Muslimschwester-Strukturen I

Über einige Strukturbildungen der Muslimbruderschaft mit Frauenverbänden

Die islamische Geschlechtertrennung bedingt, dass manche Strukturbildung im islamistischen Bereich, die bei Männern beobachtet werden kann, sich auch als weibliches Spiegelbild auffindet. Es handelt sich, das muss klar dazu gesagt werden allerdings nicht um Bei- und Sonderentwicklungen, getrennte, gesonderte Interessenvertretungen, wie man sie bei Parteien und anderen demokratischen Strukturen vorfindet. Vielmehr handelt es sich um Strukturen, der Frauen so ausschließlich zugeordnet sind wie die Männerstrukturen den Männern. Der Zugang zu Entscheidergremien ist ihnen allermeist völlig versperrt und so sind die Orte, an denen die Entscheidungen getroffen werden, meist reine Männerveranstaltungen. In manchen Gremien, die mit der Mehrheitsgesellschaft Umgang haben, werden sparsam Frauen hineingesetzt; das ist aber meist eher Dekoration. Gemeinsam bestrittene Wahlen, in denen Männer und Frauen sich Männern und Frauen in demokratischen Verfahren stellen; finden sich dort ebenfalls eher nicht. Das ist mehr autoritär, wird von oben bestimmt und die  Quotenfrau im Vorstand ist oft eine Multiquotenfrau, d.h. ein weiblicher Multifunktionär, der überall mal hier, mal dort für mehrheitsgesellschaftstaugliche Bilder zu sorgen scheint: Seht an, eine Frau!

Eine solche Aufteilung gibt es bei einigen Strömungen, von den Ahmadiyya bis hin zu den Salafisten.
Während bei den Salafistinnen die Frauen eher im Verborgenen wirken (jenseits von z.B.  Nora Illi vielleicht), hat man bei den Legalisten durchaus erkannt, dass Frauen in der Öffentlichkeitsarbeit (weniger bei den Entscheidungen) nützlich sein können. Denn das Vorurteil, dass Frauen weniger fanatisch und weniger problematisch seien als Männer ist ein echter, da nutzbarer Vorteil.

Die Strukturen der Muslimbruderschaft waren in der männlichen Ausprägung schon vielfach Thema auf diesem blog. Deswegen seien hier einmal die weiblichen Parallel-Strukturen aufgegriffen. Manche Strukturen wie Bildungseinrichtungen werden zwar auch von Frauen genutzt. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis aus gesonderten Kursen gänzlich eigene Einrichtungen werden. Angebote speziell für Frauen gibt es, wenn auch nicht immer so augenfällig wie hier:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/27/kostenpflichtige-demuetigung/

Das „European Forum of Muslim Women“ (EFOMW) ist so ein Gremium. Hier im Jahr 2014:

http://www.efomw.eu/

Dieses Treffen fand in Istanbul statt, eine wichtige Person aus dem Männerbereich hatte einen Gastauftritt. Zudem die Vernetzung mit einer anderen, wichtigen Struktur:

FIOE-Präsident Dr. Ahmad Ben Mansour, Mitbegründer des Forums Ahmed al -Rawi und die Leiterin der Frauenabteilung Milli Görüs Khadija Shaheen und andere Persönlichkeiten .

[Syrische, arabische und türkisch zuordnungsfähige MB-Strukturen haben mancherorts eigene Vereine. Das ist an den Herkünften und früheren Einbindungen der Gründerpersönlichkeiten abzulesen.]

Ergänzend die Sicht einer Gruppe, die die Muslimbruderschaft auf europäischer Ebetrachtet:

EFOMW, founded in 2006, is the European umbrella organisation of women associations belonging to the Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE), which is the main umbrella organisation of Muslim Brotherhood associations in Europe.

http://www.ikhwan.whoswho/en/archives/809

Die erste Präsidentin war die Französin Noura Jaballah (wohl 2006), eine Frau El Amri war da aber auch schon dabei:

http://www.lffm.org/2ans.pdf

Die Mitgliedsorganisationen (hier ohne Jahresangabe eine Französin als Präsidentin):

Ligue Française de la Femme Musulmane – France
President: Hela Khomsi

Islamischer Frauenverband fur Bildung und Erziehung in Deutschland – Germany
President: Thamar Hababa

und etliche weitere Frauenvereine in europäischen Ländern.

http://www.efomw.eu/tekstovi1.aspx?gid=6

Es haben wohl immer mal Umdispositionen im Vorstand stattgefunden.

