Mit Comedy gegen Salafismus?

Mitgliedern des NRW-Landtags wurde am Donnerstag das erste „Jihadi Fool“-Video gezeigt. Mit diesem Comedy-Format soll die „Absurdität von Radikalisierung, Terrorismus und Islamismus satirisch thematisiert“ werden. Das gut gemeinte Projekt des Verfassungsschutzes könnte jedoch an der Zielgruppe vorbeigehen.  

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) und Landesverfassungsschutz-Chef Burkhard Freier stellten am Donnerstag im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags das erste „Jihadi Fool“-Video vor. Videos dieses „Sketch-Comedy-Formats“ gehen seit August wöchentlich auf dem YouTube-Kanal des Verfassungsschutzes online. Damit soll die „Absurdität von Radikalisierung, Terrorismus und Islamismus satirisch thematisiert“ werden, so das NRW-Innenministerium. Produziert werden die Videos von der Produktionsfirma BlueLaserBoys, die „viel Erfahrung im Bereich der YouTube- und Comedy-Szene hat“.

Im Ausschuss betonten Reul und Freier erneut die Wichtigkeit dieser Videos für die Salafismus-Prävention. „Wenn jemand bei Google ‚Koran‘ eingibt und dann hauptsächlich Salafisten-Propaganda zu sehen bekommt, muss dem etwas entgegengesetzt werden“, sagte Burkhard Freier. Herbert Reul sprach davon, in das Internet „einzudringen“, da die Salafisten dieses bereits für sich besetzt hätten.

Den Ausschussmitgliedern wurde die erste Folge dieses Formats präsentiert. Dabei handelte es sich um ein rund fünfminütiges Video mit dem Titel „Goodbye, Syria“, das die Probleme eines IS-Rückkehrers offenbar satirisch beleuchten sollte:

Bei den Abgeordneten kam das jedoch nur wenig an: So bat Ibrahim Yetim (SPD) darum, ihm „die Botschaft dieses Videos zu erläutern“, da er diese nicht verstanden habe. „Das wäre nicht mein Humor“, meinte Verena Schäffer (Grüne).

Die vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz angebotenen Videos verfolgen zwei Grundlinien; eine davon ist das im Ausschuss präsentierte Comedy-Format. Die andere nennt sich „Hintergründliches“. In diesen Videos wird mit lockerem Tonfall versucht, Themen wie Propaganda oder IS-Rückkehrer komplexer dazulegen.

An der Zielgruppe vorbei?

Ob mit solchen Videos allerdings die Zielgruppe erreicht wird, ist fraglich. Das in den Videos gezeigte Humorverständnis richtet sich überwiegend auf Gefälligkeit und Verständnis von Vertretern der Mehrheitsgesellschaft mittleren Alters. Und dass die satirische Botschaft selbst da nicht allgemein verständlich ist, offenbaren die Reaktionen im Ausschuss.

Um so mehr stellt sich die Frage, ob derlei Humor auch geeignet ist, salafistische Propaganda-Bilder zu dekonstruieren. Die Zielgruppe der Videos könnte sich einerseits nicht ernst genommen fühlen – auch und besonders junge Menschen legen Wert darauf, ernst genommen zu werden. Da die Zielgruppe aber auch häufig autoritär sozialisiert oder strukturiert ist – und auch so manches Mal auf der Suche nach Orientierung -, erscheint die Darstellung von Angeboten, die nur als solche bezeichnet werden und denen es an normativer Kraft mangelt, der Zielgruppe möglicherweise als belanglose Anbiederung. Mit anderen Worten: Es besteht die Gefahr, dass nicht gemeinsam über „Jihadi-Fool“ gelacht wird, sondern über die Vertreter des Staates, deren Angebote als Zeichen der Schwäche verstanden werden. 

Die Reihe „Hintergründiges“ erscheint da eher geeignet. Wenn man Satire möchte, wären andere Strategien vielleicht vielversprechender. Ein Weg, Reflexion zu fördern, könnte sein, bekanntere problematische Prediger ins Visier zu nehmen. Von einigen dieser Prediger existieren ja auch Video-Botschaften, die Personen, die noch nicht völlig gläubig an deren Lippen hängen, höchst lächerlich vorkommen.

In einem Interview sprach Jawaneh Golesorkh vom Präventionsdienstleister Ufuq davon, dass diese Videos 500.000 Euro kosten sollen. Eine halbe Million Euro wären sicher gut angelegt, wenn die Videos auch angenommen würden. Jenseits von Pädagogen, die diese Videos für ihre Klassen nutzen könnten, scheinen sich diese jedoch weniger zu verbreiten. Die zugehörigen Social-Media-Angebote sind bislang jedenfalls eher schwach angenommen worden. Vielleicht sollte mit einer Zwischenbilanz aber auch noch etwas gewartet werden. Bis dahin wirkt das Projekt gut gemeint, aber unzureichend umgesetzt.

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