Ich, du, der andere

Ein paar Gedanken zu „Othering“ und  „Empowerment“

„Othering“ ist ein Konzept aus der Sozial- und auch Erziehungswissenschaft. Deutsche Übersetzungen gehen jedoch oft am Kern des Gemeinten vorbei, deshalb hat sich der Begriff im englischen Original eingebürgert. Es beschreibt ganz grob eine Haltung, die die eigene Gruppenzugehörigkeit bei anderen Menschen nicht nur sozial bevorzugen läßt, sondern die Angehörigen anderer Gruppen abwertet und die eigene Gruppe aufwertet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Othering

Es gibt ein wenig Überscheidungen  bzw. Ähnlichkeiten in der Bedeutung mit dem, was als Chauvinismus bezeichnet wird:

https://de.wikipedia.org/wiki/Chauvinismus

Othering ist also eine Vorstellung, die sich – bestehend aus verschiedenen Teilaspekten – um Identität und Eigenbeschreibung und -zuordnung in der Resonanz und Interferenz mit einem „anderen“ erst beschreiben lässt. Das können sogar sehr kleine Unterschiede sein, die eine solche Abgrenzung ermöglichen, es müssen sich nur genügend Personen finden, die diese Meinung teilen und dieses Merkmal ebenso zur Abgrenzung nutzen wollen. Merkmale, die sowieso allen Menschen gemein sind, können also zwar in ihrer Ausprägung und Gewichtung Teil der eigenen Identitätsverortung und auch gruppenspezifisch sein, werden aber weniger einem othering zugeordnet.

In manchen migrantischen Milieus wird nach verschiedenen Untersuchungen* häufig ein autoritärer Erziehungsstil bevorzugt (das betrifft z.B. indischstämmige Personen mit hinduistisch-religiösen Eltern ebenso wie Türkischstämmige etc; hier soll es mehr um die Erziehung gehen, die in manchen muslimischen Familien gelebt wird aus verschiedenen nationalen Herkünften). Kinder sollen nicht auffallen, sollen gehorchen. Mädchen und Jungen sehen sich oft früh unterschiedlicher Behandlung und Normen ausgesetzt. Es gibt weitere Vorgaben und Erwartungen, die an Jugendliche gestellt werden und die sich manchmal unterscheiden (das ist wiederum nun die Erwartung der Gesellschaft; diese sollen aber hier einmal hintan gestellt werden), somit also dieses Gefühl, „anders“ zu sein, erst wecken oder verstärken.

Ein wertvoller Vortrag von Prof. Dr. Ahmet Toprak (FH Dortmund) zum Thema „Erziehungsziele und Geschlechterrollen in unterschiedlichen Familientypen“, gehalten am 15. 10. 2015, fasst da einiges zusammen (ich möchte Lehrer nur anregen, sich damit zu beschäftigen, es gibt mittlerweile einiges an Literatur dazu. Dieser Artikel soll nur in knapper Form insbesondere Lehrer neugierig machen, ihre Schüler besser verstehen zu wollen, damit sie sie besser unterstützen können):

In strikt religiös ausgerichteten Milieus sind die Vorgaben oft stark bindend. Zudem wird in diesen traditionellen bis fundamentalistischen Milieus auch häufig stark genau auf die Identitätsbildung hingewirkt. Die Ziel-Identität ist oftmals identitär-kollektiv, mit einer Betonung der jeweiligen Ethnie oder Nationalität. Das fällt in der Diaspora besonders ins Gewicht und je mehr Personen ähnlicher Grundhaltungen in einem gegebenen Rahmen interagieren, desto stärker ist oftmals dieser Rückbezug (gegenseitige soziale Kontrolle auf ein konserviertes Heimatverständnis) auf die dann idealisierte Ursprungsregion. Die Kinder sollen also – grob – ihr „anderssein“ behalten, damit sie der Familie „ähnlich genug“ bleiben (v.a. in ihrem sozialen Nahfeld). Zugleich sollen sie in der Diaspora möglichst erfolgreich sein, sollen also – so die häufigen Wünsche von Eltern – z.B. Ärztin oder Anwalt werden. Dies erfordert Anpassungsprozesse an die und in die Mehrheitsgesellschaft. Diese sollen jedoch nicht im sozialen Nahbereich wirksam werden. So wird häufig erwartet, dass nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen bis zur formellen und kollektiv abgesegneten eigenen Hausstandsgründung, die nach Binnensicht oft erst mit der Heirat erforderlich wird, bei den Eltern wohnen bleiben. Die Freiräume für eigene Identitätsgestaltung, die in der Phase Jungerwachsener zwischen Kinderzeit und eigener Familiengründung wirksam werden, kommen in diesen Konstallationen oft nicht zum Tragen und sind allenfalls bei Studium oder Ausbildung in einer anderen Stadt begründbar. Die Kontrolle, die Eltern ausüben, erschwert so eine Individuation, wie sie in der Mehrheitsgesellschaft für normal gehalten wird.

