„Haus der Integration“ als Salafisten-Treff?

Das „Haus der Integration“ in Bonn-Duisdorf fungiert seit 2012 als Anlaufstelle für Jugendliche sowie Personen mit Migrationshintergrund. Dabei werden verschiedene Kurse angeboten, außerdem sind dort Migrantenvereine aktiv. Doch in der dazugehörenden Moschee predigt seit 2017 ein salafistischer Imam. Zusammen mit ihm gibt nun auch ein bundesweit bekannter Hassprediger dort „Jugendunterricht“.

Symbolbild Bonn, Altes Rathaus (Bild: Privat)

Das „Haus der Integration“ in Bonn-Duisdorf, zu dem auch eine Moschee gehört, besteht seit 2012. Anfänglich wurde es von der lokalen Presse außerordentlich wohlwollend aufgenommen. Ein konkreter Träger-Verein ist bei dieser Einrichtung allerdings nicht eingetragen. Im selben Haus residiert jedoch auch der Verein „BASUG- Diaspora and Development“, der wohl hinsichtlich der Aktiven personelle Schnittmengen zum „Haus der Integration“ aufweist. Das Haus steht seit der Eröffnung unter der Leitung des Bangladesch-stämmigen Bonners Juboraj Talukder. Talukder ist auch Präsident der „Deutsch-Bengalischen Gesellschaft Köln-Bonn e.V.“, steht der Partei Awami-League nahe und ist langjähriges CDU-Mitglied in Bonn. Ein Büro der „German Awami-League“ wurde dort laut Angaben auf der Facebook-Seite Talukders 2017 eröffnet. In der gleichen Ankündigung wird Talukder als Präsident der „German Awami-League NRW“ bezeichnet. Die Awami-League ist eine politische Partei in Bangladesch. Wie viele Parteien in der Region, ist die Awami-League eher tribal-hierarchisch und identitär denn demokratisch organisiert.

Der Besuch des Vorsitzenden der Jamiat Ulama-e-Hind, eine der wichtigsten islamischen Organisationen in Indien, Maulana Arshad Madani, 2017 im „Haus der Integration“ gab einen ersten Hinweis auf den Geist in der Einrichtung. Madani ist ein einflussreicher Deobandi, also ein Vertreter einer islamistischen Ideologie, die mit einigen wahabitischen Elementen sowie mit saudischem Einfluss versetzt das Fundament der Taliban-Ideologie ausmacht.

In der zum „Haus der Integration“ gehörenden Gebetsstätte ist seit Jahren der Prediger Abdul Alim Hamza aktiv. Ein von ihm selbst 2012 im Internet veröffentlichtes Video deutet darauf hin, dass der laut eigenen Angaben aus Peja (Kosovo) stammende Hamza damals aus Deutschland ausgewiesen wurde. Jahre später war er aber wieder in Deutschland und dann unter anderem in Euskirchen, Münster und Bonn aktiv. Laut eigenen Angaben hält er in der „Bangladesch-Moschee“, so der Name der zum „Haus der Integration“ gehörenden Moschee, das Freitagsgebet ab. Auch bezeichnet er sich als Imam dieser Einrichtung.

Hamza ist dem salafistischen Spektrum zuzuordnen. Das ergibt sich daraus, dass Salafisten Neuerungen in ihrer Religion strikt ablehnen und sich stets auf die sogenannten Altvorderen, womit die ersten drei Generationen nach Mohammed gemeint sind, beziehen. Und genau diesem Gedankengut folgt Abdul Alim Hamza immer wieder in den Video-Predigten, die er auf seinem eigenen YouTube-Kanal hochgeladen hat.

Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb der Imam diesem Spektrum zugeordnet werden sollte. Mindestens ebenso schwer wiegt, dass Hamza in einem Video von Ende September gemeinsam mit dem Bonner Said El E. auftritt. El E. ist schon seit Jahren unter dem Namen „Abu Dujana“ als radikaler Prediger bundesweit bekannt. Zu dieser Bekanntheit ist er deshalb gekommen, weil er die später vom Bundesinnenministerium verbotene Koran-Verteilungsaktion „LIES!“ inhaltlich und organisatorisch unterstützt hatte. Für die Deutsche Welle zählte Abu Dujana 2018 gar „zu den prominentesten Predigern der deutschen Salafisten-Szene“.

Bezeichnend ist auch, dass die derzeit vorletzte im Internet veröffentlichte gemeinsame Veranstaltung von Alim Hamza und Abu Dujana, die wohl am 1. November im „Haus der Integration“ stattgefunden hat, zunächst nicht auf Hamzas YouTube-Kanal veröffentlicht wurde, sondern auf dem von „Habibiflo Dawah Produktion“. Dabei handelt es sich um einen einschlägig bekannten YouTube-Kanal, auf dem seit Jahren Videos radikaler und fundamentalistischer Prediger aus dem Graubereich von Salafisten, Hardcore-Salafisten und Muslimbrüdern veröffentlicht werden. „Normale“ Prediger sind daran gar nicht beteiligt. Und ein Einzelfall war das auch nicht, denn am 14. November wurde erneut ein Video einer gemeinsamen Veranstaltung von Alim Hamza und Abu Dujana im „Haus der Integration“ bei „Habibiflo“ hochgeladen. Dieses Mal ging es darum, dass die „ehrenhafte Frau“ Angst vor Allah habe und ihrem Ehemann gehorsam sei. „In ein paar Jahren ist sie Müll“, sagte der Imam Alim Hamza dabei über Frauen, die im Fernsehen auftreten und weder Ehemann noch Kinder haben. Da hilft auch der Nachsatz nicht mehr. Es sei ein großes Unheil, dass die Frau von heute ihren Platz nicht mehr kenne und auch der Mann nicht. Damit ist die islamistische Weisungsbefugnis und Überordnung des Mannes über die Frau gemeint.

Nach salafistischer Lesart ist das wohl nicht frauenfeindlich. Innerhalb unseres Wertesystems aber ist es zutiefst frauenfeindlich. Und das wirklich Gefährliche an diesen Veranstaltungen ist, dass Hamza und Abu Dujana hier nicht zu anderen Salafisten sprechen, sondern Jugendliche unterrichten. Die womöglich von gutgläubigen Eltern dorthin geschickt werden, nicht ahnend, dass sie dort von Salafisten radikal-fundamentalistisches Gedankengut beigebracht bekommen. Dass das in einer Einrichtung stattfindet, die sich selbst als „Haus der Integration“ bezeichnet, ist bizarr. Nach Angaben von Hamza sollen bei einer dieser „Unterrichtseinheiten“ mehr als 70 junge Menschen anwesend gewesen sein. Auf seinem YouTube-Kanal finden sich außerdem Konvertierungen, ein Beleg für die missionarischen Aktivitäten des Imams. Es scheint, mit dieser Einrichtung werden sich die Behörden, insbesondere die, die für Jugendschutz zuständig sind, näher beschäftigen müssen.

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