Der schöne Schein

Darmstädter Verein soll einen UN Preis erhalten? Hintergründe einer geplanten Verleihung

In Darmstadt existiert eine als Umweltschutzverein firmierte Organisation, Nour Energy e.V. Der Verein tritt jedoch ausdrücklich parallel religiös auf. Religion durchdringt für manche alle Lebensbereiche, Religion bildet sozusagen die Grundmatrix der Weltsicht. Schließlich könnte man ja, ginge es nur um die Natur, sich auch anderen Organisationen anschließen. Das macht man aber nicht und lieber etwas eigenes, etwas, das wegen seiner religiösen Konnotation eher dann nur auf Muslime abzielt. Sowohl Durchdringung als auch Abgrenzung erscheinen durchaus als Absicht, denn man arbeitete nachweislich mit Akteuren und Organisationen zusammen, die u.a. der Muslimbruderschaft (MB) zuzuordnen sind.*  Parallel sind Strukturen, die religiöse Organisationen fördern und ihre Interessen vertreten, zusätzlich nutzbar zu machen. Die MB agieren international mit sozialen Projekten, die die Ideologie mit transportieren helfen. Da aus diesem Grunde sich schon in der Vergangenheit Fragen stellten, war dem Verein letztes Jahr ein zunächst zugesprochener Preis wieder aberkannt worden:

https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/darmstadter-energieversorger-entega-verweigert-muslimischen-verein-nour-energy-publikumspreis_17639860#

Auch auf diesem blog war der Verein schon mehrfach und zuvor bereits Thema:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/10/12/erneuerbarer-islamismus/

Auf die Aberkennung reagierte u.a. ein „Interreligiöser Arbeitskreis Darmstadt“** mit Unverständnis und beharrte auf seiner ausschließlichen Kenntnisnahme der Eigendarstellung des Vereins:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/16/in-darmstadt-nichts-neues/#more-8451

Der Arbeitskreis tritt zwar hier und dort in Erscheinung, ist aber kaum fassbar. Transparent ist das auf jeden Fall nicht. Besser hinischtlich zumindest der Transparenz steht es mit einem anderen Gremium aus dem Umfeld, das „Abrahamische Forum“. Aktuell tritt die Organisation in Darmstadt wieder verstärkt an die Öffentlichkeit, man begeht die „Religiöse Naturschutzwoche“.  Nächsten Donnerstag soll eine Veranstaltung in Darmstadt stattfinden:

https://abrahamisches-forum.de/Veranstaltung/darmstadt-erneuerbare-energien-im-fokus-religioeser-einrichtungen/

Zum Mitveranstalter*** Abrahamisches Forum lässt sich einiges sagen. Unter den Mitgliedern dieses Forums sind verschiedene Akteure, die Muslimbruderbezüge aufweisen (was dem einen oder anderen Mitglied entweder nicht bewußt ist oder er es billigend in Kauf nimmt). Hier auf einem Bild sind z.B. Akteure des Zentralrats der Muslime (ZMD) zu sehen (Dr. Axel Ayyub Köhler, ehem. Vorsitzender ZMD, Frau Nurhan Soykan, Stellvertretende Vorsitzende):

Bei den Mitgliedern (aus der Liste) ist ein weiterer ehemaliger ZMD-Vorsitzender Dr. Nadeem Elyas und der aktuelle ZMD-Generalsekretär, Abdassamad El Yazidi. Aber auch Dr. Bekir Alboga, langjähriger DITIB-Funktionär, ist mit dabei. In dieser Struktur tritt also der legalistische, politische Islam mit verschiedenen Akteuren in Erscheinung und wird von den anderen somit durchaus hoffähig gemacht. Die Geschäftsführung liegt bei Dr. Jürgen Miksch, von dem wohl die Initiative ursprünglich ausging.

https://abrahamisches-forum.de/ueber-uns/mitglieder/

Bei der diesjährigen „Religösen Naturschutzwoche“ dieses Forums sollen auch problematische Organisationen eingebunden werden, bzw. sind schon angekündigt:

https://abrahamisches-forum.de/wp-content/uploads/2018/07/RNW_DA_Brosch%C3%BCre.compressed.pdf

Daraus hier am 4. September:

Quelle: Broschüre „Religöse Naturschutzwoche 2018“, Abruf 02.09.2018

Sowohl die Rahma Moschee wie der Bilal-Verein standen in der Vergangenheit unter Beobachtung des Landesamtes für Verfassungsschutz. Am 6. September dann besagter Nour Energy Verein:

Quelle: Broschüre „Religöse Naturschutzwoche 2018“, Abruf 02.09.2018

Die Veranstaltung findet statt in der örtlichen Moschee der ATIB, einer Organisation aus dem Graue Wölfe-Spektum.