Mit der Stärke dieses Kollektivs steigen lokal unterschiedlich die soziale Kontrolle des imaginierten oder realen Kollektivs und die Wirkungen, die beachtet werden müssen vom Individuum. Je strukturierter dieses Kollektiv ist, also je mehr gemeinsame Haltungen erwartet werden (imaginiert oder real), desto stärker stehen Kinder und Familie auch unter Beobachtung dieses Kollektivs, ob die Kleingruppe oder das Individuum diese Erwartungen auch erfüllt.*** Da parallel das Konzept der „Ehre“ häufig überwertig vermittelt wird, also ein dauernd fragiles Selbstbild ständig des Abgleichs mit einem realen oder imaginierten Fremdbild bedarf, ist dieses auch leicht bedroht. Die Externalisierung des Selbstbildes begünstigt kollektive Einwirkung mit der Folge, dass eine Abgrenzung der Kollektive für natürlich gehalten wird: Ganzen Kollektiven werden unterschiedliche Normen zugeordnet, Normen, die für andere Kollektive nicht gelten, und, wenn die Normen stark abweichen, oftmals zur Abwertung des anderen Kollektivs und dessen Individuen führen. Beispiele solcher Prozesse sind gut dokumentiert in Güner Balcis Film „Kampf im Klassenzimmer“. Der Film ist von 2009/10, aber immer noch lohnend:

 

Es ist nicht nur, wie am Anfang gesagt wird, schwieriger geworden für „deutsche Schüler“. Zum einen ist „deutsch“ und „muslimisch“ kein Gegensatz. Zum anderen ist es auch für muslimische Schüler schwieriger geworden. Das Entgegenkommen, die „kulturelle Öffnung“ vielerorten, hat dazu geführt, dass es gesonderte Angebote für Muslime gibt. Die Zentrierung und nachfolgend Priorisierung des islamisch konnotierten Identitätsaspekts führt dazu, dass es gerade identitären Akteuren leicht gemacht wird, ihre Angebote als integrativ anzupreisen. Wenn unter Integration nicht Einbindung in eine Wertegemeinschaft gemeint ist, deren Leitgedanken vereinbart werden, sondern eine multikulturelle Gemeinschaft gedacht ist, die dann auch hinsichtlich der Werte kulturrelativistisch sein kann, dann wird das Bestreben sein, diese anderen Identitätsaspekte überzugewichten. Wenn „bunt“ ein Ziel ist, müssen „bunte Subjekte“ auch „bunt“ bleiben. Wenn „diversity“ eigenes Ziel ist, nicht mehr nur Realitätswahrnehmung und Ausgangslage, dann ist „anders sein“ Programm. All jene Akteure, die „bunt“ als Vorgabe haben, werden also darauf hinwirken, dass Unterschiede erhalten bleiben, weil sie nicht mehr neutral und individuell wahrgenommen, sondern kollektiv-pauschal positiv besetzt sind; das ist also ein ebenfalls kollektivistischer Ansatz. „Bunt“ als Selbstzuschreibung könnte man individualistisch gedacht neutral finden. Ist es jedoch kollektivistisch gedacht oder wird es von kollektivistisch oder gar tribalistisch agierenden Akteuren benutzt, so wird mit der Zielsetzung nicht das Individuum an sich gestärkt, sondern identitäres Gedankengut bevorzugt. „Bunt“ wird das Individuum ja erst, wenn es sich selber auch (jenseits ethnischer Selbst- und Fremdzuschreibung) so verortet.**** Eine solche Sicht widerlegt und bekämpft „othering“ nicht (mehr), sondern sieht „othering“ nur als spektralen Bestandteil. Nur im Exzess, also in der öffentlich wahrnehmbaren Propagierung von Abwertungen, wird dies allenfalls noch geahndet. Aber auch an diesem Punkt sind Aufweichungen zu beobachten: Abwertungen von Personen, die sich selber einer Minderheit zuordnen (und sei es nur aus individuell-egozentrischen Motiven), die sich auf die Mehrheitsgesellschaft richten, werden immer breiter hingenommen und werden mit Diskriminierungserfahrungen gerechtfertigt. Oder um es anders auszudrücken: Gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit wird nicht selten hingenommen, wenn sie sich auf „die Kartoffel“ richtet.***** Dieses Hinnehmen wiederum stellt für all jene, die das – so muss man es im Grunde sehen – Unglück hatten, Ziel einer Erziehung zu werden, die Abwertungen anderer beinhaltete, eine positive Verstärkung dar: Wenn man ungeahndet eine, die andere, Menschengruppe herabsetzen kann, birgt das über die Eigenposition alleine, ohne eigenes Zutun einen narzisstischen Gewinn. „Nicht-Kartoffel“ oder – weiter gefasst – nicht „weiß“ zu sein, ist dann etwas primär positives, eine Zuordnung, die anders herum ganz undenkbar ist und in dieser Ausformung nicht besser ist (Diskriminierung rechtfertigt keine eigenen Abwertungen von Menschen oder Menschengruppen; Frauen sollten, um ein Beispiel zu nehmen, ja auch Männer nicht herabsetzen, weil sie mancherorts weniger Lohn erhalten – für Gleichheit da eintreten ist der Weg, nicht Abwertungen). Das führt also in einen Rassismus, der auf den ersten Blick wegen der sich äußernden Subjekte nicht als Rassismus erscheint, aber doch nichts anderes ist.

