Werbung für ein Damen-Doppel

Über einen „Ermittlungsblog“ ohne Ermittlungen

Der Journalist Yassin Musharbash hatte vor zwei Jahren für die Zeit den Artikel „Schluß mit Dschihad“ verfasst. Es ging im Artikel um Deradikalisierungsarbeit im Allgemeinen und den Leipziger Imam Hesham Shashaa im Besonderen. Für diesen Artikel wurde dem Anschein nach zwar ein bisschen gereist, aber eher weniger selber gründlich recherchiert. Vieles wirkt wie frei von der Leber geschrieben, der Herr Musharbash schreibt ja auch Fiktives – da tut man sich mit Ausschmückungen leicht. Aktuell haben andere Journalisten diese Vorgänge bei einer Deradikalisierung kritisch aufgegriffen, nachdem Shashaa im April in Spanien festgenommen worden war. Zwar gibt es wenig Neues aus Spanien und auch sonst nach der Berichterstattung des BR und des MDR. Wegen der Kritik scheinen es jedoch einige Kreise für nötig zu halten, das Thema Shashaa aufzugreifen und aus all den alten, aber wohl nicht ganz die Realität darstellenden Beiträgen noch einmal etwas „neues“ brauen zu lassen: Klischee-Patchwork at its best, da v.a. in Alt-Artikeln „ermittelt“ wurde, wie es scheint. Der Autor wurde in dem „Fall Peter“, über den er hier neutral zu „ermitteln“ vorgibt, gegenüber der Presse als „Fachjournalist“ von Claudia Dantschke angeführt. Er ist also Beteiligter in der Sache, was auch seine Sicht beeinflussen mag. Am Nikolaustag war dies schon hier betrachtet worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/12/06/abu-adam-gescheiterte-ermittlungen/

Da Musharbash aber tatsächlich – keine Satire – aus all dem alten nunmehr eine ganze Serie zu produzieren sich anschickt, muss auch hier wohl eine Einordnungsserie entstehen. Das neueste Stück:

Einst hielt der Leipziger Imam Abu Adam den jungen Deutschen Peter davon ab, in den Krieg zu ziehen. Jetzt sitzt er selbst als Terrorverdächtiger in Untersuchungshaft.  Folge 2 unseres Ermittlungsblogs.

http://blog.zeit.de/radikale-ansichten/2017/12/08/der-fall-peter/

Inhalt kurz gefasst: Kein aktueller Besuch bei „Peter“ in Spanien, kein Gespräch mit Hesham Shashaa, dafür reichlich Raum für das mit dem „Fall Peter“ beruflich befasste und zuständige Damen-Doppel Claudia Dantschke und die Leipzigerin Solveig Prass für weitere, aber inhaltlich nicht weiterbringende Erklärungen. Zu Frau Prass und ihr von Frau Dantschke kopiertes Imam-Modell:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/14/leipzig-imam-franchise/

Doch ein paar Passagen einzeln betrachtet:

Claudia Dantschke kannte Abu Adam damals schon gut zwei Jahre. Sie hatte ihn kennengelernt als einen orthodoxen, konservativen, aber dezidiert nicht-radikalen Islamgelehrten. „Ich habe ihn zwei Jahre lang intensiv geprüft“, sagt sie. „Ende 2013 habe ich ihn besucht, habe alle seine Frauen und alle seine Kinder kennengelernt. Ich habe ein langes Interview mit ihm zum Thema Deradikalisierung und zu seiner Art, das anzugehen, gemacht. Wir hatten einen ähnlichen Ansatz. Dass es vor allem auf stabilisierende Beziehungen ankommt, zum Beispiel.

Musharbash stellt seinen Lesern die „intensive Prüfung“ von Dantschke als von ihm nicht hinterfragtes Faktum dar. Im Jahr 2013 konnte man bereits wissen, dass

– Hesham Shashaa wiederholt international bekannte Hassprediger (Al Mosleh z.B.) in seine Moschee einlud
– dass es Fragwürdigkeiten hinsichtlich des Vorwurfs der Körperverletzung gab (zurückgezogene Anzeige)
– dass das Münchner Verwaltungsgericht hinsichtlich seiner Person zu einer begründet negativen Einschätzung gekommen war:

Ideologisch seien die Darul-Quran-Moschee und Herr Shashaa dem sog. Mainstream-Salafismus zuzuordnen. Die Moschee diene als Anlaufstelle salafistischer Prediger und deren Anhängerschaft. Die Mainstream-Salafisten, auch politische Salafisten genannt, hätten ein verstärktes Interesse an gesellschaftlichen Aspekten und politischer Einflussnahme. Sie seien junge Gelehrte, die stark vom Aktivismus der Ideologie der Muslimbruderschaft beeinflusst worden seien und den Anspruch erheben, die Probleme der Gegenwart und insbesondere die internationale Politik besser zu verstehen als ihre älteren puristischen Lehrer. Das von der Muslimbruderschaft angestrebte Herrschaftssystem weise deutliche Züge eines totalitären Herrschaftssystems auf, das die Selbstbestimmung des Volkes sowie die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit der Menschen nicht garantiere. Ein Großteil der ideologischen Grundsätze sei somit unvereinbar mit den im Grundgesetz verankerten Prinzipien der Demokratie, des Rechtsstaats und einer auf der Menschenwürde basierenden politischen Ordnung. Nach Erkenntnissen des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz (BayLfV) seien in der Darul-Quran-Moschee ab Ende August 2009 mehrere Broschüren verteilt worden, darunter die Broschüre „Frauen im Schutz des Islam“. Die Broschüre werde in der Liste jugendgefährdender Medien geführt, da sie zu Gewalttätigkeiten anreize und verrohend und frauendiskriminierend wirke. Im Zuge eines bundesweiten Ermittlungsverfahrens seien am 20. Januar 2010 die Räumlichkeiten der Moschee durchsucht und mehrere Exemplare dieser Schrift aufgefunden und sichergestellt worden. Nach Erkenntnissen des BayLfV habe der Vereinsvorsitzende und Imam Herr Hesham Shashaa an dem auf die Durchsuchungsaktion folgenden Freitagsgebet am 22. Januar 2010 eine Predigt gehalten, die er dem Thema „Verräter innerhalb der muslimischen Gemeinschaft“ gewidmet habe, die sich offensichtlich auf die vorangegangene Durchsuchungsmaßnahme bezogen habe. Er habe davon gesprochen, dass die Verräter tief in der Hölle schmoren würden. Einzelne Muslime würden durch ihr Verhalten Zwietracht in der muslimischen Gemeinschaft säen. Wer Informationen an die Behörden weiterleite, sei mit einem Bruder gleichzusetzen, der das Fleisch seines muslimischen Bruders esse.

https://openjur.de/u/493723.html

Shashaas „Deradikalisierungsansatz“ war also jenseits des Eigenmarketings zur Mehrheitsgesellschaft hin einer auch mit problematischen Predigern? Glückwunsch! Waren das nicht die Herrschaften, von denen man als Präventionsdienstleister die jungen Leute weg bringen sollte? Oder ist gar Deradikalisierung das, als was es salafistische Prediger selber definieren? Die Eigenbezeichnung wird nicht hinterfragt? Noch mal Glückwunsch!

Der Verdacht liegt nahe, dass die „intensiven Überprüfungen“ vor allem im persönlichen Eindruck bestanden. Dass manche Personen, wenn sie es für nützlich halten, durchaus gewinnend sein können im persönlichen Umgang, zeigt die banale Lebenserfahrung. Aber die setzt halt nicht jeder immer auch ein.

Abu Adam hatte sich tatsächlich schon Jahre zuvor zum Deradikalisierer erklärt.

Er sich selber?
Und VW hatte erklärt, dolle Abgaswerte zu haben. Muss ja stimmen.

Die Moscheegemeinde in München, die er gegründet hatte, beschäftigte ihn als Anti-Extremismus-Beauftragten, was er offiziell bis heute ist. (Der Arbeitsvertrag liegt mir vor.)

Ach? Echt? Ein Vertrag mit dem Verein? Wer hat den denn unterzeichnet? Die Frau Vereinsvorstand, die erst in München wohnte – wie Shashaa, dann in Leipzig – wie Shashaa? Wenn das mal kein Zufall ist!

Quelle: Vereinsregister der Stadt München, Abrufdatum s.o.

