Mine K. war Pierre-Vogel-Anhängerin

Im Internet präsentierte sich die mutmaßliche IS-Rückkehrerin Mine K. als fanatische Anhängerin des Salafisten-Predigers Pierre Vogel. Selbst ihren kleinen Sohn ließ sie dabei nicht außen vor. Das ergab eine Auswertung ihrer Facebook-Seite am Dienstag beim Oberlandesgericht Düsseldorf.

Pierre Vogel (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Beim Prozess gegen Mine K. wurde am Dienstag beim Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) deren Facebook-Seite ausgewertet. Mine K. hatte diese Seite unter ihrem Klarnamen betrieben. Dabei hatte die Kölnerin als Wohnort „Honolulu“ angegeben. Auf ihrem Hintergrundbild war der auf eine Mauer gesprühte Spruch „Wake up, Muslims“ zu erkennen. Da viele ihrer Einträge in türkischer Sprache verfasst waren, mussten diese von einer Dolmetscherin übersetzt werden. Auch viele Fotos wurden von ihr gepostet; so etwa ein Bild, das einen deutschen Pass in einer Reisetasche zeigt. Anstelle des Bundesadlers prangte auf dem Reisepass jedoch das Logo der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS).

Mine K. muss sich seit August wegen Mitgliedschaft beim IS sowie Kriegsverbrechen gegen das Eigentum der Zivilbevölkerung im Irak vor dem 2. Strafsenat des OLG verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft der 47-Jährigen vor, sich 2015 von Köln aus dem IS angeschlossen zu haben. Sie soll den Herforder Jihadisten Murat D. nach islamischem Recht geheiratet haben und ihm dann über die Türkei in das damals vom IS beherrschte Gebiet gefolgt sein. Murat D. wurde 2016 durch eine Drohne getötet. Bei ihrer Rückkehr nach Deutschland wurde Mine K. im November 2018 am Düsseldorfer Flughafen festgenommen.

„Die Brüder leisten sehr gute Arbeit“

Die meisten ihrer bei Gericht begutachteten Facebook-Beiträge stammten aus den Jahren 2011 und 2012. Mehrfach verwies sie dabei auch auf fundamentalistische Facebook-Seiten wie „Mission Dawa“ oder „Islam – Der Schlüssel zum Paradies“.

Am auffälligsten war jedoch, wie oft sie Beiträge gepostet hatte, in denen die Salafisten-Prediger Pierre Vogel und Sven Lau glorifiziert wurden. Dazu schrieb sie Bemerkungen wie „die Brüder leisten sehr gute Arbeit“, „ich kenne die meisten ihrer Videos, insch’Allah, ich würde sie dir empfehlen“ oder „welcher Kanake hat in 50 Jahren so viel geleistet wie Pierre Vogel in fünf Jahren?“

„Bist du Opfer deutscher Presse?“

Auf ihrer Facebook-Seite verteidigte Mine K. insbesondere Pierre Vogel geradezu leidenschaftlich gegen jede Form von Kritik durch andere Muslime. Tief blicken ließ ein Schlagabtausch mit dem Facebook-Nutzer Mustafa S., der geschrieben hatte, er sei im Falle von Gewaltanwendung auf der Seite des deutschen Staates, da dieser den Muslimen Religionsfreiheit gewähre. „Warum sollten sie den Staat angreifen?“, fragte sie zunächst zurück.

Nachdem Mustafa S. geantwortet hatte, dass „Osama“ ja bereits Zivilisten getötet habe, antwortete Mine K.: „Warst du dabei, als Osama Zivilisten getötet hat oder bist du Opfer deutscher Presse?“ Später beendete sie die Diskussion mit der Vermutung, dass das Facebook-Profil von Mustafa S. von einer „islamophoben“ Person gehackt worden sei. An anderer Stelle schrieb sie: „Man sollte Muslimen gegenüber vorsichtig sein, nur weil die deutschen Medien Blödsinn erzählen?“

Musste ihr kleiner Sohn ins IS-Kinderausbildungslager?

Selbst ihren 2006 geborenen kleinen Jungen ließ Mine K. bei ihrer Salafisten-Propaganda nicht außen vor: Neben mehreren eher harmlosen Kinderfotos hatte sie auch ein Bild des kleinen Jungen mit Pierre Vogel gepostet. Dazu schrieb sie: „Wenn er groß genug ist, schicke ich ihn zur Ausbildung, insch’Allah!“

Jahre später hatte Mine K. den Jungen, der jetzt in einer Jugendeinrichtung untergebracht ist, in das IS-Gebiet mitgenommen. Zuletzt hatte der Senat mehrfach erfolglos zu ergründen versucht, ob ein dort aufgenommenes Bild, das ihn in Tarnkleidung mit IS-Logo zeigt, auch bedeute, dass der Junge dort in ein IS-Kinderausbildungslager musste.

Eine „ganz normale“ Facebook-Gruppe?

Insbesondere ihre auf Facebook dargestellten Sichten und Haltungen lassen Mine K.s Einlassung zum Prozessbeginn nunmehr in einem trüben Licht erscheinen. Als sie damals vom Vorsitzenden Richter Frank Schreiber auf die Seite „Einladung zum Paradies“ angesprochen wurde, hatte sie behauptet, dies sei eine „ganz normale Facebook-Gruppe“ gewesen und habe „nichts mit Pierre Vogel oder Sven Lau zu tun gehabt, gar nichts“. Als Schreiber anschließend spitz nachfragte, ob es sich denn dabei um eine „zufällige Bezeichnungsgleichheit“ mit dem Mönchengladbacher Salafisten-Verein gehandelt habe, antwortete sie: „Genau.“ Vogel und Lau gehörten 2010 und 2011 zum Führungs-Trio des Mönchengladbacher Salafisten-Vereins „Einladung zum Paradies“.

Schutzbehauptungen sind allerdings meist nicht geeignet, ein Gericht von Einsicht oder Reue zu überzeugen. Der Prozess soll noch bis zum 9. Januar dauern.

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