Gesonderte Ansprache, Mangel an Widerspruch zu konkreten Haltungen und Freiräume nach kultureller Selbst- oder Fremdverortung bergen also (genau wie fortbestehende Diskriminierung) die Gefahr, dass es nicht zu einer Veränderung der Verhältnisse kommt, sondern zu einer Umkehrung und partiell reaktiv sogar zu einer Verschlimmerung (denn es gibt ja real antimuslimischen und verabscheuungswürdigen Rassismus, der dann, wenn man kollektiv denkt, jedoch zum Opfermythos überhöht werden kann). Gestützt wird das durch Interessengruppen, die identitär agieren. Ein anders gelagertes Beispiel aus der Politik: Gesetzt sei Interessenvertretung für die Arbeiterklasse (man kann auch Kirchen nehmen, es ist derselbe Mechanismus). Definieren sich aber immer weniger Menschen als Arbeiter, ordnen sich selber also dieser Gruppe nicht mehr zu auch unabhängig von den realen Zuständen, verliert auch eine Interessenvertretung dieser Gruppe an Relevanz: Die Gruppe löst sich selber auf, gefolgt von der geringeren gesellschaftlichen Bedeutung (die sich oft über Zahlen ausdrückt) ihrer Interessenvertreter. Sind diese Interessenvertreter aber da, wollen sie (Selbsterhalt in der Funktion, Eigeninteresse) einen Ersatz, um die gesellschaftliche Bedeutsamkeit zu erhalten, also den eigenen Einfluß zu stabilisieren. Interessenvertreter werden also darauf hinwirken wollen, dass die Zahl der ihnen zuzuordnenden Personen nicht geringer wird. Bei den muslimischen Verbänden nun wird besonders stark darauf hingewirkt, dass der Nachwuchs dabei bleibt, auch wenn überhaupt nur ein Viertel der Muslime diese Verbände kennt. Noch weniger gehören ihnen an. Man wird also darauf hinwirken (wollen), dass die Identität „Muslim“ priorisiert wird. Diese Art der Priorisierung birgt jedoch die Gefahr, dass manches bereits vorliegende Erziehungsmotiv nicht bearbeitet, sondern verstärkt wird. Da für die Verbände jedoch die individuellen Interessen der Jugendlichen nachrangig sind vor den eigenen, wirkt man auf immer mehr Angebote hin, die Muslime als Muslime separieren. Liegen diese Angebote nämlich erst einmal vor, werden die Jugendlichen ständig in Eigenleistung sozusagen auf ihre religiösen Identitätsaspekte reduziert.

