Schiiten zur Kopftuchdebatte

Im ersten Halbjahr waren verschiedene muslimische Organisationen und Bewegungen aufgetreten, die gegen das politische Ansinnen auftraten, das Kopftuch bei Mädchen bis 14 oder 18 aus den Schulen in NRW zu verbannen. U.a. von der extremistischen und verbotenen Hizb ut Tahrir propagiert, konnten Islamisten z.T. auch mit Straßen-Aktionen über 170.000 Unterstützerstimmen finden.

https://www.openpetition.de/petition/online/deine-stimme-gegen-das-kopftuchverbot

Einordnung:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/04/15/kampagne-fuer-das-kinderkopftuch-islamistische-akteure/

Die Petition von Terre des femmes für Schule als neutralen Sozialraum, „Den Kopf frei haben!“, findet sich hier:

https://www.frauenrechte.de/online/themen-und-aktionen/gleichberechtigung-und-integration/kinderkopftuch

Am stärksten wurden dort sunnitische Akteure wahrgenommen. Sunniten stellen etwa 75% der hier lebenden Muslime. Doch auch auf schiitischer Seite schloss man sich der Kampagne, die die identitäre Markierung schon von Kindern als ein Freiheitsrecht vermarktet, an. Auf einer vom nächsten Umfeld der Brüder Özoguz betriebenen Webseite kann man diese ganzen Akteure einsehen.

„Vereine, Organisationen, Institutionen und Gruppen
62 Unterzeichner

Ahlu El-Bayt Versammlung e.V., Kassel
Al-Huga e.V., Northeim
Al-Irschad e.V., Berlin
Alis Weg e.V., Essen
Al Kawthar e.V., Karlsruhe
Al-Mahdi Kulturverein e.V., Bad Oeynhausen
Almustafa Gemeinschaft e.V., Bremen
Almustafa Versammlung e.V., Stuttgart
Al Nour e.V., Düren
Al-Salam e.V., Varel
Al Torath e.V., Berlin
Al Zaman Jugend, Kassel
Arabisch-Deutscher Verein e. V., Beckum
Aschura AG NRW
Das Licht e.V., Münster
Deutsche Libanesische Familie e.V., Ingelheim
Deutschlibanesische Kultur- und Glaubensgemeinschaft e.V., Hildesheim
Deutsch-Libanesischer Kulturverein e.V., Duisburg
Deutsch-Libanesischer Kulturverein e.V., Nordhorn
Die Feder, Hannover
Ehl-i Beyt Nida Kulturgemeinde e.V., Menden
Ehlibeyt Kültür Verein e.V., Nürnberg
Einheit e.V, Dortmund
Enzyklopädie des Islam, Bremen
Fatima Versammlung e.V. – Imam Mahdi Zentrum, Münster
Gemeinschaft der Mitte e.V., Köln
Gemeinschaft Libanesischer Emigranten e.V., Bottrop
Gemeinschaft Libanesischer Emigranten e.V., Dortmund
Gemeinschaft Libanesischer Emigranten e.V., Osnabrück
Gib Frieden e.V., Bremen
Helfen macht glücklich e.V., Koblenz
Hudschat an-Nisa’, Berlin
Imam Ali Kulturzentrum e.V., Gelsenkirchen
Imam Cafer Sadik Moschee, Berlin
IMZ Jugendgruppe, Münster
Irakische Sozial- und Kulturgemeinde e.V., Essen
Islamisches Imam Hassan Werk e.V.
Islamische Kulturgemeinschaft Sindelfingen e.V., Sindelfinden
Islamisches Zentrum Imam Riza e.V., Berlin
Initiative islamischer Quellenforschung e.V., Witten
Islamische Gemeinde Ludwigshafen e.V., Mannheim
Islamischer Kulturverein Prophet Muhammad e.V., Berlin
Islamischer Weg e.V., Delmenhorst
Islamisches Zentrum Osterholz e.V., Osterholz-Scharmbeck
I. Z. Salman Farsi Moschee e.V., Hannover
Kasseler Familien Verein e.V., Kassel
Libanesisch-Deutscher Kulturverein Paderborn e.V., Paderborn
Libanesischer-Deutsch Kultur e.V., Recklinghausen
Libanesische Kulturelle Versammlung Imam Al-Hussein e.V., Wolfsburg
Libanesische Kulturelle Wohlfahrtsgemeinschaft e.V., Hamburg
Muslimische Gemeinde e.V., Bochum
Muslim Sportverein Delmenhorst e.V.
Muslim-Treff e.V., Oldenburg
Muslim-TV, Bremen
Orientalisch-Deutsches Haus e.V., Augsburg
Radio Wilaya, Delmenhorst
Rat der Islamischen Schiitischen Gemeinden in Berlin/Brandenburg i.Gr.
Taha-Jugendgruppe, Bottrop
UISAE, Aachen
Verband muslimischer Familie und Partnerschaften Münster e.V., Münster
Verlag Eslamica, Bremen
Zentrum der Islamischen Kultur Frankfurt e.V., Frankfurt“