Die Präsidentin ist nach den Angaben auf der Seite des EFOMW nunmehr die Schwedin Lamia El Amri. Die Frau El Amri ist seit letzten August auch im Board of Trustees von Islamic Relief Worldwide:

Lamia El Amri appointed Acting Chair of Islamic Relief
Islamic Relief is pleased to announce Lamia El Amri as Acting Chair of Trustees of Islamic Relief Worldwide.[…]The new Acting Chair, Lamia El Amri, a Muslim women’s rights activist and former elected representative on Stockholm City Council who now works at the Swedish Labour Agency as a Senior Manager. Mrs El Amri joined the board of Islamic Relief Worldwide in 2013, and was previously the vice-chair of Trustees for Islamic Relief Worldwide.

http://www.islamic-relief.org/lamia-el-amri-appointed-acting-chair-of-islamic-relief/

https://beta.companieshouse.gov.uk/officers/ncOffHvLTN4hEzjYmG8MO8OfCJQ/appointments

Und auch hier; der unterste Herr ist Dr. Almoutaz Tayara (verschiedene Schreibweisen)*.

http://www.islamic-relief.org/board-of-trustees/

Frau El Amri sitzt aber auch im Vorstand von Islamic Relief Südafrika**:

http://irsa.computantest.com/4217-2/

Und Islamic Relief Irland (wieder mit dem Herr Tayara)

http://www.islamic-relief.lk.gridhosted.co.uk/ir/about-us/management-team/

Und daneben noch in Schweden tätig. Eine wahrhaft fleißige Dame.

Das EFIMW gibt einen Newsletter heraus, hier die aktuelle Ausgabe:

http://mailchi.mp/adc7dd02a693/efomw-newsletter-october-december-2017

Auch in Deutschland suchte sie wohl schon den Mitgliedsverband auf, den „Islamischen Frauenverband für Bildung und Erziehung in Deutschland“ (IFBED). Über diesen Verein wird es u.a. in Teil II gehen.

Als deutsche Funktionärin in der Auflistung seinerzeit findet sich Frau Hiba Taraji. Wer jetzt an Dr. Houida Taraji denkt, liegt richtig: Sie sind Schwestern (zumindest war das auf der Facebook-timeline ersichtlich). Houida Taraji ist im Vorstand des Zentralrats der Muslime in Deutschland und ist längjährig als stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) bekannt.

Im gegenwärtigen EFOMW-Vorstand ist Frau Hiba Taraji wohl nicht mehr vertreten. Aber sie ist im Vorstand des Frankfurter Islamischen Zentrums, das seinerzeit von einem Bruder Ibrahim El Zayats (Mohamed Farouk El Zayat) mit angemeldet wurde. El Zayat ist nach Vereinsregister nicht mehr i, Vorstand. Nach Angaben auf der Facebook-Seite des auch in diesen Kontexten zu sehenden Frankfurter Vereins RAHMA – Muslimisches Zentrum für Mädchen, Frauen und Familie e.V., ist Houida Taraji eine Mitbegründerin des IFBED:

 

Auf den oberen Etagen der Organisation finden sich also – wie im Männerbereich – immer wieder auch dieselben Nachnamen.

Neben der Vernetzung mit anderen Frauenverbänden scheint man vor allem auch an der Verbreitung der Vorstellung, dass „Islamophobie“ das passende Wort sei für alle Phänomene von abzulehnender gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bis hin zu statthafter konkreter Kritik an Inhalten, Personen oder Strukturen. zu arbeiten. Das läuft parallel zu den Bemühungen der Männer, hat aber den strategischen Vorteil, dass staatliche Stellen bei Frauen noch weniger nachforschen, wie die ideologische Grundlinie wohl sein mag. Hier ein exemplarisches Statement zum „European Day against Islamophobia 21 September 2017“:

