KDDM: Muslimbruderschaft on Board?

Der „Zaytouna Verein für Kommunikation“ ist nach eigenen Angaben Gründungsmitglied des Kreises der Düsseldorfer Muslime (KDDM). Während der Verein zur Mehrheitsgesellschaft hin versucht, Bildungsbeflissenheit, Integrationswillen und harmlose Spiritualität zu demonstrieren, ergibt eine Analyse der Betätigungen in und zur eigenen Community hin ein anderes Bild: Immer wieder zeigen sich Bezüge zu Organisationen und Personen aus dem Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft. Auch werden Inhalte und Aufrufe der PGD, der Deutschlandvertretung der verbotenen Hamas, geteilt.

Der Sitz des Zaytouna-Vereins in Düsseldorf-Pempelfort (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Der Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM) war bereits zwei Mal Thema dieses Blogs. Zuerst vor rund einem Jahr, als die Blogbetreiberin den als „Abu Jibriel“ bekannten und vom Verfassungsschutz der Salafisten-Szene zugerechneten Mohamad G. beim KDDM-Cup entdeckte. Bei dem alljährlich stattfindenden Fußball-Turnier des KDDM spielte Abu Jibriel 2018 beim prestigeträchtigen Spiel der Pfarrer gegen die Imame im Team der Letztgenannten.

https://vunv1863.wordpress.com/2018/06/16/islamic-relief-vermeidbare-eigentore/

Nach dieser Entdeckung sprach der KDDM-Vorstand davon, dass Abu Jibriel bereits 2016 zur „unerwünschten Person“ erklärt worden sei. Dass er trotzdem in der Mannschaft der Imame mitspielen konnte, sei auf eine „organisatorische Panne“ zurückzuführen, die er dazu genutzt habe, sich „einzuschleichen“.

http://kddm-online.de/wordpress/statement-zum-kddm-cup-2018-wdr-berichterstattung-16-06-2018/

Im März fand die Blogbetreiberin radikale und antisemitische Inhalte auf der Facebook-Seite des als „Kita-Imam“ bekannt gewordenen Asmer Ujkanovic. Der bosnische Imam soll Kinder in einer evangelischen Tagesstätte in Düsseldorf-Reisholz über den Islam aufklären. Das evangelisch-muslimische Gemeinschaftsprojekt wurde von der Diakonie Düsseldorf als Trägerin der Kita Steubenstraße im Stadtteil Reisholz gemeinsam mit dem KDDM ins Leben gerufen.

Diese Enthüllungen hatten jedoch keinerlei Konsequenzen; Diakonie und KDDM hielten am Kita-Imam-Projekt und explizit auch an der ausführenden Person fest. In Testimonial-Manier wurden dem Imam, der die sehr problematischen Haltungen gezeigt hatte, ein untadeliger Leumund als Feigenblatt attestiert. Mit Michael Szentei-Heise fand der Imam sogar einen prominenten Fürsprecher der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Lediglich die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU), in deren Wahlkreis die Kita liegt, beklagte eine „unverständliche Verharmlosung“ des Kita-Imams.

https://vunv1863.wordpress.com/2019/03/14/duesseldorf-der-kita-imam/

https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/bloggerin-aeusserte-zweifel-diakonie-duesseldorf-verteidigt-kita-imam_aid-37924151

http://nrw-direkt.net/unverstaendliche-verharmlosung-des-kita-imams/

Nach eigenen Angaben gehören dem KDDM derzeit 31 Vereinigungen an. Eine Liste dieser Vereinigungen veröffentlicht der KDDM auf seiner Internet-Seite jedoch nicht mehr. Einige dieser Vereinigungen teilen aber von sich aus mit, dem KDDM anzugehören. So etwa der „Zaytouna Verein für Kommunikation e.V.“ mit Sitz in Düsseldorf-Pempelfort. Die Organisation vorwiegend Tunesischstämmiger bezeichnet sich selbst als Gründungsmitglied des KDDM. Auf seiner Facebook-Seite beschreibt der Verein seine Ziele:

1. Die Förderung des kulturellen Austauschs zwischen den tunesischen Immigranten und der deutschen Gesellschaft im Sinne des Gedankens der Völkerverständigung.

2. Das Sozialengagement unter den tunesischen Familien.

3. Die Förderung der Integration der tunesischen Immigranten in der deutschen Gesellschaft.

4. Die Beteiligung an den Lösungen von Jugendproblemen durch Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit mit den Eltern auf den Gebieten der Erziehung und Kultur.

https://www.facebook.com/pg/zaytouna.verein/about/?ref=page_internal

Zur eigenen Community präsentiert sich der Verein auf seiner Facebook-Seite hingegen anders. So werden etwa Personen aus dem Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft als Referenten geladen. Letzten August referierte Taha Amer für den Verein.

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Hier im Video:

Taha Amer ist der Vorsitzende des „Rats der Imame und Gelehrten Deutschlands“ (RIGD). Diese Organisation nimmt eine wichtige Funktion im Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft ein; dort sind die Imame vieler Einrichtungen bundesweit vernetzt. Informationen zu diesem Rat finden sich seit etlichen Jahren in den Berichten des hessischen Landesverfassungsschutzes; aktuell aus dem Jahr 2017 ab Seite 129 im Kapitel über die Muslimbruderschaft und die Islamischen Gemeinschaft Deutschlands (IGD, jetzt DMG):

https://www.hessen.de/sites/default/files/media/hmdis/verfassungsschutzbericht_2017.pdf

Die IGD/DMG ist die auch nach Verfassungsschutzbehörden größte Organisation in Deutschland, in der sich Muslimbrüder organisieren. Deren damaliger Vorsitzender Samir Falah wiederum war auf der Jahreshauptversammlung 2016 des Zaytouna-Vereins geladen.

