Hamburg: Muslimbruder-Treffen in der Al-Nour-Moschee?

Am Freitag beginnt in der Hamburger Al-Nour-Moschee ein dreitägiges internationales Treffen. Die Ankündigung dieser Veranstaltung ist nicht das einzige Merkmal, das in die Richtung der Muslimbruderschaft weist. Hamburg gehört zu den ganz wenigen Bundesländern, in denen die Muslimbruderschaft nicht im Verfassungsschutz-Bericht aufgeführt wird.

Ankündigungs-Plakat der IUMS (Belegbild: Internet-Seite der IUMS, veröffentlicht am 09.11.22, abgerufen am 10.11.22)

Vom 11. bis zum 13. November findet laut einer Ankündigung auf der Internet-Seite der International Union of Muslim Scholars (IUMS) in der Hamburger Al-Nour-Moschee ein internationales Treffen statt, das als „Koranwettbewerb“ bezeichnet wird. In der erst am Mittwoch auf der IUMS-Seite veröffentlichten Ankündigung ist von Gelehrten und Teilnehmern aus 33 Ländern die Rede. Die Veranstaltung war zwar bereits vor Monaten auf der Facebook-Seite der Moschee angekündigt worden, jedoch ohne die Namen der Teilnehmer. Solche und ähnliche Events werden im Umfeld der Muslimbruderschaft häufig dazu genutzt, um Vernetzungstreffen auch mit problematischen Gästen zu organisieren. Die IUMS gilt als muslimbruderdominiert, in vielen Staaten als Terror-Unterstützer, in einigen, etwa den Vereinigten Arabischen Emiraten, sogar als Terror-Organisation. Der Hauptsitz der IUMS wurde 2012 von Irland nach Qatar verlegt. Qatar gilt international als einer der wichtigsten Unterstützer der Muslimbruderschaft.

Bei der Hamburger Al-Nour-Moschee handelt es sich um eine ehemalige Kirche, die 2012 vom Verein Islamisches Zentrum Al-Nour gekauft und in eine Moschee umgebaut wurde. Die Umwidmung sorgte bundesweit für Aufsehen und wurde in erheblichem Umfang aus Kuwait unterstützt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Hinweise auf Bezüge der Al-Nour-Moschee zur Muslimbruderschaft. Alle Bezüge dieser Art fallen in die Zeit, in der Samir El-Rajab als Imam des Vereins tätig ist. Das Islamische Zentrum Al-Nour ist Mitglied im Zentralrat der Muslime Deutschland (ZMD) und gehört auch zu den Gründungsmitgliedern des ZMD-Landesverbandes Hamburg. Vorsitzender des Vereins ist seit 16 Jahren Daniel Abdin, seit 2019 fungiert er als Vorsitzender des ZMD-Landesverbandes. Im September wurde Abdin als einer der Stellvertreter von Aiman Mazyek im ZMD benannt.

Auch die Bezüge des Imams, der auf dem Ankündigungs-Plakat sowie in einem Facebook-Video als eine Art Verantwortlicher für die Veranstaltung in der Hamburger Moschee auftritt, weisen in diese Richtung: Talal Hadi ist nicht nur Imam in Münster, sondern auch als Funktionär eines muslimbruderdominierten Gremiums tätig. Seit 2016 sitzt er im Vorstand des Fatwa-Ausschuss Deutschland, der von Verfassungsschutzbehörden der Muslimbruderschaft zugerechnet wird. Eine der Münsteraner Moscheen, in denen er immer wieder auftritt, wurde im letzten nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht aufgeführt. Auch die andere Moschee in Münster, in der er häufiger zu sehen ist, hat deutliche Muslimbrudernähe. Hinzu kommt, dass einer der wichtigsten Gäste bei der anstehenden Veranstaltung, der bekannte ägyptische Koran-Rezitator Ahmed Aissa Hasan El Masarawi, durch die Maßnahmen Ägyptens gegen Muslimbrüder sowie ihre Sympathisanten in der Folge der Proteste 2013 seine Erlaubnis, in seinem Heimatland zu predigen, verloren haben soll.

Fazit: Bei dieser Veranstaltung weist vieles in Richtung Muslimbruderschaft. Ob sie deshalb in Hamburg stattfindet, weil der dortige Landesverfassungsschutz zu den ganz wenigen Verfassungsschutzbehörden in Deutschland gehört, in deren Berichten die Muslimbruderschaft nicht aufgeführt und als Gefahr für die Demokratie bezeichnet wird, ist nicht ausgeschlossen, aber letztlich spekulativ. Besonders auffällig ist hier, wie kurzfristig die Details und wo diese Veranstaltung ebenfalls angekündigt wurde. Das könnte darin begründet sein, dass Aktivitäten von Mitgliedern des Fatwa-Ausschusses üblicherweise die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden auf sich ziehen. Und die können bei einer so kurzfristigen Ankündigung natürlich nicht so gründlich reagieren. In jedem Fall darf man gespannt sein, wer zu dieser Veranstaltung noch als ,Gelehrter‘ oder ,Schiedsrichter‘ anreist.