Wie alles eins wird

Einzelfälle und das große Ganze – über „nützliche“ Extrapolationen

Im Bereich des Islamismus besteht erheblicher Forschungsbedarf, einige wichtige Phänomene sind im Detail noch nicht strukturiert erfasst. Zu anderen wichtigen Phänomenen lässt sich jedoch aus dem Vergleich mit anderen Ländern lernen oder grundsätzliche Strategien und Haltungen aus Schriften und Reden wichtiger Akteure ableiten und herauslesen. Hinsichtlich der Radikalisierung von jungen Menschen erfreuen sich allerdings einige Forschungsfelder größerer Beliebtheit und Akzeptanz als andere. Oftmals lässt sich ja auch bei soziologischen Untersuchungen schon ahnen, welche Ergebnisse bei bestimmten Fragestellungen zu erwarten sind und wie auch Methodisches wie Fragestellung und Probandenauswahl das Ergebnis beeinflussen mag. Auch Forschung im Themenbereich Integration findet nicht im luftleeren Raum statt, sie unterliegt manches Mal der Erteilung von Aufträgen, der Zusicherung der Finanzierung und politischen Vorgaben.

Interessant war vor einigen Monaten die Auswertung der Protokolle einer Whatsapp Gruppe durch die Autoren Michael Kiefer et al.:
„Lasset uns in shaʼa Allah ein Plan machen“
Fallgestützte Analyse der Radikalisierung einer WhatsApp-Gruppe
Die Chat-Protokolle: Erste empirische UntersuchungRekonstruktion des Radikalisierungsprozesse anhand von Daten“

Auch wenn sich die Zahl der erfassten posts mit 5700 gewaltig anhört, basieren die ganzen Überlegungen, die auf diese Auswertung den Medien gegenüber erfolgten, auf den Sichten von 12 jungen Männern. So wertvoll diese Auswertung auch ist, darf man nie vergessen, dass eine solche Auswertung die Analyse einer bestimmten Gruppe in einem relativ kurzen Zeitraum ist und  Verallgemeinerungen deshalb mindestens schwierig sind. Natürlich lassen sich bestimmte Muster und Narrative erkennen, die gängig sind. Aber bei manchen Eigenschaften der Handelnden und hinsichtlich der sich entwickelnden Gruppendynamik kann man eben nicht auf alle oder auch nur sehr viele der jungen (Neo-)Salafisten Deutschlands schließen. Zumindest sollte man da insbesondere gegenüber den Medien vorsichtig formulieren. Manchem Wunsch nach Zuspitzung darf man da insbesondere als mediengewohnte Person einfach nicht nachgeben bzw. muss immer dazu erwähnen, dass das sozusagen wenige Bilder aus einem ganzen Film sind.

In einem aktuellen Bericht im Deutschlandfunk werden verschiedene Stimmen zur Radikalisierung junger Menschen unter dem Titel „Wenn aus Nazis Islamisten werden“ eingeholt. Neben Thomas Mücke werden noch Michaela Glaser und Bernd Wagner mit ihren Sichten herangezogen.

http://www.deutschlandfunk.de/radikalisierung-in-deutschland-wenn-aus-nazis-islamisten.724.de.html?dram%3Aarticle_id=406185

Solche Fälle gibt es, aber sie sind selten. Man erinnere sich an die gute Regel aus der Medizin: Häufiges ist häufig, Seltenes ist selten.

So wird Thomas Mücke zitiert mit seiner Sicht auf die Jugendlichen:

Nach Identitätssuche, nach Geborgenheit, nach Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit, nach Halt. Und auf der Basis dieser emotionalen Bedürfnisse versuchen sie dann, diese jungen Menschen, an der Szene zu halten, und erst dann beginnt der Ideologisierungsprozess.

Einmal davon abgesehen, dass es extremistische Personen fast aller Altersgruppen gibt (die nur mit unterschiedlich stark bei seinen Klienten vertreten sind und mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit gewalttätig werden) und seine Kontakt-Gruppe i.W. nur die Freiwilligen sind nebst einigen, denen die Behörden eine „Freiwilligkeit“ ernsthaft nahelegten, sind als wichtige Gründe auch Narzissmus und Sinngabe zu sehen. Die extreme Selbstaufwertung ist es, die Menschen aller Altersklassen und Bildungsstände anfällig macht, denn das Gefühl, einer gottgewollten Elite anzugehören, ist nicht zu übertreffen. Mückes Fokussierung auf die Geborgenheit macht aus Menschen, die Selbstaufwertung durch Abwertung anderer betreiben, zu reinen Opfern. Das mag anfangs mit ein Grund sein und vorkommen, aber spätestens wenn sie sich für diese Form des schnellen narzisstischen Gewinns entscheiden, sind sie keine ausschließlichen Opfer mehr. Die zunehmende soziale Isolation, die er zutreffend beschreibt, geht ja mit einer extremen Abwertung der nicht zur erwählten Gruppe gehörenden Menschen einher*. Das ist also mindestens ein unvollständiges Bild und bei Rechten würde er es wohl auch kaum so eindimensional darstellen. Zudem werden alle, die bereits ideologisiert aufwuchsen, ausgeklammert.

Zum Vergleich:
Zur Zeit sind etwa 10.800 Salafisten behördlicherseits erfasst:

http://www.faz.net/aktuell/politik/zahl-der-salafisten-auf-allzeit-hoch-15333965.html

Über die Beratungsstelle
Seit Schaltung der Hotline Anfang 2012 haben die Mitarbeitenden der Beratungsstelle Radikalisierung mehr als 3.400 Telefonate geführt.

http://www.bamf.de/DE/DasBAMF/Beratung/beratung-node.html

Mehrfacherfassungen einer Person sind nicht aufgeführt, auch nicht, wenn zu einem Fall bereits BAMF-seitig mehr als ein Gespräch geführt wurde. Das ist also – sofern ich das richtig verstehe – die „Brutto-Gesprächs“-Anzahl.