Sowohl die ATIB als auch Organisationen, die der Muslimbruderschaft zugerechnet werden können (z.B. die IGD, die größte deutsche Organisation, in der sich Muslimbrüder organisieren) sind große und dominierende Mitglieder im Zentralrat der Muslime. Was liegt da näher, als dass auch bei dieser Veranstaltung auf Akteure dieses Kreises zurückgegriffen wird. So ist im Programm, das verschiedenen Personen der Stadtgesellschaft zuging, vorgesehen, dass sowohl der Türkische Generalkonsul als auch Said Barkan, der Vorsitzende des ZMD Hessen, im Programm eine wichtige Rolle spielen:

18:00 Uhr Begrüßung zur religiösen Naturschutzwoche

18:05 Uhr Vortrag mit dem Titel „Erneuerbare Energien – im Fokus religiöser Einrichtungen“

Senay Altıntas, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Emir-Sultan-Moschee Darmstadt

18:30 Uhr Grußworte und Ansprachen (bisherige Zusagen)

Burak Kararti, Türkischer Generalkonsul Frankfurt

Detlef Szymanski, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Said Barkan, Vorsitzender Zentralrat der Muslime Hessen

Lucia Kehr, Katholisches Dekanat

18:50 Uhr Verleihung der Auszeichnung „UN-Dekade Biologische Vielfalt

Dr. Jürgen Micksch, Geschäftsführer, Abrahamisches Forum in Deutschland e.V.

19:00 Uhr Gemeinsame Besichtigung der Solaranlage und des ökologisch aufgewerteten Geländes der Emir-Sultan-Moschee

Tanju Doğanay, Vorstandsvorsitzender, NourEnergy e.V.

19:20 Uhr Stay-together und Austausch bei Kaffee/Tee und Kuchen“

Fehlt da nicht etwas?
Genau, die genauere Beschreibung des Projektes.
Auch in der Broschüre der „Religiösen Naturschutzwoche“ kommt zwar Nour Energy vor, nicht jedoch die Preisverleihung oder auch nur das Projekt als solches (auch unabhängig vom Preis: wenn man was gemacht hat, kann man es ja mit vorstellen).
Normalerweise lassen es sich Ausgezeichnete nicht nehmen, ihre Arbeit intensiv vorzustellen.

In diesem Rahmen sollen also, so scheint es, vornehmlich Ministeriale und Personen der Stadtgesellschaft mit den Akteuren des politische Islams in Kontakt gebracht werden. Leumunds-Patenschaften sozusagen. Muslimbrudernahe Akteure, andere Akteure und Einrichtungen des politischen Islam sind dabei, ohne dass jedoch den Eingeladenen deren Einbindungen zur Kenntnis gegeben werden. So funktioniert Türöffnung. Die Türe öffnen für legalistische Akteure heißt jedoch, Unterwanderung betreiben und fördern.

Eine zentrale Rolle bei der Veranstaltung spielt auch wieder Dr. Miksch.

Nun ist in Darmstadt Dr. Miksch seit vielen Jahren aktiv. Seit langer Zeit arbeitet er mit Personen zusammen, die ein zumindest gespaltenes Verhältnis zur FDGO haben. So z.B. Dr. Nadeem Elyas, dem ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, der auch im Abrahamischen Forum wieder dabei ist. Über Elyas gab es schon 2003 einen Bericht des SWR, in dem eine doppelte Strategie beschrieben wird. In diesem Bericht wurden Hinweise zu der anderen Seite, konkret zu Muslimbrüderbezügen, dargelegt. Zusätzlich wurde dies durch die Schilderungen eines Aussteigers glaubhaft gemacht. Dies focht Dr. Miksch aber nicht an und so unterstützt er Elyas und weitere Personen dieser ideologischen Richtung immer wieder:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/08/19/falsche-flagge/

Zufällig erscheint also die Auswahl der Beitragenden an diesem Event nicht. Immerhin wird ja nur ein kleiner Preis – ungeachtet des Namens – vergeben. Nur um einen Eindruck zu haben: Andere Preisträger kümmerten sich um Streuobstwiesen oder ähnliches. Das Jahres-Projekt des Jahres 2017 hieß übrigens: „Ganz Köln im Spatzenfieber“

https://www.undekade-biologischevielfalt.de/projekte/aktuelle-projekte-beitraege/jahresprojekte/

Man kann sich gut vorstellen, dass bei dieser Preisverleihung wahrscheinlich keine Konsuln mitwirkten oder kirchliche Würdenträger.