 

Der Vereinsvorstand eines Trägervereins, der unter Beobachtung steht, fertigt einen Vertrag an, der jemanden als „Anti-Extremismus-Beauftragten“ ausweist? Deswegen ist der Ausgewiesene gegen Extremismus? Das ist ja noch „besser“ als die nicht überprüften „Diplome“ und „Zertifikate“ (da gibt es wahrlich genug aus anderen Lebensbereichen; in der Mehrheitsgesellschaft und außerhalb von Glaubensszirkeln nennt man so etwas Titelmühlen).*

Hat der Herr „Ermittlungsblogger“ einmal überprüft, ob da nicht vielleicht die Gattinnen von Herrn Shashaa den Verein leiteten offiziell? Dass eine Gattin den Vertrag ausfertigte? Nein? Sollte er mal tun!

Nach und nach erreichten Abu Adam vermehrt Anfragen, als Referent über die Themen Islam, Islamismus und Radikalisierung zu sprechen. Anfang Juli 2014, just zu der Zeit, als der Fall Peter an Fahrt aufnahm, saß er etwa auf einer Fachtagung der Bundeszentrale für Politische Bildung in Bonn auf dem Podium.

Man kann ahnen: Diese eine Tagung, wohl vermittelt durch Frau Dantschke, wird nicht das letzte Mal „frisch ermittelt“ werden. Wahrscheinlich einmal pro Blogbeitrag. Es werden noch Wetten angenommen.
Wo sind die „vermehrten Anfragen und von wem? Ohne Belege, auch wenn dies wegen der schönen, aber kaum hinterfragten Geschichte von Frau Mekhennet in der NYT sein könnte. Ohne tatsächliche Nachweise aber durchaus zu hinterfragen. Erst der zweite Beitrag und schon in der Wiederholungsschleife, könnte man spitz anmerken.

Teilnehmer hätten ihr gesagt, er habe eine „glänzende Figur“ gemacht, erinnert sich Dantschke.

Der Herr Musharbash ermittelte also wieder nicht selber, fragte nur Frau Dantschke nach ihren Erinnerungen von anscheinend dieser einen bpb-Tagung. Da muss man erst einmal drauf kommen. Äußerst investigativ (und wohl im ersten Blogbeitrag als Faktum übernommen).

Mit Abu Adam stand in Dantschkes Augen also auf der einen Seite jemand bereit, der theologisch versiert war, keine Berührungsängste mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft hatte, sich öffentlich für Dialog und gegen Extremisten aussprach – und, eine weitere wichtige Zutat, über spürbares Charisma verfügte.

Wie es scheint vor allem auf die Damenwelt und suggestible andere Personen.

„Ich habe also Peters Mutter mit Abu Adam zusammengebracht“, berichtet Dantschke. Drei Stunden hätten die beiden gesprochen. Dann habe die Mutter dem Plan zugestimmt, Peter mit Abu Adam bekannt zu machen. Auch diese Begegnung verlief erfolgreich: Peter war sofort von Abu Adam eingenommen; das sagt nicht nur Dantschke, das hat mir Peter 2014 selbst berichtet.“

Eingenommen zu sein auf Anhieb besagt gar nichts. Das ist ja nur der erste Eindruck. Im BR und beim MDR berichtet „Peter“ zwar nicht vom ersten, aber vom zweiten und vielen weiteren Eindrücken. Es wurde also wieder bei Frau Dantschke und bereits gewonnenen Sichten „ermittelt“.

Deshalb bezog Dantschke Solveig Prass ein, die sich ihrerseits bemühte, einen Platz in einer Jugend-WG für Peter zu finden. „Ich fand die Entscheidung, Abu Adam einzubeziehen, nachvollziehbar“, sagt Prass heute. Peter sei derart radikalisiert gewesen, dass er zum Beispiel mit ihr als Frau gar nicht reden wollte; Abu Adam habe ihm jedoch klargemacht, „er solle mit mir sprechen, auch wenn ich Christin bin, ich wolle schließlich helfen, das sei doch gut.“ Genauso sei Peter erst auf Abu Adams Drängen hin bereit gewesen, seine islamische Kleidung abzulegen und sich nach gängigeren Maßstäben anzuziehen, wenn er Termine bei Ämtern hatte.

Solveig Prass sagt, auch sie habe Abu Adam keinesfalls als Extremisten kennengelernt. Einmal habe sie mitgehört, wie er einen Anruf bekam: Ein Mann habe wissen wollen, ob es islamisch rechtens sei, wenn er Polizist würde. Ja, habe Abu Adam geantwortet – man müsse dem Land dienen, in dem man lebe. „Da kriegt man schon mit, was er für eine Einstellung hat“, sagt Solveig Prass.

