Leicht gemacht

Eine Meinung zu dem Fernseh-Beitrag „Warum macht Allah es uns so schwer“

Man stelle sich einmal eine Sport-Berichterstattung vor: Der Reporter beschreibt, dass eine „niedrige zweistellige Zahl an Personen“ auf dem Feld sei. Sie teilten sich auf in zwei Gruppen, die lustige bunte Hosen tragen. Sind das die Löwen Frankfurt, die da spielen? Gegen die Rhein-Neckar-Löwen? Boateng (?) gibt ab an – wer ist das? Steffi Graf? – und schießt. „Ja, ja, alle neune!“. Hinterher, nach der Pressekonferenz, wird verkündet, es sei ein spannendes Spiel gewesen mit vielen schönen Gelegenheiten „einzulochen“. Roger Federer und Sebastian Vettel hätten angegeben, eine sehr gute Saison gehabt zu haben.

So etwas wäre undenkbar. Man würde von dem Reporter berechtigt annehmen, dass er nicht weiß, welche Mannschaften auf dem Platz sind, was überhaupt ablief und vor allem: Welche Sportart war das noch mal?

Bei der Bearbeitung des komplexen Themenfeldes Islam ist es hingegen manchmal ein bisschen anders. Da geht mancher heran, ohne sich über die Protagonisten eingehender zu informieren, ja anscheinend ohne grundlegende Recherche-Lust, zu erkunden, mit wem er überhaupt zu tun hat. Die Eigenauskunft genügt und wird nicht hinterfragt. Wenn man so herangeht, also die Personen vornehmlich in ihrer Eigenwahrnehmung und Selbstdarstellung zentriert, dann kann man lange „begleiten“ und bleibt doch nur an der Oberfläche. Eine solche journalistische Arbeit war neulich schon einmal zu der Neuköllner Begegnungsstätte vorgelegt worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/25/ein-werbefilm-fuer-taha-sabri/

Es ist natürlich journalistisch statthaft, so zu verfahren. Das wäre auch akzeptabel, ginge es nur um den Alltag der Weinkönigin von Michelstadt.* Da wäre das ein Bild aus der Gesellschaft, mehr Unterhaltung als Aufklärung, nahezu belanglos jenseits des Unterhaltungswerts. Da es beim Thema Islam jedoch komplexer ist und bei den jeweiligen Akteuren auch die Frage nach der Verortung relevant ist, da es um Einschätzungen des Verfassungsschutzes geht, um gesellschaftliche Einbindungen und oft genug auch kurz- oder mittelfristig um öffentliche Gelder, kann dieser Ansatz bei diesem Thema nicht genügen. Da kann es nicht ausreichen, naiv an eine Darstellung zu gehen, weil man sonst Gefahr läuft, sich instrumentalisieren zu lassen. Oder alternativ eine eigene Agenda nur zu bebildern (was man aber nicht unterstellen solle).

Der Bericht:

http://www.ardmediathek.de/tv/Gott-und-die-Welt/Warum-macht-Allah-es-uns-so-schwer/Das-Erste/Video?bcastId=2833732&documentId=47694310

fängt dramatisch an, es wird auf das Berliner Attentat verwiesen. Solche Vorfälle polarisierten, schüfen Angst und den Vorwurf, Muslime selber täten nicht genügend gegen Radikalisierung. Muslime, die sich aktiv gegen Radikalisierung einsetzen, wollte man finden. Der Autor Niko Apel hat sich offensichtlich aber nicht eingehender über seine Protagonisten informiert. Die Reportage lebt nur vom Augenblick, in dem die Kamera dabei ist und und gefilmt wird. Apel wollte Muslime finden, die sich für ein gutes Miteinander einsetzen. Ja, die gibt es. Die beiden zentrierten Personen sind das jedoch eher nicht, sofern man nicht nur die Absage an physische, selbst ausgeübte Gewalt darunter versteht. Die Ansprüche werden niedrig gehalten: „Ron versucht ein Islamverständnis zu vermitteln, das den Jugendlichen helfen soll, in Deutschland konfliktfrei zu leben.“ In seinem Gespräch mit den Schülern am Anfang leuchtet bei der Diskussion zu nichtehelichem Sex auf, wie er die unterschiedliche Sicht der Geschlechter auflöst: Beides [gemeint ist die nichteheliche sexuelle Betätigung von Frauen und Männern] sei „gleich schlimm“. Auf die Idee, dass Religion sich nicht in die persönliche und schon gar nicht die fremde Sexualität einzumischen habe, kommt man nicht, ist zu tief verhaftet in der reaktionären Sicht. Ist wirklich etwas gewonnen, wenn in einer fiktiven Zukunft nicht nur Brüder Schwestern überwachen, sondern auch Schwestern ihre Brüder? Woher diese rückwärtsgewandte Sicht kommt, kann man ergründen.** Der Herr Weber machte, bevor er zusammen mit anderen von VPN rekrutiert wurde, u.a. den Verein „Lichtjugend“:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/21/religion-als-geeigneter-zugang/

Nicht nur in Berlin sollte man wahrnehmen, wofür die steht. Nicht nur, weil er seit einiger Zeit für VPN arbeitet, sondern auch, weil er – das ist dem Beitrag zu entnehmen – (wieder) eine „Akademie“ gründen will. Ein paar sympathische Bilder genügen nicht, um die Haltungen da zu erfassen und auch auf dem Hühnerhof wird man da wenig schlauer.

