Münster: Der „andere“ Terrorismus

Das Bekanntwerden einer Rede im Münsteraner Imam-Mahdi-Zentrum hatte am Donnerstag für einiges Aufsehen gesorgt. Die Rede vom Dezember letzten Jahres ist jedoch nur ein Teil, der unfreiwillig offenbar wurde. Ein Mitglied des Münsteraner Integrationsrats hat daraufhin die Äußerungen relativiert. Die Aktivitäten dieses Gemeindemitglieds lassen auch Vorkommnisse bei den letztjährigen „Wochen gegen Rassismus“ in einem neuen Licht erscheinen. 

Wie bereits berichtet, hielt im Imam-Mahdi-Zentrum in Münster-Hiltrup im vergangenen Dezember ein Mann eine radikale Rede. In einem Video, das damals aufgezeichnet wurde, sagt er vor Gläubigen unter anderem: „Man wirft uns vor, Terroristen zu sein – wir sind stolz auf Terrorismus.“ Das in Washington ansässige Middle East Media Research Institute (MEMRI) hatte den Inhalt des Videos ins Englische übersetzt. Am Donnerstag wurde dies auch von der Jerusalem Post aufgegriffen, die dabei von einem „schockierenden Video“ aus Münster sprach.

Am Freitag sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums auf Nachfrage der Allgemeinen Zeitung (AZ), dass das Video der Polizei Münster vor der Presseberichterstattung nicht bekannt gewesen sei. Sofort eingeleitete Ermittlungen hätten ergeben, dass das Video tatsächlich im Imam-Mahdi-Zentrum aufgenommen wurde. Bei der im Video zu sehenden Person soll es sich um ein 36-jähriges Gemeindemitglied gehandelt haben. Die Polizei Münster habe den Sachverhalt daraufhin der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf zu einer strafrechtlichen Beurteilung vorgetragen. Diese erkenne jedoch nach einer ersten vorläufigen Bewertung keine strafrechtliche Relevanz, sagte die Sprecherin des Ministeriums.

Das Imam-Mahdi-Zentrum in Münster ist seit mehr als 20 Jahren unter Beobachtung des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes. Die Einrichtung sei eine „Plattform und Begegnungsstätte“ von Anhängern der Hizbollah und damit für den schiitischen Extremismus in Nordrhein-Westfalen und im Westen Deutschlands, so das Landesinnenministerium. In Israel, Kanada, den USA sowie den Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga ist die Hizbollah als Terror-Organisation eingestuft. In Deutschland wird sie jedoch nur beobachtet. Auf die Frage der Jerusalem Post nach einem Verbot der Hizbollah verwies der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im September 2018 auf eine frühere Aussage des Landesinnenministers, nach der ein solches Verbot entsprechende finanzielle Unterstützung voraussetze.

„Wir haben eine andere Definition von Terrorismus als Sie“

„Wenn einer aus der Reihe tanzt, heißt das nicht, dass alle Gläubigen so denken“, sagte ein Gemeindemitglied, das früher im Vorstand des Imam-Mahdi-Zentrums war, am Freitag der Allgemeinen Zeitung zu dem Video. Die Moschee sei „eine friedliche Einrichtung“, sagte der namentlich nicht genannte Mann weiter. Zu dem Bekenntnis „Wir sind stolz auf Terrorismus“ sagte der Mann, der seit 2014 dem Integrationsrat in Münster angehört: „Wir haben eine andere Definition von Terrorismus als Sie.“ Was konkret er damit meinte, blieb jedoch im Unklaren.