https://offenkundiges.de/stellungnahme-von-muslimischen-organisationen-und-einzelpersonen-zur-kopftuchdebatte/

Des Weiteren sind Einzelpersonen verzeichnet. Man beachte die Namenswahl manches Vereins, die wenig Hinweis auf die fundamentalistisch-schiitische Konnotation bietet.

Diese Haltung und diese Ausrichtung sollten kommunale Akteure jedoch wahrnehmen. Nicht nur Sunniten können radikal sein, sondern auch Schiiten können westliche Wertesysteme grundsätzlich ablehnen. Das ist mal pro-iranisch, mal nicht, aber die fundamentalistische Schulung der Kinder ist oftmals ganz ähnlich. Siehe dazu auch:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/10/05/iranische-kinder-propaganda-fuer-deutschland/

und

https://vunv1863.wordpress.com/2017/10/06/hizbollah-kinder-in-bremen/

Die Jungen werden häufig so weit indoktriniert, dass sie ihren Glauben absolut setzen und ggf. aggressiv verteidigen. Bei Mädchen hingegen wird zunehmend ebenfalls identitär und aggressiv aufgeladen. Dort geht es auch um die Abgrenzung und als Zeichen dieser Abgrenzung wird das Kopftuch als etwas unmittelbar zum Glauben und zur Person gehörendes definiert: Ähnlich wie bei der sunnitischen Kampagne „Nicht ohne mein Kopftuch“ von radikaler Seite (was nahtlos zur muslimbruder-konnotierten Kampagne „Nicht ohne meinen Glauben!“ passt), soll das Kopftuch, die „islamische Bedeckung“ schon für Kinder vorangebracht werden.

Diese Indoktrination zeigt sich, sobald diese Prägung auf das Erfordernis oder die Bitte trifft, bei einer Betätgung im gemeinsamen sozialen Raum doch einmal auf die Kennzeichnung zu verzichten. Das ist nichts, was frei gewählt wäre. Ein aktuelles Beispiel aus Essen:

Bei der Suche nach einem Schülerpraktikum fällt ihre Wahl deshalb zuerst auf eine Apotheke. Und zunächst scheint auch alles glatt zu laufen. […]

Beim Gespräch am letzten Montag stempelt sie das ausgefüllte Formular der Schule ab, setzt ihre Unterschrift darunter – und äußert dann eine Bitte, die eine völlig unerwartete Eskalation auslöst. „Ich habe das Mädchen in einem freundlichen Ton gebeten, während des Praktikums auf das Kopftuch zu verzichten.“ Bei einer marokkanischen Praktikantin habe sie genauso gehandelt, ohne dass es Probleme gegeben habe. „Das Mädchen hat das Kopftuch morgens vor der Arbeit abgelegt und abends wieder angetan. […]

Denn dieselbe Schülerin, die die Apothekerin zuvor als ein intelligentes, freundliches Mädchen erlebt hat, habe sich nach der Bitte um den Kopftuch-Verzicht schlagartig verwandelt. „Sie war aufgebracht und wurde aggressiv“, erinnert sich die Apothekerin. Den Schleier abzulegen, habe die 15-Jährige kategorisch abgelehnt.