Ein einzelnes Telefonat als Ausweis? Frau Prass hatte – mit Verlaub – damals eher weniger mit Deradikalisierung zu tun. Deswegen hat sie ja bis jetzt auch einen Anhänger Shashaas als Gehilfen. Im Übrigen widerspricht auch dieses dem Eindruck, den Fachleute von ihm hatten. Hat Frau Prass diese Erkenntnisse nicht geprüft, sondern nur der Selbstdarstellung von Dantschke und Shashaa vertraut? Wieder wird nur die kleine eigene Anekdote zentriert.

Auch Solveig Prass versteht etwas von Deradikalisierung, es ist Teil ihres Jobs, neben Islamisten hat es sie auch mit Zeugen Yehovas oder Rechtsradikalen zu tun. In ihrem Büro gab es ungefähr zwölf Sitzungen mit Peter zum Zweck der Deradikalisierung. Bei bei den ersten sechs Terminen war Abu Adam dabei. „Es lief gut“, sagt sie im Rückblick.

Auch hier:
Sie hat das Modell von Frau Dantschke kopiert. Auch noch dann, als das BAMF vom Modell wohl abriet (was für Shashaa gilt, gilt auch für den Gefolgsmann Mansour). Ihre Einrichtung hat sogar eine Kooperation mit Hayat vorangetrieben, s. Beitrag Imam-Franchise.

Quelle: fb, Muhammad Mansour und Hesham Shashaa 2011, wohl in München

 

In dieser Zeit kam in Gesprächen zwischen Abu Adam, Solveig Prass und Claudia Dantschke eine neue Idee auf: Was wenn Peter in Spanien zur Schule gehen würde? Denn Abu Adam pendelte damals zwischen Leipzig und einem kleinen Ort nahe Alicante. Einige seiner Kinder besuchten dort eine englischsprachige, internationale Privatschule.

Vielleicht sollte Herr Musharbash einmal selber mit der Mutter von Peter sprechen. Hat er diese nicht „ermittelt“?

Kurz nach seinem Umzug nach Spanien habe ich Peter und Abu Adam dort besucht. Peter ging es gut, er war zufrieden. Er haderte allerdings damit, dass er alleine leben sollte. Er hätte gerne mehr Kontakt zu Abu Adam gehabt.

Das sagte er mir damals schon, und darüber hegt er bis heute tiefen Groll. Aus seiner Sicht hat Abu Adam ihn von dem Moment an, als er in Spanien ankam, im Stich gelassen. „Ich halte leider nicht mehr viel von ihm, nachdem er mich so hat sitzen lassen“, schrieb er mir während unseres Chats. Er sei deswegen deprimiert und frustriert gewesen und fühle sich von Abu Adam „als falsch abgestempelt“, als sei er es nicht wert, dass Abu Adam sich um ihn kümmere. […] Peter behauptet heute, seine Trennung von Abu Adam habe ihn ebenso anfällig gemacht für Radikalisierung als wenn er in Deutschland geblieben wäre. Als aktive Deradikalisierung durch Abu Adam habe er die Zeit Spanien nicht erlebt. Aber er gibt zu, dass seine Verbitterung mit hineinspielt, wenn er das sagt.

Dazu wird ja in den Berichten von MDR und BR mehr geschrieben. Aber die haben halt aktuell nicht nur „gechattet“. Vielleicht sollte der Herr Musharbash wenigstens einmal bei den Kollegen „ermitteln“? Aber das ist wohl nicht gewünscht.

Auf die Beratungsstelle Hayat färben der Fall Abu Adam und der Fall Peter trotzdem ab. Aber die Kritik ist unpräzise.

Man kann sie präzisieren.
Aber im „ergebnisoffenen Ermittlungsblog“ wird das eher nicht der Fall sein.

Es gab darüber hinaus laut Dantschke keinen weiteren Fall neben Peter, in dem Hayat mit Abu Adam kooperiert hat – auch wenn der BR von „labilen Jugendlichen“ im Plural sprach, die Hayat Abu Adam anvertraut habe, und die Süddeutsche Zeitung schrieb,“

Festgehalten: ein Fall. Wurde so auch der taz bzw. dem Herrn Bax gegenüber erzählt.
Aus einem Fall, den man selber – widersprochen – als Erfolg definiert, wird also diese ganze Erfolgsstory gesponnen? Mehr noch als der Erfolg oder Nichterfolg dieses Falls zeigt die Instrumentalisierung dieses Falls, wie sehr die ganze Branche von der Anscheinserzeugung lebt. Hätte man das eigene bzw. Shashaas Können nicht so maßlos aufgebläht, hätte man sich selber nicht so inszeniert, hätte man jetzt diese Probleme nicht.