Und der zweite Protagonist, der Herr Mustapha Lamjahdi, vom Herrn Apel zum Präventionsarbeiter geadelt, der in Frankfurt agiert? Bei der Atassamoh Moschee, bei T.U.N unter anderem und in einem Jugendrat? Der vorgeführt wird als Person, die für ein gutes Zusammenleben eintritt? Ja, der Herr Apel hat das Gesicht zur Mehrheitsgesellschaft hin dokumentiert. Mehr aber auch nicht.

Denn da gibt es die anderen Seiten. Solche z.B.:

 

Das ist der Herr Lamjahdi mit dem Herrn Qaradaghi (s. Beiträge auf diesem blog). Das findet man SOFORT, wenn man das Profil vom Herrn Lamjahdi anschaut und auf die Fotos geht. Das ist also völlig offen. Nur wenn man halt nicht schaut oder schaut, aber nichts erkennt, hält man das vielleicht für ein Selfie mit einem netten älteren Herrn mit einem lustigen Hut bei einer netten kulturellen Begegnung. Das ist es natürlich nicht.

Das war wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit (Qaradaghi war im März 2016 in Berlin, man vergleiche den Hintergrund):

https://vunv1863.wordpress.com/2016/03/18/fatwas-made-in-germany/

Zum direkten Vergleich:

 

Die vom Herrn Apel beschworenen liberalen Muslime wissen von solchen Terminen eher nichts. Und sie würden auch an einer solch fragwürdigen Tagung nicht teilnehmen. Geschweige denn, dass sie stolze Selfies mit einem Aufwiegler und Antisemiten wie dem Herrn Qaradaghi machten. Solche Personen, die u.a. in der Internationalen Union Muslimischer Gelehrter (IUMS) aktiv sind, stehen für einen fundamentalistischen Islam, der nur mühsam derzeit auf weitgehende Unsichtbarkeit der „anderen Seiten“ für die Mehrheitsgesellschaft setzt. Eine klassische Strategie, wie sie die Muslimbruderschaft und einige andere taktisch vorgehende Akteure verfolgen. Sie setzen darauf, dass es die Mehrheitsgesellschaft gar nicht so genau wissen will. Aber genau dieses nicht wissen wollen ist im Grunde auch eine Form von Abwertung. Nur Personen, die man eben nicht ernst und für voll nimmt, nimmt man nicht beim Wort. Alle anderen müssen akzeptieren, dass sie als erwachsene Personen an Worten und Taten, an Haltungen und Positionierungen gemessen werden. DAS ist die viel beschworene Augenhöhe.

Zwischendrin im Beitrag wird gezeigt, wie bei einer Veranstaltung eloquente „Demokratiegegner“ aufträten. So ist zumindest die Zuordnung durch den Sprecher. Diese Stimme und Zuordnung aus dem off suggeriert, dass die anderen somit Demokratiebefürworter seien. Sind sie das? Sind Qaradaghi-Fans „Demokratie-Befürworter“ im Sinne der Mehrheitsgesellschaft oder nicht nur in dem Sinn, wie sie z.B. die Muslimbruderschaft gutheißt? Also mehr als Gesellschaftsform, die man aushöhlen kann, um von einer pluralen Gesellschaft mittel- und langfristig wegzukommen? Als Spielfeld, auf dem man unter Beibehaltung identitärer Vorstellungen auf Zeit spielen kann, wenn man temporär keinen Punkt erzielen kann?

Nein, das, was eingangs des Beitrags versprochen wurde, nämlich Muslime zu zeigen, die für einen „aufgeklärten Islam“ stünden, war in dem Beitrag nicht zu finden. Der Herr Apel hat nur die Personen, die er bei wohl eiliger Suche vorfand, flott zu dem Gesuchten erklärt.*** Mehr nicht.

Modern ist da nur das Marketing, das hier wieder einmal verfing. Allah macht es schwer? Nun, der Journalist machte es da eher leicht. Vor allen Dingen sich, weil er eine durchaus ambivalente und komplexe Lage nur passend auf das wohl Gewünschte reduzierte. Der Zuschauer könnte, wüßte er um diese andere Seite, sich etwas genasführt fühlen. Man könnte auch sagen: Der Beitrag ist unterkomplex. Ob das Absicht ist? Wer weiß das schon.

 

 

* Nichts gegen die Weinkönigin von Michelstadt, sofern es eine solche überhaupt gibt. Das ist nur eine Metapher.