Zwei Drittel „einsame Wölfe“? Sicher nicht. Auch diese Personen haben ein Umfeld, haben Familie, Kollegen, Freunde. Nur niemanden, der sich an eine staatliche Stelle wenden mag, die Wandlung überhaupt als problematisch ansieht oder dem es überhaupt auffällt, weil eben jenes soziale Umfeld genauso strukturiert ist.

Forscherin Michaela Glaser warnt davor, dass Diskriminierung junge Migranten in die Fänge extremistischer Szenen treiben könne.

Das mag vorkommen. Zentral erscheint das aber nicht. Sondern die Verlockung der Selbstüberhöhung durch eine zutiefst bösartige Ideologie. Welche Art von Diskriminierung mögen denn die tausenden foreign fighters des IS aus den muslimischen Gesellschaften erlitten haben?

Quelle: Infografik von der Soufan Group, nach RFE, Abruf 17.12.2017

https://www.rferl.org/a/where-do-is-foreign-fighters-come-from/28853696.html

Dazu auch:

http://thesoufancenter.org/wp-content/uploads/2017/11/Beyond-the-Caliphate-Foreign-Fighters-and-the-Threat-of-Returnees-TSC-Report-October-2017-v3.pdf

Das, was Frau Glaser wiedergibt, ist vielleicht das, was Forscher bei ihren Befragungen freiwilliger Probanden als Entschuldigungs-Narrativ zu hören bekommen, in dem auch gleichzeitig der beliebte Verteidigungs-Gedanke mitschwingt. Zumindest ist dieser nicht fern. Erfährt man nämlich keine Diskriminierung als Person, so ist spätestens die angebliche weltweite Unterdrückung aller Muslime eine wohlfeile Erklärung für geneigte und gutwillige Personen. Das erklärt aber z.B. nicht, dass bei weniger als der Hälfte der Einwohner z.B. Saudi-Arabien ca. dreimal so viele „Gotteskrieger“ stellte. Was wohl deren Motiv gewesen sein mag? Wie passt dies in die Herleitungen dieser Art?

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Gut gelaunt unter Wölfen

Die ATIB Jugend

Die ATIB, Mitglied im Zentralrat der Muslime, ist eine Ausgliederung der sogenannten Grauen Wölfe, der Bozkurtlar. Parteipolitisch und innertürkisch waren sie in der türkischen MHP organisiert, heute werden z.T. auch andere Parteien unterstützt, s.u. Zur Einordnung der ATIB:

https://de.wikipedia.org/wiki/Graue_W%C3%B6lfe

Die Gruppierung wurde im Jahr 2015 u.a. vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet:

https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP17/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/17_0007902.pdf

Die Grauen Wölfe fallen in den letzten Jahren durch wieder aufflammende Aggressivität auf. Aktuell:

http://www.focus.de/politik/deutschland/krawall-auftritt-an-der-uni-duisburg-tuerkische-rechtsextreme-graue-woelfe-werden-in-deutschland-immer-aggressiver_id_5486025.html

Wer diese Gruppierung für „normal“ hält, muss sich sicherlich fragen lassen, was er dann noch unter einem extremen Nationalismus in Verbindung mit religiösen Konnotationen versteht. Extremismus wird sehr relativ, wenn man die Grenze des noch normalen politisch so weit rechts und so tief in religiöser Verflechtung verortet. Rechts davon ist eigentlich nur noch die Wand.

Trotzdem kann so mancher „unter Wölfen“ nette Abende verbringen. Eine solche Person ist Eren Güvercin, der nach eigenem Bekunden auf seiner Facebook-Seite einen „tollen Abend“ bei der Nachwuchs-Organisation der ATIB verbrachte:

 

Güvercin ATIB 160501

Bild: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10153702776193224& set=a.374945463223.155236.526533223&type=3&theater

 

Vielleicht lacht man da ja gemeinsam über Kurden-Witze.

Was der Anlass dieses angenehmen Besuchs war, wird auch klar, wenn man sich dieses Weiterlesen

Der Kampf um die Deutungshoheit in der Schule

Die Gruppierung, die hinter dem Internetauftritt „Generation Islam“ steht, zieht aktuell gegen die Bundeszentrale politische Bildung zu Felde.

 

 

 

Dies ist Teil einer Strategie, v.a. muslimische Jugendliche auch in der Schule gegen neutrale Medienberichte, Aufklärungsbroschüren und demokratisches Weltbild geradezu zu immunisieren. Die Jugendlichen sollen schon in ihrer Wahrnehmung dergestalt beeinflusst werden, dass sie für den von „Generation Islam“ propagierten Opferdiskurs anfällig werden. „Denen da“ – gemeint sind Lehrer und allgemein die Gesellschaft – soll buchstäblich kein Wort mehr geglaubt werden. Dieser Ansatz – nicht nur von „Generation Islam“ vertreten – fruchtet leider bei vielen (es ist ein mittlerweile erschreckend verbreitetes Muster bei jungen Muslimen). Es ist eine starke spaltende Tendenz erkennbar, die die Jugendlichen aus der Gesellschaft heraus lösen soll: Wir und die da. Die da sind die Täter, „wir“ reagieren nur oder sind Opfer.

Wohin die Jugendlichen sollen, zeigt in erschreckender Deutlichkeit die Vortragsreihe „Die Notwendigkeit des Kalifats“ der Gruppierung. Im ersten Teil wird wörtlich gesagt: „Die Notwendigkeit des Kalifats, die Notwendigkeit des islamischen Staates“.

 

Der Vortragende, Ibn Yakub, spricht davon, dass „sie auch eine Führung haben wollen“. Er ist schon völlig losgelöst aus der Gesellschaft, sieht klar gegeneinander gerichtete Interessen. Er sieht alle Muslime ausgegrenzt, gibt vor, wie man mit Nicht-Muslimen zu diskutieren habe:

 

 

 

Der Islam ist weltweit im Vormarsch und die jungen Muslime in Deutschland wollen Teil dieser globalen Bewegung sein, bis Allah (t) dem Islam zum Sieg verhilft.

http://generation-islam.de/ueber_uns/

In die politische Sprache übersetzt heißt dies, dass man eine weltweite Agenda hat. Die Agenda, eine Ummah zu formen und ihr zum Sieg zu verhelfen, weltweites Kalifat. Bei diesen ambitionierten Plänen zur Bildung einer Großmacht globalen Einheitsummah stehen vielleicht dennoch nicht nur Andersgläubige und Demokraten im Wege, sondern v.a. auch andere muslimische Gruppierungen. Die wollen ihrerseits nämlich auch an die jungen Muslime ran und diese sollen wiederum ihnen zum gewünschten Endsieg verhelfen. Das ist Stoff für Tragödien, wie wir sie in anderen Ländern aus der Ferne mit ansehen müssen.

Wer solche Pläne verfolgt, braucht – so lange er in der Minderheit ist – den Opferdiskurs, denn sonst würden seine politischen Absichten auch von anderen klarer erkannt und benannt als das, was sie sind: Eine weitere Keimzelle eines globalen Totalitarismus, der sich ein wenig spirituell anhaucht, um den Faschismus in demokratischen und pluralistischen Gesellschaften mit Religionsfreiheit gerade noch so gesellschaftsfähig zu halten. Zumindest so weit, dass man neben der Opferkarte auch die Toleranzkarte spielen kann. Gerade so weit also, um unter dem Schutz des Grundgesetzes irgendwie noch als Religion gelten zu können. Das ist eine knappe Sache, wenn man ein Kalifat möchte, das explizit nicht nur spirituell angelegt ist. Das ist nur deshalb noch knapp, weil viele mit dem Begriff wenig anfangen können und eine andere Gruppierung dieses Kalifat als nur spirituell aktuell noch umdeutet, obwohl sie schon einen (Erb-)Kalifen haben.

Sicher darf man das Kalifat wollen, den Einzelnen kann man nicht daran hindern. Sobald sich da jedoch mehrere zusammenfinden, die dies wollen, fällt das unter verfassungsfeindliche Gruppierung.

Mit welcher Selbstverständlichkeit der totalitäre Führungsanspruch hergeleitet wird, zeigt ein jüngerer Facebook-Eintrag der Gruppierung „Generation Islam“:

„Wenn wir die Talkshows, Zeitungen, Nachrichten und Aussagen von Politikern betrachten, sehen wir wie versucht wird, vehement die #Identität der Muslime zu zerstören; aus lauter Angst, dass die wahrhaftige und damit überlegene Lebensweise die degenerative #Lebensweise des Westens den Rang abläuft. […] „Er ist es, Der Seinen #Gesandten mit der Führung und der wahren Lebensordnung geschickt hat, auf daß Er sie über alle Lebensordnungen siegen lasse, auch wenn die #Götzendiener es verwünschen.“ (#Quran 61:9)“

 

Wer so vorgeprägt in die Schule kommt, wird nichts mehr annehmen von „Ungläubigen“. Diese Jugendlichen werden sich (nicht nur jüdischen) Lehrern gegenüber wie Herrenmenschen aufführen. Sie werden sich ähnlich verhalten, wie sich Hitlerjungen gegenüber jüdischen Lehrern vor 80 Jahren verhielten. Partiell ungehemmter, denn vor 80 Jahren waren Lehrer an sich noch Autoritätspersonen, partiell gehemmter, weil bei allem Opferdiskurs doch der Rechtsstaat hinter den Lehrern steht. Diese Hemmschwelle ist niedriger, weil diese autoritär strukturierten Jugendlichen auf mehrheitlich nicht mehr autoritär, sondern freundschaftlich auftretende Lehrer treffen. Sie werden als unterlegen betrachtet, weil autoritär strukturierte Personen fast nur auf ostentative Stärkedemonstration reagieren, nicht mehr auf ein Argument. Sie treffen auf Lehrer, die auch oft mit dem Thema überfordert sind, weil gleichzeitig die Opferkarte gespielt wird. Einen Jung-Fascho kann man so kaum einen Jung-Fascho nennen, auch wenn es von der Zuordnung her stimmig ist. Das eine oder andere Mal wird da sicher vermieden werden, kritische Themen überhaupt anzuschneiden, weil dies zu Unruhe führen könnte. Es ist wünschenswert, dass die Lehrer es dennoch versuchen. Sie haben die Deutungshoheit in der Schule und müssen diese auch evtl. ähnlich strukturierten Eltern gegenüber durchsetzen. Das wird kein leichter Weg und er wird aktuell mit jedem Tag schwerer.

Dem „Führer“ ein Kind schenken…

Moment mal, der Ausspruch kommt doch bekannt vor…

Dem_Fuehrer_die_Jugend 150812

Ja, das gab es mal. Eine politische Ideologie, die auch Mutterkult war. Der Mann als Krieger und Erzeuger, die Frau als Gehilfin und Mutter. Die Männer, die Söhne sollten „hart wie Kruppstahl“ sein, todesmutig, erbarmungslos im Kampf. Schlau oder gar gebildet mussten sie nicht sein. Die Frauen sollten unterstützen, vor allem aber auch Heim und Herd erhalten, und selber dabei rein und so wenig „sündig“ sein wie möglich („eine deutsche Frau schminkt sich nicht“). Lustfeindlich, leibfeindlich, wissenschaftsfeindlich, menschenfeindlich.

Unter dem Hitler-Regime gab es nicht nur den Muttertag. Es gab auch das Mutterkreuz und den Lebensborn. Frauen machten da mehrheitlich nicht gezwungen mit. Die Freiwilligen waren durchdrungen von einer Blut und Boden-Ideologie, die sie selbst überhöhte bis ins Unermessliche. Frauen, die von einem Endkampf, einer mythischen Zeit fantasierten, in denen ihre Kinder eine menschliche Elite bilden würden. Ja, es gab später auch verschleppte und gezwungene Frauen. Und es gab auch Frauen, bei denen ein starker Trieb und schwache Bildung oder die Abhängigkeit vom Ehemann eine klein geplante Familie nicht möglich machte. Es gab schließlich keine wirklich verläßlichen Verhütungsmittel. Da kam dann schon mal trotz heftigsten „Aufpassens“ der kleine 7. „Unfall“ zur Welt. Auch dafür gab es das Mutterkreuz.

Man verstellt sich aber selber den Blick, wenn man meint, Frauen seien seinerzeit nur Opfer der Umstände gewesen. Nein, es gab sie zuhauf (man schaue nur Wochenschauen), die bis an die Haarspitzen fanatisierten Frauen, die begierig waren auf das Mutterkreuz, begierig waren auf die scheinbare Anerkennung ihrer Leistung als Mutter, die doch nur den Wert hatte einer Medaille für besonders eifrige Lieferanten von Schachfiguren, Kanonenfutter.

Das war nach den als dekadent verschrieenen 20 er Jahren auch eine echte Rückbewegung. Auch damals wurde das von manchen als besondere Form von Gleichziehen mit den Männern erachtet, als Aufwertung. Statt dem zarten und hohlwangigen Vamp die stramme und tüchtige Bauersfrau als Ideal.

Auf ihre spezielle Weise hätten sich wohl diejenigen, die das Bild oben schufen, mit jenen, die das Bild unten machten, prächtig verstanden. Kinder sind für sie nicht pure Lebensfreude und Spiegelbild einer persönlichen Verbundenheit eines Mannes mit einer Frau, gehören nicht sich selbst oder vielleicht noch den Eltern, sondern einer Idee und deren Verkünder. Geboren als Ding, als Nutzobjekt, als Waffe. Stärker kann man menschliches Leben nicht entwerten, perverser kann man Kinder nicht instrumentalisieren.

 

 

Der eigene Vater, die eigene Mutter als Widersacher, während diese Kinder in dem festen Glauben aufgezogen werden, der böse Feind sei da draußen. Schlimmer kann jedoch der schlimmste Feind nicht sein. Der Feind ist die eigene Familie.

Wenn ein Mensch, ein Kind keine Zuflucht hat bei anderen Menschen, nicht mal den normalerweise Naheststehenden, dann ist er verloren. Er ist seinem internalisierten, gelernten Regelwerk unterworfen, zwischen ihm und den anderen Menschen steht dann immer eine andere Instanz. Kinder, die als Nutzobjekte geboren werden, da mangelt es schon an einer reifen Liebesfähigkeit und Empathie, an Verhaftung im Diesseits. Genauso wie damals „der Führer“ (oder auch Mao, Stalin…) mehr geliebt wurde als das Kind, so wird jetzt der Kalif, Allah mehr geliebt als das Kind. Genauso wie damals ist das eine schreckliche Vereinzelung und Vereinsamung: Es entwertet die zwischenmenschliche Beziehung, es verunmöglicht sie nahezu, denn die Liebe steht immer unter Vorbehalt, dass diese Zuneigung konform ist mit dem imaginierten Willen eines Dritten. Diese Zurückgeworfenheit auf die prinzipielle menschliche Einsamkeit macht auch roh. Wenn die eigene Liebe weniger wert ist als die Idee, dann ist auch das Geliebtwerden von anderen Menschen unwichtig(er) geworden: Die Zufriedenheit des „Führers“ oder Gottes reicht aus, man braucht die anderen Menschen gar nicht mehr, sie werden seltsam unwirklich*. Die objektive Nebenrealität der Betroffenen wird für sie selber so Hauptrealität. Das Diesseits ist im Grunde Nebenrealität geworden, die Phantasie Hauptrealität. Die Hauptrealität ist eine Blut- und Glauben**-Ideologie.

Kinder sind die Zukunft.
Gegen den IS waren die Nazis aber direkt noch eine lebensfrohe Ideologie, zumindest für sich selbst: Das Tausendjährige Reich war ein diesseitiges. Das Reich des IS ist im Grunde ein jenseitiges. Wer seine Kinder an einen „Führer“ verschenkt, der ein solches Reich aufbauen will, ist manchmal noch zu aufzuhalten, wenn das erkenntlich nicht funktioniert. Es ist ein Rest von Empathie und Diesseitigkeit da, der wenigstens vor den eigenen Kindern, wenn sie sinnlos geopfert werden, Halt macht. Eine Person, die die eigenen Kinder jedoch an einen Todeskult verschenkt, ist – bei festem Glauben – nicht aufzuhalten bis in den eigenen Tod hinein und den der Kinder. Denn der im Diesseits sinnlose Tod hat einen jenseitigen Sinn: Er sichert das Paradies. Es ist eine zutiefst psychotische Sicht, die eigentlich auch Wissen, Schulen etc. überflüssig macht. Es steht alles schon geschrieben, man muss das Wort nur lernen und sich ihm unterwerfen. Diesseitiges Wissen hat im Grunde keinen Wert und keinen Sinn, weil es den Zugang zum „echten Leben“ nicht reguliert. Das Fatale an dieser psychotischen Sicht ist, dass diese Eltern subjektiv ihre Kinder sogar mögen. Sie wünschen ihnen die höchste Stufe im Paradies und das furchtbare Märchen erzählt genau diese Geschichte: Das geopferte Kind ist das gerettete Kind (eigentlich müssten die Männer, die ihre Söhne so widmen, diese nach Binnenlogik auch nicht mehr beschneiden: Sie werden Gottes Willen geopfert.).

Das passt alles nahtlos zu manchem arabischen Kinderprogramm, in denen Kinder singen, wie schön und erstrebenswert es sei, als Märtyrer zu sterben.

Solchen Kindern werden auch wir uns in den nächsten Jahren gegenüber sehen, denn auch hier leben Menschen, die fanatisch genug sind, ihre Kinder so zu sehen und so zu dressieren. Nicht jedes dieser Kinder werden wir durch die Schulpflicht erreichen, denn das Ersatzschulwesen erlaubt Auswege. Es ist auch fraglich, inwiefern Sechsjährige, deren erste Steine des Sozialverhaltens gelegt wurden, durch Lehrerinnen zu beeinflussen sind, wenn ihnen eingeschärft wurde, dass Frauen minderwertig sind. Mir begegnen immer wieder auch Kinder, die – nach eigenem Bekunden! – mich gerne töten würden und nur durch die aktuelle Unmöglichkeit (z.B. durch Polizeipräsenz) sich darin gehindert sehen. Das sind Kinder, die hier zur Schule gehen wie viele andere auch, die jetzt in Syrien kämpfen.

Wir als Gesellschaft müssen da intensiv gegenwirken und es ist mehr als fraglich, ob wir das selbst bei intensivster Betreuung können. Wir müssen jetzt nicht nur gegen eine politisch fragwürdige und demokratiefeindliche Haltung angehen, sondern es geht um tief empfundene und verankerte Sichten, die die Kinder intensiv in ein Kollektiv einbinden, die Denkstrukturen anders prägen.

Jedes „verschenkte“ Kind ist ein für die Demokratie und unsere Gesellschaft erst einmal verlorenes Kind, auch wenn es zunächst in dieser Gesellschaft funktionieren kann. Es wird auf den Kontext ankommen, was da zum Vorschein kommt. Kinder von fanatischen Eltern haben schlechte Chancen. Nicht unbedingt auf gute Schulnoten, die religiös-politische Indoktrinierung ist ja bei völlig erhaltener Intelligenz möglich. Jedoch wird sich im Sozial- und Gruppenverhalten zeigen, wie die Kinder erzogen wurden. Das wird nicht einfach.

Wir werden trotzdem um jedes einzelne kämpfen müssen.

 

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* Das Ehepaar Goebbels hat übrigens 1945 nicht nur sich selbst, sondern damals auch seine 6 Kinder getötet.
** Mit Blut ist hier jedoch nicht die Abstammung gemeint; tatsächlich finden sich im IS mittlerweile bei Übergewichtungen doch viele Ethnien. Nein, hier ist die Obsession an spritzendem Blut gemeint, mit dem in den Propagandavideos des IS nicht gespart wird.

Mordlust ist gut

Menschen sind soziale Wesen und meist nicht gerne alleine. Gruppenbildung und Zugehörigkeit zu einer Gruppe sind uns wesenseigen. Gruppen haben Normen, anhand derer die Zugehörigkeit mehr oder weniger genau bestimmt wird. Weichen Menschen von einer Gruppennorm in erheblichem Maße ab in einem für sie oder die Gruppe bedeutsamen Merkmal, suchen sie sich oft eine Gruppe, in der sie mit diesem Merkmal eher hineinpassen. Das gilt auch für Verhaltensnormen. Es gibt in verschiedenen Menschengruppen einen Grundkodex, der von den meisten Gruppenmitgliedern verinnerlicht ist oder doch zumindest mitgetragen wird. Auch bei eher seltenen Merkmalen bietet sich heute über das Internet die Möglichkeit Menschen gleicher Ausrichtung oder Haltung aufzufinden. So findet der Orthorektiker oft die vegane Szene oder gar die Rohköstler nach Konz, der Verklemmte eine sexual-restriktive Religion oder Sekte und der Mordlustige findet derzeit die IS-Ideologie. Letztere wird auch von Personen mit bestimmten abweichenden Sexualvorstellungen präferiert.

 

'Changed man': James Holmes, pictured in a Colorado courtroom during his arraignment on March 12, has reportedly turned Muslim in a bid to justify his horrendous killing spree

Bild von AP über obigen link

 

Ein sehr lebendiges Beispiel für diese These ist die aktuelle Meldung, wonach der Kino-Attentäter von Colorado nunmehr Islamist sei:

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2296440/Dark-Knight-killer-James-Holmes-Muslim-prays-times-day.html

Bei stark abweichendem Verhalten von der Gruppennorm sind Menschen Einzelgänger, weil sie den anderen Menschen seltsam, verschroben und manchmal auch beängstigend vorkommen. Niemand, der z.B. extreme Aggressionen hat und diese auch artikuliert, findet in friedlichen Gesellschaften einen Rahmen, in dem diese Gefühle noch als sozial angemessen gelten. Das Ausagieren dieser Gefühle ist allenfalls im Leistungs- und Kampfsport möglich. In Kriegsszenarien hingegen können diese Aggressionen, die bis zur Mordlust gehen können, voll ausgelebt werden.

Dieses Detail der Meldung verwundert somit nicht:

‚He has brainwashed himself into believing he was on his own personal jihad and that his victims were infidels,‘ a prison source told the National Enquirer.

Er hat sich einen sozialen Rahmen gesucht, in dem seine Morde gerechtfertigt sind. Wenn er das SO, also als Tötung von Ungläubigen in der jihadistischen Community verbreitete, könnte er mit dem einen oder anderen Zuspruch rechnen. Auch der aktuelle Mord an 4 Marinesoldaten wird in der Szene heftig gefeiert. Der Kino-Attentäter hat für seine frei flottierende Mordlust somit einen sozialen Rahmen gefunden, in dem seine Taten für akzeptabel gelten. Er selbst ist sozusagen bei der Mordlust stehengeblieben, hat aber das Koordinatensystem geändert. Das alles, um nicht nur vor den neuen Gesinnungsgenossen, sondern vor allem auch vor sich selbst gut dazustehen: Schuld, Reue hieße Beschädigung des Ich bei einer solchen Tat. Er vermeidet diese Selbstbeschädigung durch die Umdeutung.

Der junge Mann in diesem aktuellen Beitrag von Panorama zeigt den oben erwähnten anderen Aspekt:

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2015/Ein-Sommer-im-Dschihad,dschihad178.html

Er wünscht sich vier Frauen* und hält dies für einen normalen und vor allem akzeptablen Wunsch für einen Mann (die ganzen anderen bizarren Luxuswünsche einmal beiseite gelassen). Der junge Mann kann nicht nur nicht rechnen, er könnte ja auch zu den drei Männern gehören, die in diesem Modell nie eine Frau auch nur von nahem sehen – oder halt sterben, sondern verkennt auch, dass man in diesem Modell für alle Frauen gleichermaßen sorgen muss. Das kann in einer bitterarmen Gesellschaft schon bei einer Frau eine Herausforderung sein (ein Grund, warum viele junge Ägypter nicht heiraten können). Das funktioniert nur, wenn man Männer von der Heirat und damit Fortpflanzung ausschließt. Sozial oder gegenseitig durch Kampf. Es sagt auch etwas über das Frauenbild dieses jungen Deutsch-Tunesiers aus, der immerhin in der SPD gewesen sein soll. Erstaunlich, wie wenig man mittlerweile zu den Werten der SPD stehen muss und trotzdem Mitglied sein kann.

Das Äußern dieses Wunsches, nämlich gleich vier Frauen haben zu wollen, ist in der mitteleuropäischen Gesellschaft eher selten. Männer, die so etwas offen und ernsthaft von sich geben, werden als Mitteleuropäer sozial geächtet. Sogar in der SPD, in der sehr viel Verständnis für nicht nur politisch abweichende Normen mittlerweile vorliegt, wäre er wahrscheinlich mit einem solchen Wunsch geteert und gefedert worden verbal. Zumindest als SPD-Mitglied. Käme das von einer außenstehenden Person aus außereuropäischen Kulturkreisen wäre man auch da noch tolerant. Der junge Mann zog also aus, um „sein Glück“ zu machen. Dafür, für vier Frauen und Autos, nahm er in Kauf zu töten oder getötet zu werden. Der eine Wunsch ist hier inadäquat, der andere nur mit Glück oder Leistung zu erzielen. Er hat sich für seine Wünsche demnach die passende Gruppe gesucht. Sozialer Rahmen gefunden: Passt.

Menschen wie diese beiden gibt es nicht wenige. Nicht immer führt die Mordlust zu Mord und nicht immer führt der Wunsch nach vier Frauen und sogar dessen Erfüllung zu Glück.
Aber mit der realen Welt haben die Propagandavideos des IS nur das grausame Ergebnis gemein. Alles andere ist Spiel mit Phantasien und Wünschen. Wünsche und Phantasien haben Menschen immer und insbesondere sexuell dauerfrustrierte männliche Jugendliche sind durch den Jungfrauen-Bonus anzuregen. Wie das wirken kann, zeigt das Panorama-Video eindrucksvoll.

Das ist auch etwas, was wir als Gesellschaft tun können: Die Superaggressiven frühzeitiger erkennen und bei bestimmten Bevölkerungsgruppen dabei mithelfen, dass eine Lockerung der religiösen Vorgaben zu Sexualität eintreten. Das könnte dafür sorgen, dass mehr Jugendliche in diesem unserem gemeinsamen Rahmen bleiben. Damit wäre allen gedient.

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* Der junge Mann ist im Übrigen schlecht informiert: Er kann auch noch Sklavinnen halten und Kriegsbeute machen. In Frankfurt auf der Zeil ist man da besser informiert, wie ich einmalbei einem zufällig gehörten Gespräch zweier 15 jähriger mitbekam. Man unterhielt sich sehr angeregt über die zu erwartende Kriegsbeute…

Make war not love

Für einen freien Menschen kann Sex etwas Wunderbares sein: Nicht nur die reine und temporäre Triebbefriedigung, sondern im besten Falle mit dem Wunschpartner mehr noch, Erfüllung und vielleicht auch die Erzeugung von Nachwuchs. Sexualität ist einer der stärksten Antriebe und so kann genau dieser Antrieb auch zu großem Leid führen, wenn man dem nicht nachgehen kann. Wir wären als Art nicht existent, wäre dieser Antrieb nicht stark vorhanden. Wenn Unerreichbarkeit zwischen Trieb und Trieberfüllung tritt, entsteht Unbehagen. Das kann diffus (kein Partner ist erreichbar) oder konkret (ein bestimmter Partner ist nicht erreichbar) sein. Es gibt verschiedene äußere Umstände, die alle im Grunde nicht recht natürlich sind, die Sexualität regeln. Soziale Gepflogenheiten, Gesetze und – Religion.

 

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Bild: BBC

Das ist im Grunde banal. Es tritt jedoch aus dieser Trivialität heraus, wenn Sexualität stark überhöht und von einer Religion zentriert wird. Wenn sie gefeiert oder verteufelt wird. In frühen Kulturen gab es häufig Fruchtbarkeitsrituale, in manchen heute noch, so z.B. im Shintoismus. In den abrahamitischen Religionen ist der Ansatz jedoch ein anderer: Sexualität wird unterworfen, wird kontrolliert, v.a. die weibliche, aber auch mit ihr, nachfolgend, die männliche.

In der hiesigen heutigen Gesellschaft haben v.a. muslimische (und auch einige andere aus religiösen Familien) Jugendliche das Problem, dass sie sozusagen von einem Meer der suggerierten sexuellen Verfügbarkeit umgeben sind, dem aber nicht nachgeben dürfen, weil ihre Sexualität an ihren Glauben geknüpft ist. Es gibt Vorstellungen von Reinheit, die nicht biologisch herleitbar sind, sondern rein ideologisch und traditionell bedingt. Die weibliche Unberührtheit und Treue wird mystisch überhöht oder gar als Kernpunkt einer archaisch-patriarchalen „Familienehre“ betrachtet, die von den Mitgliedern des Clans oftmals als verteidigungsfähig betrachtet wird. Sexualität ist keine Privat-, sondern Familiensache.

In vielen muslimischen Familien haben die Jugendlichen überdies keinen eigenen Raum für den Rückzug. Das mag auch schichtbedingt sein, man sitzt jedoch häufig auf engem Raum zusammen. Oftmals haben die Kinder nicht mal einen eigenen Platz, an dem sie ungestört lernen könnten. Hausaufgaben am Küchentisch sind da noch verbreitet. Privatsphäre Fehlanzeige.

Bei vielen männlichen muslimischen Jugendlichen führt das dazu, dass sie sich in Jungengruppen draußen treffen. Man trifft sich mit Kumpels, obwohl der Trieb eigentlich die Beschäftigung mit dem weiblichen Geschlecht vorgibt bzw. eigentlich eine Freundin gewünscht wird. Religiösere Jugendliche deuten das als Zeit der Versuchung um. Die Vorstellung, an gleich 72 junge Frauen heranzukommen, kann bei heftigem Triebstau schon mal gesondert kirre machen. Das wusste schon der Religionsgründer und er hielt deshalb seinen jungen Kämpfern diese Wunscherfüllung vor die Nase: Kämpfe und erhalte Frauen als Beute oder stirbt und erhalte auch Frauen. Sex sells.

 

Frauen in Ketten IS 150619

Quelle: The Liberal

Das hat sich nicht wesentlich geändert, der Antrieb ist der gleiche, weil der Mensch der gleiche ist. Auf der Zeil hörte ich schon einmal, wie sich zwei 15 jährige angeregt über „Kriegsbeute“ unterhielten. Es ging nicht um das neueste Computerspiel.

Diesen Aspekt hat man im folgenden britischen Bericht aufgegriffen:

Alyas Karmani said teenagers are at risk of being radicalised by terrorist groups because they feel isolated in ’sexualised‘ British society, and resent not having the same freedoms of Western youths to have girlfriends and intimate relationships.

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3126987/Huge-numbers-Muslims-turning-ISIS-want-SEX-reveals-former-Islamist-says-resent-freedoms-Western-youths-have.html

Das ist bei deutschen Jugendlichen nicht anders. Junge Salafisten loben sich gegenseitig für enthaltsames Verhalten und „Meiden der Versuchung“, man geht Mädchen aus dem Weg. Man ist dafür im Jungmännerbund: Für das Heiraten, die einzig statthafte Art der Triebabfuhr, ist man sozial noch zu jung. Der Trieb ist aber da. So lenkt man sich ab, ohne sich da jedoch, es handelt sich um einen starken Trieb, völlig ablenken zu können. Manchesmal schägt das in erhöhte Aggressivität um. Nicht nur von den Bonobos wissen wir: Sex entspannt auch und macht sozial verträglicher.

Bei Mädchen ist das der Ansatz, ihre Sexualität als „Heldengattin“ auszuleben, als Mutter von „Heldensöhnen“. Bizarr-romantisch. Das ist was für das völlig verwirrte weibliche junge Wesen, das natürlich *auch* durch Sexualität getrieben wird. Vielleicht nicht ganz so stark wie die jungen Männer, aber nicht zu vernachlässigen.

Ein Teil-Rezept sollte daher auch sein, dass in vielen religiösen Familien die Sexualität endlich als Privatsache betrachtet werden muss. Dass Jugendliche einen Rückzugsraum haben, in dem sie sich ungestört auch mal ihrem Körper und seinen natürlichen Bedürfnissen widmen können. Sex muss entabuisiert werden und vor allem müssen Mädchen aus der Falle der Familienehre entlassen werden. Ihr Körper – ihr Recht. Niemandes sonst.

Dann wäre man wieder ein Stück voran.
Make love, not war.

 

Bilder:

http://www.bbc.co.uk/nature/life/Deer

http://theliberal.ie/isis-the-twisted-terrorist-group-are-using-women-for-slavery/

Babelwolf

Islamistische Verwirrung und babylonisch Verirrte

So manchem politisch Tätigen schwirrt der Kopf: Es gibt sehr viele islamistische Gruppierungen. Aus verschiedenen Herkünften, in verschiedenen Sprachen. Nicht mal die zu ihren Hochzeiten arg zersplitterte Linke brachte es auf eine vergleichbare Anzahl unterschiedlicher Richtungen, Gruppen und Grüppchen. Und dann noch die Hinterhöfe, Prediger und ihre jeweilige Anhängerschar. Um da den Überblick zu behalten, braucht es neben den Verfassungsschutzberichten, Literatur, Vernetzung und Presseberichten vor allem – Zeit. Zeit und den politischen Willen, bei genügend Fakten dann auch Konsequenzen folgen zu lassen.

Diese Zeit nimmt sich der nette Politiker von nebenan meist nicht und so geht es oft nach dem einfachen Schema: Was noch nicht verboten ist, ist pauschal irgendwie okay. Bei Nachfrage tönen dann verwaltungsrechtlich anmutende politische Ausweichformeln: „Es steht dem nichts entgegen.“ oder „Es fehlt für ein Ausschlagen der Einladung die Grundlage.“ oder „Der Verfassungsschutz hat (noch) nichts zu diesem Verein konkret gesagt.“. Anscheinend genügt ein einfacher politischer Wille nicht mehr. Wäre ja zu banal, den Muslimbruder als einen Muslimbruder zu sehen. Fürchtet man, die Muslimbrüder klagten das Schnittchenessen ein? Wie das? Oder seien beleidigt? Ja nu.

„Irgendwie okay“ sind also Gülen-Bewegung, Milli Görus, Muslimbrüder usw. Und die Grauen Wölfe – nun ja, wenn derjenige nicht heult bei Vollmond und nicht so ganz offen zugibt, wo er hingehört? Das steht auch meistens nicht über dem Torbogen, sondern Islamischer Kulturverein der 23.678. oder Dialogforum oder „World Media Akademie“ etc. Oder gar Islamische Serviceleistungen. Alles unverfängliche Namen, deren Zuordnung und Hintergrund sich oftmals erst nach einiger Zeit auftut. Direkt gretchenfragen mag der eine oder andere politisch Tätige dann immer noch nicht. Ist nicht der eine potentielle Wähler so gut wie ein anderer? Eine Einladung etwas, was man, v.a. im Wahlkampf, gerne annimmt? Wenn man nicht genau fragt, einfach hingeht, nichts sagt und einfach zuhört, dann kann mancher politisch Aktive da durchaus über die Runden kommen. Wenn er akzeptiert, dass ihm die Frauen die Hand nicht reichen oder gar hinter einem Vorhang ihre Fragen stellen müssen, weil man auch bei politischem Besuch doch die böse Sexualität parallel am Werkeln wähnt, wenn er überhaupt sich so verhält wie im Urlaub, dann geht das durch. Dann kann man mit Grauen Wölfen beim gemeinsamen Grillen stehen so lange der Vollmond nicht aufgeht. Beispiele lassen sich in hessischen Kommunen, aber auch überall im Land finden. Die Grauen Wölfe breiten sich aus im Land:

 

 

In Rüsselsheim, wo sich so einige Umtriebe islamistischer Gruppierungen belegen lassen, herrscht zum Beispiel aktuell Abgrenzungsphobie zu den Grauen Wölfen nach Beobachtung der Mainspitze:

http://www.main-spitze.de/lokales/ruesselsheim/antifa-ruesselsheim-deckt-auf-rechtsextreme-graue-woelfe-werben-an-kantschule_15510480.htm

Auch das ist kein singuläres Ereignis.

In Wiesbaden:

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/graue-woelfe-in-wiesbaden-im-dialog-sollen-die-tuerkischen-rechtsextremisten-ausgeleuchtet-werden_14842218.htm

Hier vor einiger Zeit schon in Wetzlar, politisch Aktive wollen gar nicht so genau wissen, wen sie vor sich haben oder helfen gar aktiv bei der Verdunkelung:

 

 

Hannelore Kraft, Tarek al Wazir und viele andere beehren die Gülen-Bewegung, nicht nur die hessischen MdL Corrado di Benedetto und Gerhard Merz gehen zu den Milli Görus, und der Hanauer OB Kaminski und viele andere, die nicht aufgeklärt wurden, essen gemeinsam mit den Muslimbrüdern belegte Brötchen bei Veranstaltungen. Geht da die Babel-Strategie auf?

Die Personen, Vereine und Organisationen sind also zunächst nicht klar zuzuordnen. Bei klarer Zuordnung wird dann wiederum nachgedacht, wie viel vom eigentlich fragwürdigen Gedankengut die Person teilen mag, beim Verein  in der Vereinsarbeit relevant sei oder die Organisation tatsächlich verknüpft sei. Ja, es ist kompliziert. Und nochmal ja, das soll es auch sein. Das hat durchaus System. Wer erst einmal bekannt ist, wird noch weniger kritisch nachfragen, noch weniger bereit sein, aus unguten Antworten Konsequenzen zu ziehen. Der Babelwolf geht also um, statt Ehrlichkeit hinsichtlich der politischen Heimat wird auf den netten persönlichen Kontakt gesetzt. Der Graue Wolf im Fell des Babelwolfes, Verwirrung überall, fast schon Haushund. Fast.

Das aber kann es nicht sein. Das Auflösen dieses babylonischen Gewirrs ist tatsächlich einmal alternativlos. Die Beschäftigung kann man dem politisch Aktiven nicht abnehmen, da muss er durch. Das steht im Kleingedruckten zum Mandat. Der Bürger erwartet zu Recht, dass ein Politiker weiß, was er tut und er nicht Teelichter anzünden geht gegen autochthone Faschos und mit anderen fröhlich Feste feiert, deren Ideologie kaum weniger menschenverachtend ist, manchesmal mehr. Menschenrechte gelten universell und genauso gleichermaßen muss man ihren Gegnern entgegentreten. Die Babel-Strategie mag aufhalten bei dieser Erkenntnis. Eine Entschuldigung ist sie nicht.