Sieben Jahre Haft für Ravsan B.

Wegen Beteiligung an der Planung von IS-Anschlägen wurde Ravsan B. am Mittwoch vom OLG Düsseldorf zu sieben Jahren Haft verurteilt. Ein Anschlag auf einen Islam-Kritiker aus Neuss wurde nur durch die gute Arbeit der Ermittler verhindert. Während des Prozesses hatte der 31-jährige Tadschike mehrfach beteuert, er habe nur „Frauen und Kindern helfen wollen“.

Ravsan B. auf der Anklagebank (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Der in Wuppertal lebende Ravsan B. wurde am Dienstag vom 6. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) wegen mitgliedschaftlicher Beteiligung an der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) zu sieben Jahren Haft verurteilt. So habe die Terror-Zelle, die er mit anderen tadschikischstämmigen Personen in Wuppertal gegründet hatte, nach Überzeugung des Gerichts unter anderem einen Mordanschlag auf einen in Neuss lebenden Islam-Kritiker geplant. Der Anschlag wurde nur durch die gute Ermittlungsarbeit der Mönchengladbacher Polizei verhindert, so das Gericht.

Der 31-jährige Tadschike wuchs als Sohn eines hochrangigen Polizisten und einer Philologin auf. Weiterlesen

Die Halal-Checker II

Auch die weitere Betrachtung von Teilnehmern der „Islamischen Bildungsmesse“ in Hürth bei Köln führt in das gleiche Geflecht in der Grauzone zwischen Muslimbruderschaft und Salafisten. Damit ist eine jüngst geäußerte Einschätzung der NRW-Landesregierung, nach der „lediglich einzelne Teilnehmer“ dieser Messe für ihre langjährigen Beziehungen zur Muslimbruderschaft bekannt sind, vielleicht nicht falsch, aber dennoch etwas schönfärberisch.

Wenn es um den Freien Verband der Muslime (FVM) und die von ihm ausgerichtete „Islamische Bildungsmesse“ in Hürth bei Köln geht, äußern sich die nordrhein-westfälische Landesregierung wie auch die Verfassungsschutzämter schon seit geraumer Zeit nur sehr schmallippig. Zuletzt hieß es etwa von Seiten der Landesregierung, Berührungspunkte des FVM zur Muslimbruderschaft seien nur durch die gemeinsame Mitgliedschaft mit der Deutschen Muslimischen Gemeinschaft (DMG) beim Zentralrat der Muslime (ZMD) gegeben. Eine Formulierung, die man sich durchaus auf der Zunge zergehen lassen kann.

In Anbetracht der Teilnehmer, also der Referenten sowie der Aussteller dieser Messe, fragt sich dennoch, ob diese Darstellung nicht etwas zu kurz gegriffen ist. In Teil 1 der „Halal-Checker“ wurden bereits einige dieser Aussteller näher betrachtet. Aber auch die restlichen bekannt gewordenen Aussteller dieser Messe verdienen Beachtung. In Teil 2 werden nun die anderen Aussteller, die in einem Video vorgestellt wurden, näher eingeordnet. Die Aktivitäten von „islamundpsychologie“, dem Muslimische Seelsorgetelefon, der „Quran Akademie“ und „Halalfit“ sind in weiten Teilen öffentlich einsehbar.