Wort- und Gruppenführer drängen muslimische Kinder und Jugendliche nun, sich zu entscheiden. Diese Entscheidung wird erst durch das Angebot notwendig. Das (von der Mehrheitsgesellschaft) gut gemeinte Angebot führt im Endeffekt dazu, dass sich Indifferente durch den Gruppendruck entscheiden müssen bzw. sie einem gesteigerten Gruppendruck ausgesetzt sind. Das spielt den identitären Mustern konservativer Verbände in die Karten.

Im Rahmen gesteigerter Bemühungen hinsichtlich der Prävention des religiösen Extremismus werden verschiedene Konzepte erprobt. Da es keinen Masterplan gibt, werden von Bund und Ländern verschiedene Ansätze aus der öffentlichen Hand gefördert. Weitergehende Evaluationen fehlen bislang, auch wenn in jüngster Zeit manches als Evaluation bezeichnet wird, das diesem Anspruch im wissenschaftlichen Sinne nicht oder kaum gerecht wird:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/09/metamagie/

Eines der Konzepte wird gerne mit dem Begriff „Empowerment“ umschrieben. Unter diesem Ansatz versteht man allgemein die Förderung von Personen oder Organisationen, die in einer Position minderer Macht sind, also Minderheit sind oder anders an einer Teilhabe gehindert sind:

https://de.wikipedia.org/wiki/Empowerment

Dieses wird nun jedoch in Zusammenhang mit dem (verständlichen) Wunsch gebracht, etwas gegen Radikalisierung in muslimischen Milieus zu tun. In diesem Zusammenspiel werden also, anstatt ALLE Jugendlichen gemeinsam zu betreuen und zu „empowern“, also mehr in gemeinsame Jugendarbeit zu investieren, separate Angebote mit muslimischer Konnotation gemacht. Das wiederum wird eher nur muslimische Jugendliche ansprechen. Man könnte ja auch andere Aspekte aufgreifen, die gemischte Gruppen produziert. Schöne kostenfreie Angebote wie Gruppenfahrten, Museumsbesuche, politische Debatten von Zukunftsthemen interessieren alle Jugendlichen gleichermaßen. Durch die – n.m.M. in der Pauschalisierung falsche – Information u.a. durch Präventionsdienstleister wird  jedoch suggeriert, dass mehr Religionswissen einer Radikalisierung vorbeuge. Es wird also mehr religiöse Ausrichtung propagiert (und auch gefördert, obwohl manche Angebote nur mühsam den Leitlinien entsprechen). Das führt dazu, dass durch türkische Nationalisten, Muslimbrüder und andere Indentitäre ausgeführte Verbandsarbeit als förderwürdig erscheint. Diese „empowern“ auf die Priorisierung des religiösen Identitätsaspekts hin, bis der Arzt kommt. Zugleich wird zu den bereits vorher bestehenden identitären Gruppen hin vernetzt, auch das unter den Flagge der Prävention. Durch die Drohkulisse der Radikalisierung und die Verheissung, dieser mit mehr (eigener, natürlich) Religion begegnen zu können, geht da sehr viel.

Die Gruppen, die Identitäres schon immer propagierten, sehen sich also nunmehr in der komfortablen Lage, die eigene Verbandsarbeit nicht nur als gesellschaftlich nützlich, sondern auch als förderwürdig eingestuft zu sehen. Insofern werden neben Vernetzung und religiöser Einbindung den Jugendlichen oftmals auch für eine weitere Propagierung nützliche Inhalte vermittelt. Nicht selten werden Öffentlichkeitsarbeit, Medienkurse und allerlei andere Dinge vermittelt, die insbesondere junge Muslime ALS Muslime fit machen sollen für die Mediengesellschaft. Auch hier: Die Begründung für die die angeblich versagte Teilhabe ist oft eine kollektivistische: Muslimen würde die Teilhabe verwehrt. Dass junge Menschen auch aus anderen Gründen es schwerer haben können als andere, weil sie vielleicht aus einer eher bildungsfernen Familie stammen, weil das Geld knapp ist oder weil man in schwierigen Wohnverhältnissen lebt, fällt da völlig weg. Für die Verbesserung der Teilhabe Bildungsferner, Armer, weniger medien- und politikgewohnter Jugendlicher ist zu wenig Geld da und es existieren auch kaum Lobbygruppen (s.a. „arbeiterkind.de“) . Auch fehlt da oft, aber nicht immer (s. Arbeit gegen das Fußfassen rechter Muster) der Aspekt, mit der Arbeit Radikalisierung zu verhindern. Da wirken also mehrere Aspekte zusammen.