In dem Integrationsrat Münster finden sich nur zwei Personen aus dem Libanon; Tamara Sobhi Majed und Abdul Amir Sleiman. Letzterer ist nicht nur Mitglied im Integrationsrat, sondern auch Erster Vorsitzender des „Verbands muslimischer Familien und Partnerschaften Münster e. V“ und Erster Vorsitzender des Vereins „Münster – Eine Welt ohne Grenzen“. Beide Vereine wurden mit derselben Schriftführerin gegründet, Natalie Eichner*, derselben Vertretungsregelung und mit Satzungserstellung am selben Tag, dem 23. April 2015, wenn auch mit unterschiedlichen Eintragungsdaten im Vereinsregister (Juni und September 2015). Der „Welt-ohne-Grenzen“-Verein will eine „Beratungsstelle“ unterhalten, die jedoch seit Jahren nicht mehr in Erscheinung tritt: Es existiert lediglich eine Facebook-Seite des Vereins, die dort angegebene Internetseite ist jedoch nicht aufzufinden. Auf der Facebook-Seite stammen die letzten Einträge vom April 2017, als unter anderem eine Podiumsdiskussion mit einigen Gästen der lokalen Politik veranstaltet wurde. Eichner sitzt ebenfalls im Integrationsrat der Stadt Münster; dort wird sie als Russin bezeichnet. So weit die Betätigungen des Integrationsbeirats Sleiman, die in der Stadtgesellschaft präsenter sind.

Lehrer am Imam-Madhi-Zentrum

Bei genauerer Betrachtung trat Sleiman in der Vergangenheit als Lehrer des Imam-Madhi-Zentrums Weiterlesen

Mutmaßliche IS-Rückkehrerin über Verhaftung „schockiert“

Der Prozess gegen die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. brachte in dieser Woche nur wenig neue Erkenntnisse. Als Familienangehörige am Montag die Aussage verweigerten, würdigten sie die Angeklagte dabei keines Blickes. Am Donnerstag schilderte Mine K., wie es im IS-Gebiet nach dem Tod von Murat D. zu einer kurzzeitigen Ehe mit einem anderen Mann kam. Über ihre Verhaftung nach der Landung in Deutschland war sie „schockiert“, klagte sie. 

Der Hochsicherheits-Gerichtssaal des OLG Düsseldorf (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Beim Prozess gegen die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. vor dem 2. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) wurde am Montag deren ehemaliger Ehemann Mohammad S. vernommen. Der 41-Jährige hatte die Polizei bereits 2015 über seinen Verdacht informiert, seine Ex-Frau könne in das von der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) beherrschte Gebiet ausgereist sein. Er sei bereits zuvor in Gesprächen mit ihr zu dem Eindruck gelangt, sie sympathisiere mit dem IS, schilderte er vor Gericht. „Das ist richtig, was die machen“, soll Mine K. etwa gesagt haben, als in den Nachrichten über den IS berichtet wurde.

Außerdem habe er in den Jahren zuvor bemerkt, dass Mine K. mit Salafisten-Größen wie Pierre Vogel, Abou Nagie und Sven Lau sympathisiere und teilweise auch in Verbindung stand. So sprach er mehrfach von einem Foto, das Pierre Vogel mit ihrem Kind zeigen soll. Allerdings legte er dem Gericht kein solches Foto vor. An anderer Stelle sprach er davon, dass Mine K. bei Koran-Verteilaktionen mitgemacht habe.

Auffällig war, dass er die gemeinsame Ehezeit völlig anders schilderte als Mine K. zwei Wochen zuvor. So sei seine Ex-Ehefrau „verwöhnt“, „verantwortungslos“ und „unselbständig“ gewesen, behauptete er. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Frank Schreiber bestritt Mohammad S. jedoch, schlecht über seine Ex-Frau zu reden, um dadurch bessere Chancen auf das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn zu haben.

Derber Schlagabtausch zwischen Zeuge und Anwälten

Zum Eklat kam es in der Befragung des Zeugen durch die Verteidiger am späten Nachmittag. Mohammad S. begründete die Trennung von Mine K. mit derben Worten über deren angeblich geringe Weiterlesen

„Stolze Terroristen“ in Münster

Das schiitische Imam-Mahdi-Zentrum in Münster ist seit Jahrzehnten als Ort islamistischer Umtriebe bekannt. Nun wurde vom Middle East Media Research Institute (MEMRI) ein Mitschnitt entdeckt, in dem ein Redner in der Imam-Mahdi-Moschee fanatisch Märtyrertum und Terrorismus preist.

Die Hizbollah-nahe Einrichtung „Fatime Versammlung“ hat ihren Sitz in der „Hünenburg 24“ in Münster-Hiltrup. Schon 2006 hatte Bruno Schirra in der WELT auf den Verein aufmerksam gemacht. Die langjährig bekannte Problematik des Zentrums in der islamistischen Szene in Münster war auch auf diesem Blog schon einmal knapp angerissen worden. Der Verein gehört dem  Dachverband der Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) an und macht auch Veranstaltungen unter Bezugnahme auf diese Mitgliedschaft (siehe unten).