Die Tatsache, dass Abu Adam dem salafistischen Spektrum zuzuordnen ist, wurde dem Bundesamt zum Jahreswechsel 2014/2015 bekannt. Unmittelbar danach hat das Bundesamt im Januar 2015 gegenüber Hayat deutlich gemacht, dass es Abu Adam für einen nicht geeigneten Kooperationspartner in der Beratung islamistisch radikalisierter Personen hält. Eine Einbeziehung des Imams Abu Adam in weitere Beratungskonstellationen durch HAYAT ist nach Kenntnis des Bundesamts danach nicht erfolgt.

Es wurde für das Modell weiterhin geworben. Z.B. in Leipzig.

Wenn das stimmt, dürfte es sich im Wesentlichen um jene Erkenntnisse handeln, die ich in meinem Artikel über Abu Adam und Peter im Februar 2015 (inklusive Abu Adams Erwiderung) wiedergegeben habe:

Eine Verfassungsschutzbehörde ordnete ihn 2012 als Salafisten ein. Er lehne die pluralistische Gesellschaft ab, habe wiederholt geäußert, dass eine Frau nicht ohne Erlaubnis ihres Mannes aus dem Haus gehen dürfe und habe sich während des Gazakriegs 2009 in einer Predigt abschätzig über Juden geäußert. Er wolle einen Gottesstaat, der mit Gewaltenteilung, Rechtsstaat und Parlamentarismus nicht vereinbar wäre. Er habe drei Videos mit extremistischen Inhalten gepostet. Seine Distanzierung vom Extremismus, so hieß es mit Blick auf die bis 2012 gewonnenen Erkenntnisse, sei ‚zu hinterfragen‘.

Es gibt ja einiges weiteres – was aber der Herr Musharbash entweder nicht kennt oder nicht schreibt.

Zitat Shashaa im Blogbeitrag: „‚Ich war auf Konferenzen in Ministerien, mit Polizisten, mit Politikern, um gegen Extremismus zu kämpfen! Die SPD lädt mich ein – ich komme. Würde ich das tun, wenn ich diesen Staat hasse?

Daher scheinen also die Angaben in Teil 1 des „Ermittlungsblogs“ zu stammen: Eigenangaben von Shashaa wurden zur Realität in Musharbashs erstem Beitrag.
Yassin Musharbash kann mich gerne korrigieren. Er soll zeigen, wo Shashaa die ganzen Auftritte bei Parteien etc. hatte, wie es im ersten Teil als Faktum beschrieben steht.

Diese Erkenntnisse aber waren kein Geheimnis, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Abu Adam schon lange umstritten ist. Im öffentlich einsehbaren bayerischen Verfassungsschutzbericht taucht Abu Adams Münchner Moschee zum Beispiel schon 2012 als eine „Plattform“ salafistischer Bestrebungen auf. Bereits 2010 berichtete der Spiegel, Abu Adams Aussicht auf Einbürgerung sei gleich null, weil es „Sicherheitsbedenken“ gäbe. In demselben Artikel erwähnte der Spiegel allerdings auch schon Abu Adams Arbeit gegen Extremismus und Gewalt – ebenso wie im selben Jahr die New York Times.

Dieser NYT-Artikel geht wiederum auf eine in Berlin damals agierende Journalistin zurück. Das ist keinerlei Beleg für eine internationale Anerkennung. Eher ein Zeichen für eine gut geölte Marketing-Maschinerie. Und langes Kennen:

 

Quelle: Screenshot google Books, Nur wenn du allein kommst: Eine Reporterin hinter den Fronten des Jihad, 2017, von Souad Mekhennet und Sky Nonhoff

 

Ob Souad Mekhennet jemals Shashaas Angaben prüfte?
Vielleicht kennt sie Shashaa von all den Protagonsiten sogar am längsten. Immerhin erwähnt sie seine vorherige Betätigung.

