Realität Islam und Generation Islam: Gemeinsame Tagung „Identität Muslim!“

Bevorstehende Veranstaltung in Hamburg
Update zu den beiden größeren Hizb ut Tahrir-nahen Gruppierungen

Die Portale bzw. Gruppierungen „Realität Islam“ und „Generation Islam“ sind beide wegen ihrer ideologischer Ausrichtung und der Betätigung des einen oder anderen Protagonisten im Hizb ut Tahrir-Umfeld zu verorten. Auf die Betätigungen der Aktivisten wurde hier auf dem blog wiederholt und seit über 2 Jahren aufmerksam gemacht. Mit den Aktionen rund um die Debatte um ein Verbot des Kinderkopftuchs an Schulen in NRW wurden sie, weil Medien dies aufgriffen, breiteren Kreisen bekannt. Vor allem war dies der Fall, als „Realität Islam“ Akteure zu einer Kampagne mit Unterschriftensammlungen in Fußgängerzonen und Geschäftsbereichen inspirierte:

https://www.hessenschau.de/gesellschaft/verfassungsfeindliche-gruppe-mobilisiert-in-fussgaengerzonen-gegen-kopftuchverbot,realitaet-islam-kampagne-100.html

„Realität Islam“ ist im realen Leben vor allem in der Rhein-Main-Region und in Dortmund präsent, während „Generation Islam“ von Hamburg aus operiert:

http://www.realitaet-islam.de/impressum/

http://generation-islam.de/impressum

Aktuell wird eine Veranstaltung für Hamburg angekündigt:

Referenten nach den Angaben in diesem Ankündigungsvideo:

Raimund Suhaib Hoffmann (Realität Islam)
Dr. Abdullah Frank Bubenheim (s. Wikipedia)
Dr. Akan Gül (Muslimische Ärzte Deutschland)
Ali Aydin (Frankfurter Strafverteidiger in vielen Islamisten-Prozessen)*
Nicolas Blancho (Islamischer Zentralrat Schweiz (IZRS)
Ahmad Tamim (Generation Islam)

Es soll um die Identität als Muslim gehen und um Strategien für die Zukunft der Muslime.

Der Veranstaltungsort wird noch geheim gehalten:

Quele: fb-Account „Realität Islam“, Abruf 03.12.2018

Man ist sich also der Fragwürdigkeit dieser Zusammenkunft durchaus bewußt, möchte aber möglichst ungestört agieren. Ein Veranstalter könnte kalte Füße bekommen, wenn er sich über diesen Personenkreis informiert.

Nicholas Blancho ist in der Schweiz als Extremist bekannt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Blancho

Der Arzt Dr. Akan Gül war bereits in der Kopftuchdebatte in Erscheinung getreten, als er islamische Richtlinien ärztlichen n.m.M. überordnete und den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte anging

https://vunv1863.wordpress.com/2018/08/31/mummenschanz-mit-kittel/:

Dr. Bubenheim war zuletzt bei der Gründung der „Islamischen Partei Deutschlands“ aufgefallen, die aus dem Umfeld von „Realität Islam“ initiiert wurde:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/09/23/neue-islamische-partei-idp/

Eine Partei liegt also schon einmal vor, um islamischen Identitären als politische Heimat angeboten zu werden.

Die zweifellos interessanteste und überraschendste Personalie dürfte in diesem Zusammenhang der Auftritt des Frankfurter Strafverteidigers Ali Aydin sein, sofern „Realität Islam“ und „Generation Islam“ (auch dort ist das Video verlinkt) das korrekt wiedergeben. Aydin vertrat und vertritt vielfachTerroristen und islamistische Akteure (was beruflich ist und – in einem Rechtsstaat hat jeder Anspruch auf eine angemessene Rechtsvertretung – insofern nicht zu beanstanden). Bernhard Falk empfiehlt ihn immer wieder, was ein erstes Schlaglicht warf; jedoch ist auch dieses noch im grünen Bereich. Anwälte, die die eigene Klientel besonders effektiv vertreten werden auch in anderen Kontexten weiterempfohlen. Mit dieser eher privat erscheinenden Aktivität positioniert er sich jedoch meiner Meinung nach persönlich (bei einer Veranstaltung im Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft war er auch schon einmal aufgetreten, was ich aber eher als berufliches Engagement gewertet hatte). Das Brecht-Zitat „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, das er prominent auf seiner Startseite hat, gewinnt jedoch unter diesen neuen Betätigungen eine etwas andere Konnotation:

https://www.aliaydin.de/

Es bezeichnet ursprünglich einen Widerstand gegen despotische Gesetze.
Man könnte meinen, wenn Herr Aydin zu dieser Veranstaltung aus freien Stücken beitragen will, dass er ein Problem mit diesem Gemeinwesen und seinen Gesetzen als Ganzes hat. Das darf er, keine Frage. Aber man sollte dies durchaus wahrnehmen.

Mit den Unterschriften der Petition im Rücken fühlt man sich – so kann man das deuten – stark genug, um dieses Vorgehen halb öffentlich durchzuführen. Mehr noch, Hoffmann wendet sich direkt an Bundespräsident Steinmeier:

Dass sehr viele der Unterzeichnenden über den Charakter und den Hintergrund der Petition nicht wirklich informiert waren, bleibt außen vor. Es werden auch viele Nichtmuslime – das wurde in den Fußgängerzonen, s. Berichte, auch als berechtigtes Minderheiten-Anliegen „verkauft“ – unterzeichnet haben, denen „Hizb ut Tahrir“ nichts sagt und die allgemein nicht informiert sind. Für all diese Personen hat ihre Unterschrift unter die Petition nicht das Gewicht, das ihr nun taktisch und strategisch von dieser Interessengruppe zugeordnet wird: Als ob alle Unterzeichner nun die Anliegen von „Realität Islam“ und „Generation Islam“ unterstützten, islamisch Identitäres als Ganzes und als segregative Haltung billigten. Viele werden die Protagonisten, die ihre wahrscheinlich oft wohlmeinende Unterschrift nun politisch nutzen, nicht einmal kennen.

Es wäre an der Zeit, dass all jene Verbandsfunktionäre, insbesondere die, die sich die Tage über allerlei Petitessen bei der DIK ostentativ erregten, zu Wort melden und laut „not in my name“ sagen. Man darf gespannt sein, ob dies geschieht.

Auch gespannt sein darf man, ob die Zusammenkunft – der Ort wird 24 Stunden vorher bekannt gegeben – überhaupt stattfindet.

 

 

 

 

 

*
Zur etwas speziellen Vorgehensweise von Ali Aydin bei der Verteidigung des LIES-Aktivisten Bilal Gümüs ein Eindruck von einem Prozesstag (an anderen war er weniger druckvoll):

https://vunv1863.wordpress.com/2018/04/11/der-tag-des-anwalts/

Ein gewisses Maß an Nachdruck ist bei einem Strafverteidiger, der es ernst meint, nicht unüblich. Dies aber ging weit über das mir bekannte Maß – ich bin langjährig ehrenamtliche Richterin – hinaus.

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