Erst im Dezember letzten Jahres war der Münsteraner Polizeipräsident in die Kritik geraten, da er sich wohl unzureichend vorinformiert mit Verantwortlichen des Zentrums getroffen und für ein Testimonialbild zur Verfügung gestanden hatte. Die Jugendgruppe der Organisation hatte auf ihrem Facebook-Account einen BILD-Artikel dazu kommentiert und diesem ihre Selbstdarstellung entgegengehalten: „Wir, die MAHDI AG, verstehen uns als eine deutsche Jugendorganisation, die sich ehrenamtlich für ein offenes, friedliches und integratives Miteinander engagiert. Dass sich unsere Jugendgruppe für die Belange der Gesellschaft einsetzt, wurde durch diverse christlich-muslimische Begegnungen und Dialoge, Besuche von Waisenhäusern, Seniorenheimen und nicht zuletzt durch eine jährlich stattfindende Weihnachtsaktion mehrfach unter Beweis gestellt.“

Man beruft sich auf antirassistische Diskurse und nutzt diese zur Darstellung zur Stadtgesellschaft hin:

 

Aber bereits 2012 wurde versucht, zur Stadtgesellschaft hin die eigentliche Ausrichtung zu verschleiern: „Wir wollen ein deutliches Zeichen der Verbundenheit damit setzen, dass Christen und Muslime gemeinsam miteinander beten‘, betonten Annethres Schweder vom Christlich-Islamischen Arbeitskreis und Issa Mostafa von der Fatime Versammlung. Mit der Begegnung sollen vor allem Ängste und Vorurteile gegenüber dem Islam abgebaut werden. Durch offene Informationen und Einblicke in ihr Allerheiligstes wollen die Muslime zeigen, dass die Menschen verschiedener Religionen eigentlich gar nicht so verschieden sind. ‚Der Islam hat ein großes Herz für alle Menschen‘, so Mostafa.

Die Seite des Christlich-Islamischen Arbeitskreises ist derzeit nicht aufrufbar. Im Webarchiv finden sich jedoch der Christlich-Islamische Arbeitskreis Münster sowie der Christlich-Islamische Frauenkreis, über den solche Gespräche geführt wurden. Die behauptete „Verbundenheit“ war wohl eher eine Imagination, die man seitens des Zentrums für die Selbstdarstellung zu nutzen wusste.

Nun wurde vom Middle East Media Research Institute (MEMRI) ein Mitschnitt entdeckt, in dem ein Redner in der Imam-Mahdi-Moschee im Dezember 2018 fanatisch Märtyrertum und Terrorismus gepriesen hat:

 

Solche Aussagen zur eigenen Gemeinschaft hin passen auch eher zu dem Bild, das sich sonst ergibt. Vorsitzender des Vereins ist Mohammad Hedroj, eine Person gleichen Nachnamens mit Vornamen Bassam zweiter Vorsitzender. Weiterlesen

Prozess gegen IS-Rückkehrerin geht weiter

Vor Gericht wollte sich die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. bislang nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Die Befragung zweier BKA-Mitarbeiter, die vor rund einem Jahr in der Türkei mit ihr gesprochen hatten, erbrachte in dieser Woche dennoch einige Informationen zu ihrer Motivation. So soll Mine K. dort gesagt haben, die freiheitlich-demokratische Grundordnung aus religiösen Gründen abzulehnen.

Vor dem Hochsicherheitstrakt des OLG Düsseldorf (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Der Prozess gegen die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. am Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) wurde in dieser Woche fortgesetzt. Am Montagmorgen schilderte eine 36-jährige Mitarbeiterin des Bundeskriminalamts (BKA) ein Gespräch mit ihr am 13. Juli 2018 in Ankara. Mine K. war damals bei der deutschen Botschaft in der Türkei vorstellig geworden, um einen Pass für ihren kleinen Sohn zu bekommen. Da dem BKA bekannt war, dass sie sich im Hoheitsgebiet der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) aufgehalten hatte, erhofften sich dessen Mitarbeiter von dem Gespräch weitere Erkenntnisse über dessen innere Struktur und wollten auch die Chance ergreifen, von möglichen Anschlagsplänen zu erfahren.

