Zielobjekt Kind

Über fundamentalistische Angebote für Kinder

Die Schulung von Kindern wird auch in religiösen Kreisen nicht dem Zufall überlassen. Ob Salafisten oder Muslimbrüder – man hat ein Programm, das die Kinder maximal religiös prägen soll. Eine muslimische Identität soll vor allem anderen stehen. Nicht Mann, Frau, Bürger, Bürgerin sollen als Erwachsene später agieren, sondern der Gläubige in seiner Rolle, der Muslim als Akteur in den Lebensbereichen. Es soll nach Möglichkeit keine Minute des Tages geben, die frei ist von religiöser Besinnung und Einbindung. Erst, wenn eine solch totalitäre Religionsauffassung seelisch verankert ist und greift, ist der Gläubige für die jeweilige Strömung maximal nutzbar, denn es bleibt kein Freiraum mehr, in der er nur er selbst ist – und frei. Um so etwas zu installieren, muss man früh anfangen. Bei manchen Richtungen soll Freiraum Angstraum werden, angstfrei ist nur die Einhaltung des Regelwerks.

Neben der Unterrichtung in manchen fundamentalistischem Koranschulen, die mancherorts in Drill mündet, gibt es auch über das Netz Angebote für Kinder. Solche Angebote waren hier schon mehrfach Thema, :

https://vunv1863.wordpress.com/2016/10/29/kaderkinder/

https://vunv1863.wordpress.com/2017/10/05/iranische-kinder-propaganda-fuer-deutschland/

https://vunv1863.wordpress.com/2016/08/29/kinderpropaganda/

Das geht von relativ harmlosen, aber identitären Angeboten bis hin zu klarer segregativen* und angsterzeugenden Inhalten.

Über Facebook und youtube werden seit einigen Wochen Zeichentrick-Videos für Kinder verbreitet.

Ihr könnt teilhaben an den Videos, indem ihr Audios von Euren Kindern aufnehmt und mir dann schickt. Dafür müsstet ihr mir vorerst eine Nachricht schreiben, damit ich Euch sage, wie ihr aufnehmen sollt und welche Texte.
Was Wir zukünftig vorhaben:
– Qur’an-Rezitationen
– Adhkar
– Anasheed
– Quiz
– kleine Reminders
– Wettbewerbe (wer rezitiert am besten, wer singt am besten Ansheed etc. mit tollen Preisen zu gewinnen in sha Allah)
Es soll ein „Sender“ für unsere kleinen Muslime werden in sha Allah 💖
Und das klappt nur mit Eurer Hilfe in sha Allah.
Lasst uns alle teilhaben an den Hassanet, auch Eure Kinder in sha Allah 🌸 (keine Sorge, Eure Kinder sieht man nicht). Möge Allah dieses Projekt segnen und uns ermöglichen unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Allahumma Amin

https://www.facebook.com/DieKleinenMuslime/

https://www.youtube.com/channel/UCf_NuXsPKYvCPXZlWpgxttA

Und damit die bunten Farben die Kleinen nicht übermütig werden lassen und damit auch bei Kindern stets eine angemessene Ernsthaftigkeit da ist, sollen die Videos nicht mal mit ein bisschen Kinder-Gesang untermalt werden:

Quelle: Facebook-Seite „Die kleinen Muslime“, Abruf 11.02.2018

Kinder sollen eben für manche nicht einfach Kinder sein, sondern zuallererst „kleine Muslime“.

Auch hier beim nächsten Angebot ist das dargestellte aktive weibliche Kind gleich mit Kopftuch zusehen, das eine Mädchen ohne ist Ausnahme und Dekoration, denn sie ist es, die vom gläubigen Mädchen beschenkt wird. Alle sonstigen weiblichen Figuren sind mit Kinderkopftuch:

Ein relativ breites, kostenloses Angebot an e-books für Kinder bietet das salafistische Portal „way to allah“, von unterschiedlichen Verfassern zusammengestellt:

http://www.way-to-allah.com/e-books/Kinder.html

Schon bei etwas so Schlichtem wie Körperfunktionen wird massiv Angst gemacht und manch ein zwanghaft erscheinendes Verhalten antrainiert. Die Kinder sollen Angst vor Höllenstrafen bekommen, nur weil sie vielleicht einmal diese Regeln nicht einhielten:

http://www.way-to-allah.com/dokument/WTA_Kinderbuch_Verhaltensweisen.pdf

Oder der Teufel isst angeblich mit, wenn die falsche Hand benutzt wird:

http://www.way-to-allah.com/dokument/WTA_Kinderbuch_Manieren_beim_Essen.pdf

Ein Weg, Kindern ständige, angstkonnotierte Selbstbeobachtung anzutrainieren.

