Potemkinsche Dörfer bei Islamic Relief?

Nach dem Antisemitismus-Skandal im August 2020 versprach Islamic Relief personelle Konsequenzen. Rund ein halbes Jahr später erinnern die bislang durchgeführten Maßnahmen jedoch nur an potemkinsche Dörfer.

Islamic Relief

Im August 2020 hatte Islamic Relief Worldwide (IRW) Teile seiner Führungsspitze ausgetauscht, nachdem antisemitische Haltungen bei Spitzenfunktionären bekannt geworden waren. Auch in Deutschland führte dies dazu, dass die hiesige Partnerorganisation, bei der die zwei Vorstandsmitglieder ebenfalls in Funktion waren, reagierte. Allerdings wurde hier erst auf öffentlichen Druck hin gehandelt. Doch intern scheint man nur wenig gewillt zu sein, die Strukturen tatsächlich zu ändern: Laut Vereinsregister ist Almoutaz Tayara immer noch Vorstandsvorsitzender von Islamic Relief Deutschland und auch Heshmat Khalifa wurde nicht ausgetragen (IRD, Stand 30.01.2021).

IRW ist die wohl größte muslimische Wohltätigkeitsorganisation weltweit. Nach eigenen Angaben unterhält sie Partnerbüros oder Sammelstellen in über 40 Ländern. Zum erheblichen Umsatzwachstum der Organisation, deren Stammsitz im britischen Birmingham angesiedelt ist, trugen auch langjährig öffentliche Mittel in Ländern wie den USA oder Deutschland bei. Einige dieser Förderungen sind nach Vorwürfen und infolge der anschließenden Berichterstattung in der „Times“ mittlerweile eingestellt worden. Ende Dezember hatte das US-Außenministerium die Vorwürfe aufgegriffen und vor einer weiteren Förderung gewarnt. In einer Mitteilung des State Departments war auf die wiederkehrende Natur solcher Vorwürfe eingegangen worden: „This record of anti-Semitism presents a significant issue for all donors and donor countries to IRW. The consistent pattern of spreading the most vile anti-Semitic vitriol by IRW’s leadership causes us to question the core values of the organization.“ Aufgekommen waren die problematischen Inhalte des Vorstandsmitglieds Heshmat Khalifa durch Lorenzo Vidino, die zu Almoutaz Tayara durch die Autorin, die ihre Recherchen auf dieser Seite schon 2017 öffentlich gemacht hatte. 

IRD hatte im August nach den Berichten der „Times“ über die antisemitischen Postings eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin hieß es: „Im Rahmen der turnusmäßigen Vorstandswahlen im Oktober 2020 wird IRD-Vorstandsvorsitzender Almoutaz Tayara auf eigenem Wunsch nicht mehr zur Wahl antreten. Außerdem entband Islamic Relief Worldwide (IRW) Herrn Tayara zum heutigen Tag von allen Ämtern und Funktionen, die er bisher für die internationale Organisation wahrnahm. […] Inzwischen einigten sich der Vorstand und Herr Tayara, dass er mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender zurücktritt. (Stand: 28.08.2020)“ 

Fünf Monate später, am 30. Januar 2021, war Tayara aber noch immer im Vereinsregister als Weiterlesen