In diesem Gespräch habe Mine K. erzählt, sie habe sich YouTube-Videos der Salafisten-Prediger Sven Lau und Pierre Vogel angesehen. „Durch das Kennenlernen des Islams habe sie sich entschieden, islamisch zu leben“, schilderte die BKA-Mitarbeiterin die Aussagen der Deutsch-Türkin. Weiter habe diese erzählt, dass sie „jederzeit wieder ausreisen würde“, da sie „ihren Glauben in Deutschland nicht leben könne“. Hier werde sie etwa wegen ihrer Vollverschleierung angefeindet. Auch würde ihr Sohn in Deutschland Musikunterricht bekommen, was sie „nicht gut“ finde.

Also habe sie das IS-Mitglied Murat D. via Skype geheiratet. Dies sei mit dem islamischen Recht vereinbar, habe sie in Ankara weiter erzählt. Ihre Schleusung in das IS-Gebiet habe der IS bezahlt. Murat D. sei dort Teil einer tschetschenischen Einheit gewesen. Was genau er gemacht hatte, habe er ihr aber nie erzählt. Nachdem Murat D. getötet wurde, habe sie vom IS 1.000 Dollar Witwengeld bekommen. Sie sei nach seinem Tod weiter mit ihrem Kind in Mossul geblieben, habe aber zunehmend an Flucht aus dem IS-Gebiet gedacht. Diese gelang im Oktober 2016, dann habe sie wieder türkischen Boden betreten.

„Sklaverei ja eigentlich nicht schlimm“

Dass sie Mitglied des IS gewesen sei, habe sie bei dem Gespräch in Ankara jedoch bestritten, Weiterlesen

Taha Amer und Ahmad al-Khalifa in Karlsruhe

Der „Verein für Dialog und Völkerverständigung in Karlsruhe e.V. – Annur Moschee“ betreibt eine Gebetsstätte mit angeschlossener Schule. Zur Karlsruher Stadtgesellschaft hin gibt man sich dialogorientiert. Doch es gibt auch noch eine andere Seite des Vereins – die zur Muslimbruderschaft hin.

Der „Verein für Dialog und Völkerverständigung in Karlsruhe e.V. – Annur Moschee“ betreibt neben der Moschee auch eine Schule. Nach eigenen Angaben seit 1994 in das Vereinsregister eingetragen, bietet der Verein auf den ersten Blick übliche religiöse Betätigung für Muslime. Mit dem Angebot einer „Annur-Schule“ zielt man dem optischen Eindruck nach auf Muslime der Mittelschicht. Auf der Facebook-Seite der Schule sieht man fröhliche Kinder bei allerlei Betätigungen. Größere Mädchen tragen jedoch fast durchgängig ein Kopftuch.

Hinsichtlich der Außendarstellung des Vereins finden sich gängige Muster; so wird auf der „Über-uns“-Seite des Vereins auch auf die Kontakte zur Mehrheitsgesellschaft hin und das Engagement im interreligiösen Dialog verwiesen:

Das andere richtungsweisende Ziel ist das Fördern eines besseren Miteinanders zwischen Muslimen und ihren Mitbürgern.

Um diesem Ziel näher zu kommen, hat der Verein folgende Aktivitäten:

„Tag der offenen Moschee“, jährlich am 03. Oktober
Moscheeführungen für Schulklassen, andere Institutionen und interessierte Menschen
Mitarbeit in der „Christlich-Islamischen Gesellschaft in Karlsruhe e.V.“
Teilnahme an verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen
Kontaktpflege mit der Stadtverwaltung und anderen Vereinen
Kooperation mit anderen muslimischen Vereinen in Karlsruhe.“

Zur Stadtgesellschaft hin spiegelt sich dies vor allem in der Repräsentanz durch Personen und dem Eigenmarketing wie hier letztes Jahr.

Bei solchen Gelegenheiten wird schon mal erzählt, wovon man annimmt, dass es ankommt, aber wenig mit den tatsächlichen und durch die Ausrichtung zur „eigenen“ Community hin dokumentierten Zielen zu tun hat.

