Sabri Ben A. muss vor Gericht

Am 6. Februar beginnt in Düsseldorf das Strafverfahren gegen Sabri Ben A. Vorgeworfen wird ihm, in Syrien die Terror-Gruppe „Ahrar ash-Sham“ unterstützt zu haben. Vielen Journalisten und Islamismus-Experten ist der 39-jährige Deutsch-Tunesier gut bekannt, weil er sie jahrelang im Internet beleidigt, verunglimpft und teilweise auch bedroht hat. Bei einer früheren Verhandlung gegen ihn sorgten seine Anhänger für Randale im Gerichtssaal.

Sabri Ben A. (l.) filmt einen Journalisten bei der Arbeit, der WDR-Reporter Elmar Jöries aber zeigt sich unbeeindruckt (Bild: Privat)

Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) beginnt am 6. Februar das Strafverfahren gegen Sabri Ben A. Dem 39-jährigen Deutsch-Tunesier wird vorgeworfen, im Jahr 2014 in Syrien die ausländische terroristische Vereinigung „Ahrar ash-Sham“ unterstützt zu haben. Unter anderem soll er eine Kampftruppe dieser Terror-Gruppe mit militärischen Ausrüstungsgegenständen sowie mit Hilfsgütern und Geld versorgt haben.

Außerdem soll er an einem Ausbildungslager teilgenommen sowie auf verschiedenen Social-Media-Plattformen um Mitglieder und Unterstützer für die jihadistische Vereinigung geworben haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf wirft ihm auch vor, im Internet Propaganda für die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) betrieben zu haben. Sabri Ben A. sitzt seit Mai 2019 in Untersuchungshaft. Zuletzt wohnte er in Köln. Bislang hat das OLG bis April 13 Verhandlungstage angesetzt. Vorsitzende Richterin ist Dr. Karina Puderbach-Dehne.

„Wir wissen, wo du wohnst“

Bekanntheit erlangte Sabri Ben A. jedoch bereits lange vor 2014 durch seine aufwendig produzierte Internet-Propaganda für die Salafisten-Szene. Zum ersten Mal wurde er 2010 im Umfeld des damaligen Mönchengladbacher Salafisten-Vereins Einladung zum Paradies (EZP) auffällig. Später fiel er immer wieder durch konfrontativen und teilweise aggressiven Umgang mit Journalisten auf. Bei Salafisten-Veranstaltungen filmte er die Medienvertreter. Auch im Internet griff er Journalisten an, wobei er diese der „Hetze“ gegen Muslime bezichtigte. In dem kurz vor Ostern 2012 im Internet veröffentlichten Drohvideo „Operation Schweinebacke“ beleidigte er Journalisten minutenlang. Einem Journalisten, der kritisch über Salafisten berichtet hatte, drohte er: „Wir wissen, wo du wohnst, wir kennen deinen Verein.“

Geahndet wurden diese Dinge jedoch nur selten: Im Dezember 2013 wurde Sabri Ben A. vom Amtsgericht Offenbach wegen Beleidigung und übler Nachrede zu 3.500 Euro Geldstrafe verurteilt. Dabei sorgte er mit seinen Anhängern für Randale im Gerichtssaal; während seine Fans aggressiv nach vorne drangen, schmähte er Journalisten. Später wurde er vom Gericht des Saales verwiesen.

Vorausgegangen war eine Strafanzeige des hessischen Landtagsabgeordneten Ismail Tipi. Der türkischstämmige CDU-Politiker, der seit Jahren ein konsequenteres Vorgehen des Staates gegen Salafisten fordert, hatte Anzeige erstattet, nachdem auf einer Internetpräsenz von Sabri Ben A. nach mehrfachen Verunglimpfungen seiner Person auch noch seine Wohnadresse veröffentlicht wurde.

Wer ungerührt blieb, erlebte ihn weinerlich

Wenn man bei Ben A. jedoch fest und ungerührt blieb, konnte er innerhalb von Sekunden weinerlich werden. Als er und seine Begleiter mich im Februar 2015 bei einer Straßenaktion filmten und ich mir – die Polizei war in Sichtweite – dies verbat, plusterte er sich zunächst auf, um mir dann Sekunden später die Zahlungsaufforderung zu seiner Geldstrafe unter die Nase zu halten und sich darüber zu beschweren, dass ihn keiner anstelle.

Auf der von der Salafisten-Szene ihm zugerechneten und später gelöschten Facebook-Seite „Believers Place“ wurde auch ich mehrfach verunglimpft. Auf mich bezogene Kommentare wie „Möge Allah mir ihren Kopf geben zum Töten“ wurden dort lange nicht gelöscht.

Selbst in der deutschen Salafisten-Szene gilt Sabri Ben A. als umstritten. Mehrfach wurde ihm dort auch vorgehalten, „glühender Verehrer“ des IS zu sein. In diesem Zusammenhang wurde auch eine körperliche Auseinandersetzung zwischen ihm und Pierre Vogel Anfang 2017 bei Köln interpretiert. Vogel bestritt später, ihn angegriffen zu haben.

„Es haben mehrere versucht, mit ihm vernünftig zu reden, wir wollten ihn auch bei einem muslimischen Arzt einweisen lassen, doch zwecklos“, hieß es vor Jahren auf der später gelöschten Facebook-Seite Muslim Mainstream. „Was wir damals mit ihm erlebt haben, war der Horror. Er zieht die Prediger in den Dreck, die gegen ISIS sind.“ Ebenso tief blicken ließ auch die Prozessankündigung auf der szenebekannten Facebook-Seite „Falk Nachrichten“ am 23. Januar: „Bruder Falk sagt, dass man unabhängig davon, ob man einen Gefangenen aus dem Widerstand sympathisch findet oder nicht, mit dem Betroffenen solidarisch sein muss“, hieß es dort.

Auf diesen Prozess darf man neugierig sein. Prozesse wegen Terror-Unterstützung in Syrien gibt es dieser Tage vor Oberlandesgerichten ständig, weshalb die Staatsschutzsenate ja auch völlig überlastet sind. Aber in diesem Fall wird jemand angeklagt, der jahrelang auf übelste Art versucht hat, Journalisten und Kritiker einzuschüchtern. Und der selbst in der Salafisten-Szene wegen seiner militanten Vorgehensweisen stark umstritten ist. Wer, wie ich, das fragwürdige Vergnügen hatte, Sabri Ben A. persönlich oder gar die Verhandlung vor dem Amtsgericht Offenbach zu erleben, der hat so seine Befürchtungen, was schon bald in Düsseldorf auf die Vorsitzende Richterin zukommen könnte.

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