Prozess gegen Sabri Ben A. beginnt bizarr

Am Donnerstag begann in Düsseldorf der Prozess gegen Sabri Ben A. Nur einen Tag später flehte er seinen mutmaßlichen Mittäter Mirza Tamoor B. an, ihn zu entlasten. Der aber zeigte sich unbeeindruckt und verweigerte die Aussage.

Sabri Ben A. spricht mit seinem Anwalt Martin Heising (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Mit der Verlesung der Anklageschrift begann am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) der Prozess gegen Sabri Ben A. Der 39-Jährige betrat den Gerichtssaal äußerlich verändert: Im Vergleich zu früher erscheint er dünner und trägt eine eckige schwarze Brille. Dem Deutsch-Tunesier wird vorgeworfen, im Jahr 2014 in Syrien die ausländische terroristische Vereinigung „Ahrar ash-Sham“ unterstützt zu haben. Unter anderem soll er eine Kampftruppe dieser Terror-Gruppe mit militärischen Ausrüstungsgegenständen sowie mit Hilfsgütern und Geld versorgt haben.

Außerdem soll er sich auch im Internet als der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) nahestehender „Cyber-Jihadist“ betätigt haben. Dabei habe er seine Anhänger auf von ihm betriebenen Internet-Seiten, darunter die Facebook-Seite „Believers Place“, aufgefordert, sich dem IS anzuschließen. Unter anderem soll 2014 er folgende Botschaften veröffentlicht haben: „Der Islamische Staat wurde errichtet. Machst du dich nicht auf den Weg?“, „Bleib nicht im Land der Ungläubigen“, „Radikalisiere dich zum Guten“ und „Das Kalifat ist endlich gekommen. Schließ dich der Karawane an, bleib nicht sitzen.“

Verteidigt wird er von den Rechtsanwälten Serkan Alkan und Martin Yahya Heising. Serkan Alkan beklagte sofort, die Untersuchungshaft für seinen Mandanten sei „unerträglich“. Auch sei die Polizei bei dessen Verhaftung rüde vorgegangen, obwohl Ben A. „immer mit dem Staatsschutz kooperiert“ habe. Dass sein Mandant 80.000 Euro mit nach Syrien genommen habe, bestritt er mit einem verblüffenden Argument: „Ich kenne die Szene ja inzwischen. Bis die 80.0000 Euro zusammen hat, vergehen 20 bis 30 Jahre, weil die meisten von ihnen Hartz-IV-Empfänger sind.“

In der eigenen Szene isoliert?

In den ersten beiden Tagen des Strafprozesses erinnerte der 39-Jährige mehr an ein Häuflein Elend als an den „alten“ Sabri Ben A., der noch vor Jahren Journalisten eingeschüchtert und in Gerichtssälen für Krawall gesorgt hatte. Diese dramatische Verhaltensänderung könnte in der Hafterfahrung begründet sein, aber auch darin, dass sich bislang in der Salafisten-Szene kaum Interesse an diesem Prozess oder gar Unterstützung für ihn zeigt. Offenbar hat sich Ben A. durch sein jahrelanges aggressives Verhalten selbst im eigenen Lager isoliert.

Wie schlecht seine Situation inzwischen ist, zeigte sich am Freitagmorgen deutlich, als Mirza Tamoor B. als erster Zeuge geladen war. Der 63-Jährige soll Mittäter von Ben A. gewesen sein und wurde bereits im April 2017 vom OLG Düsseldorf zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Offenbar erhoffte sich Sabri Ben A. von seiner Aussage eine Entlastung, denn nachdem Mirza Tamoor B. von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte, flehte er mit tränenerstickter Stimme: „Tamoor, ich sitze seit neun Monaten im Gefängnis.“

Mirza Tamoor B. aber reagierte ungerührt, blieb bei seiner Aussageverweigerung und ließ sich nur wenige Minuten später wieder in die JVA Bielefeld zurückbringen. Martin Heising reagierte darauf mit einer Erklärung, die jedoch nur Beschimpfungen enthielt: „Das dokumentiert sehr eindrücklich, mit was für einem feigen und unaufrichtigen Menschen wir es hier zu tun haben“, sagte er über den Zeugen. „Er ist eine ganz mickrige Persönlichkeit.“ Die Verteidiger kündigten an, bis zum nächsten Verhandlungstag am 26. Februar zu besprechen, ob und wie sich ihr Mandant vor diesem Hintergrund zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußern wird.

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