Halalfit ist ein islamisches Gesundheitscoaching-Angebot, dessen Verantwortlicher Amer Mansoor als Kontaktadresse im Impressum die „Promanos GmbH“ angibt. Mansoor ist dort „Leiter Vermietungsteam“ und es scheint sich um seine hauptberufliche Tätigkeit zu handeln. Diese Hausverwaltung ist jenseits dieser Adressangabe nicht involviert und weiß möglicherweise gar nicht, dass sie als Kontaktadresse angegeben ist. Halalfit stellt sich in diesem Video den Zuschauern vor. In diesem Video  kann man deren weibliche Trainerin im Interview sehen. Auf dem assoziierten YouTube-Kanal Body2Basic werden auch andere Anbieter aus dem Bereich der Alternativmedizin vorgestellt. Darunter JR Konzept aus Castrop-Rauxel, hinter dem Jamil Ricardo Neumann steht, der religiös konnotierte „Heilbehandlungen“ anbietet, wie etwa Hijama, jedoch nicht einmal angibt, ob er dazu auch über die notwendigen Genehmigungen verfügt. Ohne solche verpflichtenden Angaben ist davon abzuraten, Unter anderen Gesichtspunkten auch, denn Neumann gibt Vorträge in salafistischen Einrichtungen wie der Islamschule Merzig im Saarland (hier und hier). Reuf Jasarevic von „erfolgsmuslim“ schaut bei ihm vorbei, ebenso Abdelhamid Asan. Der Düsseldorfer Asan unterhält einen YouTube-Kanal mit 2.000 Abonnenten, auf dem er religiöse Inhalte verbreitet. Und auch der ehemalige Salafisten-Prediger Sven Lau besuchte den „Bruder“ Neumann im letzten Juni, womit er möglicherweise auch gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen haben könnte. Halalfit ist wegen der Bezüge in die salafistische Mischszene einzuordnen.

„islamundpsychologie“ ist ein Angebot von Samir Loucif. Der Psychologe tritt häufiger als Fachmann Weiterlesen

Marcel Krass und die „DEEN Akademie“

2020 sorgte der Prediger Marcel Krass mit einem Eilantrag gegen Corona-Beschränkungen für Schlagzeilen. „Salafist siegt vor Verfassungsgericht“, hieß es damals. Jetzt hat Krass mit der „DEEN Akademie“ eine neue, offenbar profitorientierte Betätigung gefunden.

Der islamistische Prediger Marcel Krass sorgte zuletzt mit seinem Verein Föderale Islamische Union (FIU) für öffentliches Aufsehen, als er mit einem Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht gegen die Beschränkungen für Gottenhäuser im ersten Corona-Lockdown Erfolg hatte. Mit ihrer Klage gegen die Benennung als Salafisten-Verein im niedersächsischen Verfassungsschutzbericht scheiterte die FIU jedoch vor dem Verwaltungsgericht. Mittlerweile soll die Organisation nach Angaben ihres Vorsitzenden Dennis Rathkamp 2.500 Mitglieder haben. Krass wohnt in Hannover. In seiner neuen Aktivität für die „DEEN Akademie“ werden nun Mitstreiter eingebunden, die bislang aus anderen Zusammenhängen bekannt waren. Bei dieser „Akademie“ sollen Muslime für die Glaubensunterweisung zahlen.

Wegen der Pandemie stehen nicht nur die bekannten Reiseveranstalter unter Druck, sondern auch die kleineren Anbieter für speziellere Wünsche. Die Beschränkungen im Luftverkehr, vor allem aber die Zugangsbeschränkungen der saudischen Regierung, lassen auch die religiösen Reisen für Muslime oftmals wegfallen. Damit brechen bei Reiseveranstaltern, die sich auf derartige Angebote spezialisiert hatten, die Umsätze ein. Bei den Veranstaltern, die an Moschee-Vereine angegliedert sind, kann das vielleicht noch aufgefangen werden, da die Organisation von Reisen nicht deren hauptsächliche Erwerbstätigkeit ist. Bei Islamisten, die solche Reisen begleiten, sieht das jedoch anders aus. Auch Vortragsreisende aus dem islamistischen Spektrum, bei denen die Live-Auftritte in problematischen Moscheen oder das persönliche Spendensammeln eine wichtige Erwerbsquelle darstellen, sind von dieser neuen Entwicklung betroffen.

