Antisemitismus-Skandal: Weitere Rücktritte bei Islamic Relief

In Großbritannien sind am Samstag vier weitere leitende Funktionäre von Islamic Relief Worldwide wegen eines erneuten Antisemitismus-Skandals zurückgetreten. Dazu hatten auch Recherchen der Autorin aus dem Jahr 2017 beigetragen, die aber in Deutschland jahrelang folgenlos blieben. Alleine von der „Aktion Deutschland Hilft“ hat IRD im letzten Jahr rund 2,5 Millionen Euro erhalten.

Eines der von Almoutaz Tayara geposteten Bilder ist eine unter Islamisten sehr beliebte Collage von Anführern, die als 4.v.l. auch den Hamas-Gründer Ahmad Yasin zeigt, rechts davon der Gründer der Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna (Belegbild: Facebook-Account von „DrMoutaz Taiara“)

In Großbritannien sind am Samstag vier weitere leitende Funktionäre von Islamic Relief Worldwide (IRW) zurückgetreten. Einem Bericht der Times vom selben Tag zufolge hatten Recherchen der Autorin über antisemitische und terrorverherrlichende Facebook-Beiträge von Dr. Almoutaz Tayara zu diesen Rücktritten beigetragen. Der Arzt aus Neuss war bislang einer der vier Direktoren von IRW und Vorstandsvorsitzender von Islamic Relief Deutschland (IRD).

Die entsprechenden Belege wurden bereits 2017 auf diesem Blog veröffentlicht. Damals hatten sie jedoch keinerlei Konsequenzen: Tayara löschte seine Facebook-Beiträge einfach und konnte nach einer Entschuldigung wohl nur beim IRD-Vorstand weiter dessen Vorsitzender bleiben. Erst nachdem die Times bei IRW nachgehakt hatte, kündigte IRD am Samstag an, dass Almoutaz Tayara bei der nächsten Vorstandswahl nicht wieder kandidieren wird.

Die Hilfsorganisation gilt seit Jahren als umstritten

Islamic Relief Worldwide mit Sitz im britischen Birmingham ist die weltweit wohl größte muslimische Wohltätigkeitsorganisation. Laut eigenen Angaben verfügt IRW über Sammelstellen in etwa 40 Ländern. Die Organisation gilt als umstritten, seitdem das israelische Verteidigungsministerium ihr vorgeworfen hat, „Teil des Finanzsystems der Hamas-Organisation“ zu sein. Ende Juni war bereits ein Vorstandmitglied von IRW zurückgetreten, weil er Juden als „Enkel von Affen und Schweinen“ bezeichnet hatte.

Islamic Relief Deutschland mit Sitz in Köln wurde 1996 gegründet, anfänglich noch als Teil von IRW. Seit einer formellen Satzungsänderung im Jahr 2018 bezeichnet sich IRD nur noch als Kooperations-Partner von IRW. IRD leitet jedoch den überwiegenden Teil seiner Einnahmen an IRW weiter, wie den britischen Geschäftsberichten zu entnehmen ist.

Inzwischen gilt IRD auch hierzulande als umstritten. Grund ist eine schriftliche Antwort der Bundesregierung vom 15. April 2019 auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion. In der vom Bundesinnenministerium (BMI) verfassten Antwort ist die Rede von „signifikanten personellen Verbindungen“ zwischen IRW als auch IRD „zur Muslimbruderschaft oder ihr nahestehenden Organisationen“. Mit dieser Antwort bestätigte das BMI auch Recherchen sowie Veröffentlichungen der Autorin aus den Jahren zuvor.

Personelle Überschneidungen zwischen IRD und IGD/DMG

Almoutaz Tayara ist IRD langjährig verbunden. Anderslautende Darstellungen, die seit diesem Wochenende von kleineren Medien verbreitet werden, sind unzutreffend: Ebenso wie der langjährige Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD, heute Deutsche Muslimische Gemeinschaft, DMG), Ibrahim el-Zayat, war Tayara schon zu Beginn der elektronischen Aufzeichnungen der Vereinsregister 2003 dort eingetragen und nahm über die Jahre verschiedene Funktionen für IRD wahr. Dort sind übrigens nur Gründungsmitglieder von 1996 ordentliche Mitglieder; nur diese haben in Mitgliederversammlungen Stimmrecht.

