Die Wohltäter

Fortsetzung zu den islamistischen Netzwerken im Saarland, Teil 3

Im ersten Beitrag war noch die Frage gestellt worden, ob der Geldgeber jener „Scheich Utebi“ sein könne, der im Jahr 2016 auch in anderen Einrichtungen des gleichen salafistischen Netzwerks aufgeflallen ist. Immerhin wird dieser Herr, dessen Rede im Saarland so begeisterte, im nieder-sächsischen Verfassungsschutzbericht benannt. Von seinem Auftritt in Berlin – er hielt wohl auf arabisch eine weitgehend thematisch gleiche Rede, es geht im Wesentlichen im die Khawarij* – lag ein Video vor:

 

Nunmehr ist ein Video aus dem Jahr 2016 von dem Auftritt von Herrn Uteybi  in Sulzbach oder einer assoziierten Moschee aufgetaucht. Der Hintergrund ist identisch mit dem vieler Videos von Imam Sayed Abdelaty:

Bei 0:0:40 etwa wird der Name genannt: Faysal Alush Uteybi.
Die arabische Schrift am Video bedeutet:

Wer sind die Kharijites – Sheikh Faisal Al Otaibi Besuch in der sunnitischen Moschee
[Google-Übersetzung]

Die Personen in den beiden Videos erscheinen identisch, auch der Name ist gleich. Es ist sogar das gleiche Vortragsthema. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dieses also der gesuchte Wohltäter.

Der „Scheich Uteybi“ trat in Berlin jedoch nicht nur mit Abul Baraa alias Ahmad Armih auf, sondern Abul Hussain alias Hassan Dabbagh war auch mit von der Partie:

Quelle: https://twitter.com/berlinermuslime/status/766222528192872448 , Abruf 13.10.2018

Neben der im Verfassungsschutzbericht Niedersachsen 2016 benannten extremistischen Einrichtung in Hannover, die sicherlich nicht für ihre Akzeptanz liberaler und freundlicher Islam-Auslegungen bekannt ist, wissen vor allem Armih und Dabbagh selber, was „gut“ in ihrem Sinne ist: Alleine diese mehrfache salafistische „Qualitätskontrolle“ läßt die aktuelle Einschätzung (s. Nachtrag) aus dem Saarland aus Erfahrung schon für abwegig halten. Die Herren Salafisten kennen einander nämlich und wer sie besuchen darf und mit ihnen Vorträge abhalten, ist sicher keine Person, von der hierzulande noch mehr Input benötigt würde. Um aus dem (zumindest in dem, was der Herr Armih wiedergab) eine wirkliche Unterstützung gegen Terrorismus abzuleiten, bedarf es schon einer sehr, sehr optimistischen Sicht (öffentliche Rede zumal, die Herren sind nicht dumm; s. dazu auch Berichte über Dabbagh in sächsischen Veröffentlichen). Die Fragerunde, in der von Selbstmord-Attentaten zart abgeraten (?) wurde, wurde nicht in Sulzbach abgehalten. Dass das verboten sei, wurde in Berlin nicht behauptet (nur zart mit den Köpfen geschüttelt). Da hat man hinsichtlich der kleinsten Verstöße in der Religion schon heftigere Emotionen gesehen.  Irgendwo zwischen der obigen Rede von Uteybi (sofern da nicht noch andere vorliegen) und dem Resumee von Dr. Albert im Stadtrat im Juli 2017 ist n.m.M. eine Fehlerquelle, sofern es die Rede ist, auf die er sich bezieht. Sei es der Übersetzer, sei es der, der es für ihn (vor-)bewertet hat, sei es Wunschdenken oder guter Glaube. Sollte es letzteres sein: Für Gutglauben hat man andere Institutionen als ausgerechnet den Verfassungsschutz.

