Marcel Krass: Blitzradikalisierung durch Psychomethode?

Manche Radikalisierungen verlaufen äußerst fulminant. Die Jugendlichen vollziehen sie, oft genug ohne dass das Umfeld überhaupt merkt, was sich gerade abspielt. Wie kann es dazu kommen?

Die üblich ablaufenden Radikalisierungen sind geprägt von einer zunehmenden Abgrenzung zum bisherigen sozialen Umfeld, die oft bemerkt wird oder bemerkt werden könnte. Das sind Prozesse, die über Jahre ablaufen und in denen sich Verhalten sukzessive ändert. Bei diesen langsamen Radikalisierungen bestehen mehr Möglichkeiten, durch Begleitung der Jugendlichen Zeitfenster zu erkennen, in denen eine Umkehr vom radikalen Weg oder Abkehr möglich ist. Diese Zeitfenster des Innehaltens vor der nächsten Stufe der Verhaltensänderung, des Verarbeitens der bislang erfolgten psychischen Folgen scheinen bei den Blitzradikalisierungen sehr klein zu sein oder nur unmittelbar nach der Willensbildung zur Befolgung des religiösen Weges zu bestehen. Der Jugendliche oder junge Erwachsene springt förmlich in diese neue Welt hinein.

Ein paar Punkte aus dem Katalog der Möglichkeiten, geordnet nach voranschreitender Radikalisierung:

– Beschäftigung mit Religion im Rahmen jugendlicher Sinnsuche oder im Gefolge von Lebenskrisen (meist noch normale Bewältigungstrategie, die nicht in Radikalisierung münden muss)

– eigene Unterlassung des strikt nach der Religion Verbotenen

– zunehmende Hinwendung zu Glaubensinhalten (regelmäßiger Gang in eine Moschee)

– Ablehnung anderer Informationsquellen als angeblich glaubenskonformer / Ablehnung der Massenmedien (Abdriften)

– Ermahnung durch den Betroffenen an das Umfeld

– Änderung der eigenen Kleidung und Habitus

– soziale Einengung auf Personen gleicher Gesinnung (regelmäßiger Gang in Problem-Moschee, Teilnahme an Veranstaltungen/Betätigungen auf der Strasse)

– Ausrichtung des Lebensentwurfes auf Jenseitiges (z.B. Abbruch der Ausbildung, um täglich mehr für das angebliche Seelenheil tun zu können)

– zunehmende Abwendung selbst von engsten Angehörigen, sofern sie nicht der „reinen Lehre“ folgen

– psychische Einengung auf Jenseitiges, Vernachlässigung diesseitiger Bedürfnisse

– psychische Folgen des dauerhaft schlechtes Gewissens, noch nicht genug für das Jenseits zu tun => Ängste, evtl. Zwangshandlungen; evtl. auch bei genügend Antrieb und Aggression bzw. Hilfsbereitschaft (Täuschung durch islamistische Hilfsorganisationen) Ausreise

Blitzradikalisierung über wenige Monate, sogar Wochen kann, das zeigen Fälle auf, über das Internet und sehr spontan erfolgen (z.B. Arid Ukar). Relevant erscheint  auch das Kennenlernen eines bereits radikalisierten Partners (z.B. Fall der jungen Alevitin aus Frankfurt). Wichtig ist der Freundeskreis. Dort an falsche Freunde zu geraten kann sehr rasch zu einer völligen Änderung der Weltsicht führen. Gruppendynamiken sind nicht zu unterschätzen, wie gruppenweise Ausreisen als häufiges Phänomen aufzeigen (Dinslaken, etliche andere Gruppenausreisen).

Besonders gefährlich erscheint daher die aktuell von Marcel Krass propagierte Psychomethode, die „leicht zu lernen“ sei, nur 5 Punkte beinhalte und sofort „die Menschen vom Islam überzeuge“. Im Gespräch auf der Strasse.