Der Namenswechsel von IGD zu DMG diente wohl auch dem Zweck, die langjährige Benennung in Verfassungsschutzberichten vergessen zu machen. In diesen Berichten wird die IGD/DMG seit Jahren als größte Organisation aufgeführt, in der Anhänger der Muslimbruderschaft aktiv sind. Von daher könnten sich die „signifikanten personellen Verbindungen“, von denen das BMI gesprochen hat, auch auf el-Zayat und Tayara beziehen. Denn auch Tayara war der der IGD lange verbunden und hatte dort verschiedene Funktionen.

Tayara ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Trennung zwischen der syrischstämmigen Muslimbruderschaft, etwa dem Islamischen Zentrum Aachen, und deren ägyptischstämmigen Zweig, etwa in München und Marburg, in der heutigen DMG keine strikte ist. Ebenso wie andere syrischstämmige Personen war auch Almoutaz Tayara hochrangiger IGD-Funktionär. Auch die ehemalige stellvertretende IGD-Vorsitzende Houiada Taraji ist syrischstämmig. Die Ärztin aus Kaarst sitzt wohl unverändert für die IGD/DMG im Vorstand des Zentralrats der Muslime (ZMD). Oder das IGD-Mitglied Hassan Swaid, das für die IGD im DIWAN-Gremium das ZMD saß.

In Deutschland fließt das Geld für Islamic Relief weiter

Die Auswirkungen all dieser Enthüllungen über Islamic Relief blieben jedoch überschaubar. Lediglich seitens des Außenministeriums gibt es derzeit keine weiteren Mittel für IRD-Projekte. Darüber hinaus ging nur die CDU-Politikerin Serap Güler auf Abstand zu IRD. Prominente SPD-Politiker wie Malu Dreyer (Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz), Frank-Walter Steinmeier (inzwischen Bundespräsident), Aydan Özoguz, Hannelore Kraft (ehemalige NRW-Ministerpräsidentin) und Dieter Reiter (Oberbürgermeister von München) sowie Henriette Reker, parteilose Oberbürgermeisterin von Köln, störten sich hingegen nicht an den radikalen Bezügen: Alle genannten Personen waren am Sonntag noch immer mit Namen und ihrem Foto auf der Webseite des IRD-Projekts „Speisen für Waisen“ als Unterstützer aufgeführt.

Auch darf nicht vergessen werden, dass die „Aktion Deutschland Hilft“ Islamic Relief bis heute mit Millionenbeträgen unterstützt. Anhand des Geschäftsberichtes von „Deutschland Hilft“ für 2019 kann errechnet werden, dass IRD von dort im letzten Jahr rund 2,5 Millionen Euro bezogen hatte. Das sind rund sieben Prozent des gesamten Spendenvolumens von „Aktion Deutschland Hilft“. Und dieses Bündnis deutscher Hilfsorganisationen ist ein Medienpartner der ARD. Das heißt, dass der ARD-Zuschauer, der dahin spendet und damit ja nur Gutes tun will, gar nicht weiß, wohin ein Teil seines Geldes wirklich geht.

Hinzu kommt, dass auch die nordrhein-westfälische Staatskanzlei im Geschäftsbericht erwähnter Großspender von „Aktion Deutschland Hilft“ ist. Vor dem Hintergrund dessen, was alles in den letzten Jahren in Zusammenhang mit Antisemitismus, Israel-Hass und Bezügen zur Muslimbruderschaft über Islamic Relief bekannt geworden ist, dürfte das mehr als bedenklich sein. Und dass solche Dinge in Großbritannien schnelle Konsequenzen zur Folge haben, in Deutschland aber zumeist gar keine, ist beunruhigend. Dazu passt auch, dass bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags kein einziges der breiten Öffentlichkeit bekanntes deutsches Medium die Rücktritte bei Islamic Relief Worldwide aufgegriffen hat.

 

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