Und wer möchte, dass sein Kind den Koran wirklich lernt, für den gibt es sogar ein solches Angebot im Ausland:

http://www.way-to-allah.com/projekte/14.html

Wer sich nun fragt, wie Eltern strukturiert sein müssen, die solche Inhalte an ihre Kinder geben, so ist das eine berechtigte Frage. Die Grenzen in der Erziehung zwischen den fundamentalistischen Strömungen sind in der Regel kaum wahrzunehmen. Es ist eine Erziehung, die auf eine autoritäre Persönlichkeitsbildung abzielt. Die Prägung soll auf die Religion eigener Auslegung erfolgen, die eigene Identität sozusagen dupliziert und nur evtl. in der konkreten, lebensweltlichen Herausforderung angepasst werden. So wie bei manchem Fundamentalisten der Glaube über dem Partner steht, so steht er auch über dem Kind.** Das Kind soll intensivst im Glauben erzogen werden, darf in grundlegenden Dingen keine eigene freie Wahl haben. Der gerade Weg zum Paradies ist sozusagen vorgegeben; das Kind muss diesen geraden Weg weitergehen. Der ist nach Strömung dezent unterschiedlich vorgegeben. Bleibt das Kind auf dem Weg, wird das belohnt (nach Binnensicht). Es ist also bei manchem Fundamentalisten eine zutiefst unfreie und eigennütziige Sicht auf Kinder. die Kinder dienen im Grunde der eigenen Erhöhung, nicht der Lebensfreude oder – bewahre! – sich selbst..

Eine Vorstellung davon, welches distanziert-unempathische Verhältnis im Zweifel mancher durch eine extremistische Gedankenwelt zu seinen Kindern hat, das derartige Erziehung möglich macht, schaue die folgenden Videos. Man heiratet, weil einen das vor Sünde bewahrt (… und das die „Hälfte der Religion“ sei). Nach Vorstellung recht vieler ist schon die Wahl des Ehepartners wichtig unter dem Gesichtspunkt des Glaubens. Ein extremes Beispiel eines Predigers und eines Vereinsvorsitzenden, Haikel ben Amor, aus Koblenz, Religion und „Blutkette“:

und

Manch einer bekommt nur Kinder, weil es gesellschaftlich erwartet wird mit dem Abschluß der Ehe.

Kinder sind nach den Vorstellungen dieses jungen Mannes*** Prüfungen Gottes, d.h. in der Art wie das Kind erzogen wird, zeigt sich der Glaube. Das Ziel ist das Paradies, nicht die Erfolge im Diesseits. Das Kind soll zwar auch geliebt werden, aber mit dem Prüfungscharakter im Vordergrund. Was macht das mit Menschen, wenn diese „Reihenfolge in der Liebe“ vorgegeben wird (ich habe allerdings eine genau gleiche Hierarchie allerdings auch einmal von einem Ahmadi erzählt bekommen; da war zwischen Mohammed und den Eltern allerdings noch der Khalif geschaltet): Allah, Mohammed, die Eltern, dann erst das Kind. Das ist im Grunde eine Umkehrung natürlicher Empfindungen:

und Teil 2:

Dass solchermaßen erzogene Kinder auch auffallen, sobald sie sich aus der Gegengesellschaft hinausbegeben, erscheint naheliegend. Manche salafistische Eltern und auch so mancher Muslimbruder mag seinen Kindern antrainieren, dass das Funktionieren in der „Außenwelt“ anderen Regeln unterliegt als jenen, die in der „eigenen Community“ gelten. Wird das intensiv und konsequent trainiert, erscheint das Kindern relativ natürlich, so wie zweisprachig aufgewachsene Kinder mit der Mütter z.B. deutsch und dem Vater afghanisch sprechen: Es wird gewechselt, ohne dass dies schwer fiele. Das eine Sozialverhalten und bestimmte Regeln gegenüber jenen, die man der einen Gruppe zuordnet, anderes Sozialverhalten und andere Regeln für die andere Gruppe****. Selbst bei völlig widersprüchlichem Vorgaben, stellt man Regeln und Sozialverhalten in den Gruppenvergleich, muss das nicht subjektiv dissonant sein. Persönlich dissonant wird es manchmal erst, wenn Notwendigkeit besteht, sich mit den Doppelstandards auseinanderzusetzen, also wenn die eine Gruppe die Person mit den Regeln der anderen Gruppe konfrontiert. An diesem Punkt muss sich das Individuum entscheiden, etwas, was gerne vermieden wird. An diesem Punkt wird dann aber auch erkennbar, welches der priorisierte Identitätsaspekt ist.