Die Spende soll aus Kuwait gekommen sein:

Nach Erkenntnissen der Landesregierung erfolgte eine finanzielle Unterstützung des Vereins „Muslimische Gemeinde Saarland (MGS) e.V.“ (Sulzbach) durch eine Privatperson aus Kuwait, die zum Ankauf des ehemaligen Postgebäudes verwendet wurde.

https://www.landtag-saar.de/Drucksache/Aw16_0500.pdf

Hinsichtlich der hinter Uteybi stehenden Organisation wurde es in der Darstellung Dr. Alberts ebenfalls undeutlich. Warum wurde die Organisation bei dieser Gelegenheit nicht klar benannt, wenn doch der BND den Angaben nach „nichts Negatives“ beizutragen vermochte? Etwas Unproblematisches kann man doch so benennen, dass es öffentlich verfügbar ist und bleibt. Das darf sogar der Verfassungsschutz. Derweil erst einmal eine Koinzidenz, die auch mit einer „Bruderschaft“ zu tun hat.

Die Rede war in den vorherigen Beiträgen auch von einer „Commission on scientific signs in the quran and sunnah“:

https://en.wikipedia.org/wiki/Commission_on_Scientific_Signs_in_the_Quran_and_Sunnah

Ein Eindruck von der Tagung letzten November (Anschauen für das Verständnis des Artikels inhaltlich entbehrlich, aber ganz interessant):

Die Facebook-Seite:

https://www.facebook.com/eajaz.org1/?__tn__=HH-R

Dieser Organisation geht es darum, die Wissenschaft westlichen Zuschnitts in den Islam in der Weise zu inkorporieren, dass keine Widersprüche zur heiligen Schrift und zu den Überlieferungen bestehen bleiben. Da die Texte unveränderlich und als Wahrheit betrachtet werden, wird darauf hingewirkt, dass wissenschaftliche Ergebnisse umgedeutet oder dezent modifiziert werden dort, wo an der Realitätsnähe wenig Zweifel bestehen. Ausgehend von einer Gegenrealität, also einem gewünschten Endergebnis, versucht man Erkenntniswege und z.T. dann auch die Ergebnisse in die Ideologie einzupassen. Auf christlicher Seite wäre das evtl. mit den Kreationisten oder den Intelligent Design-Anhängern vergleichbar (wenn da nicht der unschöne Bezug des Gründers zu Al Qaida wäre und das ungeklärte Verhältnis zur Gewalt, das mit der Gegenrealität so manches Mal vergesellschaftet ist). Von einer vergangenen Tagung 2004, dort finden sich schon solche Anmutungen:

https://www.khaleejtimes.com/nation/general/researchers-urged-to-focus-on-scientific-signs-in-quran

Man hat eigene Veröffentlichen zum Thema**:

https://www.eajaz.org/index.php/Magazine/Issues-of-the-magazine

Aber auch so etwas, das aussieht wie Wissenschaft, aber natürlich keine ist:

https://www.atlantis-press.com/proceedings/icqhs-17/sessions/1811

Neben anderen Dingen geht es dieser Kommission um Bildung, und zwar eine spezifisch religiöse Bildung, die alles am Maßbrett des Islam zurechtschneidet, ab S. 42:

The International Commission on Scientific Signs in the Quran and Sunnah, one of the biggest
Islamic institutions in the world, is strongly promoting their visions of connecting science with
beliefs. They are targeting to incorporate approved researches in the curricula of different educational institutions and at different levels. They also believe that scientific signs of the Quran and Sunnah are the means to spread Islamic missionary to the far corners of the world33. The first General Secretary was Sheikh Abdul Majeed Alzindani, one of the main pillars of the Muslim Brotherhood Movement in the world. The Islamisation of knowledge is at the core of their vision, as well being the means of consolidating their position in the Islamic world. […] They get funding from different sources such as donations, Awqaf income and revenue generated from selling their products. However, the most significant financial support comes from the mother organisation, the Islamic World Association.“

https://epub.uni-bayreuth.de/2743/3/BIGSASworks%2015_16.02.10-Final.pdf

Hier war eine Delegation dieser Kommission  inkl. Al Muslih in Deutschland. Sie besuchte 2013 in Hamburg die Mujahirin- sowie die Al Nur Moschee (!) und machte mit dem „Europäischen Institut für Humanwissenschaften“ (EIHW) in Frankfurt einen Kooperationsvertrag aus. Das EIHW ist die Bildungseinrichtung der Muslimbruderschaft auf deutschem Boden. Al Muslih war zu dieser Zeit noch Generalsekretär der Kommission:

Deutschlandbesuch einer Delegation mit Al Muslih

Der Herr Al Muslih im Foyer:

Quelle: obige Seite, Abruf 13.10.2018

Dazu passt ein Bild aus dem Archiv (zu Belegzwecken gespeichert), ein datiertes Bild von einem Treffen im EIHW:

Quelle: Facebook-Profil von Herrn Obeida, Abruf 05.04.2018

Man beachte den Gehrock von Herrn Al Muslih (Mitte, links der damalige Studiendekan Abu Obaida, rechts Dr. Khaled Hanafy, der Dekan des EIHW, Vorsitzender des Fatwa-Ausschusses Deutschland ) im Vergleich zu den Bildern oben und im link aus dem EIHW. Der Herr Al Muslih trägt eher selten beige. Das kann durch zweite Quelle also als belegter Vorgang gelten.

So klein ist dann die Welt.

Erst im Juni gab es ein zunächst etwas irritierendes Treffen, da EIHW und Salafisten i.d.R. ideologisch dezent getrennte Sphären in D unterhalten, obwohl man sich im Rat der Imame und Gelehrten (RIGD) durchaus breiter aufstellt.*** Der „Mentor“ von Herrn Abdelaty, Fathy Eid, und Khaled Hanafy bei einer gemeinsamen Veranstaltung

Da passte dann vielleicht auch, dass Eid – wieder Erwartung und vielleicht erst einmal – nicht beim Ausschuss zur Mondsichtung mitzeichnete.

Man kann sich nun berechtigt fragen, ob, wenn denn „Kooperationen“ zwischen EIHW und der Kommission vereinbart wurden, nicht auch Gelder aus dieser Quelle in die betreffenden Institutionen fließen. Immerhin ist die Kommission ja Teil der Muslim World League.**** Das wäre dann übrigens, wenn es von dort käme, erst einmal nicht als Geld „aus dem Ausland“ erkennbar, wenn also das EIHW verteilte. In Hamburg baute man ja, in Frankfurt hat man es vor. Das allerdings wäre dann eine „Bruderschaft“, die man tatsächlich nicht näher öffentlich benennen könnte und würde, da sie selber unter Beobachtung steht. Und eine, die derzeit in Deutschland massiv expandiert, also vielleicht geneigt wäre, in ein bereits bestehendes Netzwerk trotz bestehender Differenzen hinein zu investieren. Immerhin ist die IGS, die Islamische Gemeinschaft im Saarland ja auch seit 2009 Mitglied im Zentralrat der Muslime (nach letztem Kenntnisstand Ende 2016*****), wo es dann wiederum recht muslimbrudernah zugeht. Da könnte sich also durchaus ein Kreis schließen.

Aber das ist – noch – nur eine Überlegung. Sicher läßt sich bei genauerer Nachfrage die „Bruderschaft“ spezifizieren, wenn es denn nicht diese ist.