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Auch mit Bild vom Vortrag – mit IGD-Logo:

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Ein weiteres Beispiel für die selbstgewählte Zuordnung ist die Art, welche Institutionen man anerkennt und deren Inhalte verbreitet. Der Zaytouna-Verein hält – so muss man den Bezug deuten – den Fatwa-Ausschuss Deutschland mit seinem Vorsitzenden Khaled Hanafy für eine Institution mit religiöser Autorität. Dieser Ausschuss ist auch selbstbekennend die deutsche Sektion des „European Council for Fatwa and Research“ (ECFR), einem europäischen Gremium der Muslimbruderschaft. Hanafy ist einer der wichtigsten Multifunktionäre muslimbrudernaher Gremien und Organisationen; hier in einer Stellungnahme:

 

Quelle: www.facebook.com/zaytouna.verein/, Abruf 21.6,2019

Khaled Hanafy ist nicht nur Vorsitzender des Fatwa-Ausschusses und war nach eigenen Angaben Berater für Islamic Relief, sondern sitzt auch im ECFR. Auch in der „Kaderschmiede der Muslimbruderschaft“ (Landesamt für Verfassungsschutz Hessen), dem Frankfurter EIHW, ist er in leitender Funktion tätig.

Weitere Beispiele aus dem gleichen „Strömungsfeld“: Da wird auf Veranstaltungen und Betätigungen von Organisationen aus dem gleichen Umfeld hingewiesen. Hier die „Deutsche Gesellschaft für islamische Bildung“:

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Dort der „Deutsche Bund für den edlen Koran“, der vor kurzem vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz erwähnt wurde

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Hier ein Hinweis auf eine Muslimbruder-Großveranstaltung:

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Auch finden sich Hinweise auf Islamic Relief, die Causa Ben Hatira und Ähnliches. Sympathien für die Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland (PGD) sind anscheinend ebenfalls vorhanden:

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Auf das jährliche europäische Treffen der PGD wird aufmerksam gemacht:

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Die PGD ist eine Organisation, in der sich laut verschiedenen Verfassungsschutzämtern Hamas-Anhänger zusammentun. Solche Sympathien führen dann zu solchen Sichten:

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Geteilt wurde auch vom Extremisten-Portal „Way to Allah“, das immer wieder im NRW-Verfassungsschutzbericht benannt wird:

Belegbild: https://www.facebook.com/zaytouna.verein/ , Abruf 21.6,2019

Es ist immer dieselbe Grauzone zwischen Muslimbruderschaft sowie noch extremistischeren Ablegern und Bestrebungen. Solche Referenten einladen, sich auf solche Autoritäten berufen, solche Organisationen kennen und ihre Inhalte verbreiten: Das zeigt die Haltungen durch Handlungen auf. Der „eigenen“ Community wird so unmissverständlich, eindeutig und über Jahre hinweg eine Zugehörigkeit aufgezeigt. Das ist die Eigenbeschreibung des Zaytouna Vereins, die aber in der Mehrheitsgesellschaft natürlich nicht zu vermitteln ist, weshalb man sich dort gerne anders darstellt. Am Ende des Tages zählt jedoch nicht, wo man ein wenig aus strategischen Erwägungen mitspielt, wo und mit wem man „Schaulaufen“ geht, wo man sich also Support organisiert oder Testimonials besorgt, sondern welche Organisationen und Ziele man selber unterstützt. Bei diesen Einbindungen helfen weder die Mitgliedschaft in einer Dachstruktur, noch Testimonials oder Lippenbekenntnisse. Es ist vielmehr umgekehrt: Der Umstand, dass solche organisationen mitmachen (dürfen), wirft ein weiteres Mal einen Schatten auf den KDDM

In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage hieß es letztes Jahr im nordrhein-westfälischen Landtag:

Der KDDM wird nicht als extremistisch bewertet. Nach hiesigen Erkenntnissen verfügen einzelne Mitglieder über Kontakte ins legalistisch-islamistische Spektrum. Es ist jedoch nicht bekannt, dass sich dieser Sachverhalt bisher auf die Aktivitäten des Gesamtverbandes und dessen Ausrichtung auswirken konnte.“*

https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-946.pdf

Der Zaytouna Verein erscheint als genau eine dieser Strukturen, die in diesem Kontext genannt wurden. Der KDDM erscheint jedoch nicht als das „kleinere Übel“, das man als gegeben hinnehmen muss, um extremistische Strukturen im Schwingungsfeld dieser Gesellschaft zu halten. Er stellt sich – man stellte sich vor den Kita-Imam und fuhr unbeeindruckt fort – vielmehr als Interessenvertretung auch problematischer Akteure und Strukturen heraus. Wenn Düsseldorfer Verantwortliche gehofft hatten, dass der KDDM einen mäßigenden Einfluss haben möge, so darf diese Hoffnung als gescheitert erachtet werden. Der KDDM verbessert wohl das Marketing und stellt Testimonials; von den problematischen „Brüdern“ und Strukturen mag man sich nicht trennen. Am Ende des Tages steht der KDDM auf der falschen Seite.

*
Hinsichtlich der Auswirkungen könnte man durchaus anmerken, dass in der Vergangenheit die Spenden des KDDM-Cups an eine Organisation aus dem Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft gegangen sind. Der KDDM hätte ja auch einen anderen Begünstigten wählen können.

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