Die Halal-Checker I

Schaut man sich die Aussteller der „Islamischen Bildungsmesse“ näher an, stößt man unter anderem auf ein Geflecht von Firmen. Dabei fallen vereinzelt weitere Bezüge zum Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft auf. Bei den Firmen vermischen sich dem Anschein nach religiöse und Geschäftsinteressen. Zielpersonen sind vor allem andere Muslime, die manchmal gar nicht wissen dürften, wen sie da unterstützen.

Die „Islamische Bildungsmesse“ in Hürth bei Köln von Ende 2019 war bereits mehrfach Thema auf dieser Seite. Auch den Behörden in Nordrhein-Westfalen sind einzelne Teilnehmer dieser Messe wegen ihrer langjährigen Beziehungen zum Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft bekannt. Bei der ersten „Bildungsmesse“ waren nach Angaben des Veranstalters verschiedene Aussteller mit dabei. Mehr Einblick und einen Eindruck vermittelt ein YouTube-Video dieser Veranstaltung. Das Video, das auf dem Kanal von „Halalcheck4you“ veröffentlicht wurde, zeigt eine Reihe von Personen und Organisationen, die auf der Islamischen Bildungsmesse mit Ständen vertreten waren. Chronologisch sind das Islamic Tutors, Halacheck4you, Muslim Business Academy (MBA), Balcok, islamundpsychologie, das Muslimische Seelsorgetelefon, die „Quran Akademie“ und „Halalfit“. Einige dieser Betätigungen sind organisatorisch verflochten. Andere sind assoziiert über personelle Identität der Akteure. Dabei vermischen sich wohl religiöse und Geschäftsinteressen. Das richtet sich an andere Muslime, denen so manchesmal die Bezüge nicht klar sein dürften.

Die Unterscheidung, was nach religiösen Vorgaben erlaubt und und was verboten ist, ist bei vielen Muslimen verinnerlicht und umfasst weit mehr als die Vorstellung, kein Schweinefleisch verzehren zu dürfen. Im Rahmen einer Rückbesinnung auf Religion und deren Vorgaben werden Regeln wichtiger, bei deren Befolgung nicht nur die Aussicht aufs Paradies lockt, sondern auch die Selbstdarstellung als „guter Muslim“ gegenüber anderen Muslimen eine Rolle spielt. Diesem Bedürfnis bezüglich jenseitiger Belohnung auf der sicheren Seite zu sein, kommen eine Reihe von islamischen Dienstleistern entgegen, die die persönliche Entscheidung erleichtern wollen. Aber es geht nicht nur um die Hilfestellung in der Religionsausübung, sondern stellt auch den eigenen Anspruch dar, für andere Muslime bestimmen zu wollen, was erlaubt und was verboten ist. Daneben sollen Muslimen Angeboten gemacht werden. Nicht nur für religiöse Reisen, sondern auch für viele andere Bereiche des Lebens, von der Seelsorge bis zur Finanzdienstleistung. Damit werden Muslime beeinflusst, ihr ganzes Leben von religiösen Regeln durchdringen zu lassen.

Grundpflichten des praktizierenden Muslims sind neben den Gebeten die Pilgerfahrt (Hadsch) und die Spenden (Zakat). Für diese Bedürfnisse waren auf der Messe Anbieter anwesend. Die oben aufgeführte Balcok etwa ist eine Firma, die islamische Reisen anbietet. Die GmbH aus Essen hat Pilgerfahrten, aber auch Reisen zu Regionen im Portfolio, die wichtig waren in der Geschichte islamischer Geschichte. Verantwortlich ist Hasan Rami Balcok, der Teil eines familiären Netzwerks in Sachen religiöse Dienstleistungen ist.

Nicht unwichtig ist, dass das Erteilen von Zertifikaten oder Beratungen auch ein Geschäftsmodell darstellt. So sind Institutionen, die Halal-Gutachten erstellen, häufig normal als wirtschaftliche Unternehmung aktiv und als gewerbliche Betätigungen gemeldet. Auf diesem Markt möchte sich auch Halalcheck4u aufstellen. Die Angebote sind allerdings – auf den ersten Blick – kostenlos. 

Die Internetseite gibt Samir Bajra aus Gelsenkirchen als Verantwortlichen an. Bajra betreibt auch Weiterlesen