 

 

*

Am gleichen Tag wurde ein Video hochgeladen, in dem so nach 30 Minuten etwa darüber sinniert wird, welcher Vorzug es sei, von Gott als Muslim auserwählt zu sein. Die Liebe zu Gott müsse über wirklich allem stehen, meint man da. Man müsse es „hassen, in den kufr (den Unglauben) zurückgeworfen“ zu werden:

**
Statt Al Mosleh ist jetzt ein saudischer Biologe Herausgeber dieser Schriften:

https://skarim.kau.edu.sa/Default.aspx?Site_ID=0000832&lng=EN

Schaut man sich an, was er so an Publikationen hat als Professor, so fällt erst richtig auf, wie weit entfernt dort der Stand vom internationalen ist, sollte er repräsentativ sein. Er hat i.W. in Magazinen veröffentlicht, in denen der dürftige Ansatz nicht auffällt. Arbeiten, die schon vom Arbeitstitel her ahnen lassen, dass ziemlich wild und planlos irgendwas zusammengekippt wurde: Spielen mit Zellkulturen auf einem Niveau von Jugend forscht, aber ohne erkennbaren roten Faden jenseits von mal irgendwas machen. Nutzung wiss. Sprache, aber ohne den Gehalt. Sieht so aus, dass man sich einfach Zellkulturen besorgt, die dann vermehrt (das scheint zu klappen?) und dieses und jenes zugibt. Das kann man sich ja heutzutage einfach bestellen international. Hier werden aber immerhin hinsichtlich der Erhaltung dieser Kulturen und wie man ein bissel was daraus erkennen kann, internationale Literatur als pdf (als Antworten auf Fragen) angegeben. Möglicherweise bestehen da auch sehr erschwerte Bedingungen, so dass echte wiss. Literatur mehr „Bückware“ ist:

https://www.researchgate.net/profile/Saleh_Alkarim

Seine Publikationsliste oben ist seit 2010 ungepflegt, und alleine die Angabe, er habe „2238 Research items“ in dem letztgenannten Portal lässt ahnen, wie weit man von ernsthafter Forschung entfernt ist.

***
Andernorts konfluiert das mehr. Zufällig gerade heute Al Moslih als Top-Referent einer Konferenz in Straßburg, die durch das französische Pendant des EIHW organisiert wurde:

****
http://sameaf.mfa.go.th/en/organization/detail.php?ID=827

Man beachte, dass die Organisation, die als Unterstruktur ebenfalls Teil der MWL ist, die International Islamic Relief Organization, seit etlichen Jahren als Terrorunterstützer gilt:

https://de.wikipedia.org/wiki/International_Islamic_Relief_Organization

*****
Der ZMD machte Ende 2016 die Mitgliederliste nicht öffentlich.

Ein Gedanke zu „Die Wohltäter

  1. Anmerkung:

    Zwei Anrufe beim saarländischen Verfassungsschutz blieben im Ergebnis erfolglos, ein angekündigter und zugesagter Rückruf unterblieb (es hing um zurückliegende Lagebilder bzw. Informationen zum Spender). Das ist auch deshalb etwas ärgerlich, weil wohl einige Informationen schon einmal vor einem Jahr herausgegeben wurden, aber nicht mehr öffentlich verfügbar sind:

    „In dem bereits zitierten SR-Bericht vom 9. Juni hatte das ganz anders geklungen: „Beim Kauf des Gebäudes half eine Organisation aus Kuwait, die weltweit salafistische Gruppierungen unterstützt. Zwei ihrer Zweigstellen werden von der USA der Terrorunterstützung verdächtigt.“ “

    Der Bericht ist nicht mehr zugänglich.
    Ein einmal öffentlich herausgegebener und festgestellter Sachverhalt ist eine Stellungnahme, die auch dann im Grunde öffentlich bleibt, wenn sich etwas geändert hat in der Einschätzung (was immer sein kann). Dazu kann man ja auf den Kenntnisstand zum Feststellungszeitpunkt verweisen. Wunder sollen ja nicht vollbracht werden.
    Transparenz geht aber anders, bei allem Verständnis für die Begrenzungen der Aufgabe (nicht nur durch die Politik) und die Schwierigkeiten, die die Sache an sich mit sich bringt.

    http://www.saarnews.com/index.php/2017/09/20/moschee-marathon-im-sulzbacher-stadtrat-keine-neuen-erkenntnisse/

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