** Die natürlich frei steht. Als Journalist sollte man dies aber zumindest wahrnehmen. Bei den „Zwölf Stämmen“ oder den „Zeugen Jehovas“ beispielsweise würde man ja auch nicht einfach deren Waldspaziergänge ohne Einordnung ablichten oder nur berichten, dass man doch so schöne Jugendarbeit machte.

*** „Mustafa streitet weiter unermüdlich für die Demokratie.“ lässt Herr Apel den Sprecher sagen. Ist das so? Vielleicht möchte er nur, dass die Jugendlichen bei „seiner Strömung“ bleiben. Die aber ist, wenn man Qaradaghi-Fan ist, weit genug im problematischen Bereich, um nicht zu beruhigen.

Ein Gedanke zu „Leicht gemacht

  1. Tja, die ard.
    Mal wieder versucht sie uns offenbar fundamentalistische Muslime als „moderate“ zu verkaufen. Etikettenschwindel würde ich sowas nennen. Eine menschenrechtswidrige Herrschaftskultur wie der Islam hat es natürlich nötig, sich als Wolf im Schafspelz zu verkaufen. Käme der offen daher, wie aktuell in Syrien in Form des IS, würde er sofort schwer bekämpft werden. Aber mit dieser perfiden Strategie findet er in den heutigen Machern bei den öffentlich-rechtlichen die nötigen Vasallen für seine klammheimliche Ausbreitung. Vasallen, die von „kampf gegen rechts“ dermaßen verblendet sind, dass sie in jedem Ausländer automatisch nur den Heilsbringer sehen. Vor allen, wenn er milde lächelnd von der von uns garantierten Religionsfreiheit schwafelt. „Der will doch nur beten“ werden sie sagen, ebenso wie manch kaltschäuzige Zeitgenossen ihre kinderzerfleischenden Kampfhunde mit dem Satz „der will doch nur spielen“ zu verteidigen suchten. Die hatten eben eine spezielle Vorstellung von Spiel Hund-mit-Mensch, ebenso, wie Fundamentale auch „nur“ ein spezielles Verständnis von ihrer „Religionsausübung“ haben.

    Dabei gibt es wirklich „moderate Muslime“. Etwa Necla Kelek oder Hamed Abdel-Samad, aber auch Mina Ahadi u.v.a.m.. Ich habe die öffentlich-rechtlichen (ör) immer wieder auf diese Personengruppe hingewiesen, wenn es darum geht, echte moderate Muslime für Doku und Information der Bevölkerung zu finden, die wirklich ein Teil unserer Gesellschaft sein wollen und scharfe Krtik an den Fundamentalen äußern. Aber offenbar geht diese Information spurlos an den Verantwortlichen in den ör komplett vorbei.
    Mittlerweile wundert mich das auch gar nicht mehr sonderlich. Peter Scholl-Latour beschreibt in seinem Buch „Der Fluch der bösen Tat“ sehr anschaulich, wie fundamental-muslimische Unterwanderung funktioniert. Vom „Recht auf die Lüge“, dass im Koran verankert ist, wird bei dieser Strategie ausführlich Gebrauch gemacht. Auch Abdel-Samad geht in seinem neuen Buch „Der islamische Faschismus“ ausführlich auf diese Unterwanderungstaktiken ein.
    Man kommt nicht umhin Respekt vor soviel Cleverness zu empfinden.
    „Hirnverbrannte Wüstensöhne“, wie sie mancherorts abfällig tituliert werden, sind das ganz sicher nicht! Sie verfügen über jahrhundertelange Erfahrung in Eroberungsstrategien, die sie nun offenbar munter bei uns einsetzen. Und das bisher mit sehr großem Erfolg, wie man am Beispiel ör mit großer Deutlichkeit ablesen kann.
    Die Verantwortlichen dort bekleckern sich aber nicht gerade mit Ruhm, wenn sie bisher immer noch glauben, oder vorgeben zu glauben, dass sie von „moderaten Muslimen“ beraten und informiert zu werden, während ALLE anderen, die sie vor solchen Muslimen warnen, umgehend von ihnen in die rechte Ecke geschoben werden. Dabei kann man ihnen eigentlich nur noch zurufen: wer sich solche Freunde nimmt, der braucht keine Feinde von außen mehr. Er hat den schlimmsten Feind schon ganz dicht bei sich zu sitzen.
    So etwas führt zwangsläufig in den Untergang, wie an den Einschaltquoten abzulesen. Nur die Zwangsgebühren verhindern das. Glücklicherweise gibt es allerdings keine Zwang, eine derartige Charade zu konsumieren.

    Ich bin mir allerdings nicht mehr ganz sicher, ob das wirklich nur blanke Dummheit, Unwissenheit oder Naivität ist, oder ob nicht doch Kalkül dahintersteckt. Vielleicht ist das der Preis, oder die Konsequenz der exlusiven Hofberichterstattung.
    Wie sähe die wohl aus, wenn die merkel-Administration fröhliche Geschäfte mit den Russen oder Chinesen mache würde, statt mit den Ölscheichs?

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.