NRW: Sensibilität für Muslimbrüder?

In der Rheinischen Post bezeichnete der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide die Muslimbruderschaft am Samstag als „Gefahr für die Demokratie“. Dabei verwies er auch darauf, dass diese im ZMD vertreten sei und forderte das Ende „jeglicher Zusammenarbeit mit solchen Organisationen“. Womit er natürlich recht hat. Aber mit seinem Engagement für den Verein „Begegnen“ hält er sich selber leider nicht daran.

Die Abu-Bakr-Moschee in Wuppertal gehört zu einer Mitgliedsgemeinde des ZMD (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

In seiner Kolumne in der Rheinischen Post bezeichnete der österreichische Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide die Muslimbruderschaft am Samstag als „Gefahr für die Demokratie“. Indirekt forderte der in Münster lehrende Professor das Ende jeglicher Zusammenarbeit: „Die Muslimbruderschaft ist im Zentralrat der Muslime (ZMD) vertreten und somit Teil der islamischen Strukturen in Deutschland. Vielen Akteuren im Land fehlt die notwendige Sensibilität dafür zu erkennen, dass es sich hierbei um eine für das friedliche Zusammenleben gefährliche und in vielen islamischen Ländern als islamistisch eingestufte Organisation handelt, die überall anstrebt, einen Staat im Staat zu errichten. Es ist an der Zeit, jegliche Zusammenarbeit mit solchen Organisationen in Deutschland zu stoppen, denen die Demokratie lediglich als Mittel zum Zweck dient.“

In der Sache hat Mouhanad Khorchide natürlich völlig recht. Nahezu alle, die sich in ernsthafter und seriöser Form mit Islamismus beschäftigen, allen voran die Verfassungsschützer, haben schon seit Jahren Konsens, dass man mit der Muslimbruderschaft nicht zusammenarbeiten darf. Und in diesem Kontext darf auch der ZMD nicht unerwähnt bleiben. Nur geht Khorchide da selber mit einem eher schlechtem Beispiel voran, wie man an seinem Engagement für den Verein „Begegnen“ erkennen kann.

Der Verein „Begegnen – Für Toleranz in NRW“ wird laut eigenen Angaben von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gefördert. Wie eng der Verein mit dem Land NRW verbunden ist, erkennt man auch daran, dass dessen Gründungsversammlung in der Staatskanzlei stattgefunden hat. Die Internet-Seite des Vereins hat die Endung .nrw, eine Adresse, die bis 2015 ausschließlich Behörden und Landesinstitutionen vorbehalten war. Vereinsvorsitzender ist Walter Homolka von der Union progressiver Juden, Schriftführerin ist die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Als stellvertretende Vereinsvorsitzende fungieren Samir Bouaissa sowie Mouhanad Khorchide. Der CDU-Kommunalpolitiker Bouaissa ist auch Landesvorsitzender des ZMD sowie stellvertretender Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Wuppertal, zu der die dortige Abu-Bakr-Moschee gehört. Die Moschee ist seit Jahren wegen Bezügen zur Muslimbruderschaft bekannt.

In dieser Moschee sind mehrfach hochrangige Gelehrte und Referenten aus dem Geflecht der Muslimbruderschaft aufgetreten. Solche Personen oder Akteure gehen nicht in „normale“ Moscheen, womit diese Auftritte unter Fachleuten und Verfassungsschützern als verlässliche Indikatoren für die ideologische Ausrichtung der Moschee gelten. Hinzu kommt, dass bei einem Terror-Prozess in Düsseldorf im letzten Jahr der später verurteilte Angeklagte ausgesagt hat, er sei deswegen zum Beten in die Abu-Bakr-Moschee gegangen, weil dort auch andere tadschikische Islamisten verkehren würden. Damit passt das, was Mouhanad Khorchide zurecht fordert, und das, was er selber tut, einfach nicht zusammen. Würde er seine eigene Forderung nach notwendiger Sensibilität ernst nehmen, dürfte er die muslimische Seite bei „Begegnen“ nicht ausgerechnet zusammen mit Samir Bouaissa repräsentieren. Oder müsste wahrnehmen, dass ein Referent letzten Jahres für den Verein ebenso in muslimbrudernahen Kreisen in Erscheinung tritt.

Die Vorstellung, dass, wenn man bei neuen Ansätzen, deren grundsätzliches Ansinnen ja durchaus ehrenwert ist, nicht mitmacht, dies ein anderer täte, überzeugt nicht. Genau da, in der Verweigerung, sich auch selber einbinden zu lassen, beginnt die konsequente Umsetzung, Akteuren mit solchen Bezügen mit dem eigenen guten Ruf die Legitimation eben nicht zu verschaffen. Dies gilt im Übrigen auch für die anderen, die dort mitmachen. Sie tragen bei, die Doppelstrategie aufgehen zu lassen.

Bei der Sensibilität ist also noch Luft nach oben. Aber vor allem beim Land, das derlei Funktionäre einbindet, und so in einigen Fällen genau der Entgrenzung Vorschub leistet, vor der der Verfassungsschutz immer warnt.

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