Münster: Ein wenig Einordnung

Zu einem falschen Persilschein

Nach dem heutigen schlimmen und wohl nicht islamistisch konnotierten Anschlag in Münster wurde über Welt und Focus verbreitet, in der Stadt gäbe es keinerlei islamistische Umtriebe. Ein Anschlag ist für die Opfer immer sehr schlimm, da spielt es eine geringe Rolle, aus welchen Gründen der Täter das machte, Man kann Verletzten und Angehörigen der Opfer nur einen raschen Heilungsprozeß wünschen und viel Kraft.

Trotzdem ist es wichtig, dass die Lage allgemein richtig eingeschätzt wird. Münster mag generell eine sichere Stadt sein, trotzdem ist es falsch, zu behaupten, es seien dort keine Islamisten.

Quelle dieser Fehlinformation ist der anscheinend von der „Welt“ befragte Hans-Gerd Jaschke:

Terrorexperte Hans-Georg Jaschke sagte zudem dem Fernsehsender „Welt“, es gäbe keine radikalen Gruppierungen oder Moscheen in der Stadt und keine Islamistenszene. Münster gilt als sichere Stadt. Dass es gerade dort zu einem Anschlag kommt, überrasche ihn daher sehr, so Jaschke.

https://www.focus.de/panorama/welt/anschlag-in-muenster-taeter-soll-psychische-auffaelliger-deutscher-gewesen-sein-was-wir-wissen-und-was-nicht_id_8727058.html

Zum einen war sehr bald bekannt, dass der Täter sich selber erschossen hatte.
Eine solche Handlung kann man – seltene Ausnahmen mag es geben – grob als Knockout-Kriterium hernehmen, zumindest als eines, dass die Wahrscheinlichkeit eines Islamisten als Täter stark absenkt. Grund ist, dass eine solche Tat so begangen (also nicht sich selber in die Luft gesprengt, sondern sich selbst erschossen) als normaler Selbstmord gelten würde. Islamisten machen das nicht, weil es auf diese Weise die jenseitige „Belohnung“ für die Tat in Frage stellte (sich selber als Waffe einsetzen ist verbreitet – die Waffe gegen sich selber richten, nicht). Zum anderen bestünde, selbst wenn es in Münster nichts gäbe, in der relativen Umgebung reichlich Gelegenheit, sich radikaleren Gruppen anzuschließen.

Dass es keine radikale Szene in Münster gibt, ist allerdings nicht zutreffend.

Zunächst das Offensichtliche, Jungen und Männer, die für die Aktion „Die wahre Religion“ (Koranverteiler) auf die Strasse gingen. Längere Zeit gab es große und aufwendige Infostände mit Tischen etc. :

https://www.facebook.com/lies.munster/

Man kann diesen Account von Deutschland aus nicht (mehr) sehen, weil die Gruppierung „Die wahre Religion“ am 15.11.2016 verboten wurde. Beispielhaft, da waren sie mobil unterwegs:


Und die Nachfolge-Aktion, hier mit Pierre Vogel beim Verteilen der Biographie des Religionsbegründers:

Klar ist, nach dem Verbot der Organisation haben sich die Anhänger, hat sich die Szene ja nicht in Luft aufgelöst. Organisationsstrukturen kann man verbieten, aber das ändert nicht die Überzeugungen von Personen.

Moscheevereine, die radikal sind, gibt es auch einige.

Ein bisschen Hizbollah:

Die Moschee der als extremistisch geltenden Hizb Allah in Hiltrup steht weiterhin unter Beobachtung des NRW-Verfassungsschutzes.

http://www.wn.de/Muenster/2015/06/2006158-Islamismus-Moschee-im-Visier-der-Verfassungsschuetzer

Das ist dieser Verein hier:

„Fatime Versammlung e.V. (Imam Mahdi Zentrum)“. Im Verfassungsschutzbericht (den man aber auch kennen muss) ab S. 202 steht dazu:

Seit über 20 Jahren ist das Islamische Zentrum (Imam-MahdiZentrum) in Münster eine Plattform und Begegnungsstätte für Hizb Allah-Anhänger in Nordrhein-Westfalen und im Westen Deutschlands. Weitere Schwerpunkte: Raum Essen / Bottrop, Dortmund und Bad Oeynhausen.

http://m.mik.nrw.de/fileadmin/user_upload/Redakteure/Verfassungsschutz/Dokumente/VS-Berichte/VSB-2016_Internet.pdf

Da es die Einrichtung seit über 20 Jahren gibt, ist das auch nichts, was man eben mal so als aktuelle Entwicklung hätte übersehen können, wenn man sich mit dem Gegenstand beschäftigt..

Eine der Anlaufstellen für Salafisten:

Extremismus-Verdacht gegen einen islamischen Verein: Nach Informationen des NRW-Verfassungsschutzes ist der „Kulturverein der muslimischen Gemeinde Münster e.V.“, der seinen Sitz am Meßkamp hat, eine „Anlaufstelle für extremistische Salafisten “, so ein Sprecher des NRW-Innenministeriums am Freitag. Sie nutzten dessen Räumlichkeiten nicht nur für Gebete, sondern auch für Treffen. Nach Recherchen unserer Zeitung reicht der Einfluss der Salafisten bis in den Vorstand des Vereins.

http://www.wn.de/Muenster/2015/10/2153704-Im-Visier-der-Verfassungsschuetzer-Salafisten-im-Moslem-Kulturzentrum

Dann gibt es noch den Kreis derer, die dem „Dex-Institut“ von Marcel Krass eine Adresse gaben:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/06/24/marcel-krass-blitzradikalisierung-durch-psychomethode/

Auch scheint es in Münster eine nennenswerte Zahl an Anhängern der Palästinensichen Gemeinschaft ind Deutschland (PGD) zu geben:

Auch diese Organisation steht unter Beobachtung.

Bei der IHV, der Islamischen Hochschulvereinigung ist man auch „gut“ unterwegs (seit langem schon). Werbung für Problematisches wie Seminare mit Mohamed Mansour (s.d. blog), für Speisen für Waisen (Islamic Relief, muslimbrudernah) und so manches andere. Der bundesweit bekannte Dr. Reidegeld wird ebenso geladen:

https://www.facebook.com/events/1146867325361717/

wie einige andere, die ein schwieriges Religionsverständnis haben. Folgerichtig mögen die Personen, die auf der IHV Seite sind, denn auch die IGD usw. Nun denn.

Es gibt einige weitere Problemzonen – in der Region sowieso.
Für Münster eine General-Entwarnung zu geben, ist also ganz falsch und leider völlig kenntnislos. Erzählt man so etwas – ohne Kenntnisse – in der Öffentlichkeit, so gehen Politik und auch die Bevölkerung von falschen Voraussetzungen aus. Ein realistisches Bild ist aber notwendig, um Probleme zu erkennen und dann auch bearbeiten zu können.

Auch in Münster muss man sich also erheblich mit Islamismus in seinen verschiedenen Spielarten auseinandersetzen. Nicht heute und nicht morgen. Da hat Münster andere Sorgen.
Aber übermorgen.

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