Verfassungsschutzbericht 2016 vorgestellt

Gestern wurde der Bericht 2016 vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Innenministerium vorgestellt. Der Bericht findet sich in voller Länge hier:

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2017/vsb-2016.pdf?__blob=publicationFile

Im allgemeinen Teil zum Themenfeld „Islamismus“ heißt es, S 160:

Innerhalb der islamistischen Szene zeichnet sich eine Kräfteverschiebung in den gewaltorientierten beziehungsweise jihadistischen Bereich ab. Diese Tendenz verdeutlichen unter anderem sowohl die durchgeführten wie auch die aufgedeckten und verhinderten terroristischen Anschläge in Deutschland im Jahr 2016. […] Diese im Vergleich zu den Vorjahren niedrigere Gesamtsumme bedeutet jedoch keineswegs eine Abschwächung der Gefährdungslage. Das Gegenteil ist der Fall: Durch die Verschiebung hin zum gewaltorientierten/terroristischen Spektrum ist eine neue Qualität der islamistischen Szene erkennbar, wie auch die 2016 in Deutschland durchgeführten Anschläge offenbart haben.

Die niedrigere Gesamtsumme ergibt sich, weil Teile der IGMG herausgerechnet wurden, die in den Vorjahren noch mit erfasst wurden, S. 159:

Auf der einen Seite hat sich das Personenpotenzial bei nicht gewaltorientierten Gruppierungen verringert. Hier ist vor allem beim Personenpotenzial der der „Millî Görüş“-Bewegung zugeordneten Vereinigungen ein signifikanter Rückgang festzustellen. Dies kann unter anderem auf den Reformprozess innerhalb der „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş e.V.“ (IGMG) zurückzuführen sein, der eine Mäßigung und infolgedessen einen schwächer werdenden Extremismusbezug der Vereinigung nach sich zieht. Damit sind auch die Mitglieder der Organisation nicht mehr in ihrer Gesamtheit dem extremistischen Personenpotenzial zuzurechnen.

Die strengere Auslegung findet weiter erheblichen Zulauf:

S. 179 „Salafistische Gruppierungen verzeichnen mit 9.700 Personen in Deutschland weiterhin signifikant steigende Anhängerzahlen (2015: 8.350; 2014: 7.000). Weiterlesen

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Friede auf Erden?

… und doch kein Wohlgefallen Teil I

Yūsuf ʿAbdallāh al-Qaradāwī ist ein international bekannter Mann. Er ist einer der wichtigsten, wenn nicht der relevanteste Vordenker der Muslimbruderschaft, Fernseh-Prediger bei Al-Jazeera und bestens vernetzt. Er sitzt in vielerlei Gremien, u.a. steht er der „Internationalen Union Muslimischer Gelehrter“

https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Union_Muslimischer_Gelehrter

vor.

Zur Einordnung ergänzend:

https://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_al-Qaradawi

Abdallāh ibn Mahfūz ibn Baiya (verschiedene Schreibweisen), ein Mauretanier, lehrt in Saudi-Arabien beruflich über die Malikiten des Madhhab, einer Denkschule des Islam, die v.a. in Nordafrika weite Verbreitung hat. Auch er ist extrem gut vernetzt:

https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAbdall%C4%81h_ibn_Baiya

Er ist ein alter Herr, dessen altersmildes Auftreten über die Ideologie, die dahinter steht, jedoch nicht täuschen sollte. Immerhin ist er z.B. im Gremium „Internationale Union muslimischer Gelehrter“ der Stellvertreter Qaradawis (und wohl in einem weiteren) gewesen bis 2013. Etliche Jahre. Diese Organisation wiederum macht sich international sehr für die Muslimbruderschaft stark. ibn Baiyas Vernetzungen und die Art seines Agierens sind die eines fundamentalistischen Aktiven, wenn nicht gar eines Muslimbruders. Ende 2013 trat ibn Baiya überraschend zurück in obigem Gremium. Er fiel immer wieder auch selber wegen böser und martialischer Forderungen auf, Forderungen nach dem Tod von US-Soldaten:

http://townhall.com/tipsheet/katiepavlich/2014/09/25/obama-praises-moderate-muslim-who-called-for-slaughter-of-us-troops-n1896533

ibn Baiya ist ein Hamas-Unterstützer. Was das hinsichtlich seiner „frommen Wünsche“ zu Juden und Weiterlesen

Lehrer ohne Lobby

Die wohl am stärksten direkt mit islamistisch orientierten Jugendlichen konfrontierte Bevölkerungs-gruppe ist die der Pädagogen.

Es ist aber auch die Gruppe an Personen, die schweigt und allermeist nicht einmal öffentlich Hilferufe aussendet. Es gibt wenige Ausnahmen, Lehrerinnen und Lehrer, die nach Jahren manchmal vergeblichen Kampfes den Mut finden, leidlich offen über die Problemlagen in den Klassenzimmern zu berichten.

Vorangegangen sind oft lange Auseinandersetzungen mit Schülern und ihren Eltern, aber manchmal auch dem eigenen Schulleiter. Das Interesse der Schulleiter liegt oft darin, dass Vorfälle einschlägiger Art tunlichst nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Man befürchtet einen Verlust des Ansehens und dass besorgte Eltern ihre Kinder nicht mehr anmelden könnten. Dass man auf eben diese Weise besorgte Eltern bzw. ihren Nachwuchs möglicherweise ins totalitäre Messer laufen lässt, ist anscheinend zweitrangig. Der Ruf der Schule geht vor.

Zu diesem Zweck werden schon einmal die Auseinandersetzungen zum Privatproblem erklärt, wie bei dieser Pädagogin:

 

 

Jüdische Pädagogin 150821

 

Hier nur ein kleines Indiz der damaligen Attacken. Mir ist das immer noch peinlich und ich traue mich fast nicht, das zu zeigen. Aber so sind die aufgehetzten muslimischen Jugendlichen mit meinen und unseren Gefühlen umgegangen.
Zum einen wurde ic
h als Frau diskriminiert und zum anderen noch als Jüdin. Das habe ich dann neben all den anderen Angriffen -nach langen Jahren des Versuches und intensiver Bemühungen, die Jugendlichen zu belehren und positiv zu beeinflussen – zur Anzeige gebracht.
In diesem Betrieb konnte ich dann nicht mehr weiterarbeiten und wurde 2 Jahre lang bei vollen Bezügen freigestellt, weil man angeblich nicht für meine Sicherheit garantieren konnte.

dische Pädagogin

Fälle wie dieser geraten fast nie an die Öffentlichkeit.

Manch ein Lehrer reibt sich zwischen hohem pädagogischem Eigenanspruch und real existierenden Schülern, die es oft an jeglicher Achtung mangeln lassen, auf.

Hinzu treten bei den Schülern untereinander, wenn die Schule eine solche Problemzone hat, manchmal Schikanen gegenüber Mitschülern, die es mit der Religion nicht ernst genug nehmen. Das kann von der reklamierten Belästigung durch fremde Pausenbrote mit Salami bis hin zur Maßregelung jüngerer Schüler im Ramadan gehen, die dann dehydriert zusammenbrechen.

Ein wenig wurde hier in Hessen einmal zu Anfang 2014 nachgesucht. Eine zaghafte Anfrage der GEW, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/nach-anwerbung-an-schulen-lehrer-fordern-mehr-hilfe-im-kampf-gegen-salafisten-12740654.html

Direkt zum Nachfrage-Zeitpunkt wurde wenig angestoßen, trotz des Hilferufs. Man war wohl der Meinung, man tue genug. Nur wenig später musste das revidiert werden und man machte weitere Angebote für Lehrer und Einrichtungen. Gleich geblieben ist jedoch, dass so mancher Lehrer nicht mit Rückendeckung rechnen kann, wenn er über die Probleme offen reden will, wenn er z.B. mit den Medien sprechen will. Die Pädagogen, die den Umfang des gesamtgesellschaftlichen Problems mit am besten einschätzen können sollten (zumindest die in den Ballungsräumen), bekommen quasi einen Maulkorb. Immer wieder hört man in Berichten, wenn es sie zu konkreten Schulen doch einmal gibt, dass man nicht an die Öffentlichkeit wolle. Die Lehrer gehen nicht an die Gesellschaft heran bzw. werden separiert. Nur mit öffentlicher Wahrnehmung könnte jedoch auch mehr Hilfe von der Politik eingefordert werden bzw. genügender Druck aufgebaut werden.

Es wäre wichtig, dass die bei diesem Thema seltsam unpolitisch agierenden Lehrer da lauter werden. Nicht nur für sich, sondern auch ihre Schützlinge. Für uns alle.

 

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Sehenswert ist dazu die ältere Doku „Kampf im Klassenzimmer“:

 

Das Schweigen des Rates

Der Frankfurter Rat der Religionen hat sich neu konstituiert. Das ist eine Einrichtung, in der sich verschiedene Religionsvertreter an einen Tisch setzen und gemeinsame Ziele und Vorgehensweisen besprechen wollen. Auch kritische Punkte sollen behandelt werden. So weit die Theorie. Praktisch sieht das jedoch anders aus.

Im letzten Jahr gab es im Rat alter Zusammensetzung ein Zerwürfnis, weil mehrere muslimische Mitglieder sich im Nahost-Konflikt öffentlich positioniert hatten in einer Weise, die verunglimpfend gegenüber Juden und Israel war. Reaktionen blieben nicht aus:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt-protest-der-juedischen-gemeinde-13077300.html

Es ging konkret um Selçuk Dogruer, DITIB-Vertreter, und Ünal Kaymakci, den stellvertretenden Vorsitzenden der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH). Weiterhin waren später problematische antijüdische Inhalte von Khaled Elsayed, einem Vertreter des I.I.S., aufgetaucht.

„Mit Personen wie Dogruer und Kaymakci könne die jüdische Seite dort nicht weiterarbeiten“ hatte diese klargestellt seinerzeit.(ebd.)

Der Rat in Person seines Vorsitzenden lehnte eine allgemeine Stellungnahme ab. Ein Ratsmitglied, „Joachim Valentin, einer von zwei Vertretern der katholischen Kirche im Rat, sagte, er empfehle den beteiligten jüdischen und muslimischen Ratsmitgliedern ein Gespräch.“ (a.a.O.)

Problem erkannt – Problem gebannt.

Das „Problem“ wurde nun jedoch anders gebannt, als man sich das als Außenstehender so vorstellen könnte. Vielleicht mit einer Trennung von denen, die eben nicht am friedlichen, relativ unpolitischen und menschlich ebenbürtigen Diskurs interessiert sind. Das gelang nur teilweise: Der I.I.S. ist offiziell (s.u.) draußen aus dem Rat, Dogruer wurde ersetzt. Mit der IRH kam man jedoch offenkundig nicht voran. Theoretisch hätte der Rat auf einem anderen Vertreter bestehen können oder den IRH dann ausschließen bei Uneinsichtigkeit. Das wären die Mittel des Rates gewesen. Damit hätte man sich auf die Seite der angegriffenen Partei gestellt und klar gemacht, dass im Rat kein Platz ist für Personen, die die Außenpolitik nicht draußen lassen können. Und vor allem kein Platz für Personen, die da Sinn und Verstand verlieren. Das Gegenteil passierte: Man hat vielmehr im neuen „Rat der Religionen“ den Israel-Verleumder Kaymakci, der sich immerhin dazu verstieg, sich mit links Thesen wie Israel betreibe Staatsterrorismus und begehe Kindermord zu eigen zu machen, in den Vorstand gewählt. Kaymakci wurde also nicht nur weiterhin am gemeinsamen Tisch akzeptiert, sondern gleichsam befördert. Ein Affront erster Klasse, zumal auch der IRH dem Anschein nach völlig uneinsichtig in der Sache ist.

So heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des IRH, die ich, da es sich um eine explizite Pressemitteilung handelt, in dem Text zitieren kann und möchte, wie sie auf der IRH-Webseite erscheint weitergehts auf der fb-Seite des IRH, s.u.):

„“GEGEN DIE DOPPELMORAL, FÜR MEHR GERADLINIGKEIT!“
WIR VERURTEILEN JEDEN TATSÄCHLICHEN VÖLKERMORD, VOM WEM ER AUCH AUSGEHE UND GEGEN WEN ER SICH AUCH RICHTE!

Die IRH verurteilt ohne Wenn und Aber jeden tatsächlichen Völkermord, gleichgültig von wem er ausgeübt wird oder wurde und gleichgültig gegen wen er gerichtet ist oder war. Jeder Mord und jedes Verbrechen, sei es begangen von bzw. gegen Juden, Christen, Muslime, Andersgläubige oder jedwede ethnische Gruppe ist entschieden auch als solcher zu bezeichnen und von den entsprechenden Tätern bzw. ihren Rechtsnachfolgern anzuerkennen.

Es ist in der öffentlichen Debatte in Deutschland und Europa jedoch leider zu beobachten, dass verschiedene Maßstäbe an verschiedene Menschheitsverbrechen angesetzt werden, je nach dem von wem die Verbrechen ausgehen und wer die zu beklagenden Opfer sind. Gemäß den objektiven juristischen Kriterien des internationalen Völkerrechts und des deutschen Völkerstrafgesetzbuches sind zum Beispiel die seit Jahrzehnten andauernden Verbrechen des Staates Israel und seiner Armee gegenüber dem palästinensischen Volk als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als Kriegsverbrechen zu subsumieren. Die millionenfache Vertreibung von Palästinenser aus ihrer Heimat, verübte Massaker, tausendfache Ermordung, Landnahme, Besetzung, Annektierung von Städten wie Ostjerusalem, Mauerbau auf fremden Land, völkerrechtswidrige Kriege erfüllen diese völkerrechtlichen Straftatbestände. Kein Land der Welt verstößt gegen UN-Resolutionen so oft und regelmäßig wie der Staat Israel.“

http://www.irh-info.de/index.php?kon=nachrichten&kpf=nachpm&zeige=pressemitteilung&pmnr=365&winr=201501000365

Das war vor der Konstituierung.

„Der neu konstituierte Rat der Religionen betonte erneut seine Bereitschaft zum Dialog mit der Jüdischen Gemeinde und zur Beilegung des Konfliktes.“

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Dem-Rat-der-Religionen-bleiben-die-Juden-fern;art675,1388276

Ist der schwarze Peter nun bei den Juden? Man wählt einen Verursacher in den Vorstand, nimmt einen Verband in die Mitte, der solche Stellungnahmen verbreitet. Wo soll da noch eine Diskussionsbasis sein?

Die jüdische Seite sah zu Recht keine und ging.

Anscheinend stand da niemand auf und ging mit. Anscheinend fühlt man sich auch nicht mehr an die eigene Stellungnahme von 2013 gebunden, aber das war ja auch Berlin, und somit weit weg:

http://rat-der-religionen.de/portfolio/stellungnahme-des-rates-der-religionen-frankfurt-zum-thema-antisemitismus/

So ganz nah, im eigenen Haus, mag man dann doch eher nicht kehren. Lieber nimmt man auf der fb-Seite Lob für die gute Arbeit, die man geleistet habe, entgegen. Und hofft, dass die Presse die Causa übersieht.

Die wird allerdings hoffentlich nicht dazu schweigen, denn „es“ geschieht wieder. Klammheimlich.
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https://www.facebook.com/notes/ramazan-kuruy%C3%BCz/pressemitteilung-der-irh-zum-streit-zur-geschichtlichen-bewertung-der-geschichte/10205552254580120
Update:
Auf Nachfrage hat der Rat der Religionen auf die Satzung verwiesen und darauf, dass die muslimischen Gemeinden Frankfurts ihre Vertreter im zweijährigen Turnus benennen und entsenden würden:

„Die vier muslimischen Mitglieder im Rat werden aus der turnusgemäß alle zwei Jahre von Muslimen einberufenen Versammlung von Frankfurter Moscheegemeinden gewählt und erhalten so ihr Mandat. So kommt die Zusammensetzung zustande. Dies entspricht der Satzung des Rates, die Sie, wie weitere Informationen, auf unserer Website finden: www.rat-der-religionen.de

https://www.facebook.com/ratderreligionen

Den muslimischen Gemeinden müssen die Vorwürfe eigentlich bekannt gewesen sein. Warum benennen sie einen Vertreter, der vorhersehbar diesen Affront verursachen wird?
Wurde da ein Machtspielchen gespielt und – zunächst – gewonnen?

Dazu auch:
http://www.fr-online.de/spezials/interview-mit-uenal-kaymak-i–ein-besonnener-geistlicher-,1472874,2714310.html

Mit Saber Ben Neticha wurde übrigens ein Vertreter benannt, der aktuell in der Abu Bakr Moschee aktiv ist und auch beim I.I.S. schon predigte. In 2013 gab er sogar eine I.I.S. mail Adresse an für den „Tag der offenen Moschee“:

http://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/Tag%20der%20offenen%20Moschee%202013.pdf

Im Rat der der Religionen sitzt er nun für einen „Deutsch-Islamischen Vereinsverbund Rhein-Main e.V.“ Dieser hat die folgenden Mitglieder:

http://www.div-rm.de/5614-2/

Dabei ist auch eine Moschee-Gemeinde, die wiederholt Hassprediger wie Abul Baraa einlud und deswegen eine größere Debatte wegen des Verstoßes gegen die Wiesbadener Vereinbarung auslöste.

Die Abu Bakr Moschee ist nicht dabei, dafür der I.I.S. und u.a. weitere Vereine, die der Muslimbruderschaft zuzuordnen sind. Neticha muss also für den I.I.S. dort sein.

Man spielt Verstecken mit der Frankfurter Stadtgesellschaft. Viele verschiedene harmlos klingende Namen nach außen, aber ideologisch Muslimbruderschaft drinnen.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein Vertreter eines Verbandes, der nur seinen Sitz in F hat, aber in dem auch ein Pflegedienst und ein Kinderhilfsverein sind sowie nicht in Frankfurt ansässige Vereine, wie die bekannt salafistisch ausgerichtete Wiesbadener Tauhid-Moschee, überhaupt gültig Mitglied (in dieser Funktion) eines Rates der Religionen sein kann. Dieser Verband ist ja ein Gemischtwarenladen. Mit etlichen Ortsfremden zudem. Eine Religionsgemeinschaft ist das demnach nicht und auch kein rein Frankfurter Verband. Hat anscheinend keiner geprüft.

Mahnwache vom 25.04.2015

Vor dem „My Zeil“, diesmal zu späterer Zeit von 17:30 bis 19:30 Uhr. Wir bedanken uns bei der Frankfurter Polizei für die freundliche Betreuung.

Mit dabei waren wieder eine kleine kurdische Delegation und der Kurdisch-Israelische Freundschaftsverein (KIFA), sowie ein Mitstreiter, der eine erhebliche Anreise in Kauf genommen hatte. Herzlichen Dank für das außerordentliche Engagement.

Kurz nach Beginn, die ersten Passanten waren da und diskutierten, lief ein junger Mann laut schreiend an uns vorbei und konnte sich gar nicht beruhigen. Er versuchte, andere aufzuwiegeln, indem er ständig rief, dass „man“ das nicht hinnehmen könne und dass „man“ was gegen und unternehmen müsse. Sein Erfolg war eher bescheiden. Einige bewegten sich eher langsam auf ihn zu. Dass sich da nicht mehr fanden, war allerdings Zufall und wäre bei stärkerer Frequentierung durch Unterstützer sicher auf fruchtbareren Boden gefallen. Die Polizei ließ da aber nichts anbrennen und klärte den Herrn am Rande auf.

Ganz am Anfang:

Eine Gruppe junger Männer und Jungen hatte sich einen hochgewachsenen jüngeren Mitstreiter ausgesucht und bedrängte ihn. Da es sehr lautstark wurde, stellte ich mich hinzu, was nur wenig milderte. Ein Teil zog sich dann zur Beratung zurück an den Rand und palaverte mindestens eine halbe Stunde lang. Anscheinend überlegte man, was man zweckmäßigerweise unternehmen könne. Dabei fiel ein Junge auf, der in der Gruppe dabei war, aus der mir vor einigen Wochen ein Bub das eigenhändige Köpfen angekündigt hatte, wenn die Polizei nicht da wäre. Manche Gesichter vergisst man auch bei einmaligem Sehen nicht.

Einige ezidische Mitbürger berichteten – sie kamen nicht das erste Mal – von der Situation, wie sie ihre Familien erleben. Sie sind noch im Irak und leben in ständiger Furcht.

Einer jüdischen Mitbürgerin wurde mehrfach gesagt, sie dürfe eigentlich gar nicht hier leben nach den Zuständen und Vorfällen in Gaza. Gängige Behauptung: In Gaza würden „von den Israelis täglich 1000 Babys ermordet“. Ihre Entgegnung, wonach das 365.000 Babys im Jahr wären und das selbst bei maximaler Reprodukutionsfokussierung nicht stimmen könne, wird meist abgetan. Es war der Tag, an dem man gerne einmal aus Deutschland verwiesen wurde. Auch mir wurde dies zweimal angeraten, weil ich das Schild „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus“ hielt und dies nicht sogleich herunter nahm auf Befehl.

Dazwischen immer wieder gute Gespräche wie das mit zwei jungen Männern, beide Muslime, die kritisch beäugten, dann herüberkamen und mit denen dann doch ein wirklich gutes Gespräch möglich war. Wir bedankten uns gegenseitig für den Austausch und sie liefen dann noch ein wenig bei den anderen Mitstreitern herum und lauschten. Mehrere gute Gespräche waren mit Passanten mögich, die sich wunderten, dass so wenige sich anschließen, dann aber selber Angst hatten.

Ein Mitstreiter, vor einigen Jahren aus einer Diktatur nach Deutschland gekommen, wunderte sich auch. Er habe Tage Dunkelhaft erlitten für eine freie Meinung, habe hinter sich nichts gehabt als die Ungewissheit, und hier sei man mit dem Rechtsstaat hinter sich so ängstlich, so verzagt.

Verzagt waren Samstag auch die LIES!-Aktivisten. Sie tauchten nicht auf. Auch die männliche und die weibliche Unterstützerszene fehlten komplett.

Wie sich allerdings insbesondere jüdische Mitstreiter fühlen, wenn, wie geschehen, mehrere kleine Jungs an Hitler erinnern und „Gas, Gas macht Spaß“ rufen, kann man nur erahnen.

Eins ist allerdings sicher: In manchen Familien scheinen Kinder schon früh mit einem brutalen Antisemitismus aufzuwachsen. Da ist es anscheinend normal, andere Menschen abzuwerten und über den Holocaust Witze zu machen. Unvorstellbar.
Ich vermute, die Abwertung wird alle „anderen“, alle Nichtmuslime betreffen, wenn auch nicht mit gleicher Wucht.
Ob Schulbücher so etwas aufnehmen?
Wie kann Schule da nur gegenwirken? Kann sie das überhaupt?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort etwas so Elementares besprochen wird, dem anderen sein Lebensrecht anzuerkennen. Es wird schlicht vorausgesetzt.

Es scheint, wir müssen bei manchen ganz, ganz vorne beginnen.

Turing hilf!

Abou Nagie Oster-Special: It´s magic!

Einer der frühen und einer der bedeutendsten Computerpioniere war der Engländer Alan Turing

http://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Turing

Turing lebte von 1912 bis 1952. Er war homosexuell und wurde wegen der damaligen Strafbarkeit dieser Ausrichtung nicht nur zur chemischen Kastration verurteilt, sondern von den Folgen in den Tod getrieben.

Abou Nagie vertritt nun einen fundamentalistischen Islam, der Homosexuelle als minderwertig erachtet. Unkenntnis ist keine Gnade, sondern Fluch. Unkenntnis und Unbildung sind besonders verwerflich, wenn man es besser wissen könnte und man aus diesem Versäumnis zu Werturteilen über andere Menschen kommt.

Abou Nagie behauptet aktuell, dass Computer und Internet erfunden wurden, um Dawa zu machen (aber auch Auto und Flugzeug wurden ihnen „dienstbar gemacht“*, um Dawa zu machen; die Pioniere dieser Transportmittel rotieren gleich mit im Grab):

 

 

In diesem denkwürdigen Video und den nachfolgenden Machwerken ist nicht nur die Rede von Dschinns, Magiern und Schaytanen (Teufeln), sondern auch unter vielen anderen wirren Denkmodellen davon, dass die „Juden führend in Schwarzmagie seien“ (2:10, zweites Video). Abou Nagie redet über Dschinns und Schaytane, als seien sie so real wie der Gemüsehändler von nebenan. Für ihn ist schwarze Magie, sind böse Blicke Teil seiner Wirklichkeit.

Hieße das nicht Religion, hieße das anders.

Auch die widerwärtige Haltung zu Juden wird dort noch einmal explizit deutlich, (z.B. ab 2:35, erstes Video). Auf schwarze Magie steht übrigens der Tod. Diese Urteile werden bis heute in Saudi Arabien auch vollstreckt.

Mit den Mitteln der modernsten Kommunikationstechnik, die in seiner Gedankenwelt des Mittelalters nicht entstanden sind und wohl nie entstanden wären, verkündet der Herr Nagie also, diese seien extra geschaffen, um diese mittelalterlichen und menschenverachtenden Abstrusitäten zu verbreiten.

Wahrscheinlich kennt Herr Nagie die Geschichte des Computers nicht. Für ihn wächst alles auf dem Baum. Auf einem apple-Baum.

Wüsste er darum, würde es ihn vielleicht wundern, dass ein nach seiner Lesart seiner heiligen Schrift und den Hadithen so bestrafenswertes Subjekt es war, das Werkzeug seines Gottes wäre. So ein Widerspruch wäre selbst für ihn kaum aufzulösen. Vielleicht würde er sich damit behelfen, dass Turing in Wirklichkeit Muslim gewesen sei und die Sache mit der Homosexualität nur üble Nachrede.

Die Haltungen zu Juden, Homosexuellen und Ungläubigen (Frauen sowieso) werden durch Abou Nagie auch an seine Anhänger weitergegeben. Mit diesen Haltungen gehen sie dann in Schulen und Unis, an den Arbeitsplatz.

Man kann dankbar sein für diese Videos und die enthaltenen Einblicke. Man kann in Farbe beobachten, wie altertümliches Denken und Vorstellungen bis ins Jahr 2015 getragen werden. Das macht die Entlarvung einfacher.

Turing sei Dank.

* Es scheint Herrn Nagie irgendwie nicht aufzufallen, dass ohne Ticket oder Benzin es sich erledigt hat mit der „Dienstbarkeit“.