Wenige Minuten später sei sie mit ihrem Vater an der Seite zurückgekehrt. Und der muss sich aufgeführt haben wie ein Berserker. „Er wurde sehr laut und sehr aggressiv, er hat mich und meine Mitarbeiterinnen beschimpft und bedrängt“, berichtet die Inhaberin. Eine Frau, die sich als weltoffen, tolerant und hilfsbereit beschreibt.

Weiter hier, lesenswert:

https://www.waz.de/staedte/essen/streit-um-kopftuch-eskaliert-in-essener-apotheke-id215599509.html

Der Vater, Bashar Al Daraji, ist der Vorstandsvorsitzende dieser Einrichtung:

Quelle: Vereinsregister, Klammer bezeichnet Auslassung vorheriger personeller Umbauten im Verein

Der Vereinsname „Alis Weg“ bezieht sich auf Imam Ali, den Verwandten Mohammeds und Mann seiner Tochter Fatima. Eine knappe Darstellung mit aktuellen Bezügen zur Entwicklung im Irak findet sich hier:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/schiitischer-islam-im-irak-heiligtuemer-trauer-revolution.979.de.html?dram:article_id=420801

Der Verein findet sich unter den Unterzeichnern der Stellungnahme fundamentalistischer Schiiten oben.

Eine Handlungsweise wie oben beschrieben ist schwer verständlich. Sie wird vor dem Hintergrund verstehbar, wenn man weiß, mit welch aggressiver und überwältigender Vehemenz in fundamentalistischen (nicht nur) schiitischen Familien die Person mit dem Glauben verbunden wird. Funktionieren in einer Umgebung, die nicht gleichermaßen geprägt ist, geht durchaus, aber sobald Sachverhalte, die den Glauben und damit direkt hier die Identität betreffen, aufkommen, wird eine sehr elementare Emotion frei. Diese starke Koppelung des Glaubens – oder wenn man das wähnt die Bedrohung des Glaubens – an Emotionen ist für weniger oder anders Gläubige sehr verstörend. Um das zu verstehen, schaue man sich schiitische Videos an, in denen Kinder verletzt werden (nicht nur psychisch) oder auf andere Weise so sehr emotional an die vergangenen Handlungen gebunden werden, als ob die Vorkommnisse vor 1300 Jahren gestern nahen Personen geschehen wären oder ihnen selbst. Die zunehmende Koppelung auch des Kopftuchs an diese Emotion wiederum macht nachvollziehbar, warum das Mädchen wahrscheinlich so reagierte: Es ist Zeichen, dass sie keine freie Wahl hatte und hat. Dass man sie gelehrt hat, dass das unabdingbarer Teil ihrer Identität sei. Eine Art religiöser Reflex.

Genau aus solchen Gründen ist es wichtig, dass Kinder wenigstens ab 6 (besser früher in der Kita) etwas über Weltsichten lernen. Dass Glaube etwas ist, das man vielleicht von Eltern hat, dass aber deren Deutungsmacht und Rechte enden – an ihren eigenen Rechten und ihren eigenen Sichten. Dass manches, was sie ihnen beibringen, wenig mit Liebe zu ihnen zu tun hat, sondern mit ihrer eigenen Indoktrination und ihrer eigenen Unterwerfung unter archaische Dogmen und alte Geschichten. Das alles zu bewerkstelligen, ist schwer, weil auch eine eigentlich unmittelbare und sehr basale Emotion wie Liebe zu oft an die Unterwerfung geknüpft wurde, also der Bedingung der Glaubenskonformität unterstellt wird. Das unmittelbare Gefühl wird instrumentalisiert, umgedeutet und unter Vorbehalt gestellt. Das ist tieftraurig im Grunde und schwer zu ertragen. Noch schwerer ist es, die direkte Konfrontation mit solchen emotionalen Zuständen auszuhalten, da man sie schlicht nicht gewohnt ist.

