Radikaler Imam in Ostfriesland aktiv

Ein in Wittmund und Wilhelmshaven tätiger Imam ist seit Jahren wegen salafistischer Bezüge einschlägig bekannt. Im Internet war er sogar bis in die jüngere Vergangenheit hinein entsprechend aktiv. Parallel dazu zeichnen örtliche Medien jedoch ein ganz anderes Bild von ihm. Dies führte offenbar zuletzt auch dazu, dass einer der involvierten Moschee-Vereine an den „Interkulturellen Wochen“ in Wittmund teilnehmen konnte.

Auch Inhalte mit dem Logo der 2015 verbotenen Gruppierung „Tauhid Germany“ finden sich bis heute auf dem YouTube-Kanal von Roman Reinders. Hochgeladen wurde dieses Video erst nach dem entsprechenden Verbot des Bundesinnenministeriums (Belegbild: YouTube-Seite Abu Bilal, Abruf 23. Mai 2022)

Die 2016 gegründete Islamische Kulturgemeinschaft Wittmund, zu dem die Moschee in der dortigen Brückstraße gehört, gilt seit Jahren als radikal. Warum, wird auf Wikipedia leicht und einfach verständlich erklärt: Der Gemeinde-Imam, der ehemalige Frankfurter Polizist Roman Reinders, wurde 2014 vom Hamburger Verfassungsschutz dem jihadistisch-salafistischen Spektrum zugeordnet. Bereits in seiner Frankfurter Zeit war Reinders durch enge Kontakte zum 2013 vom Bundesinnenministerium verbotenen salafistischen Netzwerk „Dawa FFM“ aufgefallen. Damals produzierte er als „Abu Bilal“ Videos mit Abdellatif Rouali alias „Scheich Abdellatif“, dem Anführer der später verbotenen Gruppierung. Unter welchen Umständen Reinders nach seiner Konversion zum Islam den Polizeidienst quittiert hat oder quittieren musste, ist bis heute öffentlich ungeklärt. Da er aber neben seiner Tätigkeit als Gemeinde-Imam in Wittmund auch als Imam eines gleichnamigen Vereins in Wilhelmshaven aktiv ist, dürfte die ideologische Einschätzung auf beide Moschee-Gemeinden zutreffen.

Das Verbot von „Dawa FFM“ hat allerdings weder Abdellatif Rouali noch Roman Reinders sonderlich beeindruckt oder gar zum Umdenken bewegt. So produzierten beide bis 2015, also weit über das Vereinsverbot hinaus, gemeinsame Videos. Einige der in dieser Zeit produzierten Videos sind bis heute mit dem „Dawa FFM“-Logo versehen auf dem YouTube-Kanal von Roman Reinders zu finden – was auch einen Verstoß gegen die Verbotsverfügung von 2013 darstellt, nach der dieses Loge nicht mehr benutzt werden darf. Außerdem ist bis heute auf Reinders‘ YouTube-Seite „Abu Ubayda“ als Mitbetreiber genannt. Dieser Akteur, der wohl aus der Bonner Szene stammt, hat ebenfalls Videos sowohl unter dem Logo „DAWA FFM“ als auch unter „Die wahre Religion“ veröffentlicht – also dem Portal und der Gruppe, aus der die ebenfalls verbotene “Lies!“-Kampagne hervorging.

Vorträge von Abu Ubayda wurden bis vor etwa sechs Monaten auch immer wieder auf die Szene-Plattform „Habibiflo“ hochgeladen. Auf dieser finden sich ebenfalls bis heute Reinders Konterfei sowie viele seiner Vorträge. Wesentliche Akteure von „Dawa FFM“ sind also weiterhin aktiv. Ob das im Einzelfall unterhalb der verbotenen Bildung einer Ersatzorganisation bleibt, wäre in der Gesamtschau zu betrachten.

„Juden und Christen im Jenseits Verlierer“

Reinders‘ YouTube-Kanal kann auch entnommen werden, dass sich der Wittmunder und Wilhelmshavener Gemeinde-Imam ideologisch nicht verändert hat. Besonders deutlich wird seine unveränderte Haltung, wenn er über die Mehrheitsgesellschaft lamentiert. So spricht er in einem Video aus dem Jahr 2021 mit einem Ausdruck der Abscheu und Verachtung im Gesicht schon Menschen, die in der Öffentlichkeit Hand halten, die Ehre ab. Gleichzeitig behauptet er, Muslime würden an öffentlichen Orten angespuckt, wenn sie nur beten wollten. In einem Vortrag, den Reinders letzten Dezember vor Anhängern hielt, wendet er sich nicht nur gegen die Erneuerungen in der Religion, sondern bezeichnet es auch als angebliches postmortales Recht des Religionsgründers, dass der Gläubige ihm „zum Sieg“ verhelfe. Dies sei über die Dawah, die er als Aufruf, sich dem Islam zu unterwerfen, versteht, zu bewerkstelligen. Dabei seien Juden und Christen nicht als Brüder zu sehen und würden „im Jenseits zu den Verlierern gehören“. Das sei „eine Zurückweisung für jeden einzelnen, der sagt, ja, die Nasara sind unsere Brüder, die Christen sind unsere Brüder, die Juden sind unsere Brüder. Allah sagt was anderes. Was willst du jetzt dagegen sagen? (…) Wenn Allah das sagt, dann ist das Fakt, Ende, Aus“.

