Mönchengladbacher Hypotheken

Vergrößerung der salafistischen Einflusssphäre

Vor etwa drei Monaten war der Mönchengladbacher Verein, der die Arrahman-Moschee in Mönchengladbach-Rheydt betreibt, Ziel einer Durchsuchung:

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Dienstag die alten Räume des Vereins „Masjid Arrahman“ an der Mittelstraße in Mönchengladbach-Rheydt durchsucht. Es gibt Hinweise, dass sich dort Salafisten treffen.

https://rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/moenchengladbach-baut-moscheeverein-masjid-arrahman-moschee-fuer-salafisten_aid-34466083

Den einen oder anderen Bürger mag das überrascht haben. Gab es doch seit einiger Zeit auch öffentlich vernehmbar ein Bauvorhaben des Vereins (Video von 2016):

Passend zum Vorhaben wurde zur Mehrheits- und Stadtgesellschaft hin vermeintlich transparent agiert, noch einmal aus obigem RP-Beitrag:

Der islamische Verein, der 1987 in Mönchengladbach von Marokkanern gegründet wurde, gab sich offen, kooperierte mit dem Integrationsrat und nahm auch regelmäßig an der interreligösen Konferenz teil, bei der sich katholische, evangelische und muslimische Gemeindevertreter der Stadt an einen Tisch setzen.

Ein bisschen hingehen, ein wenig parlieren und dabei ein wenig Manieren zeigen – die Ansprüche an Handlungen, die öffentlich als „Kooperation“ etikettiert werden, sind beständig gesunken. Die Latte liegt an dieser Stelle so niedrig, da kommt auch wie man sieht ein problematischer Verein leicht drüber. Mit ein wenig Übung wird unschwer erfasst, was Dialogbeflissene und Stadthonoratioren gerne hören. Diese Übung erhält man spätestens mit den Jahren, in denen man derlei Gesprächsformate aufsucht.

In all diesen Jahren, zumindest seit der Eintragung in das Register 2005, waren vom Verein nur wenige Männer in Verantwortung: Mal pausierte einer, mal gab es mehr ein „Gastspiel“. Der gegenwärtige Vorstand Mohamed Laghzaoui war mit Ausnahme der Jahre 2014 bis 2016 seit mindestens 2005 in leitender Position:

Masjid Arrahman NW-Mönchengladbach_VR_1569+Chronologischer_Abdruck-20190204191558

Auch Mimoun El Aboussi war mit Unterbrechungen lange in Verantwortung. Seite 2014 ist Mohamed Abou El Ayoun als Vorstand eingetragen. Bis auf Letzteren sind also im Wesentlichen die gleichen Personen verantwortlich wie schon seit Jahren. Man kann dem Vorstand demnach frühere Aktivitäten zurechnen.

Schaut man sich diese früheren Aktivitäten nämlich an, so wird schnell klar, dass es nicht nur die von der RP kolportierten „Gerüchte“ gibt, die auf salafistische Betätigungen hinweisen, sondern auch Substanzielleres.

So gab es 2012 einen Vortrag des marokkanischstämmigen PredigersTarik Ibn Ali am 29.12.12 in Mönchengladbach, der durch YouTube-Videos belegt ist. Diese Videos findet sich auf zwei Kanälen:

und

Gegen Ibn Ali läuft in Spanien noch ein Ermittlungsverfahren wegen Unterstützung des IS. Nach etwa anderthalb Jahren Untersuchungshaft kam er Anfang Januar auf Kaution frei. Das Verfahren läuft aber noch und er scheint eine Reisebeschränkung zu haben, wonach er Madrid nicht verlassen darf. Er ist europaweit bekannt für seine Spendensammel-Events, die überwiegend in den Problem-Moscheen marokkanischstämmiger Muslime stattfinden. Seine Reiserouten sind wie Pfade zu Gegengesellschaften. Auch in Hessen war er im Schnitt zweimal pro Jahr in verschiedenen Einrichtungen zu Gast. Nur um ein Gesprür für die Größenordnungen zu erhalten: Im kleinen Dietzenbach nahe Offenbach sammelte er nach Eigenangabe an einem Wochenende (!) 93.000 Euro.