In der Gesamtschau und wenn man sich die tatsächliche Umsetzung mancher Empowerment-Projekte anschaut, kann man die Befürchtung haben, dass unter öffentlichen Lippenbekenntnissen, um die Förderfähigket zu erhalten und die tatsächlich verfolgten Ziele zum Gemeinwesen zu verschleiern, Identitäres auf dem Vormarsch ist und durch diese Projekte verstärkt wird. Die Eigenwahrnehmung wird verändert, aus jungen benachteiligten Personen werden Menschen geformt, die sich zunächst als Muslim sehen. Die Benachteiligungen, die neben – vorhandenem! – Rassismus vorkommen, werden in ein Muster eingebettet, dass die Benachteiligungen mit einem neuen Sinn umgibt. Es wird auch ein leichter Weg vorgegeben, Misserfolge umzudeuten: Nicht mehr evtl. die eigene Minderleistung, die vielleicht (Lernen, Erfolg erfordern Anstrengung!) individuell und nicht ohne bzw. durch mangelndes Zutun verursacht ist, wird wahrgenommen, sondern eine Zurücksetzung. Ein Muster, das z.B. den in einigen Bereichen leider unterdurchschnittlich abschneidenden Kindern nicht-muslimischer, italienischer Migranten nicht offen steht.******

„Empowern“ sollte man also eigentlich alle Jugendlichen gemeinsam – ohne Ansehen der Herkunft, nicht separiert nach Geschlecht oder Religionszugehörigkeit. So lernen sich Menschen kennen, indem sie Dinge gemeinsam tun und bewältigen. Alle Jugendlichen haben ein Recht darauf, dass sie bei Anstrengung in ihrer eigenen Leistung unterstützt und gefördert werden. Dann hat othering keine Chance.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*
Z. B. Alamdar-Niemann (1992), Merkens (1997), Toprak (2002, 2011)

**
Kiefer hat entweder die Gründungsgeschichte der MJD nicht nachvollzogen oder geht absichtlich nicht darauf ein. Zudem sind Eigenauskünfte nicht immer geeignet, ein realistisches Bild von den Verhältnissen zu erlangen:

Gespräche mit MJD-Akteuren und vor allem deren konkrete Arbeit mit Bildungsträgern aus dem kirchlichen Spektrum zeigen m. E. jedoch, dass diese Vorhaltungen in Zweifel gezogen werden können.

https://www.uni-koeln.de/phil-fak/afrikanistik/kant/data/Nacro-Magisterarbeit.pdf

Die MJD ist aus Gründungsgeschichte und wegen der Gründerpersönlichkeiten völlig klar dem Netzwerk der Muslimbruderschaft zuzuordnen.

Die Gründerpersönlichkeiten sind heute in anderen Gremien und Strukturen des Netzwerks vorzufinden. So leiten manche IGD-Einrichtungen, andere wie Wolfgang Borgfeldt alias Muhammad Siddiq sitzen im European Council of Fatwa and Research (ECFR) und in seinem deutschen Ableger, dem Fatwa-Ausschuss:

http://www.ezw-berlin.de/html/15_2538.php

Wie sehr da oft aus geringen Fallzahlen extrapoliert wird (kommt vor), zeigt dieser Erkenntniswandel:

Kiefer 2011:
Blitzartige Radikalisierungsprozesse bei jungen Muslimen sind keine Einzelfälle mehr. Was
können Jugendarbeit und Schule tun, um das zu verhindern?“

http://www.fachsymposium-empowerment.de/Verschiedenes/pdflib-36337.pdf

Kiefer 2018:
Radikalisierung verläuft nicht blitzartig“
Der Islamwissenschaftler Dr. Michael Kiefer aus Osnabrück widersprach der Vermutung, dass eine Radikalisierung „blitzartig“ verlaufen könne. Diese These stehe im Raum, aber nicht haltbar.

