Die neue Erbsünde

Ein notwendiger Widerspruch

Nach den Ereignissen von Köln gibt es erbitterte Debatten darüber, wie diese einzuordnen sind. Das eine Extrem wird markiert durch die Pauschalisierung, dass alle Muslime, alle Flüchtlinge, am weitestgehenden alle Ausländer so ein Frauenbild hätten. Man muss kaum erwähnen, dass das Humbug ist. Eine grundsätzlich xenophobe, meist klar rassistische Haltung, da an (bis auf die Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft) Ethnien oder Nationalitäten festgemacht wird, die ein Mensch nicht frei wählen kann. Häufigkeiten von Frauenbildern wegen einer bestimmten zuzuordnenden Sozialisation gibt es trotzdem, das kann man anhand soziologischer Erkenntnisse aus verschiedenen patriarchalen Herkunftsländern festmachen. Die (vernünftige und sachliche) Mitte ist also, klar zu benennen, aber nicht zu pauschalisieren. Das andere Extrem stellt sich durch die Einordnungsversuche dar, dadurch, dass die Taten im Gender-Hintergrundrauschen verschwinden sollen. Das Verhalten der übergriffigen Gruppen wird als qualitativ nichts besonderes dargestellt, denn „deutsche Männer“, ja Männer allgemein seien halt so. Das gipfelt in der Selbstbezichtigung eines jungen Mannes von den Grünen, immerhin Vize in Hamburg, der meinte zur Debatte beitragen zu müssen, dass „alle Männer potenzielle Vergewaltiger“ seien, auch er:

http://www.abendblatt.de/hamburg/article206901503/Gruenen-Vize-Alle-Maenner-sind-potenzielle-Vergewaltiger.html

Das ist entweder banal oder bösartig. Banal, wenn es um die physische Umsetzbarkeit geht. Nur impotente Männer und kleine Jungen sind da außen vor. Ja, Männer sind i.d.R. stärker als Frauen und sie haben einen Penis. Willkommen in der Realität. Bösartig, wenn Gwosdz anderen Männern unterstellt, sie würden sich über die Wünsche von Frauen bei Gelegenheit hinwegsetzen und zwar entindividualisiert und sozialisationsunabhängig in gleicher Weise. Die „Realität“ von Gwosdz ist der Generalverdacht gegen Männer.

Der logische Fehler, dass bei der einen Gruppe Pauschalisierung ganz unzulässig sei, bei einer anderen, viel größeren Gruppe aber völlig akzeptabel, offenbart die intellektuelle Unredlichkeit nur teilweise. Die unredliche Haltung wird dadurch deutlich, dass man Menschen unterschiedlich gewichtet und ihnen im Grunde keine gleichen Rechte (mehr) zusteht unter der Vorspiegelung, genau das abzulehnen. Manche sind gleicher als andere..

Deutlich wird dies u.a. an dem Aufruf

http://ausnahmslos.org/

Für die Verfasserinnen sind nicht nur die Opfer von Köln Opfer, sondern es muss jetzt gleich um alles andere auch gehen – damit die Tätergruppe verschwimmt. Die Schlagrichtung wird noch deutlicher, wenn man weiß, dass die Frau, die die „Aufschrei“-Debatte lostrat, also die völlig belanglose und unwichtige Sache mit Rainer Brüderle in jener Hotelbar, auch hier den Anstoß gab.

 

Das Feindbild ist dort explizit der „weiße, heteronormative Mann“, dessen Neigungen und Taten nicht nur vergleichbar seien. Nein, man spricht ihm pauschal ab, sensibel zu sein. Insbesondere die Einlassungen zu den Medien im Aufruf zeigen auf, wo man hin will: Man will keinen objektiven Blick auf Geschehnisse, sondern den subjektiven Betroffenheitsblick. Medien sollen nicht mehr die Abwägung suchen, sondern sich gemein machen, sie sollen aus der Sicht des Betroffenen seine Sicht der Dinge darstellen. Bemühung um Objektivität war gestern.

Der Aufruf wird u.a. von der Bundesfamilienministerin Schwesig vertreten. Männer scheinen da irgendwie nicht dazuzugehören, zumindest nicht, wenn sie „heteronormativ“ sind. Der normale hiesige Mann ist also im Fokus alleine durch seine physischen Merkmale. Ist der Mann – an den biologischen Realitäten kommen auch Feministinnen nicht vorbei – wenigstens nicht „weiß“, sieht es schon besser aus. Man muss sich wirklich fragen was für eine grundsätzliche Ablehnung dahinter steht, um eine solche Abwertung psychisch kompatibel zu machen. Jeder Mann, der mit den Unterzeichnerinnen zu tun hat, sollte ihnen eigentlich unter die Nase reiben, was für ein unpassendes und fast schon faschistoides Bild sie da von Männern im Allgemeinen und somit auch von ihm haben. Der Mann an und für sich – zumindest, wenn er weiß und „heteronormativ“ ist – als so eine Art Untermensch, als triebgesteuertes Wesen. Männer dürften sich so etwas nicht gefallen lassen. Man hat auch deutlich den Eindruck, dass die Erstunterzeichnerinnen zwar heftig über Männer nachdenken und über sie reden, aber eher weniger mit ihnen. Diese ganzen „Einzelfälle“ an kultivierten, freundlichen und nicht übergriffigen Männern im Umfeld müssten doch eigentlich auffallen… Und erst der eigene: one in a billion… Tut es aber diesen „besseren Menschen“ anscheinend nicht. Petitesse am Rande ist, dass auch angemahnt wird, dass mediale „Berufswege vor allem Menschen mit formal hoher Bildung offen“ stehen. Bildung ist also nicht erforderlich für Medienarbeit. Die richtige Gesinnung reicht, wer muss da schon gebildet sein. Die eigene Betroffenheit reicht. Einordnen können für die Rezipienten fällt dann ohne Bildung, also erweiterten Horizont im besten Falle, auch weg. Da tritt dann neben die Männerverachtung auch die Bildungsverachtung. Alles unnötig, Ballst bei der Darstellung subjektiven Empfindens.

Zu besichtigen ist eine sexistische und rassistische Haltung auch hier:

Frauenfrieden jetzt!

In diesem Aufruf werden auch Pornographie und Prostitution gegeisselt. So sehr Zwangsprostitution zu bekämpfen ist, so sehr sollten die Aufrufenden einmal realisieren, dass die freiwillige Vereinbarung zwischen einer Frau und einem Mann sie wenig angeht. Man kann dafür eintreten, dass Prostituierte eine Krankenversicherung etc. haben. Aber das Gewerbe an sich ist frei. Das ist auch gesellschaftlich gut so. Den Damen scheint es nicht klar, dass es nicht wenige Männer gibt, die „in der freien Wildbahn“ real wenig Chancen haben, ihre Sexualität auszuleben, Behinderte z.B. Will man ihnen – Freiwilligkeit vorausgesetzt – dieses verbieten? Was ist mit Frauen, die Männer zeitweise buchen? Auch scheinen die Damen nicht zu wissen – das sieht man schon bei kurzer Recherche – dass sich nicht wenige Frauen sehr wohl völlig freiwillig, nicht an Geld interessiert und mit Spaß vor Männern ausziehen und noch ganz andere Sachen machen. Es gibt entsprechende Portale für Erwachsene. „Pornographie“ findet längst eher privat organisiert und im Internet statt. Das klassische Bild, dass die Damen im Kopf haben, ist schlicht von vorgestern. Auch das soll verboten werden? Menschen die Freude an ihren Körpern verbieten? Erwachsene in ihrem Privatbereich gängeln?

Manche Vokabel bleibt auch im Nebel der feministischen Gedanken halb stecken: Eine „überall sichtbare Entmenschlichung von Frauen“ bleibt diffus. Ist die Abbildung von Frauen schon „Entmenschlichung“? Werden auch Männer in der Rasierwasser-Werbung „entmenschlicht“? Fragen über Fragen. Das gipfelt in der Darstellung „Trotzdem sind ALLE Frauen in der einen oder anderen Form von Diskriminierung und Sexismus betroffen.“

Dem ist deutlich zu widersprechen. Frauen sind nicht das genuine Opfer. Nicht mehr in der Breite in *dieser* Gesellschaft. Das ist auch gut so, aber jetzt schiesst man über das Ziel, Gleichberechtigung etc. hinaus. Schon die Sprachregelungen und -kosmetiken sind völlig unnötige und dekadente Problembeschaffungsmaßnahmen. Diese Opferzuweisung nervt nicht nur, sie ist auch falsch. Dieser Aufruf macht klar, dass alle Männer Täter seien. Es ist eine bizarre Nischenmeinung, dass alle Frauen Opfer und alle Männer Täter seien. Auch Frauen sprechen und handeln übrigens sexistisch nach deren Definition. Die Verfasserinnen dieses Aufrufs sogar explizit. Der Umstand, dass wir biologisch in zwei Geschlechter fallen, kann die Verfasserinnen noch so sehr stören; ihre Sichten werden daran wenig ändern (das ist auch gut so). Es ist wenig zielführend, wenn sie auch allen anderen Menschen die Freude am jeweiligen Geschlecht vermiesen und diese Leibfeindlichkeit und Verbissenheit auch noch für Feminismus verkaufen. Nein: Feminismus will Gleichberechtigung. Nicht mehr, nicht weniger. Der Mann ist Partner, ein Kamerad, nicht Untertan und nicht Untermensch.

Das bislang charakterlich minderwertigste und unanständigste von Journalistinnenseite ist jedoch dieser Artikel im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-den-uebergriffen-in-koeln-warum-habt-ihr-keinen-respekt/12810330.html

Die beiden Autorinnen stellen zunächst scheinheilig darauf ab, es ginge niemandem um die Opfer. Nur um dann selbst eben diesen Opfern zu unterstellen:

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen.

Das ist der Geist, aus dem Rotherham gemacht ist.

Im Grunde zielt all das darauf ab, den Mann an und für sich unter dem Deckmantel eines überbordenden Feminismus abzuwerten. Es geht um Macht. Um die, zu definieren, für manche auch um politische Macht und um Fördergelder. Es geht darum, die Idee von der Erbsünde gesellschaftsfähig zu machen und zwar die des weißen heteronormativen Mannes. Frauen sind ohne Sünde, Personen, die eine andere sexuelle Orientierung haben, auch und erst recht alle, die „nicht weiß“ sind. Weil der „weiße, heteronormative Mann“ der Feind ist, da er an der (oder noch zu viel) Macht gewähnt wird, gibt es seltsame Allianzen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und so tun sich Feministinnen mit Gruppierungen zusammen, die ebenfalls als marginalisiert wahrgenommen werden.

Bei all dem Aktionismus fällt kaum auf, dass manches „Victim Blaming“, also die Zuordnung der Verantwortung für sexuelle Übergriffe beim Opfer fester Bestandteil der Ideologie von „Mitstreitern“ ist. Was dem christlichen Konservativen der Minirock ist, ist dem islamischen Konservativen das nicht getragene Kopftuch. Eine anständige Frau bedeckt sich. Alles andere ist irgendwie Schlampe und daher vielleicht nicht legitimes Opfer, aber doch möglicherweise irgendwie selbst schuld.

Über all diese Dinge denkt man jedoch nicht nach, weil es gegen den gemeinsamen Feind gemeinsam so bequem ist. Sexualfeindlichkeit wird als Anti-Sexismus umgedeutet. Rassistische Inhalte werden durch andere ersetzt, deren Inhalt nur deshalb nicht angemahnt wird, weil er gegen eine Mehrheit gerichtet ist. Läuft.

Das wird diesen „Super-Feministinnen“, den einzig echten wahren selbstempfundenen, noch, das ist absehbar, vor die Füsse fallen. Ein nicht sexistischer und nicht rassistischer Diskurs, eine Bewegung kann daher nur unter Einbindung der freundlichen, nicht sexistischen Männer gelingen. Ob sie weiß sind und mit wem sie ins Bett gehen, darf keine Rolle spielen. Die Haltung dieser Männer zählt, sonst nichts. Wie bei jeder Bewegung für Frauen jemals zuvor. Emanzipation kann nur gelingen MIT den Männern, nicht gegen sie. Die Linie ist zwischen den menschenfeindlichen, übergriffigen Männern und der Gesellschaft zu ziehen, nicht zwischen Männern und Frauen.

Opfer-Regeln für Köln

Die Stuttgarter, Hamburger und Kölner Vorgänge in der Silvesternacht, Raub und sexuelle Übergriffe in größeren Männergruppen, haben es denn doch breiter in die Medien und die internationale Presse geschafft. Sogar die New York Times berichtete nachfolgend. Die Politik greift es auch auf und spricht von ungeheuerlichen Vorfällen. Hinsichtlich der Einordnung ist man sich jedoch noch nicht so sicher. Was heißt das nun?

In Köln gab es heute eine „Krisensitzung“, in der Vorgänge und evtl. Versäumnisse beleuchtet werden sollten. Die Polizei hatte in ihrem Bericht von der Silvesternacht zwar von einer Gruppe von etwa 1000 Personen berichtet. Sexuelle Übergriffe kamen darin jedoch nicht vor. Heute wurde nun ergänzt, dass die Lageeinschätzung wohl falsch war:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/henriette-reker-sieht-keine-hinweise-auf-fluechtlinge-als-taeter-13998784.html

Man muss sich fragen, wenn die Lageeinschätzung so falsch war und es wohl zu etlichen Übergriffen kam, wie dann von einer ausreichenden Präsenz gesprochen werden kann. Wenn Übergriffe nicht einmal bemerkt wurden, ist „ausreichende Präsenz“ schon die nächste falsche Einschätzung. Polizisten werden nicht wie Tannenbäume nach Fläche berechnet, sondern ob die Aufgaben erfüllt werden konnten, was hier offenkundig nicht der Fall war. Man sollte aufhören, das zu beschönigen.

Sicher muss bei den nun vorliegenden 90 Strafanzeigen geschaut werden, was eine Relevanzschwelle überschreitet. Unter dem Aspekt, dass eine solche Strafanzeige von weiblichen Personen, die meist wissen, dass vor Gericht im Zweifelsfall penibel und peinlich nachgefragt wird, eher nicht erstattet wird bzw. große Hemmungen bestehen, kann man jedoch eine gewisse weitere Anzahl im Hintergrund vermuten. Solche Strafanzeigen werden, zumal sie nicht in einem Beziehungszusammenhang stehen, in dem Falschanzeigen schon mal vorkommen, meist nicht leichtfertig gestellt.

Es wird eine Aufarbeitung geben, die sicher einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Da mit dem Kölner Karneval bereits das nächste Großereignis absehbar ist, haben die Kölner Verantwortlichen auch bereits dieses in ihre Überlegungen einbezogen. Ab diesem Punkt wird es jedoch ebenso weltfremd wie bizarr..

So soll es etwa „Verhaltensregeln“ für junge Frauen und Mädchen geben, „damit ihnen solche Dinge nicht widerfahren“, sagt Reker mit Bezug auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht. Es gebe bereits einen Verhaltenskatalog, der nun aktualisiert würde und bald online abrufbar sein wird.

Einen ersten Vorgeschmack gibt es bereits:

Frauen sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Distanz halten

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/koeln-krisenstab-will-verhaltensregeln-fuer-karneval-aufstellen-aid-1.5669639

http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Verhalten-der-Taeter-war-absolut-intolerabel-article16695326.html

 

atoms

Kölner Modell gegen Vergewaltigung im Bild rechts Bild: http://www.chemguide.co.uk/atoms/properties/atradius.html

 

Das wird sicher ein Exportschlager.

Reker und der Kölner Polizeipräsident scheinen die eigenen Berichte nicht gelesen zu haben und auch nicht die aus Hamburg. Da war von Jagden auf Frauen die Rede und Umzingelungen. Reker und Albers scheinen sich so etwas gar nicht vorstellen zu können: Personen, die einen feuchten Kehrricht auf die eigenen Distanzbemühungen geben, sondern trotz Aufforderung und eigenem Abrücken so nah kommen, dass man ihren Atem im Nacken spürt. Eine Armlänge Distanz ist irrelevant, wenn man gejagt wird. Ist man umzingelt auch. Rekers und Albers Tipps hätten – eingehalten – den Opfern ungefähr so geholfen wie der Knoblauch auf der Fensterbank.

Es ist aber mehr als Hilflosigkeit, wenn solche Statements erfolgen: Es ist der alte Minirock im neuen Schnitt: Mädchen, passe dein Verhalten an, dann passiert weniger. Regeln für die Frauen zu machen, heißt Regeln für die Opfer zu machen, weil man die Regeln bei potentiellen Tätern nicht durchsetzen kann. Man macht weitere Regeln für diejenigen, die Regeln einhalten, weil man bei denen, die Regeln nicht einhalten, nicht oder nicht spürbar genug durchgreifen kann. Und natürlich ist das im Vorfeld schwierig. Diese Bankrotterklärung nebst mehr Regeln für die Regelgetreuen hätte man sich aber sparen sollen. Dann lieber ehrlich gesagt: Wir denken noch mal in Ruhe drüber nach, was man zweckmäßig machen kann.

Ich gebe zu, dass das Sicherheitskonzept für den Karneval herausfordernd ist. Was aber Reker und auch Albers dringend begreifen müssen, ist, dass Regeln für den sind, der sie bricht. Bei den Männern, nicht bei den Frauen.

Sonst ist das erste wirklich abschließend Geschaffte der Kölner Karneval.

It´s a man´s Kölle

Über die „Maskulinisierung des öffentlichen Raumes“, zur Einordnung der Vorfälle in mehreren Städten in der Silvesternacht, bei denen es zu erheblichen sexuellen Belästigungen von Frauen kam

Mancher wird sich noch an die Minirock-Debatten der 70er erinnern oder hat über sie gelesen: Sind Frauen selbst daran schuld, wenn sich Männer nicht mehr beherrschen können? Kann die „Provokation“ den Übergriff erklären, kann sie Grund für Strafmilderung sein?

Die Gesellschaft hierzulande hat sich nach erbitterten Debatten und manchem Rückschlag zur Zeit so entschieden, dass Männer sich im Griff haben müssen. Sie müssen ein Nein akzeptieren und da gibt es auch keine Debatten mehr. Schon das zu intensive Schauen, das Gaffen, wird gesellschaftlich abgelehnt, da hat Mann noch gar nichts gesagt, geschweige denn getan. Das gilt für Frauen in jedwedem Bekleidungszustand, Nicht wenige europäisch sozialisierte Männer, vor allem der akademischen Schicht, sind mittlerweile so konditioniert, dass sie sich kaum noch trauen, Frauen überhaupt zu fragen, ob denn vielleicht was möglich wäre, es sei denn, sie bekommen von der Frau klare Signale, dass eine Anfrage nicht nur in Ordnung ist, sondern vielleicht auch erfolgversprechend sein könnte. Ausnahmen gibt es immer.

Frauen haben sich also daran gewöhnt, dass sie im öffentlichen Raum meist unbelästigt bleiben können, egal was sie tragen. Leider gibt es Kulturkreise, in denen das noch sehr, sehr anders ist. Vor drei Jahren ging der Fall einer indischen Studentin um die Welt, die von 6 Männern brutal vergewaltigt wurde. Man benutzte sie wie ein Stück Vieh und warf sie zum Sterben auf die Strasse. Schon aus dem relativ nüchternen Wikipedia-Beitrag erkennt man die völlige Empathie-Losigkeit der Täter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenvergewaltigung_in_Delhi_2012

 

Solche Taten sind nicht so selten in Indien, wenn auch dieser Fall durch besondere Grausamkeit imponiert. Oft werden die Frauen, auch Kinder oder halbe Kinder, „nur“ vergewaltigt und danach getötet oder sie werden von den Verwandten als Exemplar nun ohne Wert umgebracht. Opfer erzählen oftmals also besser nicht von der Tat; sie werden dadurch ein weiteres Mal Opfer. Sie leben fortan in Angst, denn der Vergewaltiger könnte von der Vergewaltigung erzählen, sie könnten gezwungen werden, ihn zu heiraten. Frauenverachtung ist dort gesellschaftlich akzeptierte Haltung, Frauen gelten als minderwertig. Verbreitet werden weibliche Föten abgetrieben, was den Frauenmangel zusätzlich zuspitzt. So eine Haltung gibt es durchaus verbreitet in Afrika, Indien, Pakistan, Bangladesh, im nahen und mittleren Osten. Beispielhaft:

http://www.smithsonianmag.com/smart-news/egypt-99-women-have-been-sexually-harassed-180951726/?no-ist

Gesellschaften, die immer noch Clanstrukturen aufweisen, auf die modernere Gesellschaftsstrukturen gleichsam draufgepfropft wurden. haben eine besondere Beharrungstendenz in diesen archaischen Mustern. Es sind Männergesellschaften, in denen die Frauen im öffentlichen Raum nicht oder kaum vorkommen. Sind sie das doch, dann nehmen sich Männer häufiger das, was sie dann als herrenloses Gut meinen klassifiziert zu haben. Es gibt ekelhafte Sprichwörter, die sich darum drehen, dass Männer wie Hunde wären und Frauen wie Fleisch. Das Menschenbild ist für beide Geschlechter gleichermaßen widerwärtig. Personen aus einfacheren Schichten werden oftmals so erzogen, dass das die Normalität in den Köpfen ist. Auch die akademische Schicht ist davon manchmal noch nicht frei (es wäre wichtig, dass die freiheitlich Denkenden hier lebenden darunter sich jetzt engagieren und aufklären!). In der Gruppe auf der Strasse können Männer relativ sicher sein, dass ihre Tat schlimmstenfalls halbherzig verfolgt und bestraft wird. Sind sie daher in der Gruppe auf der Strasse, agieren sie oftmals als Gruppe. Berichte von Frauen aus den genannten Ländern über das tägliche Spießrutenlaufen finden sich in großer Zahl im Internet inkl. widerwärtigster Videos, die manchmal von den Tätern selber veröffentlicht wurden.

Kindermund:

In völlig islamistischen Ländern wie Saudi-Arabien oder dem Iran kommt es durch die verbreitete Geschlechtertrennung kaum noch zu solchen Strassenszenen. Vielfach wird die Frau jedoch der Unzucht angeklagt und oft auch von Staats wegen getötet, sollte sie eine Vergewaltigung anzeigen oder dies öffentlich werden.

Diese Haltung wirft auch noch einmal ein Licht auf die Entsendung von mehrheitlich jungen Männern in der aktuellen Lage: Misstrauen in die Disziplin schon der mitreisenden Männer ist wohl Teil des Kalküls.Vergewaltigungen auf der Flucht sind nicht unüblich und werden häufig berichtet.

Derlei Dinge sind bei uns ganz unverstellbar. Die brutale Frauenverachtung ist fremd und die Gruppenaktionen sind noch befremdlicher. Zum Vergleich die vielen Gelegenheiten von public viewing die letzten Jahre: Auch da ein Männerüberhang, darunter auch viele alkoholisierte Männer, aber dass sich ganze Gruppen zusammentaten, um über Frauen herzufallen, ist ein untypisches Verhalten.

Ihn Köln brach sich jedoch genau ein solches Verhalten, wie man es z.B. in den Strassen von Kairo nicht so selten beobachten kann,  in der Silvesternacht Bahn. Eine große Anzahl von Männern, jeweils in Gruppen, belästigte Frauen und raubte sie bei Möglichkeit gleich noch aus. Polizei, Polizeigewerkschaft und Stadt sind sich einig, dass so etwas noch nie da war und dies eine völlig neue Qualität sei:

http://www1.wdr.de/themen/aktuell/koeln-uebergriffe-silvester-hauptbahnhof-100.html

Die Berichterstattung über dieses Phänomen läuft erst mühsam an. Vielleicht weiß man in den Redaktionsstuben nur nicht, dass es das Phänomen auch andernorts gibt und setzt daher nicht in Zusammenhang. Es ist redlich und richtig, dass man versucht einer evtl. möglichen Pauschalisierung entgegenzuwirken und das ist auch etwas, was nicht sein darf. Trotzdem sollte und muss man die Struktur dieses Verhaltens erkennen. Das gab es nämlich auch noch in anderen Städten:

Zum Beispiel in Stuttgart, dort ein Vorfall mit ähnlicher Masche, auch aus der Gruppe heraus:

http://www.focus.de/regional/stuttgart/vorfall-in-stuttgart-junge-maedchen-sexuell-belaestigt-und-ausgeraubt_id_5188052.html

Ähnliche Vorgänge gab es wohl auch in Hamburg in der gleichen Nacht. Ein Augenzeuge berichtet:

[…]

„Danke! Da gab es kein „Entgegenstellen“. Da waren hunderte, die nur aufeinander zugerannt sind und allen Frauen zwischen die Beine gegriffen haben!
Es war eine halbe Massenvergewaltigung/-Nötigung.
Unfassbar!!!
Die Polizei hat den ganzen Abschnitt gesperrt!“ […]

„Hätten uns hunderte Deutsche Skinheads eingekreist, hätte ich etwas über das Nazi-Pack gepostet.
Hand drauf.
Das ist KEINE Propaganda.
Das ist Realität!
Ich wünsche dir und deinen Lieben, dass du NIEMALS so etwas erleben musst. Wenn doch: Dann bin ich auf deine „Propaganda“ gespannt.
Wenn du ggf. zur gleichen ethnischen Gruppe gehören solltest: Du hast mein Mitgefühl, dass du indirekt unter den Taten dieser widerlichen Wichser leiden musst.“

Die Bild hat es gerade eben aufgegriffen:

„Einige Mädchen wurden wie Vieh gejagt. Das so etwas in Hamburg möglich ist, macht mich fassungslos. Da bekommt man Angst, auf dem Kiez zu feiern.“
Andere Frauen schilderten in sozialen Netzwerken, dass ihnen unter den Rock gegriffen wurde. Wenn sie sich wehrten, wurden ihnen die Hände festgehalten.“

http://www.bild.de/regional/hamburg/sexuelle-belaestigung/auf-der-reeperbahn-44017940.bild.html

Im StGB ist im § 177 die sexuelle Nötigung qualifiziert u.a. durch:

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn

1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder
2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

Das kann, muss aber nicht Haft bedeuten (genau 2 Jahre können noch zur Bewährung ausgesetzt werden). Kommt da noch etwas hinzu, ist es sicher Haft. Eine Ausweisung ist bislang ab 3 Jahren Haft möglich. Meiner Ansicht nach sollte das auf ein Jahr abgesenkt werden.

Es wird jetzt wichtig sein, die Täter zu fassen und die Vorgänge so gut es geht, aufzuklären. Es wird ebenfalls wichtig sein, zu erkennen, was an Aufklärung über hiesige Gebräuche und Regeln in der Vermittlung unabdingbar ist. Sollte die Einschätzung von Opfern und Polizei zutreffen, wären das auch Personen, die keinen Anspruch auf Aufenthalt hätten, also im Prinzip illegale Einwanderer, auf die man natürlich üblicherweise kaum Zugriff hat. Unter den Festgenommenen scheinen viele keine Papiere mit sich geführt zu haben, was alles erschwert. Ungeachtet dessen muss dort gegengewirkt werden. Es wäre nicht hinnehmbar, dass Frauen sich im öffentlichen Raum abends weniger frei bewegen können. In Köln, in Stuttgart, in Hamburg und anderswo. Dieser Preis wäre zu hoch.

Schwesternsache

Der Einblick in die Szene islamistischer Frauennetzwerke ist nicht ganz leicht zu gewinnen: Im Gegensatz zu den „Brüdern“ imponieren sie weniger auf der Straße. Das sei auch nicht ihre Aufgabe, räsoniert Erol Selmani, Chef von „Siegel der Propheten“, in einer aktuellen Botschaft hinsichtlich eines von ihm angebotenen Seminars. Trotzdem gibt es natürlich eine lebhafte „Schwestern-Szene“. Die Begegnungen und Betätigungen der „Schwestern“ finden seit Jahren eher abgeschieden in angrenzenden Räumen von Moscheen, bei häuslichen Treffs und im Netz statt.

Über letztere Schiene werben einige „Schwestern“ Frauen an. Primär als Ehefrauen für Kämpfer, für die heimelige Ausgestaltung von Tisch und Bett nach dem Kampf, als Gebärerinnen des erwünschten Nachwuchses im neuen Utopia. Heldenfrauen und Heldenmütter. Eine dieser fanatischen Anwerberinnen ist die Ehefrau eines Mannes, gegen den aktuell vor dem OLG Frankfurt verhandelt wird, s.u. Das Paar wohnte zeitweise in Rüsselsheim.

 

 

Eine der Geworbenen obsiegte aktuell vor dem BGH, weil die Vorinstanz nach Ansicht des BGH korrekt urteilte und die Erfüllung des § 89a StGB (Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat) nicht als nachweislich gegeben bei der Frau ansah:

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&nr=72638&linked=pm&Blank=1

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article148108590/Schiesse-Unglaeubigen-den-Kopf-ab.html

Wortlaut der Vorschrift:

http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__89a.html

Wenn diese Sicht nun höchstrichterlich bei den bekannten Eckdaten bestätigt ist, wird man Rückkehrerinnen mit dieser Vorschrift kaum rechtlich fassen können, da ein für Islamisten geschlechtsuntypisches Verhalten bzw. Einsatz gefordert wird. Nach dem Wortlaut ist dies n.m.M. korrekt. Vorbehaltlich der noch ausstehenden schriftlichen ausführlichen Urteilsbegründung ist dies dann eine Vorschrift, die nahezu ausschließlich auf Männer Anwendung finden dürfte, es sei denn, die Frau baut eine Bombe oder unterweist andere darin. Evtl. ergibt sich daraus ein juristischer Nachjustierungsbedarf.

Insofern ergibt sich im verlinkten Welt-Artikel denn auch juristische Verwirrung:

Wie der BGH nun bestätigte, ist es also per se nicht strafbar, nach Syrien zu reisen, dort im direkten Umfeld von al-Qaida zu leben, sich an Waffen ausbilden zu lassen und diese dann Tag und Nacht in der Küche an der Wand hängen zu haben, wie Andrea B. es tat. Das wird den deutschen Gerichten den Umgang mit Heimkehrern nicht leichter machen. Die Ankläger müssen den Beschuldigten nachweisen, dass diese aktiv ins Kriegsgeschehen eingreifen wollten.

 
Der Journalist sah nicht: Die beweisbaren Taten sind nach diesem Paragraphen im vorliegenden Fall nicht strafbar. Nach anderen Vorschriften im StGB möglicherweise schon.

Man muss sich somit fragen, warum die Staatsanwaltschaft wohl nicht auch nach dem § 129 b StGB angeklagt hat. Das wäre n.m.M. bei Strafwillen – den eine Staatsanwaltschaft natürlich nur im Rahmen haben darf – sicherer gewesen, denn das wäre einfacher im Nachweis gewesen:

http://dejure.org/gesetze/StGB/129b.html

Die Staatsanwaltschaft legte an Beweismitteln martialische Einlassungen noch nach der Rückkehr vor und auch einiges der sonstigen Beweismittel wäre wohl geeignet gewesen, dies zu stützen. Sollte die Münchner Staatsanwaltschaft auf die Mitanklage des Verstoßes gegen diese Vorschrift verzichtet haben, wäre dies wohl ein Fehler gewesen. Vielleicht klärt sich dies in der Urteilsbegründung des BGH (vielleicht mag es aber auch ein mitlesender Strafrechtler erläutern). Sobald die Urteilsbegründung vorliegt, wird sie hier eingepflegt.

Zurück zur geworbenen, juristisch siegreichen Verkäuferin. Über den Gatten zunächst Einbindung in ein islamisches Milieu. Nach der Trennung durch Bekannte Kontakt zu glaubensstrengeren Personen. Radikalisierung dann durch das Netz und anschließend über diesen Weg konkrete Anwerbung.
Frauen wie diese Verkäuferin gibt es nicht wenige, die romantische Verklärung der Geschlechterrollen und die jeweilige Überhöhung, wenn man diese Rolle ausfüllt, mag orientierungsarmen Menschen Halt vorgaukeln. Den narzisstischen Gewinn, von der alleinerziehenden Verkäuferin zur Heldenmutter aufzusteigen, kann unsere Gesellschaft so nicht bieten. Dafür sind die totalitären Muster zu einfach gestrickt und unsere Gesellschaft zu arm an positiven Identitätsmustern und -verstärkern auch für diese Rolle. Hausfrau und Mutter sein wird i.d.R. nur noch wenig wertgeschätzt, von Frauen wird mehr gefordert. Schon das abgesprochene teamwork eines Paares wird durchaus kritisch beäugt und manchmal auch bespöttelt oder mit Kopfschütteln bedacht. Nicht jeder kann jedoch diese Erwartungen an die Doppellrolle erfüllen, die auch oft genug noch bei besser ausgebildeten Frauen sich nicht erfüllen lassen. Wenn junge Frauen diese – traditionellen – Vorstellungen attraktiver finden, sollten sie nicht einen autoritären Gatten oder totalitäre Ideologien als Umweg nehmen müssen, um diese Vorstellungen in einer Gesellschaft in Wertschätzung dieser Gesellschaft verwirklichen zu können (das erfordert aber natürlich einen entsprechenden Mann, der diese Verantwortung tragen will). Denn der moderne Gesellschaftsentwurf – die Frau ohne Kinder gilt vielen als egoistisch, die mit, aber als Hausfrau als faul und dumm – lebt zumindest in Deutschland auch davon, dass er sozial mehr Forderungen an Frauen als an Männer stellt. Manch eine Frau mag sich da lieber einem altertümlichen Ehrbegriff und nur einem Mann (bzw. dem Clan) unterwerfen als sich diesen anstrengenderen Herausforderungen zu stellen, zumal eine Überhöhung stattfindet und der Sinn frei Haus geliefert wird.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Nichts rechtfertigt die menschenverachtenden Haltungen, die sie sich dann parallel zu Eigen machte oder auslebte. Und auch noch so viel Wertschätzung für die Mutterrolle macht aus einer Verkäuferin noch keine Heldin, es sei denn, man führte auf niedrigem Niveau das „Heldin der Arbeit“-Konzept wieder ein (was so keiner haben wollen kann). Teil einer Gegenstrategie muss also auch sein, frühzeitig mancher persönlicher zu hoher Erwartung an das Leben gegenzuwirken: Viele Dinge gibt es nicht umsonst und manche auch trotz Bemühung nicht. Und auch die Gesellschaft sollte manche Erwartung zurückschrauben: Mit noch so viel Bildungsangeboten kann (und soll – wir brauchen alle Teile dieser Gesellschaft, die von Aufgabenverteilung lebt!) nicht aus jedem ein Einstein werden, mit noch so viel an sozialem Vorleben wird nicht aus jeder Person ein Gandhi. Und selbstredend gibt es Personen, die für ihre grundlegende Menschenverachtung nur einen sozialen Rahmen finden wollen, in dem dies akzeptiert wird. So lange sie sich im Rahmen bewegt, der andere nicht belästigt, muss eine Person als Mensch ungeachtet seines Lebensentwurfs und seiner Stellung Achtung erfahren – sofern er anderen diese auch zu teil werden lässt. Das ist der Knackpunkt – bei „Brüdern“ wie bei „Schwestern“.

 

* Der Gatte wurde im letzten Oktober bei der Wiedereinreise festgenommen:

http://www.faz.net/aktuell/mutmasslicher-terrorhelfer-in-frankfurt-festgenommen-13212187.html

SEin Verfahren vor dem OLG Frankfurt läuft noch mindestens bis Januar:

https://olg-frankfurt-justiz.hessen.de/irj/OLG_Frankfurt_am_Main_Internet?uid=1cd20043-bbd1-8531-f012-f312b417c0cf

Frauen und Kinder zuletzt

In Flüchtlingsunterkünften kommt es zu Übergriffen auf Frauen und Kinder. Es gab vor etlichen Tagen einen offenen Brief und ähnliche Dokumente verschiedener Verbände, in denen dies für eine Einrichtung, nämlich Gießen, einmal relativ offen thematisiert wurde. Diese Schreiben wurden mittlerweile wegen ihrer „missbräuchlichen Verwendung“ (was immer das sein mag) entfernt:

http://lfr-hessen.de/galerie/2015/76-buendnis-zur-situation-von-gefluechteten-frauen-und-maedchen-in-den-hessischen-erstaufnahmeeinrichtung-und-deren-aussenstellen.html

Daran erschüttert nicht nur, dass so etwas möglich ist, sondern auch, in welcher Situation dies geschieht. Wie frauenverachtend muss ein Mann sein, um einen weiblichen Mitflüchtling zu missbrauchen oder gar Kinder? Wie wenig Beherrschung ist da erlernt? Wie groß ist da die männliche Selbstüberhöhung, die dann auch andernorts zu „Männer zuerst“ führt?

Der öffentliche Aufschrei blieb aus, auch wenn vereinzelt darüber berichtet wurde.

Stattdessen wird versucht, die Frauen aus dem Gefahrenbereich zu bringen, also von den Männern abzusondern. Abgetrennte Frauenunterkünfte sollen entstehen. Das geschieht auch eher dezent. Das geschieht genauso ruhig, wie en passant immer mal wieder gefordert wird, nach Ethnien und Religionen getrennt unterzubringen.

Das geschieht deshalb eher still, weil man eben nicht pauschalisiert sehen möchte, was ja prinzipiell ein guter Ansatz ist. Dass man das mit dieser Haltung, Forderung und Handlung in besonderer Weise tut, ist oft nicht bewusst. Es kann nicht sein, dass alle Männer unter Generalverdacht stehen, auch wenn man das Problem strukturiert wahrnehmen muss, um es auch realitätsnah zu quantifizieren. Genauso wenig ist jedoch hinnehmbar, Frauen damit alleine zu lassen. Man kann einen Schutzbefohlenen nicht derart verraten.

Man ist versucht zu sagen: Vor lauter Angst, zu diskriminieren, werden verbreitete Haltungen heruntergespielt und nicht öffentlich wahrgenommen, werden sogar widerwärtigste Handlungen manchmal marginalisiert. Das darf jedoch nicht sein. Man muss den obigen Frauenverbänden dankbar sein, dass sie darüber aufklärten, denn Feigheit wird da auf dem Rücken der Opfer ausgetragen.

Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, da viele Frauen sich schämen, andere vielleicht gar nicht die hiesige Gesetzeslage kennen.

Das Problem ist also in mehrererlei Hinsicht heikel und ich gebe zu, dass das nicht leicht zu lösen ist. Es kann allerdings auch nicht sein, dass man den einfachsten Weg geht und trennt. Was ist das für ein Signal an diese Männer, was für eins in die Gesellschaft? Männer als prinzipielle Problemzone?

Den beiderseitigen Kulturschock, dass nämlich Frauen hier frei sind und die Männerhandlungen begrenzt, während das in mancher Herkunftsgesellschaft umgekehrt ist, kann man niemandem, der hierher kommt, ersparen. Er muss es schlicht lernen. Und wir, wir Frauen vor allem, müssen damit umgehen lernen, dass so manches Frauenrecht von mehr Männern wieder zur Disposition gestellt wird, als uns lieb sein kann. Da hilft jedoch nur, offen drüber zu reden, so offen, wie es den Opfern gemäß ist.

Vielleicht würde helfen, Handzettel in verschiedenen Sprachen vorzubereiten, welche Delikte zu sofortiger Ablehnung eines Asylgesuches führen können. Und ja, ich weiß, da ist der Nachweis manchmal schwierig und so einige Male wird da Aussage gegen Aussage stehen. Eine Falschbeschuldigung ist jedoch in dieser Situation wesentlich weniger wahrscheinlich, als wenn es aus Beziehungsgründen „nützlich“ ist, einem Mann etwas anzuhängen. Das gibt es manchmal, wenn es um das Sorgerecht geht oder um banale Rache. Das müsste man dann allerdings auch durchsetzen. Die Unterkünfte sind logistisch schon am Rande; eine „Lagerpolizei“ ist weder wünschenswert noch organisatorisch zu stemmen. Eine Obfrau und ein Schutzraum wären vielleicht eine Möglichkeit für den Übergang.

Doch diese Übergriffe geschehen nicht „nur“ in der Enge der Unterkunft.

 

 

„Seine Aussage bezog sich auch auf die Angaben einer Gießenerin, die sich gegenüber dem Anzeiger über sexuelle Belästigungen von Frauen und Mädchen im Innenstadtbereich durch Gruppen von Männern beschwert hatte, die sie selbst erlebt habe.“

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/unhaltbare-lage-fuer-gefluechtete-frauen-beklagt_16156010.htm

Es gibt weitere vereinzelte Meldungen in der Presse, die aufzeigen, dass das häufiger ein Problem ist. Eine Schule im Süden erregte Aufsehen, als die Mädchen und ihre Eltern aufgefordert wurden, für mehr Bedeckung zu sorgen. Es könnten sich Männer im angrenzenden Heim „inspiriert“ fühlen. Auch da wurde der einfachste Weg versucht: Man schränkt die ein, die sich vermutlich weniger wehren, die sich leichter fügen. Und die, leiden würden, wenn die Vorkehrungen doch nicht reichten.

Das nun ist ein ganz falscher Weg und ich kann das nur auf grobe Unkenntnis oder zu einfache Sicht der Dinge schieben. Selbst vollverschleiert ist manchen Männern nicht zu wenig Reiz, der Auslöser „Frau drunter“ genügt für manchen, um zu grabschen oder mehr zu versuchen. Der Schulleitung war wohl nicht klar, dass es perfekten Schutz nicht geben kann und nur eines hilft: Die Männer zu diszipliieren.
Dann klappt das auch mit der Zivilisation.

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Hier dazu noch ein frischer Beitrag aus der Hessenschau:

Von welchen, die auszogen, das Fürchten zu lehren

Deutschland ist ein Rechtsstaat, ein Land, in dem sich gut und sicher leben lässt. Es gibt verglichen mit fast allen anderen Ländern gute Bildungschancen und ein passables Gesundheitssystem. Wenn sich jemand schlecht behandelt fühlt, kann er vielfache Wege gehen, um zu seinem Recht zu kommen. Wenn er die Welt ändern möchte, kann er in Parteien gehen oder eine gründen oder eine Aktion ins Leben rufen. Der Bürger ist bei aller Bürokratie ziemlich frei, er ist weitgehend sicher, er hat umfängliche Rechte.

Der Krieg ist seit 70 Jahren verschwunden aus Deutschland und nicht wenige seiner Kinder gehen nun den Krieg suchen. Wir müssen uns der traurigen und höchst schmerzhaften Realität stellen, dass junge Menschen unter uns sind, hier aufgewachsen, die zum Töten und Vergewaltigen gehen wollen. Und auch der Tatsache, dass es Mädchen und Frauen gibt, die diese Mörder und Vergewaltiger so anziehend finden, dass sie in ein Kriegsgebiet reisen wollen, um sie zu heiraten und ihre Kinder zu bekommen.

Thomas de Maizière hatte das letzten Oktober so formuliert, dass es „unsere Söhne und Töchter“ sind. „Ein Großteil wurde hier geboren. Sie sind in unsere Schulen gegangen, in unsere Moscheen, in unsere Sportvereine. Wir tragen für deren Radikalisierung Verantwortung“.

Das ist verstörend, denn sie gehen in ein Gebiet, aus dem andere fliehen. Aus der Sicherheit und dem Wohlstand Deutschlands, der Menschen aus aller Welt anzieht, gehen sie in Gefahr, Unsicherheit und brutale Existenzfragen. Der Boden ihres Utopia trieft vor Blut.

 

 

Wer sind nun diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen? Ein kurzes Papier des Verfassungsschutzes, das letztes Jahr in die Öffentlichkeit gelangte, gibt  einen ersten Überblick:

VfS Analyse Ausgereiste 20140930

Das sind natürlich nur die, die ausgereist waren. Es gibt aber neben anderen Informationen über die, die (noch) hier sind oder gehindert werden konnten, einen ersten Eindruck. Nämlich den, dass es Wahrscheinlichkeiten gibt, aber keine Zwangsläufigkeiten, Profile, aber keine Blaupause.

Es hängt von Disposition, persönlicher Historie und sozialen Einflussfaktoren ab. Es gibt Häufungen in Wohngegenden, in denen Personen missionieren, fragile Umfelder, aber jenseits der stärkeren Betroffenheit von städtischen sozialen Brennpunkten mit vorwiegend migrantischer Wohnbevölkerung gibt es nirgendwo Garantien. Das Web erreicht alle, die das wollen. Und auch Bildung vermindert nur die Wahrscheinlichkeit. Es sind viele junge Menschen dabei, die Zugang zu höherer Bildung hatten oder sogar diesen Weg beschritten.

Gelegenheit, an Koranverteilaktionen teil zu nehmen, sowie der Zugang zu islamistischen Moscheen, deren Einfluß sich im Zuge der Radikalisierung noch verstärkt, spielen eine Rolle. Die allgemeine Zurückweisung von Verbandsfunktionären wie Aiman Mazyek, wonach Moscheen generell Partner im Kampf gegen Radikalisierung sind, ist wertlos und nicht durch Fakten gedeckt. Sie verschleiert deren Beteiligung. Nicht wenige Moscheen sind genau Orte, an denen Radikalisierung stattfindet oder zumindest nicht wahrgenommen oder gar gegengewirkt wird.

Kinder und Jugendliche, die in solche Problem-Moscheen zur Charakterbildung von arglosen, gleichgültigen oder gar bewußt eine stramm islamistische Grundhaltung befürwortenden Eltern geschickt werden (10 % der Jugendlichen wurden durch Verwandte dahingehend beeinflusst), haben eine gute Chance, auf diese für sie und andere schiefe Bahn zu geraten. Auch die Eltern, die Haltungen die ersten Jahre vorgeben, kann man da nicht außen vor lassen: Welche Grundhaltungen vermittelten sie dem Kind, wie beeinflussten sie das Verhältnis ihrer Kinder zu den anderen Menschen, welches Vorbild gaben sie?

Die Dunkelziffer beträgt ein vielfaches der offiziellen Ausreisezahlen. Erwachsene, bei denen keine Meldung durch Verwandte oder Freunde gemacht wurde, werden schlicht nicht vermisst und nicht gesucht.

Auf einen, der ausreist, kommen 5, die das auch gerne tun würden, aber (noch) nicht den Antrieb dazu aufbringen, und 50, die das gutheißen.

Bei allen Betrachtungen, die gegenwärtig angestellt werden, hat man das Problem, dass nur die manchmal reden wollen, die schon erkennen, dass sie Hilfe benötigen, also zweifeln am persönlichen oder allgemeinen Sinn oder sich etwas von ihrer Auskunftsgabe erhoffen (z.B. Strafmilderung). Bei diesen Personen stellt sich die Frage, ob sie so ehrlich mit sich selbst sein können, auch Schuld bei sich zu suchen, also ihre eigenen Motive zu hinterfragen. Dass sie, wenn sie mordlüstern waren durch Deso Dogg Videos und diesen Machtrausch auch gerne erleben wollten, das zugeben werden. Dass sie, wenn sie 4 Frauen haben wollten, das zugeben werden. Dass sie eine einfachere Welt wollten mit schwarz-weißen Vorgaben, ein einfaches Männer- und Frauen-Rollenbild oder einfach nur mehr Sinn frei Haus wollten. Dass sie sich gerne als Teil einer Elite fühlen wollten und einer Geneinschaft, die das Utopia baut. Oder in der weiblichen Perspektive: Dass sie mit eigenen Entscheidungen überfordert fühlten und sich lieber führen lassen wollten von einem Mann. Dass sie „mehr“ wollten als ein Pizzabote sein, aber nicht lernen wollten oder konnten, wie man das hinkriegt. Dass ihnen die Mär von der verpackten Frau als Edelstein eines Mannes besser gefiel als die Aussicht, eine Banklehre zu machen. Die Vorstellung, „Kriegerkinder“ einer neuen Zeit auszutragen, sie mehr persönlich befriedigte als das hier normale Leben.

 

 

Es ist wahrscheinlicher, dass sie der Gesellschaft die Schuld geben werden. Das ist auch deshalb einfacher, weil es bei den Betreuern und Betrauten eine erhebliche confirmation bias geben dürfte, also die Neigung, das Erwartete eher wahrzunehmen und ggf. zu verstärken. Die Erwartung der Betreuer und Betrauten ist oft, dass das Ursachen hat, die nicht in der Person und ihren Neigungen und vorliegenden Haltungen begründet sind, sondern in der Gesellschaft. In dem Hilfsangebot, in einer ggf. therapeutischen Beziehung, wird verdrängt und nur zu gerne die Lebenslüge dieser Betroffenen angenommen und gespiegelt: Dass sie nämlich ausschlißlich Opfer dieser Gesellschaft sind.

Diese Lebenslüge darf nicht gespiegelt werden und unhinterfragt bleiben. Es ist ein normaler psychischer Ausweichmechanismus, sich selber zu entschuldigen und alles auf die Umstände zu schieben. Dabei darf es jedoch nicht bleiben, sondern man sollte den Betroffenen auch zeigen, wo sie Chancen nicht wahrgenommen haben. Nicht wenige haben sich aus Schule oder Ausbildung direkt in die Gegenrealität begeben, haben sich also bewußt desintegriert, haben hingeworfen, um nun ein neues Ziel zu verfolgen. Die Vorstellung, dass es sich vor der Radikalisierung nur um Jugendliche gehandelt habe, die keine Aussichten in dieser Gesellschaft hatten, ist ebenso einfach wie falsch.

Wenn Betroffene zweifeln, kann man deren Zweifel als Wendung zum guten positiv spiegeln. Aber es muss auch klar sein, dass keine Diskriminierung Mordgedanken rechtfertigt, kein schiefer Blick von Frauen bei einem Mann dazu führen darf, dass er seine Vergewaltigungsphantasien in die Tat umsetzen will. Mit anderen Worten: Keine Enttäuschung und keine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild, zwischen Wollen und Wirklichkeit rechtfertigt die gewünschte Selbstüberhöhung dieser Art.

Es wird welche geben, die Diskriminierungen erfahren haben. Es wird welche geben, die sich von dieser Gesellschaft nicht angenommen fühlten oder tatsächlich schlechte Erfahrungen dieser Art machten. Welche mit schlechten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Das sind narzisstische Kränkungen, mit denen man aber umgehen lernen muss als Erwachsener. Unter denen, die das reklamieren, werden aber auch welche sein, deren Selbstbild oder die Erwartungen der Familie mit ihren Fähigkeiten nicht übereinstimmten. Und solche, die keine schlechten Erfahrungen gemacht haben, die aber erwarten, dass das Leben ein orientalischer Harem mit ein wenig Ballerspiel zur Abwechslung sein sollte. Diese jungen Menschen werden in der Situation, in der sie Hilfe erhoffen oder Milde, sich nicht exponieren, indem sie ihre Gedanken offenbaren. Die, die sie beim Auszug, andere das Fürchten zu lehren, hatten oder die ihnen im Kopf schwirren. Sie werden sich selbst schützen vor allzugroßer Reue und allzu harter Beurteilung, indem sie Entschuldigungen finden oder erfinden. Das sind sicher wichtige Sichten, die man so sammeln kann. Man sollte sie aber immer auf Stimmigkeit prüfen und menschliche psychische Mechanismen kennen, mit denen die eigene Vergangenheit milder erscheint.

All jene jedoch, die nicht zweifeln, die auf Linie sind, erreicht man kaum. Das Gegenüber kommt selten in die Lage, Zweifel zu erwecken bei einem fanatisierten Menschen, da die Weltsicht geschlossen ist. Es besteht schlicht kein Interesse und keine Gelegenheit zum Gespräch. Das muss vorher geschehen – in der Abschottungsphase ist das zu spät. Das ist bei Salafisten kaum anders als bei Scientology. Der erste Schritt aus dieser speziellen Ummah muss selbst gegangen werden.

Dieser harte Kern dieser Menschen will nicht Teil unserer Gesellschaft sein und es ist fraglich, ob man mit solchem Maßnahmen wie maximalem Entgegenkommen auch nur ein Jota bei ihnen bewegen könnte. Auf Begriffe wie „Islamismus“ zu verzichten, wie auf Seite 10 hier von einem Fachmann anläßlich einer Anhörung im Hessischen Landtag* Anfang des Jahres gefordert

Klicke, um auf KPA-KB-012.pdf zuzugreifen

ist bizarr. Eine ganze Gesellschaft inkl. Medien soll einen notwendigen Differenzierungsbegriff fallen lassen, weil dieser Begriff einigen nicht schmeckt oder sie ihn nicht begreifen könnten? Der Preis wäre zu hoch. Solche Vorschläge führen nicht weiter; sie machen deutlich, dass die Klienten sehr intensiv auch Personen vom Fach beeinflussen können, Personen, die zwar da mitmischen, aber schon die eigenen psychischen Prozesse dem Anschein nach nicht im Griff haben bzw. nicht hinreichend reflektieren. Die Identifikation wird umgedreht, weil eine Person sehr empathisch zugeht, die andere jedoch nur Empathie erwartet, sie aber selber kaum leisten will. Empathie darf jedoch nicht dazu führen, dass wesentliche und zur gesellschaftlichen Diskussion unbedingt notwendige eigene Grenzen preisgegeben oder aufgeweicht werden.

Es wird zusätzlich befördert dadurch, dass die religöse Haltung, die Teil der Ursache ist, einen Teil der Haltungen schützt, weil der Betraute sie nicht hinterfragen will, also der Meinung ist, dass man die dort zugrunde liegende Religiosität nicht antasten darf. Es ist fraglich, ob das so funktionieren kann. In einigen Fällen sicher. Es erfordert jedoch einen eigenen Willen und es ist fraglich, ob diese Willensbildung durch eine helferische oder therapeutische Beziehung maßgeblich beeinflusst werden kann.

de Maizières Einlassung beinhaltete das Wort Verantwortung. Wer ist da „wir“ könnte man fragen. Tragen wir alle diese Verantwortung gleichermaßen?

Diese Kollektivverantwortung lässt die einzelnen Problemzonen verschwimmen, so dass da wenig konkretes übrig bleibt. Genauso wenig wie es die Blaupause gibt, so wenig gibt es die eine Maßnahme, die alle Fälle verhindern könnte, oder den einen Verantwortlichen, der die ganze Gemengelage zu verantworten hat. Das sind Schulleiter, die betroffene Lehrer alleine ließen, genauso wie Politiker, die das Problem klein redeten in der Hoffnung, die notwendigen, schwierigen Entscheidungen doch bitte, bitte dem Nachfolger anvertrauen zu können. .

Deutschland muss das als Querschnittaufgabe begreifen (lernen), denn es gibt für einzelne Maßnahmen noch nicht einmal eine Evaluation. Das wird alles noch kommen, die Zeit drängt aber. Sie drängt, weil die Anzahl der Sympathisanten nicht klein ist und wächst. Es sind zehntausende Jugendliche, die meisten von ihnen verstehen sich nicht einmal als Salafisten und sie sind auch kaum durch die Kleidung oder andere äußere Merkmale zu erkennen. Man erkennt es oft nur im Gespräch. Es drängt, weil diejenigen, die andere das Fürchten lehren wollen, nicht nur nach Syrien gehen, sondern schon wieder oder noch hier sind. Sie sind in Schulen, Universitäten und bei Lehrherren. Ihre Menschensicht, die in anderem Umfeld Töten und Vergewaltigen erlaubt, wird hier nur durch die Vorstellung direkter Nachteile eingegrenzt. Die, die so denken, sind derzeit unauffällig, weil sie nicht die Gelegenheit haben. Sie haben hier aber oftmals schon die Möglichkeit, andere zu drangsalieren: Liberale Muslime und säkulare, Christen, Juden, Atheisten. Frauen und allgemein Schwächere.

Wenn das unsere Kinder sein sollen, obwohl nicht wenige das nicht mal sein wollen hinsichtlich der Nebenwirkungen dieser Gesellschaft und ihrer Pflichten, dann müssen wir ein ernstes Gespräch mit ihnen führen. Wir alle.

* Das Papier lohnt unbedingt der Lektüre, weil es Stellungnahmen von verschiedenen Fachleuten enthält.

Dem „Führer“ ein Kind schenken…

Moment mal, der Ausspruch kommt doch bekannt vor…

Dem_Fuehrer_die_Jugend 150812

Ja, das gab es mal. Eine politische Ideologie, die auch Mutterkult war. Der Mann als Krieger und Erzeuger, die Frau als Gehilfin und Mutter. Die Männer, die Söhne sollten „hart wie Kruppstahl“ sein, todesmutig, erbarmungslos im Kampf. Schlau oder gar gebildet mussten sie nicht sein. Die Frauen sollten unterstützen, vor allem aber auch Heim und Herd erhalten, und selber dabei rein und so wenig „sündig“ sein wie möglich („eine deutsche Frau schminkt sich nicht“). Lustfeindlich, leibfeindlich, wissenschaftsfeindlich, menschenfeindlich.

Unter dem Hitler-Regime gab es nicht nur den Muttertag. Es gab auch das Mutterkreuz und den Lebensborn. Frauen machten da mehrheitlich nicht gezwungen mit. Die Freiwilligen waren durchdrungen von einer Blut und Boden-Ideologie, die sie selbst überhöhte bis ins Unermessliche. Frauen, die von einem Endkampf, einer mythischen Zeit fantasierten, in denen ihre Kinder eine menschliche Elite bilden würden. Ja, es gab später auch verschleppte und gezwungene Frauen. Und es gab auch Frauen, bei denen ein starker Trieb und schwache Bildung oder die Abhängigkeit vom Ehemann eine klein geplante Familie nicht möglich machte. Es gab schließlich keine wirklich verläßlichen Verhütungsmittel. Da kam dann schon mal trotz heftigsten „Aufpassens“ der kleine 7. „Unfall“ zur Welt. Auch dafür gab es das Mutterkreuz.

Man verstellt sich aber selber den Blick, wenn man meint, Frauen seien seinerzeit nur Opfer der Umstände gewesen. Nein, es gab sie zuhauf (man schaue nur Wochenschauen), die bis an die Haarspitzen fanatisierten Frauen, die begierig waren auf das Mutterkreuz, begierig waren auf die scheinbare Anerkennung ihrer Leistung als Mutter, die doch nur den Wert hatte einer Medaille für besonders eifrige Lieferanten von Schachfiguren, Kanonenfutter.

Das war nach den als dekadent verschrieenen 20 er Jahren auch eine echte Rückbewegung. Auch damals wurde das von manchen als besondere Form von Gleichziehen mit den Männern erachtet, als Aufwertung. Statt dem zarten und hohlwangigen Vamp die stramme und tüchtige Bauersfrau als Ideal.

Auf ihre spezielle Weise hätten sich wohl diejenigen, die das Bild oben schufen, mit jenen, die das Bild unten machten, prächtig verstanden. Kinder sind für sie nicht pure Lebensfreude und Spiegelbild einer persönlichen Verbundenheit eines Mannes mit einer Frau, gehören nicht sich selbst oder vielleicht noch den Eltern, sondern einer Idee und deren Verkünder. Geboren als Ding, als Nutzobjekt, als Waffe. Stärker kann man menschliches Leben nicht entwerten, perverser kann man Kinder nicht instrumentalisieren.

 

 

Der eigene Vater, die eigene Mutter als Widersacher, während diese Kinder in dem festen Glauben aufgezogen werden, der böse Feind sei da draußen. Schlimmer kann jedoch der schlimmste Feind nicht sein. Der Feind ist die eigene Familie.

Wenn ein Mensch, ein Kind keine Zuflucht hat bei anderen Menschen, nicht mal den normalerweise Naheststehenden, dann ist er verloren. Er ist seinem internalisierten, gelernten Regelwerk unterworfen, zwischen ihm und den anderen Menschen steht dann immer eine andere Instanz. Kinder, die als Nutzobjekte geboren werden, da mangelt es schon an einer reifen Liebesfähigkeit und Empathie, an Verhaftung im Diesseits. Genauso wie damals „der Führer“ (oder auch Mao, Stalin…) mehr geliebt wurde als das Kind, so wird jetzt der Kalif, Allah mehr geliebt als das Kind. Genauso wie damals ist das eine schreckliche Vereinzelung und Vereinsamung: Es entwertet die zwischenmenschliche Beziehung, es verunmöglicht sie nahezu, denn die Liebe steht immer unter Vorbehalt, dass diese Zuneigung konform ist mit dem imaginierten Willen eines Dritten. Diese Zurückgeworfenheit auf die prinzipielle menschliche Einsamkeit macht auch roh. Wenn die eigene Liebe weniger wert ist als die Idee, dann ist auch das Geliebtwerden von anderen Menschen unwichtig(er) geworden: Die Zufriedenheit des „Führers“ oder Gottes reicht aus, man braucht die anderen Menschen gar nicht mehr, sie werden seltsam unwirklich*. Die objektive Nebenrealität der Betroffenen wird für sie selber so Hauptrealität. Das Diesseits ist im Grunde Nebenrealität geworden, die Phantasie Hauptrealität. Die Hauptrealität ist eine Blut- und Glauben**-Ideologie.

Kinder sind die Zukunft.
Gegen den IS waren die Nazis aber direkt noch eine lebensfrohe Ideologie, zumindest für sich selbst: Das Tausendjährige Reich war ein diesseitiges. Das Reich des IS ist im Grunde ein jenseitiges. Wer seine Kinder an einen „Führer“ verschenkt, der ein solches Reich aufbauen will, ist manchmal noch zu aufzuhalten, wenn das erkenntlich nicht funktioniert. Es ist ein Rest von Empathie und Diesseitigkeit da, der wenigstens vor den eigenen Kindern, wenn sie sinnlos geopfert werden, Halt macht. Eine Person, die die eigenen Kinder jedoch an einen Todeskult verschenkt, ist – bei festem Glauben – nicht aufzuhalten bis in den eigenen Tod hinein und den der Kinder. Denn der im Diesseits sinnlose Tod hat einen jenseitigen Sinn: Er sichert das Paradies. Es ist eine zutiefst psychotische Sicht, die eigentlich auch Wissen, Schulen etc. überflüssig macht. Es steht alles schon geschrieben, man muss das Wort nur lernen und sich ihm unterwerfen. Diesseitiges Wissen hat im Grunde keinen Wert und keinen Sinn, weil es den Zugang zum „echten Leben“ nicht reguliert. Das Fatale an dieser psychotischen Sicht ist, dass diese Eltern subjektiv ihre Kinder sogar mögen. Sie wünschen ihnen die höchste Stufe im Paradies und das furchtbare Märchen erzählt genau diese Geschichte: Das geopferte Kind ist das gerettete Kind (eigentlich müssten die Männer, die ihre Söhne so widmen, diese nach Binnenlogik auch nicht mehr beschneiden: Sie werden Gottes Willen geopfert.).

Das passt alles nahtlos zu manchem arabischen Kinderprogramm, in denen Kinder singen, wie schön und erstrebenswert es sei, als Märtyrer zu sterben.

Solchen Kindern werden auch wir uns in den nächsten Jahren gegenüber sehen, denn auch hier leben Menschen, die fanatisch genug sind, ihre Kinder so zu sehen und so zu dressieren. Nicht jedes dieser Kinder werden wir durch die Schulpflicht erreichen, denn das Ersatzschulwesen erlaubt Auswege. Es ist auch fraglich, inwiefern Sechsjährige, deren erste Steine des Sozialverhaltens gelegt wurden, durch Lehrerinnen zu beeinflussen sind, wenn ihnen eingeschärft wurde, dass Frauen minderwertig sind. Mir begegnen immer wieder auch Kinder, die – nach eigenem Bekunden! – mich gerne töten würden und nur durch die aktuelle Unmöglichkeit (z.B. durch Polizeipräsenz) sich darin gehindert sehen. Das sind Kinder, die hier zur Schule gehen wie viele andere auch, die jetzt in Syrien kämpfen.

Wir als Gesellschaft müssen da intensiv gegenwirken und es ist mehr als fraglich, ob wir das selbst bei intensivster Betreuung können. Wir müssen jetzt nicht nur gegen eine politisch fragwürdige und demokratiefeindliche Haltung angehen, sondern es geht um tief empfundene und verankerte Sichten, die die Kinder intensiv in ein Kollektiv einbinden, die Denkstrukturen anders prägen.

Jedes „verschenkte“ Kind ist ein für die Demokratie und unsere Gesellschaft erst einmal verlorenes Kind, auch wenn es zunächst in dieser Gesellschaft funktionieren kann. Es wird auf den Kontext ankommen, was da zum Vorschein kommt. Kinder von fanatischen Eltern haben schlechte Chancen. Nicht unbedingt auf gute Schulnoten, die religiös-politische Indoktrinierung ist ja bei völlig erhaltener Intelligenz möglich. Jedoch wird sich im Sozial- und Gruppenverhalten zeigen, wie die Kinder erzogen wurden. Das wird nicht einfach.

Wir werden trotzdem um jedes einzelne kämpfen müssen.

 

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* Das Ehepaar Goebbels hat übrigens 1945 nicht nur sich selbst, sondern damals auch seine 6 Kinder getötet.
** Mit Blut ist hier jedoch nicht die Abstammung gemeint; tatsächlich finden sich im IS mittlerweile bei Übergewichtungen doch viele Ethnien. Nein, hier ist die Obsession an spritzendem Blut gemeint, mit dem in den Propagandavideos des IS nicht gespart wird.

Mahnwache vom 08.08.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für die freundliche und umsichtige Betreuung.

Mehrere Mitstreiter fielen aus verschiedenen Gründen aus, so dass wir in kleiner Besetzung aktiv wurden.

Eine Gruppe Jungen, nach Schätzung 13-14, nach eigener Angabe 16, befragte zum Begriff Islamismus. Die Erläuterung wollten sie nicht akzeptieren, wollten es wieder erklärt haben, reihum. Ein älterer Passant hielt die Aufdringlichkeit der Jungen nicht aus und meinte zu den Jungen, dass ich es denn nun doch genug erklärt hätte. Er stieg mit ihnen in die Debatte ein. Sie zogen dann, als der Passant weiterging, von einem Mitstreiter zum anderen, wiederholten das immer gleiche Spiel.

Ein Junge aus der Gruppe kaprizierte sich hartnäckig darauf, dass ich den Koran nicht gelesen haben könne. Meine Nachfrage, welche meiner vorliegenden Übersetzungen er denn meine, die von ibn Rassoul, die von Ali Ünal oder gar die der Ahmadiyya (die wesentlich textgleich ist mit der von ibn Rassoul) überforderte ihn völlig. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass es verschiedene Übersetzungen geben KÖNNE. Ab dem Punkt, an dem ich in dem Raum gestellt hatte, dass viele der hier Geborenen den Koran vielleicht auswendig könnten, aber ihn nicht sinnerfassend oder gar kritisch gelesen hätten, war es vorbei mit jeder auch nur ansatzweise sinnvollen Debatte. Er fragte ständig nach, warum ich gesagt hätte, er als arabischstämmiger könne nicht genug arabisch. Er wiederholte das völlig ungerührt, alles andere trat in den Hintergrund. Ich konnte ihm natürlich dort auf der Strasse nicht das Gegenteil beweisen und er genoß es sichtlich, durch ständige Wiederholung der Frage mich an einem Punkt zu haben, an dem die Debatte über IS und LIES gar keine Rolle mehr spielte, denn jeder Versuch, auf das Hauptthema zu kommen, führte wieder in die „ich kann arabisch“-Schleife.

Mehrere junge Männer aus Afghanistan erkundigten sich. Sie sprachen lediglich englisch und verstanden das Problem nur oberflächlich. Sie wolllten wissen, ob ich denn den auf meinem Plakat aufgelisteten Gruppen tatsächlich Radikalisierungen zuordnen könne. Ich versuchte zu vergleichen – scheiterte aber daran, keine radikale Gruppe in Afghanistan benennen zu können, die ähnliches macht wie LIES in Deutschland. Nun, vielleicht geht das dort auch gar nicht.

 

Mahnwache 150808 2

Ein junger kurdischer türkischstämmiger Mann fragte zu den Schildern. Ich erläuterte unser Anliegen und verwies darauf, das 80 % der Kinder und Jugendlichen aus muslimischen Familien stammen. Nachdem wir über das Beispiel Hassan Masood (der „Fußfessel-Islamist“) zur Prävention gekommen waren, meinte er, dass alles viel früher beginnen müsse. Konsens. Der „brutale Druck“ innerhalb vieler muslimischen Familien, sich dem Vater zu beugen und diesen „stolz“ machen zu müssen, müsse aufhören. Auch Konsens. Denn die Art und Weise, WIE man den Vater stolz machen könne, werde nicht in HIER sozialverträglicher Weise mitvermittelt, sondern die Kinder, v.a. die Söhne alleine gelassen. Auf der Strasse, in der peer group ist es dann Glück oder Unglück, wem sie sich anschließen. Wir waren uns auch einig, dass in den muslimischen Familien eine Vorlesekultur erst geschaffen werden müsse. Das fortgesetzte Kümmern v.a. um die Söhne entspricht nicht der Tradition, die Söhne sind eigentlich ab dem Alter von 7-10 unter der Führung des Vaters, der aber oft fehlt, entweder physisch oder noch noch öfter emotional oder als Vorbild in einer Gesellschaft, die eben nicht alles der Koranschule und der Unterwerfung der Kinder dort überlässt. Kinder, Söhne werden häufig zur Erziehung und Bildung dorthin gesandt. Wenn das – wie mir neulich von einem Vater berichtet, dessen getrennt lebende Frau genau das gemacht hatte – dann z.B. die Frankfurter Bilal-Moschee ist, kann das in die Katastrophe führen. Der junge Mann selber war sehr froh, dass sich sein Vater gegen hämische Kommentare aus seiner Familie durchsetzt hatte und sie auf Integration hin erzogen hatte: Deutsch zu Hause, auch deutsche Freunde anderen Glaubens usw. Das war – so schätzte das der junge Mann im Rückblick ein – sicher nicht einfach gewesen, hätte sich für ihn aber dann doch sehr gelohnt. Der junge Mann hat studiert und fühlt sich wohl hier und angenommen als Mitglied dieser Gesellschaft.

Eine vollverschleierte junge Frau mit roten Schläppchen stolzierte nebst Gatten mehrfach durch unsere Reihen, suchte Augenkontakt bzw. beobachtete die Wirkung. Anscheinend wollte sie alleine durch das Flanieren gezielt durch unsere Reihe hindurch irgendeine Reaktion auslösen, was jedoch misslang.

Mehrere junge Männer aus Tunesien waren ebenfalls neugierig. Nach Erläuterung berichteten sie von anhaltend tiefen gesellschaftlichen Rissen in ihrem Land und schweren Problemen mit Radikalen. Auch in Tunesien ist mittlerweile LIES aktiv

Schon 2012 gab es da erste Bestrebungen.

Wir haben Austausch vereinbart.

 

Mahnwache 150808

Im Gespräch, Mahnwache 8. August 2015

Eine vollverschleierte junge Frau hatte eine weibliche Begleitung in engem Kopftuch dabei. Sie sprach nur englisch und war als Touristin auf der Durchreise und beim Shoppen. Auch sie erkundigte sich eingehender. Sie schien so Anfang 20. Nach ernsthaftem Zuhören gab sie mir dann einen Rat. Sie hatte die Augen aufgerissen, als ich ihr von Eltern, muslimischen Eltern, die ihre Kinder verloren durch die Frankfuirter LIES-Aktivisten, erzählte. Sie meinte, ich solle die Erklärung zur Aktion in verschiedenen Sprachen hochhalten, damit auch Touristen wie sie die Chance hätten, zu begreifen, was da auf der Strasse passiere und dass es uns nicht um den privaten, frei ausgelebten Glauben ginge, sondern Islamismus und den politischen Islam. Es war ein recht bemerkenswertes Gespräch, denn sie persönlich wollte ihren Glauben niemandem aufdrängen. Das sagte sie zumindest. Zu ihren Gründen, sich so weitgehend unsichtbar zu machen, kamen wir nicht. Möglicherweise trug sie den Niqab nicht freiwillig oder sie spaltete intensiv ab. Auf jeden Fall war es eine freundliche junge Frau, die durchaus verstand, dass andere nicht ihre Wahl treffen wollen.

Auf dem Hinweg, gegen 16:45 Uhr waren am Brockhausbrunnen nur zwei einzelne LIES-Aktivisten aus der 3. Organisations-Reihe. Sie sollen zuvor am „My Zeil“ gewesen sein, wurden aber mit zeitlichem Abstand zu unserer Aktion des Platzes verwiesen. Die Akhi-Szene fehlte gestern völlig, so dass eine Menge ruhigerer Gespräche und Aufklärung möglich waren. Gegen 18:15 Uhr hörten wir dann von einem Passanten, dass aktuell wohl eine Feststellung der Personalien am Lies-Stand stattfinde, etliche Polizisten seien dort im Einsatz, um bei den etwa 10 Aktivisten die Maßnahme auch gefahrlos durchführen zu können. Das erklärte dann auch die Anwesenheit eines Hessenschau-Journalisten nebst Team. Diese hatten zuvor ein wenig auf der Zeil gefilmt*, und mit dem Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes ein Gespräch geführt. Insofern eine geplante Aktion. Das ist zwar passabel. Kleine Aktionen für die Presse befreien Frankfurt jedoch nicht aus der Not, etwas mehr und etwas mehr Zielführendes zu überlegen und auch umzusetzen. Das hätte, stringenter durchgeführt, auch eine andere Durchschlagskraft. Und ja, dafür darf man dann auch mal eine Klage vorm VG riskieren, denn bei Würschtel-Verkäufern oder einem Klavierspieler geht das ja auch.

Mir ist bekannt, dass weitere Vorschläge zur Vorgehensweise an geeigneter Stelle vorliegen.
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* Auch bei uns wurde gefilmt. Möglicherweise sprach man über uns, aber nicht mit uns. Es ist eigentlich guter Brauch, nicht nur über Leute zu sprechen, sondern auch mit ihnen. Das ist jetzt keine Eitelkeit von mir, sondern üblich, dass man Personen nicht wie Zootiere behandelt. Das hat bei diesem Journalisten aber persönliche Gründe mir gegenüber (das ist keine VT, sondern nachweislich so).

Man wird sehen, was daraus gemacht wird, wohl Montag.

Islamistische Eheberatung

Frauenrechte werden im Hinblick auf diverse Parallel-und Gegengesellschaften sowie Subkulturen zwar häufiger als andere fragwürdige Haltungen oder gar Menschenrechtsverstöße thematisiert, aber insgesamt zu selten. So mancher redet sich das Frauen- und Menschenbild schön, sieht es als Privatsache oder Teil einer Folklore.

Auch wenn die Frauenrechte nur Teilaspekte sind einer hierarchischen und archaischen Menschensicht, so sollte die Gesellschaft doch diese Haltungen, die durchaus breiter eingenommen werden, nicht ignorieren. Eine Gesellschaft macht sich unglaubwürdig, wenn sie bei Person A um das Binnen-I ringt oder kleine, im Grunde läßliche Späßchen aufbläht zum Skandal, aber bei Person B wesentlich ernstere und üblere Haltungen zwar kopfschüttelnd, aber wortlos hinnimmt als Zeichen einer etwas unverständlichen, aber exotischen Virilität.

Es ist inakzeptabel, da mit zweierlei Maß zu messen. Wer jahrzehntelang in dieser Gesellschaft lebt, sollte mitbekommen haben, dass das Schlagen von Frauen zwar durch alle Schichten und Bildungsstände vorkommt (mit unterschiedlicher Häufung), aber dies allgemein als verwerflich betrachtet wird und natürlich auch verboten ist. Schlagen schwächerer Personen ist kein Kavaliersdelikt und insbesondere junge Männer dürfen erst gar nicht so sozialisiert werden, dass sie zunächst schauen, ob sie nicht vielleicht körperlich überlegen sind, bevor sie nachdenken, ob sie sich besser im Griff haben oder nicht. So sozialisierte und strukturierte junge Männer sind auch diejenigen, die eben nicht aufhören, wenn der Gegner am Boden liegt, sondern dann erst so richtig „in Fahrt“ kommen. Es sind autoritär strukturierte Personen, die Macht über andere umgehend ausnutzen. Das sind – bei entsprechender Gewaltneigung – diejenigen, die noch auf den Kopf treten. In der rechten Szene gab und gibt es solche Personen auch; man erinnere sich an das zeitweise „hippe“ „Bordsteinkantenbeissen“ bei rechten Gewalttätern. Das ist also Teil einer bei verschiedenen gesellschaftlichen (Rand-)gruppen vorhandenen generellen Verachtung des Anderen mit Vernichtungswillen,

In letztgenannten Gruppen werden aber nach meiner Kenntnis keine Videos verbreitet, wie man die Ehefrau sytemkonform beugt und schlägt. Diese Grenze gibt es da noch, auch wenn man nicht das eine Schlechte mit dem Übleren aufwiegen sollte.

Videos wie die nachfolgenden sind Ausweis einer Haltung zu Frauen, die nur erschüttern kann. Natürlich ist es im Rahmen der freien Meinungsäußerung, zu erklären, WIE man Frauen schlägt, sofern man nicht dazu aufruft. Es ist ebenfalls nicht explizit verboten, der Auffassung zu sein, Frauen bräuchten ab und an ein paar Schläge, insbesondere bei „Ungehorsam“, weil sie sonst nicht wissen, wer der Herr im Haus ist. Es gibt keinen Paragraphen im StGB, der verbietet, ein Chauvi zu sein oder sich für die Krone der Schöpfung zu halten.

 

Ex-Dawaffm-Chef Abdellatif Rouali:

Abul Baraa, die Frau ist „anvertrautes Gut“:

Und selbst hier, wenn das Schlagen nicht erlaubt ist, wird ein erzkonservatives Bild transportiert. Die Frau ist vorbestimmt für den Haushalt. Abu Jibril:

 

Frauen sind Eigentum, Frauen sind untergeordnete Personen, die man beugen und brechen darf.

Bizarrerweise wird von den Frauen in der islamistischen Szene kolportiert, man werde dort besonders geachtet. Man sei ein Schmuckstück, ein Diamant und die Männer seien verpflichtet, gut zu einem zu sein. Das wird wohl gerne behauptet, so lange noch kein ernsthafter Dissens da war oder sich die Frau einfach immer beugt. Geschlagene Frauen erzählen das kaum. Ungehorsam gegen den Ehemann ist Ungehorsam gegen Gott selber. Der Mann ist der Stellvertreter Gottes für sie auf Erden, denn nur – es gibt entsprechende „Propheten“worte – er kann sie ins Paradies bringen. Oder auch nicht. Es ist ein besonders für Frauen grausamer Unterwerfungsglaube.

In der ersten Euphorie, nun zu einer selbstempfundenen Elite anzugehören wie der Gatte auch, mögen das viele nicht merken. Anderen mag die Unterwerfung unter den Mann, der Gehorsam von Kindesbeinen an beigebracht worden sein.

Mädchen und Frauen müssen stärker noch vor diesen Wegen gewarnt werden. Das ist nicht nur wegen der persönlichen Schicksale wichtig. Der Fokus ist derzeit auf den jungen Männern, weil sie aus Sicherheitsaspekten die größere Rolle zu spielen scheinen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die einen auf der Strasse imponieren mögen, während die anderen in den Hinterzimmern die Radikalisierung flankieren und auch auch die nächste Generation lehren und aufstacheln.

Das wäre nun ein gutes Feld für FrauenrechtlerInnen. Ich würde mir wünschen, dass all die Frauen, die um Binnen-I und Ampelfrauchen, um gleiche Löhne und andere gleiche Rechte mit zivilisierten Männern streiten, sich auch einmal um die weniger zivilisierten mit kümmerten. Das wäre des Schweißes der Edlen wert. Leider ist da wenig zu sehen. Es streitet sich leichter mit Personen, die als Gegenwehr einen Aufsatz schreiben als mit jenen, die einem die Faust ins Gesicht schlagen könnten. Wenn man es aber ernst meint mit den Frauenrechten, steht die körperliche Unversehrtheit über Sprachkosmetik. Wer es ernst meint mit den Frauenrechten, setzt da Prioritäten. Wer es ernst meint mit den Frauenrechten, geht auf die Strasse nicht für das Binnen-I, sondern gegen real existierende und Unterwerfung propagierende Frauenverächter.

Daran mangelt es derzeit noch.

Blindflug ins Unglück

Unwissenheit über biologische Grundlagen schafft manches furchtbare persönliche Leid, das im Grunde vermeidbar wäre. Das geht vom Kind, das wegen Impfverweigerung der Eltern stirbt, über Frauen, die wegen des Vertrauens auf Quacksalberei qualvoll an Brustkrebs sterben, bis hin zu Menschen, die immer wieder auf (gesunde) Kinder hoffen, denen aber z.B. wegen mangelnder Information diese verwehrt bleiben. Auch in Parallelgesellschaften sind diese Probleme vorhanden. Dort hat dies jedoch meist noch andere Ursachen als in der Mehrheitsgesellschaft. Während in letzterer oft eine Furcht vor der „Pharma-Mafia“ eine Rolle spielt oder ein generelles, aber unbegründetes Vertrauen in „die Natur“, sind in diesen Communities nicht selten auch Tradition und Glaube Gründe für vermeidbares Unglück.

Aktuell aufkommend ist z.B. Hijama, das blutige Schröpfen, das gegen allerlei ernsthafte Erkrankungen eingesetzt wird. Oft von Personen, die nicht einmal die (untaugliche) Methode und die Hygieneregeln sicher beherrschen, aber in der Community fröhlich und ohne Heilpraktikergenehmigung, die rechtlich erforderlich ist, anbieten. Oder wenn der Rat bei ernsthaften psychischen Störungen beim Imam gesucht wird und nicht beim Fachmann. Mangelnde Impfungen sind in anderen Communities ein Problem (und ja, auch in der Gruppe der „Waldorf-Eltern“ ist das eine häufige Einstellung).

Das Thema Verwandtenehen ist heikel, weswegen die Betroffenen damit gerne alleine gelassen werden: Man nimmt lieber in Kauf, dass andere Menschen leiden aus Unkenntnis als durch die Thematisierung sich selber durch herzlose Personen, die das in falsche Zusammenhänge setzen wollen, vermeintlich angreifbar zu machen. Das ist menschlich teilweise verständlich, aber als Haltung dennoch politisch nicht akzeptabel. Es geht um Information, die frei bessere Entscheidungen potentiell Betroffener selber ermöglicht, und nicht um Paternalismus oder gar Schlimmeres.

Verwandtenehen über Generationen als Ursachen sind für manche Familien verantwortlich, in denen kaum ein Kind gesund zur Welt kommt oder häufig Fehlgeburten stattfinden. Die Frauen werden unter einen erheblichen Druck gesetzt, nun endlich den erwünschten gesunden, schlauen und fröhlichen Stammhalter in die Welt zu setzen. In mancher patriarchalen Community wird nicht die Genetik verantwortlich gemacht, sondern mangelnde Gottesfürchtigkeit, „schlechtes Blut“ oder böser Wille nur der Frau oder Sündhaftigkeit beider Eltern. Es wird also nicht nur die Ursache falsch beurteilt, sondern auch noch den (mit-)leidenden Eltern Schuld zugeordnet. Mir wurde unter vielen anderen ein besonders eklatanter Fall berichtet: 5 schwerstbehinderte Kinder aus einer Verwandtenehe, die Probleme wahrscheinlich durch diese bedingt. Die Frau war zum Berichtszeitpunkt zum 6. Mal schwanger und beide Eltern meinten, man versuche es weiterhin im Vertrauen auf Gott. Überdies seien die Kinder in der Einrichtung sehr gut aufgehoben, man sei dankbar, lehne aber eine genetische Beratung ab. Berichtet von einer Mitarbeiterin eines großen Wohlfahrtsverbandes, die die Pflege der Kinder organisierte. Solche Haltungen gibt es natürlich auch bei Fundamentalchristen, bei denen die Geschlechtspartner wegen gleichartiger, aber nicht direkt in Erscheinung tretender genetischer Probleme zwar Nachwuchs haben, aber sich diese Erkrankungen dann bei den Kindern zeigen. Bekannt ist dies z.B. von den Amish in den USA. Auch dort ist es ein Gründereffekt, ein Inzuchtproblem.

 

Bildquelle: s.u.

Es ist jedoch hierzulande mehrheitlich ein Problem innerhalb migrantischer Communities.

Meist vermeidbar wäre dies, indem man Menschen über die Gefahren fortgesetzter Verwandtenehen über Generationen aufklärt. Indem man ihnen vermittelt, dass arrangierte Ehen die biologischen Mechanismen der Partnerwahl außer Kraft setzen, die häufig solche Problemlagen umgehen helfen. Nebenbei werden auch Männer nicht selten nicht gefragt, welche Partnerin nun die ihre fürs Leben werden soll. Die Familie sucht aus unter traditionellen Gesichtspunkten. Dass diese Traditionen auch in Deutschland fortgeführt werden, ist wenig bekannt. Es betrifft nicht unerhebliche Anteile der türkischen, pakistanischen, indischen, (nord-)afrikanischen Community. Ebenso kommt es in indischen Familien vor, manchmal bei Tamilen, aber auch selten bei Aleviten. 1

In manchen Ursprungsländern werden bereits Kampagnen durchgeführt, um da zu helfen und aufzuklären. Warum nicht bei uns? Ein Angebot lässt doch immer noch die Freiheit, zu tun, was man beliebt.

Besondere Hilfe ist da nötig, wo Menschen aus Unkenntnis heraus leiden. Diese Unkenntnis ist im beschriebenen Bereich besonders groß. Das kann man nicht den Imamen oder dem Familienoberhaupt überlassen. Die tun es nicht, weil sie in diesem Bereich selber nicht über genügend Bildung und z.T. auch Problembewußtsein verfügen. Beim Hausarzt oder Kinderarzt findet das auch eher nicht statt, vielleicht dann, wenn die Ehe schon geschlossen wurde und die ersten Kinder bereits leiden.
Wie also sollen betroffene Migranten, die nach neueren Erhebungen für eine solche Information VOR Eheschließung durchaus dankbar sind, an diese für sie wichtigen und leidvermindernden Informationen kommen? Wie kann man da Problembewußtsein schaffen? Ja, es wird von manchen auch als ungehörig betrachtet, als Einmischung in familiäre Angelegenheiten, als Tabuthema. Diese Sicht haben jedoch meist nur diejenigen, die einfach das Glück hatten, dass es bei ihnen nicht zu sichtlichen Problemen kam. Das kann schon wieder ganz anders sein, wenn sie Großeltern werden.

 

 

Es scheint schon, dass es dazu lediglich des Willens bedarf.
Neben der stark erhöhten Wahrscheinlichkeit der Auswirkungen auf Kinder (es gibt erschütternde Zahlen aus GB), gibt es weitere Folgen solcher Arrangements. Menschen, die sich trennen wollen, verlieren oft den ganzen Clan, weil dieser Selbstbestimmung nicht billigt. Das trifft stärker die häufig trennungswilligeren Frauen, die aus dieser Verwandtsschaftsfalle nie mehr entkommen können oder wenn, nur unter erheblichen Opfern und oft genug Gefahren.

Frau Yasemin Yadigaroglu hatte vor Jahren ein Projekt an einer vhs im Ruhrgebiet. „Sie wünscht sich deshalb größere Präventivkampagnen, wie es sie in der Türkei schon seit einigen Jahren gibt.“ 2

Das war 2007. Es sind 7 Jahre ins Land gegangen und wir lassen die Menschen immer noch alleine. In Frankfurt / Rhein-Main ist das so. Stattdessen wird verkündet, „dass Ärzte und Pfleger andere Verständnisse von Krankheit und Gesundheit anerkennen“ sollen. Das mag bei Befindlichkeitsstörungen angehen. Das mag auch in der Pflege gelten. Die biologischen Grundlagen allerdings kann man mit einem „anderen Verständnis“ nicht aushebeln. Die Natur funktioniert unabhängig davon, ob und wie sie verstanden wird. Die Natur agiert nicht kultursensibel, auch wenn man diesen Umstand kultursensibel, aber klar kommunizieren muss. Wenn man Menschen vermeidbar Versuch und Irrtum spielen lässt aus dem aktuellen Ansatz heraus, macht man sich mitschuldig an ihrem Leid und dem ihrer Kinder. Sie haben bei Information immer noch die freie Wahl, ob sie den gut begründeten Ratschlägen folgen wollen oder nicht. Anbieten aber muss man die Information – um der Menschen Willen.

Wahrscheinlich gibt man derzeit mehr öffentliches Geld aus, um Kulturvereinen bei der Gestaltung ihrer Feste zu helfen. Feiern ist schön – wenn nicht alle gesund und fröhlich mitfeiern können, bitter.
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1 http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-07/inzest-migranten-ehe

Ein passabler Artikel, auch wenn der Autor „Inzest“ schreibt, aber „Inzucht“ gemeint ist. Manche Journalisten sind leider nicht in der Lage nachzuschauen, weil sie glauben, sie wüssten schon, was das Wort bedeutet. Ein häufiger Fehler.

2 http://www.zeit.de/online/2007/12/verwandtenehe

Weitere Infos/Lesenswertes dazu:

http://www.zeit.de/2015/17/iran-tradition-junge-generation

http://www.thehindu.com/seta/2004/04/29/stories/2004042900161600.htm

Bei der ersten Cousinenheirat „nur“ Verdoppelung des Risikos. Bei Verwandtenehen über mehrere Generationen wesentlich höher, dazu sind aber Stammbaumanalysen notwendig:

http://www.genetics.edu.au/Publications-and-Resources/Genetics-Fact-Sheets/FactSheet16

 

Bilder: http://uncyclopedia.wikia.com/wiki/Amish

http://www.castlerockpediatrics.com/