Über den Anbieter Bakkah-Reisen aus Mannheim wurde auf dieser Seite schon berichtet. Verantwortet wird Bakkah-Reisen, das seit 2017 regelmäßig im baden-württembergischen Verfassungsschutzbericht aufgeführt wird, von Abdirahman Farah, damals mit der lame gUG, derzeit mit einer HTG Group mit neuem Sitz in der Carl-Reuter-Straße 3 in Mannheim. Bakkah bietet Reisen in Begleitung von Ahmad Armih alias Abul Baraa sowie Pierre Vogel alias Abu Hamza an. Beide sind seit vielen Jahren als Prediger bekannt und haben ihre jeweils eigene Fan-Gemeinde. Die als Kontakt angegebene Telefonnummer ist dieselbe, wie sie auch bei der Hilfsorganisation Islamischer humanitärer Entwicklungsdienst/Islamic Development Service e.V. als Kontakt genannt wird. Für diese Organisation ist wiederum Marcel Krass viel unterwegs gewesen. Er bot allerdings auch Reisen wie Hajj und Umrah an, also muslimische Reisen zu den ihnen heiligen Stätten. Ebenso wie Ahmad Armih und Pierre Vogel wurde auch Marcel Krass immer wieder als Referent in problematische Moschee-Vereine eingeladen. 

Die neue „Akademie“ ist unter seiner Leitung nun eine weitere Möglichkeit, von spirituell bedürftigen Muslimen, die ihn entweder nicht kennen oder seine Haltungen gut finden, Geld abzuschöpfen. „DEEN Akademie“ kann sinngemäß mit „religiöse Akademie“ übersetzt werden. Mit im Boot sind Weiterlesen

Die Halal-Checker I

Schaut man sich die Aussteller der „Islamischen Bildungsmesse“ näher an, stößt man unter anderem auf ein Geflecht von Firmen. Dabei fallen vereinzelt weitere Bezüge zum Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft auf. Bei den Firmen vermischen sich dem Anschein nach religiöse und Geschäftsinteressen. Zielpersonen sind vor allem andere Muslime, die manchmal gar nicht wissen dürften, wen sie da unterstützen.

Die „Islamische Bildungsmesse“ in Hürth bei Köln von Ende 2019 war bereits mehrfach Thema auf dieser Seite. Auch den Behörden in Nordrhein-Westfalen sind einzelne Teilnehmer dieser Messe wegen ihrer langjährigen Beziehungen zum Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft bekannt. Bei der ersten „Bildungsmesse“ waren nach Angaben des Veranstalters verschiedene Aussteller mit dabei. Mehr Einblick und einen Eindruck vermittelt ein YouTube-Video dieser Veranstaltung. Das Video, das auf dem Kanal von „Halalcheck4you“ veröffentlicht wurde, zeigt eine Reihe von Personen und Organisationen, die auf der Islamischen Bildungsmesse mit Ständen vertreten waren. Chronologisch sind das Islamic Tutors, Halacheck4you, Muslim Business Academy (MBA), Balcok, islamundpsychologie, das Muslimische Seelsorgetelefon, die „Quran Akademie“ und „Halalfit“. Einige dieser Betätigungen sind organisatorisch verflochten. Andere sind assoziiert über personelle Identität der Akteure. Dabei vermischen sich wohl religiöse und Geschäftsinteressen. Das richtet sich an andere Muslime, denen so manchesmal die Bezüge nicht klar sein dürften.