Diese These wurde ja auch von ihm selber verkündet. Wäre ganz gut, wenn man das anmerkte:

https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw17-pa-1ua/550920

Die „Blitzradikalisierung“, also in wenigen Wochen in den Jihad, blieb tatsächlich wenigen Fällen vorbehalten, was man aber teilweise noch nicht vorher sehen konnte. Insofern ist da eine Warnung vor einer geschulten Herangehensweise bei Suggestiblen sicher nicht verkehrt gewesen:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/06/24/marcel-krass-blitzradikalisierung-durch-psychomethode/

Die Wirkungen von Marcel Krass blieben aber beschränkt, das lag v.a. auch daran, dass die Betätigungen über sein DEX-Institut wohl eingegrenzt wurden.

***
Prinzipiell gilt das auch für andere Herkünfte und Selbstzuschreibungen, also auch für Personen z.B. hinduistischen Glaubens oder Eziden. Da es für diese jedoch allermeist keine gesonderten Angebote gibt und auch die Gruppengröße meist überschaubarer ist, entfällt der Konformitätsdruck. Auch sind diese Herkünfte meist nicht supranational anschlußfähig, etwas, das bei Herkunft aus dem islamischen Kulturraum sich gerade anbietet.

****
Das ist auch eine der Ursachen, warum es Personen, die eine Fremdverortung „bunt“ aufweisen, aber sich selber als Teil der Wertegemeinschaft sehen, bei Vertretern einer multikulturellen Gesellschaft oft so schwer haben. Ihre Integration wird in manchen Kreisen nicht honoriert, da ihnen echte, individualistische Integration vorschwebt und sie sie vorleben. Kollektivistisch denkende Akteure sehen sie dann wie eine Art Abtrünniger. Sie werden dann bestenfalls wie Personen aus der Mehrheitsgesellschaft behandelt. Im Extrem werden sie trotz guter Leistungen aus politischen Ämtern gemobbt, da sie die zugewiesene und erwünschte Rolle, „bunt“ und anders zu sein, nicht ausreichend darstellen.

*****
Ein exemplarischer Text stammt in dieser Hinsicht von Hengameh Yaghoobifarah in der taz. Die Mittzwanzigerin ist wohl Deutsche, lehnt dies aber offensichtlich ab. Yaghoobifarah scheint sich selber zu exkommunizieren, sich da heraus zu nehmen, weil sie abewertet und dies wohl auch genau so möchte:

http://www.taz.de/!5453932/

https://www.cicero.de/kultur/rassismus-debatte-im-netz-hass-rede-taz-deutsche-dreckskultur

http://juedischerundschau.de/taz-deutsche-schafft-euch-ab-13591119/

Ebenfalls interessant:

https://missy-magazine.de/blog/2018/02/16/mein-horoskop-ist-wichtiger-als-deutschland/

******
https://www.derwesten.de/incoming/italienische-schueler-sind-am-schlechtesten-id3685063.html

„In einzelnen Fällen gibt es Hinweise, dass kulturelle Prägungen durch das Herkunftsland zusätzlich leistungshemmend wirken, z. B. für die Türkei, Italien oder das ehemalige Jugoslawien. Die Ursachen dafür sind bisher nicht eindeutig geklärt und könnten in der mangelnden Kenntnis der Eltern über das deutsche Bildungssystem, der Dominanz der Herkunftssprache in vielen Familien oder auch in pauschalisierenden Zuschreibungen der Lehrkräfte sowie institutioneller Diskriminierung an Schulen liegen.

http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/neukoelln-unlimited/190238/zukunftsperspektive-supertalent-bildungschancen-von-migranten

https://mediendienst-integration.de/artikel/gastkommentar-edith-pichler-60-jahre-anwerbeabkommen-zwischen-deutschland-und-italien.html

http://www.insm.de/insm/dms/insm/text/kampagne/chancen-fuer-alle/fruehstuecksdialog-iw-studie-bildungsverlierer/iw-kurzstudie-bildungsverlierer/IW%2520Kurzstudie%2520Bildungsverlierer.pdf+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

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