Einen weiteren Eindruck vom schlichten Weltbild Reinders, der die Welt um sich herum nur mit der „islamischen Brille“ sieht, erhält man etwa in dieser Vortragsaufzeichnung über „die Rechte Allahs“ ungefähr ab Minute 10: Alles in der Natur wie Sonnenschein und Wachstum, Herzschlag und Atmung ist ihm direktes Wunder Allahs.

Der einzige Sinn im Leben ist, Allah zu dienen, poltert Reinders vor seinen Zuhörern in anderen Videos herum. Die Überlieferung sei das Wahre. Den eigenen Verstand zu nutzen, der Umgang mit Menschen, die nicht praktizieren, sei hingegen gefährlich, denn dies brächte weg von Allah. Der Mensch müsse hören und gehorchen. Und Reinders erklärt auch, was und wem: Dem, was im Koran stehe sowie den Überlieferungen von Mohammed und den Altvorderen. Die Süße des Glaubens aber, so verweist Reinders auf den Religionsgründer, finde man nur, wenn man Gott und den Religionsgründer mehr liebe als alles andere. Die Muslime seien jedoch „im Wachkoma“. Diese Schwarz-Weiß-Sicht ist hochproblematisch. Das sind typische Predigten, die üblicherweise für jede Verfassungsschutzbehörde Gründe genug darstellen, solche Akteure und ihre Vereine genau zu beobachten.

In den Verfassungsschutzberichten des Landes Niedersachsen sucht man Reinders sowie die beiden Vereine, bei denen er auch zum jeweiligen Vorstand gehört, jedoch vergebens. Auch die örtliche Presse zeichnet trotz dieser nicht unerheblichen Verbreitung salafistisch-missionarischer Ideologie ein ganz anderes Bild vom Roman Reinders: Den Anfang dazu machte die Wilhelmshavener Zeitung, die im Dezember 2020 gegenüber ihren Lesern zwar einräumte, dass die zur Islamischen Kulturgemeinschaft gehörende Al-Khair-Moschee, in der Reinders als Imam aktiv ist, als radikal gilt – ihren Lesern aber gleichzeitig verschwieg, warum. Anstelle des Verfassungsschutzes wird in diesem Artikel lediglich Reinders selber zitiert, der diese Gelegenheit natürlich dazu nutzt, sich als harmlos, tolerant und friedliebend zu präsentieren.

Freundliche Medienberichterstattung und salafistische Internet-Propaganda verlaufen parallel zueinander

Eine ähnliche Marschrichtung schlug das Portal „Lokal26“ ein, als es im Oktober 2021 freudig darüber berichtete, dass die Islamische Kulturgemeinschaft Wittmund nunmehr an den „Interkulturellen Wochen“ ihrer Stadt und damit auch am Tag der offenen Moschee am 3. Oktober teilnimmt: Auch hier wird mit keinem einzigen Wort erläutert, warum Roman Reinders und der Moschee-Verein als radikal gelten. Auch hier kommt nicht der Landesverfassungsschutz zu Wort, sondern nur Reinders selber, der mit schönen Worten davon spricht, „Vorurteile abzubauen“. Dass nichts von dem, was beide Medien hier ihren Lesern präsentiert haben, der Wahrheit entsprechen dürfte, ist schon allein daran zu erkennen, dass Reinders nur zwei Monate nach dem Artikel von „Lokal26“ im Internet davon spricht, Juden und Christen seien nicht als Brüder zu sehen.

Verfassungsschützer und Experten bezeichnen dies als „Doppelstrategie“: Gegenüber der Öffentlichkeit und den Medien gibt man sich harmlos und friedlich, während man sich gegenüber der eigenen Anhängerschaft nicht selten als radikaler Einpeitscher präsentiert. Diese Doppelstrategie wird in Deutschland schon seit Jahren unter anderem von der Muslimbruderschaft angewendet. Und in jüngerer Vergangenheit kann bundesweit beobachtet werden, dass diese leider sehr erfolgreiche Strategie nunmehr auch von Salafisten imitiert und angewendet wird. Bis dahin betrachtet ist das also ein – leider – nicht ungewöhnlicher Vorgang.

Diese Strategie geht aber immer nur dort auf, wo Journalisten und örtliche Politiker es unterlassen, beim Verfassungsschutz nachzufragen. Nicht jede vom Verfassungsschutz beobachtete Person oder Organisation wird in dessen Berichten namentlich erwähnt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine Nicht-Erwähnung im Verfassungsschutzbericht nicht bedeutet, dass eine bestimmte Person oder ein Verein nicht verfassungsfeindlich aktiv ist. Das ist bei Journalisten und Politikern allgemein bekannt. Der Verfassungsschutz hat hier keine Bringschuld, lokale Akteure über radikale oder extremistische Aktivitäten in ihrer jeweiligen Umgebung aufzuklären. Hier haben lokale Akteure eine Holschuld, vor ihren Entscheidungen die entsprechende Einordnung des Verfassungsschutzes abzufragen. Und dies haben hier offenbar weder die lokalen Medien noch die Organisatoren der „Interkulturellen Woche“ in Wittmund gemacht. Dass Salafisten ebenso wie andere Extremisten solche Nachlässigkeiten freudig für ihre Zwecke nutzen, liegt in der Natur der Sache.

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