Gespannt sein dürfte man auf die genaue Projektbeschreibung, zumal im Zusammenhang mit Nour Energy keine Biologen auffielen oder man sich jemals konkret und selber mit Praktischem diesbezüglich beschäftigt hätte. Es werden ja nur die Sachen eben mit erneuerbaren Energien aufgeführt, u.a. an jener Einrichtung, an der man jetzt den Angaben zufolge auch wohl mächtig tätig war in Sachen Biodiversität. Nach den Regularien geht man an den Projektort:

 

Der Hauptteil bezieht sich auf die Photovoltaik-Anlage, die Nour Energy dort vor nunmehr ca. 6 Jahren nach eigenen Angaben einrichtete. Das preiswürdige Projekt soll sich aber um „Ökologische Aufwertung von Freigelände“ drehen und soll ein „Moschee-Projekt“ sein, wie man der Einladung entnehmen kann. Das dreieckige Grundstück ist wohl das Grundstück des Vereins, das rotgepflasterte gehört wohl nicht mehr dazu (Grenzziehung sieht so aus – o.G.):

Quelle: Google-Maps, Abruf 02.09.2018

 

Nun ist zwar Platz in der kleinsten Hütte für allerlei, aber Biodiversität steigern auf einem Grundstück von geschätzt 500 m2, von denen – wiederum geschätzt – 350 m2 versiegelt/bebaut sind? Wo ist da alleine schon Platz für „Biodiversität“? Wäre das auch preiswürdig, wenn da nicht das Wort „Moschee“ fiele? Wenn das so wäre, gab es schon Jugend forscht Drittplazierte, die ambitioniertere Projekte vorlegten. Andere Projekte der „UN-Dekade“ sind durchaus schön und nutzbringend. Monatlich wird nach den Regularien ein Projekt bestimmt, das einen Preis erhält; aus diesen rekrutiert sich dann der jeweilige Jahressieger, der ein Preisgeld von 1000 € erhält. Es scheint, dass der Preis einer der Monatspreise ist. Für so etwas reist der türkische Generalkonsul an? Das Projekt mag kaum der Rede wert sein, doch die Vermarktung ist wohl wichtiger als Projekt und Preis. Die Verleihung erscheint zentral und man baut offensichtlich darauf, dass nach einer solchen Preisverleihung mit ministerialer Teilnahme niemand mehr nachfragt, was das denn für ein Verein ist.

Auch wenn man nicht auf Ahmad Mansours Vorstellung vom sanften Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung abstellte: Wie kann es sein, das ein Projekt, von dem sich so gar nichts beim Preisträger (?) finden zu lassen scheint, einen derart schmückenden Preis erhält?

Da keine Bedingungen genannt sind, genügte – Achtung Satire – vielleicht auch das Ausstreuen eines Päckchens Samen der Marke „Schmetterlingswiese“ oder das eilige Einsetzen einiger Pflanzen aus dem Baumarkt auf der überschaubaren Leerfläche vor der Moschee? Hauptsache der Besinnungsaufsatz an die Verleiher steht? Man kann die Projekte nämlich selber einreichen:

https://www.undekade-biologischevielfalt.de/wettbewerbe/wettbewerb-biologische-vielfalt/projekt-beitrag-einreichen/

Auf der Facebook-Seite von Nour Energy findet sich über das Projekt: nichts.
Auf der Internetseite findet sich über das Projekt: nichts.