Belegbild: https://www.facebook.com/IIFGe.V/, Abruf 19.8.2019

In der „Christlich-Islamischen Gesellschaft“ ist die tunesischstämmige Najoua Benzarti seit 2015 als „muslimische Vorsitzende“ bestellt. Benzarti ist noch unter dem anderen Namen Skandrani seit Gründung 2002 als Vorsitzende der „Islamischen Internationalen Frauengemeinschaft Karlsruhe und Umgebung e.V.“ eingetragen. Bereits auf der Facebook-Seite dieses Frauenvereins finden sich nun Bezüge zur Muslimbruderschaft, wenn auch nicht sofort erkennbar.

So wird wiederholt Werbung für die spirituellen Reisen von Mohammed Siddiq gemacht. Hinter diesem Namen verbirgt sich der Konvertit Wolfgang Borgfeldt, der lange das einschlägig bekannte „Haus des Islams“ in Lützelbach leitete und immer noch als einer der deutschen Vertreter im „European Council for Fatwa and Research“ sowie dessen deutschem Ableger „Fatwa-Ausschuss Deutschland“ geführt wird. Beide Strukturen sind der Muslimbruderschaft zuzuordnen. Borgfeldt unterhielt aber auch eine Art Reisebüro für Pilgerfahrten und andere muslimisch-spirituelle Reisen. Auch verlinkte Inhalte des Deutschsprachigen Muslimkreis Karlsruhe und des Deutsche Muslimischen Zentrums (ehemals Deutschsprachiger Muslimkreis Berlin) weisen in diese ideologische Richtung.

Schwerer wiegen jedoch die Bezüge, die sich durch Veranstaltungen und in die Moschee geladene Personen darstellen lassen. So findet am 7. und 8. September in der Moschee eine „Sira-Schulung“ statt: Weiterlesen

Frankfurt: Kurze Wege in die Radikalisierung

Die Frankfurter Bilal-Moschee war schon mehrfach Thema auf diesem Blog. Als Ort, an den international bekannte Hassprediger eingeladen wurden, als Ort, in den eine Kita-Gruppe hineingeriet und auch als Ort, an dem es bei der Suche nach einem tunesischen Terrorverdächtigen eine Durchsuchung gab. Die Moschee ist auch Ort eines Frankfurter Moscheen-Projekts. Das hindert die Verantwortlichen aber nicht – ganz im Sinne einer Doppelstrategie – regelmäßig problematische Prediger einzuladen.

Die Bilal-Moschee im Frankfurter Stadtteil Griesheim ist seit Jahren ein Ort, an dem immer wieder problematische Bezüge sichtbar werden. So war die Frankfurter Einrichtung 2016 als „Spielwiese für Hassprediger“ benannt worden. Auch der belgische Prediger Tarik ibn Ali, gegen den in Spanien noch wegen Terrorverdachts ermittelt wird, war dort eingeladen. Parallel gab es Ereignisse wie dieses, an dem Kita-Kinder in der Moschee waren. Nur zwei Tage später gab es dort auf der Suche nach dem tunesischen Terrorverdächtigen Haykel S. eine Durchsuchung. Trotzdem blieb man uneinsichtig.

Wie bereits im Juli berichtet, ist Amen Dali seit einiger Zeit ständiger Gast in dieser Einrichtung ständiger Gast. Das zeigt der YouTube Kanal der Bilal-Moschee. Und auch letzten Freitag war Dali erneut zu Gast, wie ein entsprechendes Video dokumentiert:

Parallel dazu laden Frankfurter Nichtregierungsorganisationen im Auftrag der Stadt auch noch in die Moschee ein, so, als ob da nichts anders wäre als in anderen Moscheen: Weiterlesen

Mine K.: Von der atheistischen Linken zur IS-Rückkehrerin?

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht begann am Montag der Prozess gegen die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. In ihrer Einlassung am Donnerstag schilderte sie ihren langen Weg von der atheistischen Linken zur fünf Mal täglich betenden Gläubigen. Zu den Tatvorwürfen wollte sie sich bislang jedoch nicht äußern.

