Weihnachtsspecial: Jinns – gar nicht bezaubernd

Um diese netten und fiktiven Geister soll es heute nicht gehen:

Sondern um die anderen, die von einem fundamentalistischen Reißbrett stammen und die als lebhaft ausgeschmückte Imaginationen dazu diesen sollen, Suggestible weiter zu ängstigen und zu verunsichern..

Der Glaube an Jinns ist eine verbreitete Angelegenheit unter konservativen bis fundamentalistischen Muslimen weltweit*, wobei die Ausgestaltung des Konzepts oftmals lokale Traditionen aufnahm. Der Vorstellung wird also in verschiedenen Ländern und Glaubenstraditionen unterschiedlicher Raum gegeben und unterschiedliches Gewicht beigemessen, wobei es eher im Volksglauben eine Rolle spielt. An einigen Orten gibt es sogar so etwas wie einen Exorzismus, sofern menschliche Handlungen oder z.B. psychische Erkrankungen auf diese angenommenen geisthaften Wesenheiten zurückgeführt werden. Andernorts und bei moderner gestimmten Muslimen spielt das Konzept jedoch eine geringere bis gar keine Rolle mehr.

Bei Fundamentalisten sind jedoch Jinn eine feste Größe, auch wenn man sie angeblich nur nicht sehen und nicht direkt wahrnehmen kann. Wie sie sich denn doch „zeigen“, wird von fundamentalistischen Predigern unterschiedlich dargestellt und erklärt.** Über die eine Vorstellung zu Jinn machen sie sich lustig, während sie andere mit ernstem und getragenem Blick verkünden. Diese Vorstellung ist zwar objektiv betrachtet nicht weniger abstrus, passt aber dann in die eigenen Denkmuster des Betroffenen. Dieses Jahr zu Weihnachten also ein Streifzug durch die Welt der Jinns – in der Sicht fundamentalistischer Akteure.

Hier Hassan Dabbagh*** (imam der Al Rahman-Moschee Leipzig), der Sex mit Jinn (!) für möglich, aber „nicht erlaubt“ hält. Sie könnten „Menschenform“ annehmen:

Man beachte die ehrerbietenden und unterwürfigen Nachfragen der jungen Männer.

Oder Herr Abdellatif Rouali****, ehemals Kopf des dann verbotenen Netzwerks „Dawaffm“ und jetzt frei flottierender Prediger im Netz. Er verortet überraschend „die meisten Jinn“ am Waschbecken-Ausguss. Dort säßen sie so herum. Ab 7:15:

Der Imam der bundesweit bekannten Berliner Al Nur Moschee erklärt, dass es gläubige Jinn gibt und ungläubige, ab 14 etwa:

Darunter auch die überraschende Sicht, Iblis sei „der Vater aller Jinn wie Adam der Vater aller Menschen“ sei. Sie essen und trinken übrigens aus, heiraten und vermehren sich. Sie seien am meisten auf Friedhöfen zu finden, auf Müllhalden und unreinen Orten. Sie wohnten auch in unseren Wohnungen, sofern man nicht „bismillah“ sage. Und dann, so der Herr El Isa, wundere man sich, wenn man zu Frau und Kindern aggressiv sei? Auch hätten sie „viele tausende Jahre vor den Menschen den Weltraum betreten“, an der Grenze des „ersten Himmels“. Dort hätten sie den Engeln zugehört. Ach ja: Ufos sind Werke der Jinn, so ab 42. Messerscharfer „Beweis“ nach Herrn El Issa dafür, dass es keine Außerirdischen gebe, sei, dass wenn es sie gäbe, der Prophet auch zu ihnen gesandt worden wäre. [Alter Schwede… SHM]

Viele weitere überraschende „Informationen“ zu den Jinn, manches ergänzend zu den vorherigen Beiträgen. Hier im modernen Gewand, als eine Art Lehrfilm:

Zuletzt der Herr Baraa:

Auch für ihn sind Jinns Realität, auch wenn man sie in „ihrer ursprünglichen Gestalt“ nicht sehen könne. Aber sie könnten die Gestalt von Schlangen annehmen oder schwarzen Hunden und Katzen, meint er.