 

 

Das imponiert als Methodenmix des „Neurolinguistischen Programmierens“ und Scientology. Die „Überzeugung“ besteht in einem Überreden/Überrumpeln, wie es auch aus dem Marketing bekannt ist. In den Seminaren wird diese Methode mit Partnerübungen trainiert. Diese Art der Überzeugungsbildung kann nicht unterschätzt werden in der Wirkung auf Jugendliche, die ihre neu erworbenen Fähigkeiten umgehend anwenden wollen, wie auch im Video erwähnt. Dort wird verwiesen auf einen „Bruder, der noch keine Erfahrung mit der Dawa“ hatte, aber mit der Methode sofort einen weiteren neuen „Bruder“ gewann. Die Zielgruppe der Seminare sind eindeutig wenig gefestigte Jugendliche und religiöse Analphabeten, die sofort „Dawa-Erfolge“ sehen wollen. Bei gefestigten Personen werden sie damit zwar keine Erfolge erzielen können, sie selektieren aber damit weitere Jugendliche, die ähnlich strukturiert sind. Das funktioniert ähnlich wie ein Kettenbrief oder ein Schneeballsystem.

Dies erscheint insbesondere im Hinblick auf Blitzradikalisierungen gefährlich, da diese raschen Entscheidungen dann mit einer kurzfristig intensiven Beschäftigung einhergehen. Eine spontane Entscheidung, die auf Überrumpelung oder emotionaler Ansprache beruht, wird üblicherweise versucht, rational zu unterfüttern. Man will sich selbst vergewissern, dass diese Entscheidung richtig war. Die Gruppe der von Marcel Krass Geschulten wird sicher nicht auf moderate Moscheen und moderate Prediger verweisen, sondern auf das weitere Material von Krass. Von diesem liegen viele Videos vor, in denen er – vordergründig schlüssig – Sinn vermittelt. Sie wird weiterhin den Neuling sicher nicht alleine lassen, die soziale Einengung wird initiiert. Wenn dies so gemacht wird wie bei anderen Sekten, so wird sofort ein Bündel an Vorhersagen mit geliefert wie „deine Eltern werden jetzt gegen dich sein, weil du die Wahrheit erkannt hast“. Das hat seinen Zweck in der unmittelbaren narzisstischen Aufwertung des Neulings, der ja immerhin „die Wahrheit“ erkannt habe und natürlich in der Abwertung der Menschen, die „einfach noch nicht so weit sind“. Wer wird denn auf die hören wollen. Man kann diesen Neuling dann auch mit der „einfachen Methode“ umgehend einsetzen, z.B. auf der Strasse bei „Jesus im Islam“, der Street Dawa Betätigung von Herrn Krass.

Es sind in Sekten erprobte Verfahren, den Neuling umgehend so fest an die Brust zu drücken, dass er nicht mehr selbsttätig atmen kann. Auch die sofort einsetzende und beförderte soziale Isolierung vom bisherigen Umfeld ist Teil dieser Strategie.

Das Dex-Instuitut ist angeblich in Münster ansässig.

Das Seminar würde übrigens u.a. in Frankfurt durchgeführt.

Ummah Inc.: Pierre Vogel als Streetworker

Neues vom Ummah-Konzern

In einem neuen Video stellt Pierre Vogel eine weitere Handlungsschiene vor: Die Abteilung „Jugendsozialarbeit“ wird nun breiter aufgestellt. Man will alle muslimischen Jugendlichen in Deutschland erreichen. Alle sollen auf den eigenen Weg geführt werden:

 

Parallel werden auch Einblicke gegeben in die Gesprächsstrategie, die von Marcel Krass entwickelt wurde. Nach dem, was man so erahnen kann, erinnert das ein wenig an Neurolinguistisches Programmieren, eine fragwürdige, psychologisch inspirierte Methode, aber auch an andere Überrumpelungsverfahren, die von Sekten (und Call-Center-Agenten) verwendet werden. Eine einfache strukturierte Vorgehensweise mit einfachen Antworten, die auswendig zu lernen sind. Man möchte Massenbewegung werden und sieht nun in dieser Vorgehensweise eine Möglichkeit.

Aber man will nicht nur gewinnen, sondern gleich auch schon erziehen. Zu dem einen Weg erziehen und nichts anderes gelten lassen. All diejenigen Muslime, die freier sind, sind fast schon Ungläubige.

Man will auch vermitteln, dass dieser Islam glücklich mache. Glück durch Verbote, durch Unfreiheit? Oder auch dadurch, dass man den anderen diesen Weg auch vorschreiben will?

Das ist dann wohl Totalitarismus mit Happyness-Faktor: Dawa in the streets.

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Am Rande: Auf Khorchide und Kaddor wird im Video das Takfir gesprochen (sie werden zu Ungläubigen erklärt).