Grau statt bunt

Doppelstrategie auch bei den Grauen Wölfen – wenn man sie lässt

Die sogenannten „Grauen Wölfe“ sind eine politische Bewegung in der Türkei, in Deutschland von hier lebenden Türken und Türkischstämmigen. In ihrem heutigen und hiesigen Vereins-Spektrum (u.a. ADÜTDF, kurz ATF, ATIB, ADIB) unterschiedlich stark islamisch konnotiert, eint sie jedoch die Geschichte: Alle gehen auf die ursprünglichen Gründungen von Alparslan Türkes in den 70 er Jahren zurück, der die „Grauen Wölfe“ als militante Organisation, eine Art Schlägertruppe, initiierte. Zur Einordnung:

http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/252855/einfuehrung-graue-woelfe-und-tuerkischer-ultranationalismus-in-deutschland

Siehe auch die verschiedenen Beiträge zu Personen und Strukturen aus dem „Graue Wölfe“-Spektrum auf diesem blog:

https://vunv1863.wordpress.com/category/graue-wolfe/

Während die Grauen Wölfe in ihrer Frühzeit eine Blutspur Andersdenkender (Kurden, Armenier z.B.) hinterliessen, gibt man sich heute – verbandsweise dezent unterschiedlich – zur Mehrheitsgesellschaft hin weniger martialisch. Die Verbände versuchen trotz der Geschichte und trotz der Binnentraditionen und -haltungen eher als kulturelle Organisationen zu erscheinen. Insbesondere die ATIB tritt im Eigenmarketing als eher folkloristisch angehauchte Religionsgesellschaft auf. Je nach Vorbildung und Informationswillen lokaler Akteure klappt diese Strategie mal mehr, mal weniger gut.

Die Verbände weisen lokale Vereine auf, die häufig eine relativ professionelle Jugendarbeit in dem Sinne aufweisen, dass sie das Ziel, die Jugend ideologisch zu binden und abzusondern, erreicht. Einer dieser Vereine ist der Türkisch-Islamische Kulturverein in Siegen, der der ATF (früher: ADÜTDF) zuzuordnen ist, also der Organisation, die in Deutschland der ursprünglichen Linie am stärksten verhaftet ist. Der Verein hat eine aktive Jugendgruppe, die einen Facebook-Account unterhält. Ein paar Eindrücke:

 

Es gibt eine Vielzahl aggressiver Bilder, Einschätzungen und allerlei Schwadronieren rund um Blut, Ehre und Rache. Beispielhaft:

 

Der Mythos Wolf zum Umhängen:

 

Man wünscht sich auch einen Führer:

Quelle: fb-Profil der Türk İslam Kültür Ocağı Siegen, Abruf 14.12.2017

 

Dieser Herr – Alparslan Türkes, der Gründer der „Grauen Wölfe“ – steht nicht mehr zur Verfügung. Aber man kann ihn noch in einem Führerkult idealisieren und als Vorbild präsentieren:

 

Das ist mindestens ebenso „rechts“, wie es aussieht.

In einer Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke et al. und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 18/5222 – wird neben der Benennung auch des Siegener Vereins zum Integrationsgedanken der Grauen Wölfe korrekt ausgeführt:

Der Integrationsbegriff der Ülkücü unterscheidet sich wesentlich vom europäischen Begriff. Integration im Sinne der Ülkücü ist das reibungslose Miteinander und Funktionieren der Gesellschaft, in der jedoch jede Gruppe, um Assimilation zu vermeiden, unter sich bleibt. Die Türken seien zuallererst Türken und blieben dies auch im „Exil“. Die aufnehmende Gesellschaft, in diesem Falle Deutschland, ist für die Ülkücü lediglich ein notwendiges Übel. Heimat ist auch für die Vertreter der dritten und vierten Generation vor allem die Türkei. Die Lebensrealität in Deutschland und die Identifikation mit dem deutschen Werte- und Rechtssystem wird von den als überlegen angesehenen Werten wie Herkunft und Religion überdeckt.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/054/1805466.pdf

Das dürfte vielen Eltern, Lehrern und kommunalen Entscheidern in Siegen und anderswo jedoch nicht klar sein, was sich hinter diesem Verein und ähnlichen Vereinen verbirgt. Kulturverein, das klingt freundlich und zunächst fast folkloristisch. Und so geht die Doppelstrategie auf. Die städtische Wahrnehmung erscheint sehr freundlich (was an sich natürlich kein Fehler ist), aber auch ganz grob und pauschalisierend. Man redet dem Anschein nach nicht wirklich miteinander, denn man scheint Grundlinien und Loyalitäten nicht besprochen zu haben, differenziert nicht zwischen dem tatsächlichen Kulturverein und einer politischen Organisation mit recht totalitären Ansprüchen. Anders sind solche Schriften, die zwar alt sind (ca. 10 Jahre), aber immer noch zur Verfügung gestellt werden, nicht zu verstehen:

http://fuereinandereinstehen.de/images/rtr/Muslime-in-Siegen.pdf

Entsprechend ist die Wahrnehmung der Stadtgesellschaft unzureichend. Man lebt Jahrzehnte zusammen und doch nur nebeneinander, weil man sich nicht kennt. Und so passiert es dann, dass für Vereine, die den „Grauen Wölfen“ zuzurechnen sind, Gelder und Örtlichkeiten ganz normal zur Verfügung gestellt werden.

Exemplarisch ein Werbeplakat des diesjährigen Vereinsfestes:

 

An einer Schule. Mit freundlicher Unterstützung lokaler Sponsoren:

 

Man kann berechtigt fragen: Hätten Sponsoren – zumindest die aus der Mehrheitsgesellschaft – gespendet, wenn sie um die Grundhaltungen, wie sie sich beim Jugendverband zeigen, wüßten? Sicher nicht. Würden Lehrer ihre Schüler für gut untergebracht halten, wenn sie wüßten, wie dieser Jugendverband sich und andere sieht? Sicher nicht. Das sollte in der Schule – zumindest im Idealfall – einige Extrastunden „Demokratie leben“ und Menschenrechte bedeuten sowie mehr Geschichtslektionen (so das geht). So aber wissen dem Anschein nach alle von nichts und wundern sich dann nur leise, wenn den bunten Traum die graue Realität einholt.

 

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