Salafistische Traditionen in Dormagen

Nach Auftritten bekannter Szene-Größen wie Sven Lau wurde es um eine Keller-Moschee in Dormagen-Hackenbroich medial wieder ruhiger. Zuletzt aber war ein Prediger aus einem südwestdeutschen Salafisten-Netzwerk vor Ort. Lokale Politiker täten gut daran, sich von der medialen Ruhe nicht täuschen zu lassen.

In diesem Gebäude in Dormagen-Hackenbroich befindet sich die Keller-Moschee

2010 und 2011 zog die die Salahuddin-Al-Ayyubi-Moschee in Dormagen-Hackenbroich ein hohes Maß an medialer Aufmerksamkeit auf sich. Gleichzeitig wurde damals bekannt, dass der Verfassungsschutz die Szene in Dormagen beobachtet. Hintergrund waren die Auftritte bekannter Mitglieder des später aufgelösten Mönchengladbacher Salafisten-Vereins „Einladung zum Paradies“*.

Danach aber verloren die lokalen Medien ihr Interesse an der Dormagener Szene. Damit entging ihnen jedoch vieles: So waren in den letzten Jahren insbesondere der Leipziger Hassan Dabbagh alias Abu Hussain und der Berliner Ahmad Armih alias Abul Baraa als Gastprediger vor Ort. Dabbagh wurde spätestens 2012 durch seinen TV-Auftritt bei Sandra Maischberger bundesweit bekannt. Baraa ist ebenfalls seit Jahren breiter bekannt. Noch vor einer ZDF-Reportage letztes Jahr erregte er wegen seiner Haltung zur weiblichen Genitalverstümmelung** in weiten Kreisen Abscheu.

Beispielhaft ein Auftritt von Baraa:

Belegbild: Facebook-Seite Mescid Salahuddin Al Ayyubi, Abgerufen am 18.7.2019

Im April dieses Jahren war nun der Prediger Issam Benhamed in der äußerlich unscheinbar wirkenden Keller-Moschee in Dormagen-Hackenbroich zu Gast:

Der Predigername von Issam Benhamed ist Abu Abdallah.

Von der Veranstaltung existiert ein Video:

Solche Auftritte werden auf öffentlich einsehbaren Seiten kaum noch mitgeteilt. Informationen werden inzwischen eher verdeckt ausgetauscht; hier zum Beispiel in einer „Geheimen Gruppe“ der Moschee – mit immerhin 524 Mitgliedern:

Belegbild: Facebook-Seite Mescid Salahuddin Al Ayyubi, Abgerufen am 22.7.2019

Die Vernetzung mit Benhamed ist nun eine erneute Verknüpfung in die Grauzone zu den Jihadisten. Benhamed ist in das Aktionsgeflecht rund um Neil bin Radhan (Heidelberg) und Fathy Eid (IZS Stuttgart) eingebunden.

Seit einigen Wochen scheint er jedoch in Stuttgart nicht mehr auftreten zu dürfen. Dies lässt eine Mitteilung von seiner offiziellen Facebook-Seite vermuten:

Belegbild: Facebook-Seite Al Estiqamah, Abgerufen am 18.7.2019

Benhamed ist wie Baraa nach Angaben auf der zugehörenden Facebook-Seite Mitglied oder Unterzeichner der Konstituierung des „Ausschusses für Mondsichtung“. Möglicherweise könnte ein Dissens zwischen Benhamed und Eid der Grund sein; Eid hatte vor einiger Zeit eine gemeinsame Veranstaltung mit Khaled Hanafy, dem Vorsitzenden des theologisch konkurrierenden und muslimbrudernahen „Fatwa-Ausschuss“ (siehe Beiträge auf diesem Blog), abgehalten. Das war in gewisser Weise überraschend und deutete auf eine Annäherung zwischen Eid und der Muslimbruderschaft hin. Benhamed wohnt nach letztem Kenntnisstand in Frankfurt.

In Dormagen-Hackenbroich will man offenbar von der radikalen Tradition nicht lassen. Die Einladung von Issam Benhamed deutet eine Anbindung an das bundesweite salafistische Netzwerk an. Dormagener Politiker, die wegen der medialen Ruhe beruhigt waren, täten gut daran, sich davon nicht täuschen zu lassen: Die Tradition ist ungebrochen und die Akteure sind nach wie vor im selben Spektrum zu verorten.

*

Beispielhaft: http://www.ruclip.mobi/index.php?act=video&id=BgHRb6MdPFc

**
https://www.youtube.com/watch?v=AnaIT5GQxaY

Ab 13:20 geht es um die weibliche Genitalverstümmelung.

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