Einige extremistische Akteure lösen das allerdings so auf, dass sie Doppelstandards ablehnen und recht deutlich verkünden, wofür sie stehen. Sie gehen da allerdings den Weg, ihre extreme Sicht für eine normal muslimische Sicht auszugeben:

Wohin eine fundamentalistische Erziehung führen kann, sofern Selbstermächtigung hinzutritt, zeigt der Fall von Safia A, die mittlerweile wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Polizisten eine mehrjährige Jugendstrafe absitzt. Das Mädchen war fundamentalistisch sozialisiert:

Inwiefern es möglich ist, solche Sozialisationen zum Nutzen der Betroffenen und nicht zuletzt zum Schutz der Gesellschaft anzugehen, die aggressive, feindselige Haltung zu Menschengruppen aufzulösen, ist unklar. Dazu muss die Person dies wollen. Die Frage wird sein, wie man einen solchen Willen anregen kann, wie man Menschen Alternativen anbieten kann vor dem Hintergrund, dass das Gemeinwesen keine jenseitige Belohnung in Aussicht stellen kann. Ist die Person stark vorgeprägt, kann dies schwierig oder sogar unmöglich sein.

Das Problem beginnt im Zweifelsfall also bereits früh. Insofern muss man insbesondere auch die Angebote für Kinder ständig im Auge behalten.

 

 

 

 

 

 

*
Auch die DITIB bietet Kinderbücher an. Ob es so förderlich ist, wenn die Kinder lernen, dass die Ungläubigen die Schurken sind?

http://www.ditib-bs.de/wp-content/uploads/2014/08/almanca_peygamberimi_ogreniyorum.pdf

http://www.ditib-bs.de/downloads/

**
Das ist allerdings nicht fundamentalistischen Muslimen vorbehalten: Auch Zeugen Jehovas oder Scientologen wird angeraten, sich vom Kind zu trennen, sofern sich dieses vom Glauben abwendet: Das ist sozusagen – nimmt man es strukturell wahr und einmal ganz nüchtern  – aus Sicht der Gruppierung, die ein Eigeninteresse an ihrem Erhalt hat, „Schadensbegrenzung“ und Zwangsmittel in einem. Wer „aussteigt“, verliert ggf. sein gesamtes soziales Nahfeld.

***
Der junge Mann war eine zeitlang auch bei der Islamischen Gemeinde Gießen aktiv, siehe:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/10/giessen-es-hat-geklickt/

****
Ein Problem, in verschiedenen Gruppen jeweils „funktionell“ zu sein. Das ist teilweise unvermeidbar, da von Seiten der Mehrheitsgesellschaft und von Seiten mancher Community, die sich an einigen Herkunftskulturen orientiert, unterschiedliche Regeln angemahnt und ein unterschiedliches Sozialverhalten eingefordert wird. Eine Situation, die es Kindern mit Migrationshintergrund per se nicht einfach macht und zu einer inneren Zerrissenheit führen kann, die schwer zu ertragen und zu kompensieren ist. Man kann die persönliche Dissonanz, die durch unterschiedliche Regeln bei Personen vorliegt, allerdings nicht so auflösen, dass die Regeln der Gesellschaft nun um diese Dissonanz herum gebaut werden oder die Regeln, sofern sie den Regeln der Mehrheitsgesellschaft in relevanten Fragen widersprechen, von der Mehrheitsgesellschaft ohne ehrliche Debatte übernommen werden. Letzteres führte nämlich wiederum zu Dissonanzen in der wahrnehmenden Mehrheitsgesellschaft. Der Vermiedung solcher Dissonanzen der Mehrheitsgesellschaft ist eines der Anliegen konservativer muslimischer Verbände. Durch Gratwanderung, gerade so viel zuzumuten, wie es ohne Dissonanz möglich ist, kann das eigene Anliegen optimal befördert werden. Insofern wird einiges erzählt, um Dissonanzen nicht enstehen zu lassen, zu beruhigen und teilweise wird die eigene Agenda auch eher verdeckt vorangebracht.

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2 Gedanken zu „Zielobjekt Kind

  1. Und dann wundern sich noch Lehrer, wenn diese gleichgeschalteten Kinder andere mit dem Tod bedrohen. In England sind die Muslime schon viel weiter. Dort gibt es Koranschulen ab fünf Uhr Morgens vor der normalen Schule. Und Nachmittags noch einmal.

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