Der Weg wird steinig, aber er geht nur über die „Hyposensibilisierung“ der Erwachsenen. Indem man über genau solche Sichten spricht, sie hinterfragt als anderer Erwachsene und dann diese Emotion auch aushält.

Mit solchen Dingen sind politische Entscheider meist nicht konfrontiert, denn sie treffen auf Funktionäre, die ihre Interessen vertreten und in diesem Zusammenhang ihre Emotionen beherrschen. Sie schützt ihr Amt, ihr Einfluß, an dem mancher Funktionär gerne teilhaben möchte. Einer der Fehler in der Diskussion ist, dass so mancher dann diese sozusagen diplomatische Blase für das normale Leben hält. Mit den tatsächlichen Verhältnissen sind andere konfrontiert, denn bei all der gelungenen Integration, die man auch sieht, kommen solche Konfrontationen doch vor. Geht man zu sehr auf die identitären Forderungen ein, hat man zwar seine Ruhe, doch der Dissens ist nur aufgeschoben. Auch mit schiitischen Fundamentalisten muss klar die Diskussion gesucht werden. Man muss mit anderen Worten, die Handlungen und Haltungen in die Mehrheitsgesellschaft bringen und sie dort diskutieren. Interkulturelle Öffnung macht sich nicht an Äußerlichkeiten fest. Sie ist die gemeinsam zu lösende Frage, wie wir zusammen leben wollen. Die Frage muss man stellen und über die Antworten reden.

Eindrücke von zwei weiteren Vereinen, die sich der Stellungnahme anschlossen:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/10/06/hizbollah-kinder-in-bremen/

https://vunv1863.wordpress.com/2018/09/24/stuttgart-bremen-inkarnierter-fanatismus/

Die Beispiele mögen verdeutlichen, wie in fundamentalistisch schiitischen Kreisen gedacht wird. Unter den Unterzeichnern sind eine Reihe Organisationen, die bekannter sind und von nicht nur lokaler Relevanz. Die Debatten müssen also breit geführt werden.

 

Siehe dazu auch diesen Kommentar:

https://www.waz.de/staedte/essen/kopftuchverbot-der-apothekerin-ist-nicht-diskriminierend-id215599561.html

3 Gedanken zu „Schiiten zur Kopftuchdebatte

  1. Tut mir leid, aber es ist nicht einzusehen, wieso wir barbarische Verhaltensweisen aushalten sollten. Ich würde in einem solchen Fall die Polizei rufen und Anzeige etwa wegen Beleidigung, Bedrohung, Hausfriedensbruch usw. Stellen. Und da niemand das Recht haben kann, anderen ein solches Verhalten zuzumuten, darf man sich auch nicht wundern, wenn Arbeitgeber in Zukunft auf solche Praktikanten verzichten.
    Wir haben das Recht, menschenrechtswidrige
    Verhaltensweisen auszugrenzen. Bei Rechten, ebenso wie bei religiösen Fanatiker. Ich persönlich kaufe bei keinem von beiden ein.

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  2. In einem solchen Ausmaß wie oben in dem einen Beispiel geschildert, ist natürlich die Polizei notwendig. Da war es ja dem Vernehmen nach sehr aggressiv und es wurde bedrängt.

    Ich meinte die Fälle, in denen es „nur“ emotional wird.
    In diesem Fall ahnt man ja, mit welcher Emotionalität das dann auch bei Schutzbefohlenen umgesetzt wird. Ein solcher Vater duldet keinen Widerspruch, schon gar nicht von der eigenen Tochter.

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