Und das, obwohl Nour Energy mit der Installation zweier Photovoltaik-Anlagen an geneigten Einrichtungen (eben obige Moschee und das „Haus des Islams“, eine Einrichtung, die seit Gründungszeiten als Einrichtung mit Muslimbrüderbezügen imponiert) seit Jahren hausieren geht, also wirklich alles an umweltschutzrelevanter eigener Arbeit auflistet: wenige Workshops, die aber wieder von oder an geneigten Einrichtungen sind, mal eine Schulklasse. Häufig findet man jedoch allerlei Vernetzungs- und Selbstdarstellungsbetätigungen zur eigenen Community, vor allem aber zur Mehrheitsgesellschaft. Da muss man schon anerkennend festhalten: Für das wenige, das man machte, dreht man hinsichtlich der Vernetzungen ein großes Rad und nicht nur kleine Zahnräder. Es bestehen mit anderen Worten berechtigte Zweifel, ob es da mit rechten Dingen zuging. Ob also nicht nur die kleine Neupflanzng vor der Moschee zum „Biodiversitätsprojekt“ aufgeblasen wurde.**** Schließlich haben ja auch andere Vorgärten, ohne dafür vom Generalkonsul belobigt zu werden. Das allerdings würde Fragen aufwerfen. Wer bei irgendeinem seriösen UN-Gremium käme auf eine solche Idee?

Ergründet man nun, wer bei besagtem UN-Preis verantwortlich ist, so reibt man sich die Augen. Die Geschäftsstelle ist bei einer „nova-Institut GmbH“ angesiedelt:

https://www.undekade-biologischevielfalt.de/impressum/

Schaut man in die Jury

https://www.undekade-biologischevielfalt.de/wettbewerbe/die-jury/

blickte einem u.a. freundlich Dr. Miksch entgegen. So klein ist die Welt.

Ironisch und wenn man das noch spaßig fände, könnte man meinen, dass der Herr Miksch als der Marketing-Stratege des politischen Islams in Deutschland erscheint.

Zudem: Wie man einem derartigen Projekt (sei es nun die Moschee oder Nour Energy) einen Preis zuerkennen könnte, bleibt bislang – zumindest wenn Journalisten da nicht einmal nachfragen – das Geheimnis der Preisverleiher.

Der Verein agiert weiterhin intransparent. Im Impressum der Seite ist nämlich lediglich ein Postfach angegeben, keine natürliche Person wird als verantwortlich für die Inhalte und den Verein angegeben:

http://www.nour-energy.com/impressum/

Unter „Unser Team“ findet sich Allgemeines – und ebenfalls keinerlei Namen:

http://www.nour-energy.com/team/

Bei der kleinen Feierstunde aber, so viel ist klar, finden sich wohl weniger Personen ein, denen es um die Biodiversität in der schönen Natur geht, sondern vornehmlich politische Akteure und religiöse Funktionäre. Es erscheint als Aktion, die dem Moschee-Verein, dem ZMD Hessen und Nour Energy einen schönen Schein verleihen soll, der die Beteiligten wohl nicht nur bei Ministerien reinwaschen und ins Gespräch bringen soll. Die eingangs erwähnte Durchwebung aller Lebensbereiche soll in Stadtgesellschaft und politische Sphäre vordringen und mehr eigentlich neutralen sozialen Raums religiös konnotieren. In diesem Fall erscheint der Wille jedoch besonders fadenscheinig verdeckt. Man könnte meinen, die Verantwortlichen glauben, wenn nur recht viel Talmi-Schichten drauf sind, wird es der Aussenstehende schon für Gold halten. Wer fragt bei einem UN-Preis denn schon nach.

Das allerdings sollte man wahrnehmen und sich von derlei Manövern nicht blenden lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*
Weiterhin verfügbar ist jedoch das Video zu 5 Jahren Bestehen des Vereins, in dem zwar die Gäste benannt werden, aber wieder niemand des Vereins namentlich auftritt:

In diesem Video sind verschiedene Muslimbrüderbezüge klar erkennbar

Quelle: youtube: https://www.youtube.com /watch?v=Kft-ZSXHvSo , Abruf 02.09.2018

Die Referentenliste ist hinsichtlich der muslimischen Akteure wqegweisend.

**
Der interreligiöse Arbeitskreis Darmstadt fällt immer wieder mal mit Schulterschlüssen auf. Hier z.B. mit diversen Mitstreitern, teilweise einschlägiger (islamistischer) Art beim Einfordern einer anti-israelischen Ausstellung („Nakba“) 2010:

http://www.frankfurter-info.org/news/kundgebung-zur-nakba-ausstellung-die-blockade-beenden-im-garastreifen-und-beim-deutschen-gewerkschaftsbund-frankfurt-rhein-main

***
Der andere Veranstalter der „Religiösen Naturschutzwoche“ ist das „Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN“

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