In der Beschreibung – in einer speziellen Schreibweise – ist allerdings nur von Mönchengladbach die Rede, ohne Zuordnung der Einrichtung. Nach kurzer Sichtung der lokalen Szene erscheint es naheliegend, dass die Masjid Arrahman vorrangig in Betracht kommt. Der angefragte Verfassungsschutz mochte die Frage, ob die Veranstaltung in der Arrahman stattfand, wegen eines „laufenden vereinsrechtlichen Ermittlungsverfahren[s]“ nicht beantworten.

Im Folgejahr ist nach einer Ankündigung in den sozialen Medien Abul Baraa zusammen mit Abu Rumaisa vor Ort gewesen. Konkret geht es um ein Seminar, das am 26.12.13 in dieser Moschee stattgefunden haben soll:

Quelle: https://www.facebo ok.com/IslamTermine/posts/seminarmasjid-ar-rahman-41236-m%C3%B6nchengladbachmittelstr40-heute-26122013-bis-2100/222858821226397/

Abu Rumeisa ist ein in NRW bekannter Prediger, der auch im aktuellen Lagebild Salafismus des Innenministeriums benannt wird. Abul Baraa ist bundesweit bekannt spätestens seit der ZDF-Doku „Hass aus der Moschee“, die im Oktober lief. Baraa sitzt in Berlin in der As Sahaba Moschee. Die Einrichtung wurde zusammen mit Reda Seyam begründet, einem bekannten Jihadisten, der zuletzt zum IS ging und dort „Bildungsminister“ wurde. Baraa predigt maximale Distanz zu den „Ungläubigen“. Die weibliche Genitalverstümmelung billigt er öffentlich und gibt dazu Ratschläge.

Diese beiden Events geben eine Anmutung, wes Geistes Kind der Vorstand ist und wie sich das darstellt, wenn die Augen der Mehrheitsgesellschaft nicht darauf gerichtet sind. Nach den Durchsuchungen verfasste der Vorstand eine Stellungnahme, die sich wiederum an die Mehrheitsgesellschaft, aber auch Vereinsmitglieder richtet.* Sinngemäß zusammengefasst äußert man völligers Unverständnis für die Durchsuchung, die „neben den Vereinsräumen auch Wohnungen von einigen Vorstandsmitgliedern und von einigen Besuchern der Moschee“ umfasste.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings, meinte im RP-Artikel, dass der Verein verboten werden müsse, sofern sich die Verdachtsmomente bestätigten. Man muss sich allerdings fragen, wie die kommunale Vertretung all die Jahre aktiv wurde. Da die Videos frei verfügbar sind, wurde da möglicherweise nicht ordentlich hingesehen. Anders kann man sich die Geräuschlosigkeit, mit der die Erweiterungspläne lokal vonstatten gingen, kaum erklären.

In Mönchengladbach sollte man also konkret besprechen, ob man da nicht mehr machen kann. Auch wenn es so kommen sollte: Verbotsverfahren können lange dauern. Man sollte die Bevölkerung und insbesondere Eltern und Lehrer nicht so lange im Unklaren lassen. Sie haben den Bedarf und den Anspruch, realitätsnah informiert zu werden. Wird nämlich nichts unternommen, bekommt eben die nächste Generation solche Einrichtungen als Hypothek in die Stadt. Wenn jetzt schon, den Angaben nach 800 Personen dorthin gehen, wie viele mögen es in zehn Jahren sein? Mit ein bisschen „Kopfsache“ und „Wegweiser“, beides freiwillige Angebote von Kommune und Land, wird man dem geballten Fundamentalismus nicht genügend entgegensetzen können. Es ist Zeit, das ernster zu nehmen.

.

.