Women are the most vulnerable victims of this discrimination, as they face a complex mix of direct acts of violence, discrimination, social exclusion, media prejudice, structural sexism and for those from an ethnic minority background, racism.

http://www.efomw.eu/tekstovi2.aspx?tid=38

Mit derlei – strategischen – Vermischungen findet man nahtlos Anschluß an akademische Diskurse, die z. B. über  muslimbrudernahe Studentenvereinigungen und Jugendvereinigungen in die Debatte gedrückt werden. Mit dem Schutzschild des Diskriminierungsvorwurfs sollen genau anti-emanzipatorische, anti-westliche und zutiefst hierarchische Konzepte immunisiert werden. Moderne Schlagworte, modernes Marketing, geschmeidiges und geschultes Auftreten – hinter dem reaktionärste Inhalte stehen. Fundamentalismus goes Hollywood.

Gegenüber den eigenen Vordenkern gibt es nämlich in der Muslimbruderschaft kein öffentlich vernehmbares Aufbegehren, keine öffentlichen Debatten, keine Vorwürfe, man werde – so als Frau – herabgesetzt. Da werden der „strukturelle Sexismus“, der soziale Ausschluss oder auch die Eckbedingungen der „Schlagerechte des Mannes“ hingenommen, da all das ja angeblich göttlich legitimiert ist. Einen öffentlichen Aufschrei vermisste man z.B. hinsichtlich des Seminars von Hanafy. Er bietet sie wohl weiterhin gelegentlich an. Diese Seminare werden besucht.

Da machen die Frauen also allenfalls bei den Männer-Strategien mit und ihre „Emanzipation“ endet an dem Felsen angeblich göttlich eingeräumter Frauenrechte, die von den männlichen Vordenkern zugeordnet werden. Das Einfordern von Frauenrechten dort besteht darin, DIESE Frauenrechte zu verlangen und umzusetzen. Allenfalls fordert man „Beweise“ für diese oder jene Unterordnung im Diesseits, die dann mit Blick auf das jenseitige Seelenheil akzeptiert wird innerhalb der Struktur. Um eine Gleichwertigkeit innerhalb dieser Denkschemata zu erreichen, also die Gleichwertigkeit vor Gott, muss man die göttlichen Gebote einhalten. Und die sehen nun mal im Diesseits für Frauen andere Rechte vor. Man behauptet jedoch nach außen anderes, bzw. fordert gegenüber der nichtislamischem Umgebung die islamischen Frauenrechte ein. Zwar unter Berufung auf die Menschenrechte, unter denen jedoch die Menschenrechte nach Kairoer Erklärung verstanden werden, nicht die nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.*** Diese Begriffsverwirrung wird ebenfalls strategisch genutzt.

Die weiblich konziliante Art soll vergessen machen, dass hinter den Damen Ideologen wie Al Qaradawi stehen. Davon darf man sich allerdings nicht täuschen lassen.

Weiter in Teil II.

 

 

 

 

 

 

*
Dr. Tayara ist der Vorsitzende von Islamic Relief Deutschland (letzter Stand). Das ist der Herr, der auf seinem Facebook-Profil u.a. die Qassam-Brigaden pries.

**
Und da ist auch der Herr El Zayat.
Doch noch in Funktion für die Gesellschaft.

***
Das ist erkennbar durch die – für Aussenstehende höchst bizarre – Umdeutung (sie findet sich bei vielen islamistischen Gruppen), Mohammed selber sei sozusagen ein Frauenrechtler gewesen und habe Frauen erst ihre Rechte verschafft. Das ist natürlich Unsinn. Die Zuordnungen für Frauen wurden nur gesondert einmal formuliert. Diese Behauptung ist leicht zu widerlegen, indem man sich die erste Gattin Mohammeds schon nach islamischem Binnenkonsens anschaut: Sie erbte (Kaufmannswitwe) und erwählte ihn – nicht umgekehrt. Im Gegenteil wurden im Laufe der Zeit Frauenrechte reduziert.

Man lese dazu auch „Frauen als Trägerinnen religiösen Wissens“ von Doris Decker:
Konzeptionen von Frauenbildern in frühislamischen Überlieferungen bis zum 9. Jahrhundert. Für das Buch wurden viele alte Quellen akribisch ausgewertet.

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