Der Hochsicherheits-Gerichtssaal des OLG Düsseldorf (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) begann am Montag der Prozess gegen die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. aus Köln. Der erste Verhandlungstag begann mit der Verlesung der Anklageschrift. Laut Anklage hat sich Mine K. im März 2015 von Köln aus der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Zwei Monate zuvor soll sie das damals in der Türkei lebende IS-Mitglied Murat D. aus Herford über Skype geheiratet haben.

Gemeinsam mit ihrem damals achtjährigen Sohn reisten beide über die Türkei nach Syrien und wurden dann vom IS in den Irak geschleust. Dort habe die Familie später ein Haus bezogen, dessen schiitische Bewohner bereits vom IS vertrieben wurden. Das sei laut Völkerstrafrecht ein Kriegsverbrechen gegen das Eigentum.

Mine K. wurde am 17. Oktober 2018 bei ihrer Wiedereinreise am Düsseldorfer Flughafen festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Verteidigt wird die 47-jährige Deutsch-Türkin von den Rechtsanwälten Serkan Alkan und Martin Yahya Heising.

Kein Wort zu den Tatvorwürfen

Bei ihrer Einlassung am Donnerstag sagte Mine K. sofort: „Ich möchte mich zum Tatvorwurf nicht äußern.“ Zu ihrem persönlichen Werdegang aber äußerte sie sich ungewöhnlich ausführlich. Wenn es um ihre Familie, insbesondere um ihren erst vor wenigen Tagen verstorbenen Vater ging, weinte sie mehrfach. Auf Nachfragen gab sie später an, unter gesundheitlichen Problemen zu leiden und seit 2016 fünfzig Kilo zugenommen zu haben.

Ihre Familie sei aus der Türkei nach Deutschland gekommen, als die Anwerbung von Gastarbeitern begann, schilderte sie. Sie sprach davon, eine „wunderschöne Kindheit“ gehabt zu haben und betonte ihr westlich orientiertes Elternhaus, in dem sie nicht religiös erzogen worden sei. „Ich war damals stolz darauf, dass meine Mutter kein Kopftuch trug“, sagte Mine K.

Gefallen an linken Ideologien

1992 machte sie Abitur, danach wollte sie Kriegsberichterstatterin werden. „Ich interessierte mich für Che Guevara“, merkte sie an. Als sie in Bonn mit dem Studium der Politikwissenschaften begann, hatte sie „zunehmend Gefallen an linken Ideologien gefunden, Kommunismus und Sozialismus, später auch am Anarchismus“. Der versprach die „totale Freiheit“ des Einzelnen, erläuterte sie. „Mich staatsgefährdend oder linksextremistisch einzubringen, war aber nie ein Thema“, schränkte sie jedoch umgehend ein. Mehrfach betonte sie, zu dieser Zeit nichts mit Religion im Sinn gehabt zu haben.

Ihr Studium lief „schleppend“, was auch an Partys und Partydrogen gelegen habe, fuhr sie fort. Später habe sie ein „unkonventionelles und abenteuerliches Leben“ führen wollen. Drogen hätten ihr „bewusstseinserweiternde Erlebnisse“ verschafft. Mehrfach sprach sie davon, während des Studiums Hilfsjobs nachgegangen zu sein. Erst gegen Ende ihrer Einlassung räumte sie auf weitere Nachfragen ein, ihr Studium um 2004 herum „wegen der Studiengebühren“ beendet zu haben. Später habe sie bei einer Versicherung gearbeitet.

„Die Ehe entpuppte sich schnell als Flop“

Ein zentrales Thema ihrer Ausführungen war die Ehe mit einem illegal in Deutschland lebenden Marokkaner, in der auch ihr heute 13-jähriger Sohn geboren wurde. Sie sei in den Mann verliebt gewesen, er aber habe zur Ehe gesagt: „Wenn’s klappt, dann klappt’s. Und wenn’s nicht klappt, dann habe ich wenigstens deutsche Papiere.“

„Die Ehe war schlimm für mich“, sagte sie. Ihr Mann sei fremd gegangen, habe getrunken und geprügelt. Ende 2010 sei sie ins Frauenhaus gegangen, „weil er uns umbringen wollte“. 2012 sei die Ehe geschieden worden.