Man mag – zunächst – über all diese Fabulierkunst und Ausschmückungsgabe schmunzeln. Einfache Geschichten, erzählt, wie man sie Kindern erzählt. Das Problem ist, dass das nicht nur Kindern erzählt wird, sondern das auch Erwachsene durchaus ernst nehmen. Selber denken und ggf. überprüfen ist in dieser Welt schon der halbe Abfall vom wahren Glauben. Menschen jedoch, die auf einer derart basalen Ebene beeinflussbar sind, können zu allem möglichen benutzt werden, denn wenn nicht Selberdenken und Überprüfung wichtig sind, sondern Beugung unter eine religiöse Autorität, sind sie dieser Autorität unterworfen.

Die Welt der Fundamentalisten ist eine magische und düstere Welt. Überall Gefahren für das ewige Leben, der Gläubige umgeben von einem Meer von Unglauben und allerlei Versuchern, seien sie sichtbar oder auch nicht. Der Teufel und eine Vielzahl imaginierter Gestalten sind angeblich überall. Dagegen würden nur die Bittgebete helfen, überall. Das führt in einen totalitären Glauben, der die gesamte Realitätskonstruktion umfasst, und der, lehnt man einen Bestandteil davon ab, in Ängste und Zwänge treibt. Das eigene Urteil, die Abwägung wird mit Angst und einer religiös getriggerten Paranoia umnebelt, denn schon die eigenen, abweichenden Gedanken könnten von Jinn oder Teufel verursacht sein. Der Mensch lernt so, keinesfalls sich selbst zu trauen, sondern nur die religiöse Autorität ist Schutzmacht vor der Verdammnis. Das leitet auch dahin, dem Mitmenschen zu misstrauen und sich selber, sofern man sich auf dem rechten Weg wähnt, zu überhöhen. Dieselbe brutale Abwertung, die dem angeblich Irregehenden gilt, träfe einen dann selber, wiche man vom gerade Weg ab. Solche Konzepte führen also – grob – weiter in ein fragiles Selbst. Kollidiert die Selbstüberhöhung mit der Realität, entstehen kognitive Dissonanzen. Auch da sind wiederum die angeblich von außen wirkenden bösen Mächte hilfreich: Man muss sich selber nicht hinterfragen, wenn alles Böse jenseits dessen, was man sich selber bewußt eingesteht, von außen gemacht ist.

Auf den ersten Blick mögen die Videos also belustigen. Auf den zweiten machen sie beklommen.
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Allen Lesern eine geruhsame Weihnachtszeit!

 

 

 

 

 

 

 

*
Einige Zahlen von PEW Research von 2012:

„Across the Middle Eastern and North African nations surveyed, belief in jinn ranges from 86% in Morocco to 55% in Iraq.“

Die Türkei rangierte damals bei 63 % der befragten Muslime, die an Jinn glauben.

http://www.pewforum.org/2012/08/09/the-worlds-muslims-unity-and-diversity-4-other-beliefs-and-practices/

**
Dass solche Imaginationen auch jenseits der psychischen Integrität nicht ungefährlich sein können und wenn man solche Konzepte schon annimmt, dann auch für andere Suggestionen zugänglich und anfällig sein könnte, verdeutliche man sich an den Vorgängen bei der „Lohberger Brigade“:

https://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/salafisten-junge-muslime100.html

***
Mehr von ihm dazu:

****
Mehr von ihm dazu:

Und besonders bizarr, die Gläubigen sollen sich nicht mal alleine (!) und unter der Dusche unbeobachtet fühlen:

So züchtet man ein nahezu pathologisches Schamgefühl, das den Weg in manch zwanghafte Verhalten ebnen mag.

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https://vunv1863.wordpress.com/2018/11/29/in-eigener-sache-2/

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