Die Unterscheidung, was nach religiösen Vorgaben erlaubt und und was verboten ist, ist bei vielen Muslimen verinnerlicht und umfasst weit mehr als die Vorstellung, kein Schweinefleisch verzehren zu dürfen. Im Rahmen einer Rückbesinnung auf Religion und deren Vorgaben werden Regeln wichtiger, bei deren Befolgung nicht nur die Aussicht aufs Paradies lockt, sondern auch die Selbstdarstellung als „guter Muslim“ gegenüber anderen Muslimen eine Rolle spielt. Diesem Bedürfnis bezüglich jenseitiger Belohnung auf der sicheren Seite zu sein, kommen eine Reihe von islamischen Dienstleistern entgegen, die die persönliche Entscheidung erleichtern wollen. Aber es geht nicht nur um die Hilfestellung in der Religionsausübung, sondern stellt auch den eigenen Anspruch dar, für andere Muslime bestimmen zu wollen, was erlaubt und was verboten ist. Daneben sollen Muslimen Angeboten gemacht werden. Nicht nur für religiöse Reisen, sondern auch für viele andere Bereiche des Lebens, von der Seelsorge bis zur Finanzdienstleistung. Damit werden Muslime beeinflusst, ihr ganzes Leben von religiösen Regeln durchdringen zu lassen.

Grundpflichten des praktizierenden Muslims sind neben den Gebeten die Pilgerfahrt (Hadsch) und die Spenden (Zakat). Für diese Bedürfnisse waren auf der Messe Anbieter anwesend. Die oben aufgeführte Balcok etwa ist eine Firma, die islamische Reisen anbietet. Die GmbH aus Essen hat Pilgerfahrten, aber auch Reisen zu Regionen im Portfolio, die wichtig waren in der Geschichte islamischer Geschichte. Verantwortlich ist Hasan Rami Balcok, der Teil eines familiären Netzwerks in Sachen religiöse Dienstleistungen ist.

Nicht unwichtig ist, dass das Erteilen von Zertifikaten oder Beratungen auch ein Geschäftsmodell darstellt. So sind Institutionen, die Halal-Gutachten erstellen, häufig normal als wirtschaftliche Unternehmung aktiv und als gewerbliche Betätigungen gemeldet. Auf diesem Markt möchte sich auch Halalcheck4u aufstellen. Die Angebote sind allerdings – auf den ersten Blick – kostenlos. 

Die Internetseite gibt Samir Bajra aus Gelsenkirchen als Verantwortlichen an. Bajra betreibt auch Weiterlesen

Türöffner für Islamisten?

In einem in dieser Woche vorgestellten Zehn-Punkte-Papier verspricht NRW-Ministerpräsident Armin Laschet „null Toleranz bei Extremismus“. Im Umgang mit Islamisten fällt Laschet jedoch seit Jahren durch mangelnde Distanz auf. Dabei macht der CDU-Politiker selbst vor dem Verfassungsschutz gut bekannten Personen aus dem Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft nicht halt.

Armin Laschet mit Houaida Taraji (Belegbild: Facebook-Seite Houaida Taraji, Veröffentlicht am 07.08.2017, abgerufen am 07.01.2021)

„Konsequenter Vollzug: Null-Toleranz bei Kriminalität und Extremismus.“ Dieser schön zu lesende Satz findet sich unter Punkt 6 eines in dieser Woche vorgestellten Zehn-Punkte-Papiers des „#teamLaschetSpahn“. Ein paar Zeilen weiter ist von einer Stärkung der inneren Sicherheit „in allen Facetten“ die Rede. Dabei wird auch der Verfassungsschutz als Beispiel genannt. Hintergrund des Papiers sind die Ambitionen von Armin Laschet auf das Amt des CDU-Bundesvorsitzenden. Am 16. Januar wählen Delegierte der CDU auf einem digitalen Bundesparteitag ihren neuen Vorsitzenden. Neben Friedrich Merz und Norbert Röttgen kandidiert auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet für dieses Amt.

Was sich in dem Positionspapier so schön liest, hat mit Laschets Politik in Nordrhein-Westfalen jedoch nur wenig gemein. Denn tatsächlich fällt der aus Aachen stammende Politiker seit Jahren immer wieder dadurch auf, im Umgang mit verfassungsschutzbekannten Islamisten keinerlei Berührungsängste zu haben. So schreckte Armin Laschet nicht davor zurück, zusammen mit Weiterlesen