 

*
Das Statement des Vereins vom 3.12..2018 zur Durchsuchung im Volltext:

Durchsuchungsaktion: Statement
Liebe Vereinsmitglieder,

liebe Besucher des marokkanischen Kulturzentrums,

wie Sie wahrscheinlich schon aus den Medien entnommen haben, gab es am 13.11.2018 eine großangelegte Durchsuchungsaktion in Mönchengladbach. Dabei wurden neben den Vereinsräumen auch Wohnungen von einigen Vorstandsmitgliedern und von einigen Besuchern der Moschee durchsucht.

Wir haben mit großem Entsetzen den Beschluss des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts zur Kenntnis genommen und möchten dies zum Anlass nehmen, den Standpunkt des Vereins und der dazugehörigen Moschee nochmal hervorzuheben:

Der Verein wurde in den 80er Jahren von marokkanischen Gastarbeitern gegründet um die religiösen, sprachlichen und kulturellen Gepflogenheiten zu pflegen und diese an die nachkommenden Generationen weiterzugeben.

Der Verein und die ganze muslimische Gemeinschaft in Mönchengladbach haben sich in der Vergangenheit – und werden es auch in Zukunft – immer wieder ganz klar gegen Terrorismus, Fanatismus und religiöse Gewalt positioniert.

Dieses Statement möchten wir hiermit nochmal wiederholen und uns ganz klar von jeglicher Form von Gewalt und Extremismus distanzieren. Solche Ideologien wurden und werden zu keiner Zeit geduldet. Personen, die sich diesen Ideologien anschließen, sind in unserer Gemeinde und insbesondere in unserem Verein NICHT willkommen.

Der Verein hat bereits in der Vergangenheit auffälligen Personen nach Bekanntwerden der Tatbestände Hausverbote erteilt und wird diese Praxis auch in Zukunft fortführen. Personen, die Hetze und Intoleranz gegenüber Andersgläubigen verbreiten, werden in unserer Gemeinde nicht geduldet. Daher ist für uns eine Zusammenarbeit mit den Behörden von essentieller Bedeutung.

Zudem möchten wir nochmal betonen, dass wir uns als marokkanischer Verein und als muslimische Gemeinde in Mönchengladbach stets zur deutschen freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und uns an alle gesetzlichen Normen des Landes halten. Für den Verein und seine Mitglieder gilt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als Grundlage für das Zusammenleben.

Der Grundsatz der Völkerverständigung ist auch im Islam ein sehr hohes Gut und ist die Basis für ein friedliches Zusammenleben. So heißt es in Sure 49, Vers 13:

<< O Ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit Ihr einander kennenlernt. >>

Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen intensiv mit den lokalen Behörden zusammenarbeiten.

Des Weiteren bitten wir alle Mitglieder und Besucher der Moschee, jegliche Auffälligkeiten von Personen in der Moschee umgehend dem Vorstand mitzuteilen.

Ferner werden nun dauerhaft sämtliche Aktionen wie Vorträge und Unterrichte vorher von den Verantwortlichen der Moschee inhaltlich geprüft und freigegeben. Sämtliche Predigten/Referate – auch die arabischen Vorträge – werden aufgezeichnet und bei Rückfragen den örtlichen Behörden zur Verfügung gestellt.

Diese Maßnahmen sind dringend notwendig, um die Anschuldigungen zu entkräften und weiteren Maßnahmen entgegenzuwirken.

Wir erwarten auch von allen Mitgliedern und Besuchern der Moschee volle Unterstützung bei der Zusammenarbeit mit dem Vorstand und mit den örtlichen Behörden und hoffen, dass wir dadurch zeitnah die Situation der Moschee wieder normalisieren können.

Bei Fragen steht euch der Vorstand jederzeit zur Verfügung.

Freundliche Grüße

Der Vorstand

http://masjid-arrahman.de/

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Unterstützungsmöglichkeiten für diesen blog:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/11/29/in-eigener-sache-2/

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