Zeit für ein Zwischenfazit: Was haben wir bis hierhin gelernt, was in Erfahrung gebracht?

„Wir“ ganz sicher nicht.
Musharbash erklärt mit pädagogischer Attitüde seine „Ermittlungen“ zum allgemeinen Lerngegenstand und vor allem zum – „Ermittlungsblog!“ – zum erzielbaren. Nein, das ist er natürlich nicht.
„Wir“ haben nur gelernt, dass Herr Musharbash nicht mal in der Lage oder Willens ist, z.B. Verwaltungsgerichtsentscheidungen aufzufinden oder Lust verspürt, die sozialen Medien zu durchforsten. „Wir“ haben weiterhin gelernt, dass sehr wenig neuen Informationen mit vielem alten  durch nicht mal geschicktes Neuarrangieren der Anschein ernsthafter Überprüfung und neuer Erkenntnisse gegeben werden soll.

Der Verdacht der spanischen Ermittler, Peter sei Teil eines von Abu Adam orchestrierten Extremisten-Rings, lässt sich nicht erhärten.

Das klärt der Herr Musharbash bei einem kleinen, gemütlichen Chat?
Alle Wetter! Zu so einer Ferndiagnose braucht es aber Mut!**

Die Deradikalisierung Peters unter Einbeziehung von Hayat, der Kindervereinigung Leipzig e.V., dem BAMF und Abu Adam ist weder ein strahlender Erfolg, noch ein Desaster

Zwischen den Bedenken, welche die Sicherheitsbehörden gegenüber Abu Adam hegen, und der positiven Wirkung, die Dantschke, Prass und andere ihm zuschreiben, bleibt ein Spannungsverhältnis bestehen.

„Zugeschriebene Wirkungen“ gibt es auch bei der Homöopathie.
Es besteht ein erhebliches Spannungsverhältnis zwischen den Ankündigungen und dem, was Musharbash liefert. Das Ganze wirkt wie ein Wiederkäuen, das v.a. einem Zweck zu dienen scheint. Aktuell erscheinen als das größte Problem die Vorwürfe, weniger die tatsächlich angestrebten Ermittlungsfortschritte des Herrn Musharbash:

„Auf die Beratungsstelle Hayat färben der Fall Abu Adam und der Fall Peter trotzdem ab.“

Man muß allerdings sagen:
Auch derlei Manöver, die recht durchsichtig sind, färben ab. Auf Musharbash, der mit solchen „Ermittlungsbeiträgen“ ohne echte Ermittlungen sich als Journalist selber bloßstellt. Indem er Wichtiges weglässt, indem er Nebensächliches aufbläht, indem er positiv wirkendes wiederholt, indem er sich mit einer Sache gemein zu machen scheint, von der nicht einmal klar ist, dass sie eine gute ist. Auch wenn Deradikalisierung gut ist, muss nicht auch schon die Behauptung, solches tun zu können ohne den Nachweis bzw. bei Gegenrede, gut sein. Gut ist das nur für das Damen-Doppel, denn ohne gehaltvolle und belegende Evaluation ist die öffentliche Meinung alles. Das allerdings könnte es einfacher haben und sich und anderen einfacher machen: Einen Fehler kann man machen. Im Fehler beharren hingegen ist keine gute Strategie. Da hilft auch alle Werbe-Wiederholung nichts.

 

*
Beispielhaft:
https://www.zentralplus.ch/de/news/wirtschaft/5509651/Schein-Unis-Machen-Sie-den-Doktor-in-nur-einem-Jahr!.htm

**
Nichts gegen „Peter“. Aber einen solchen Vorwurf derart abzuhaken – da muss man schon

Noch ein Nachtrag:

Wenn man Deradikalisierung nur sehr schwer beurteilen kann, kann man auch Radikalisierung nur schwer und nicht nach „einheitlichen Kriterien“ beurteilen. Musharbash verschiebt alles in die Beliebigkeit. Es bleibt nur der Glaube: Der von Präventionsdienstleistern an die Eigenauskünfte von Salafisten, der von „Fachjournalisten“ (Bezeichnung von Frau Dantschke wohl auch für den Herrn Musharbash) an Präventionsdienstleister, die aber wiederum glauben usw.  Musharbash versucht mit seinem „Ermittlungsblog“ nunmehr, diesen Glauben zu verbreiten: ein „Fachjournalist“ auf Glaubens-Mission. Amen.

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