In der Ehe habe sie aber auch den Koran, Dawa-Schriften, „Die Glaubenslehre der Salafiyya“ sowie andere Bücher gelesen. An dieser Stelle begannen ihre Darstellungen widersprüchlich zu werden: „So was überzeugte mich sehr“, sagte sie. Und: „Ich erfuhr, an was man alles glauben musste, um eine Muslima zu sein.“ Andererseits betonte sie mehrfach, sie habe sich zu dieser Zeit nur deshalb mit dem Islam auseinandergesetzt, um den marokkanischen Freunden ihres Mannes „etwas entgegenhalten“ zu können.

Hass auf USA, Israel und Juden

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 seien ihr Mann und seine Freunde „vor Freude außer sich gewesen“. Die USA, Israel und Juden seien deren Feindbilder gewesen. Sie selbst habe die Freude aber nicht verstanden: „Was gibt es da zu feiern?“ Zu diesem Zeitpunkt sei sie noch keine praktizierende Muslima gewesen. Ihr Mann hatte „so einen Hass auf Israel und Juden und er hatte Kassetten von Hass-Predigern“, schilderte sie. „Mich hat das selber damals nicht interessiert.“

Ihre fast zweistündigen Ausführungen beendete Mine K. mit den Worten „Danke für Ihre Aufmerksamkeit“. Der Vorsitzende Richter Frank Schreiber aber fragte sofort mehrfach nach. Der Senatvorsitzende wollte insbesondere wissen, wann Mine K. religiös wurde. Sie antwortete, 2010 „mit dem Praktizieren“ begonnen zu haben. So habe sie im Meditationsraum des Frauenhauses mit dem Beten begonnen. „Da habe ich mich zum ersten Mal als Muslima gefühlt“, erläuterte sie. „Heute ist es so, dass ich fünf Mal am Tag in meinem Haftraum bete“, sagte sie, als Frank Schreiber ihre derzeitige Religiosität erfragte. „Die islamische Kleidung habe ich aber im November abgelegt.“

Moderatorin bei islamistischen Facebook-Seiten

Schwierig wurde es, als der Vorsitzende Richter sie zu ihren mehrfachen Tätigkeiten als Moderatorin bei islamistischen Facebook-Seiten befragte. Als er sie auf die Seite „Einladung zum Paradies“ ansprach, behauptete sie, dies sei eine „ganz normale Facebook-Gruppe“ gewesen und habe „nichts mit Pierre Vogel oder Sven Lau zu tun gehabt, gar nichts“. Als Schreiber spitz nachfragte, ob es sich denn dabei um eine „zufällige Bezeichnungsgleichheit“ mit dem Mönchengladbacher Salafisten-Verein gehandelt habe, antwortete sie: „Genau.“

Ähnlich antwortete sie, als sie zu dem Verein „Schlüssel zum Paradies“ befragt wurde: Sie räumte ein, zusammen mit Sven Lau und Dennis R.* eines der Gründungsmitglieder gewesen zu sein. Gleichzeitig aber betonte sie: „Ich habe da nur Postings auf der Internet-Seite gemacht.“ Als von einer Facebook-Seite eines „kleinen Verlags in Hannover“ die Rede war, gab sie sich erstaunt: „Ich bin etwas verwundert, dass das als extremistisch eingestuft wird.“ Die Facebook-Seite habe sich nur mit „normalen“ islamischen Themen befasst, meinte sie.

Die biographischen Angaben der Angeklagten zeigen auf, dass Frauen, auch wenn sie für die Öffentlichkeit weniger präsent sind, wichtige Unterstützerfunktionen in den Strukturen der Männer wahrnehmen oder eigene Strukturen unterhalten. Gänzlich unbedarfte Frauen, die sozusagen nur den sprichwörtlichen Kaffee oder Tee kochen, aber nicht eingeweiht sind, würden nicht in solche Neubildungen eingebunden. Zu groß wäre die Gefahr, dass sie sich versehentlich versprechen. Auch würden sie nicht mit organisatorischen Aufgaben wie der Verantwortung für einen Facebook-Auftritt betraut. Möglicherweise bietet der weitere Prozessverlauf weitere Einblicke in die Mine K. umgebenden Strukturen.

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Dennis R., der mittlerweile mit Marcel Krass die Organisation und die  Homepage der Islamischen Föderalen Union betreibt, ist laut Vereinsregister auch Vorsitzender von „Schlüssel zum Paradies“: