diese Berichterstattung der Kollegen wurde aber herumgefilmt. Deswegen hier ein paar Dinge, die die filmenden Damen nicht sahen vor lauter „Nebel“.

Ehrung durch die Islamische Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD), Text (mittlerweile gelöscht, warum wohl?):

https://web.archive.org/web/20160126025108/http://igd-online.de/jahreskonferenz-2015-rueckblick/

Und ein nettes Bild (sogar noch verfügbar, mit dem Herrn El Zayat auf eben dieser Jahrestagung):

 

Die von der IGD verliehene Urkunde in groß:

Quelle: Screenshot fb-Account IGD, Jahrestagung 2015

 

Gruppenbild mit den Herren Sabri, Heider, El Zayat und der Frau Dr. Taraji:

 

Ein Video der beiden IGD-Vertreter El Zayat und Dr. Taraji bei der Mädchengruppe der NBS. Auch Ferid Heider ist dabei (auch er war auf dem IGD-Jahrestreffen Ende 2015):

 

Es gibt viele weitere Belege zu diesen Einbindungen. Ob man wohl einmal beim Verfassungsschutz nachfragte nach deren Sicht? Es wird direkt in die Kamera der Journalistinnen hinein die Unwahrheit gesagt. Nachprüfen der Aussagen der „Integrationsfigur“? Fehlanzeige.

Hier ist ihre „autonome Integrationsfigur“ bei den Herrschaften von der Palästinensichen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD), die in Deutschland als Vertreter der Hamas gelten:

 

Und hier bei einer Demo mit diesen Herrschaften:

 

Fazit:
Die Autorinnen belassen es nicht dabei, den Zuschauern in dem online-Auftritt wahrheitswidrig zu verkünden, die Vorwürfe seien „nebulös“. Wer, wenn nicht Journalisten, könnten evtl. bestehende „Nebel“ lüften? Das aber scheint nicht das Intendierte bei dieser Doku.

Wir konnten so auch mitbegleiten, dass der mit dem Verdienstorden der Stadt Berlin geehrte Imam ein Dreivierteljahr später in den Fokus der medialen Kritik geriet, nachdem ein Journalist recherchiert hatte, dass Sabris Moscheeverein bereits wiederholt im Berliner Jahresverfassungsschutzbericht erwähnt worden war.

Offenkundig las man den selber nicht.
Die Kritik besteht schon wesentlich länger, schon als verschiedene Hassprediger nachweislich in die von den Journalistinnen so gelobte Einrichtung eingeladen wurden. Es gibt Bilder von diesen Treffen z.B. aus 2013. Wie kann man so lange herummachen, ohne das wahrzunehmen? Als Journalistinnen? Ob es der Auftrag war, etwas zu fabrizieren, was ein schönes Bild entwirft, wissen nur die verantwortliche, abnehmende Redaktion und die Macherinnen des Films. Im Ergebnis wurde ein Film produziert, der nah am Eigenbild der Berichtsobjekte ist, aber die objektive Beurteilung weiter im Nebel belässt. Mehr noch: Man baut  ein Gegenbild zu einer objektiven Sicht auf, das darauf abzielt, den eigenen Narrativ der NBS zu stützen. Dokumentation? Nun, vor allem viel Folklore, viel Meinung, wenig Recherche. Ein unreflektierter Werbefilm für Taha Sabri.

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