Fifty shades of black

Geschlechter-Apartheid bei den Salafisten

Jungen Frauen, so könnten man meinen, bietet der salafistische Islam wenig Anreize. Das klare Schema von Ein-und Unterordnung unter die andere Hälfte der Menschheit bietet Frauen ein besonders trübes Bild. Dabei wird verkannt, dass Freiheitsliebe kein per se natürlicher Antrieb des Menschen ist, sondern er zunächst auf einfacherer Stufe von seinen Einbindungen in soziale Systeme abhängig ist. Insbesondere Frauen sind oft stärker als Männer darauf fixiert, wie diese Einbindungen sich gestalten und welche Kooperationen und Wertungen sich aus ihnen ergeben. Aus dem unterschiedlichen Hierarchisierungsverhalten (Frauen haben flachere soziale Hierarchien) und der leichter ausgeübten sozialen Kontrolle (aktiv und passiv) bei Frauen untereinander ergeben sich geschlechterdifferente Anwerbe- und Argumentationsmuster. Selbst bei Kenntnis dieser Muster erstaunt jedoch, wie leicht manchmal ein freiheitlicher Ansatz zugunsten eines autoritären aufgegeben wird.

Manche Frauen sind mit Freiheit und Freizügigkeit überfordert. Das Maß der Wahlmöglichkeiten, die Anstrengung, wenn man eine Wahl hat, diese auch selber treffen zu müssen, ist manchen zu viel eigene Bemühung. Vor allem aber die Folgen, die eine eigene falsche Wahl hätte, werden gefürchtet. Eigene Wahl heißt eigene Verantwortung. Beim Scheitern eines Lebensentwurfs ist es in der modernen Gesellschaft nicht Schicksal, sondern kann aus eigenem Versagen und mangelnden Möglichkeiten sowie Zufällen zusammengesetzt sein. Es ist angenehm, statt sich Möglichkeiten zu schaffen, also gegebenfalls kreativ zu sein, sich darauf verlegen zu können, dass es ausschließlich die äußeren Bedingungen seien. Noch bequemer ist es, wenn man eine Gruppe Schuldiger ausmachen und benennen kann.

 

 

Fundamentalistische Muslime bieten nun diesen einfachen Ausweg: Ist man Mitglied dieser Gruppe, Weiterlesen

Frauentag(e)

Zum Weltfrauentag

Was sind die Themen hierzulande am heutigen Weltfrauentag? Gleicher Lohn, Kinderbetreuung, sprachliche Berücksichtigung, Quoten in Führungsgremien.

Wenn man die Lage der Frauen weltweit betrachtet, so sind das – bei aller Berechtigung* – relative Luxusprobleme. Das sind weltweit und auch deutschlandweit Probleme, die viele Frauen gerne haben würden, weil sie viel schwerere dann nicht (mehr) hätten. Man muss nicht, kann dafür aber dankbar sein, als Frau hier und heute zu leben, bei allem, was man noch verbessert sehen möchte. Erst der Vergleich jedoch macht dies deutlich:

Frauen haben in Afghanistan und vielen anderen Ländern kaum den Status von Vieh, Hausrat Weiterlesen

Genderapartheid ante portas

Die Trennung des männlichen und des weiblichen Lebensbereichs ist eine Gestaltung der sozialen Zone, die seit einigen Jahren mehr oder weniger verdeckt wieder vorangetrieben wird. Im Unterschied zu „Sex“ oder „Geschlecht“ bezeichnet Gender das soziale Geschlecht, die gesellschaftliche Zuordnung und die jeweils für dieses Geschlecht als angemessen oder untypisch oder gar verboten zugeordneten Verhaltensspannbreiten oder Handlungsoptionen. Genderapartheid ist demnach die unterschiedliche Behandlung der biologischen Geschlechter und die Zuordnung von Geschlechterrollen. Einschränkungen im Vergleich zum jeweils anderen Geschlecht betreffen beide Geschlechter, jedoch stärker Frauen, da diesen meist mindere Rechte und eine untergeordnete Stellung zugewiesen wird.

Gleichberechtigung und der gleich mögliche Zugang von Frauen zu allen Lebensbereichen ist ein Kernmerkmal unserer demokratischen Gesellschaft. Wer dieses Kernmerkmal angreift und in Frage stellt, stellt die gleiche Behandlung und die gleichen Rechte von Menschen generell in Frage.

 

Taliban Frauen 160228 jpg

Das Ende vom Lied Bild: http://rawa.org/beating.htm , Taliban schlägt Frauen

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Offener Brief an die Kölner Oberbürgermeisterin

Sehr geehrte Frau Reker,

die Kölner Exzesse sind um die Welt gegangen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sie sich Ihren Amtseinstieg unter anderen Vorzeichen gewünscht hätten. Nur vom Wünschen alleine wird es jedoch nicht besser.

Aktuell hat sich auch der Imam der Kölner Tauhid-Moschee zu den Vorgängen der Silvesternacht eingelassen. Gegenüber einem russischen Sender stellte er seine Sicht dar, wonach die Opfer selber schuld seien.

Das Statement:
http://ren.tv/…/imam-mecheti-v-kyolne-poyasnil-chto-bezhenc…

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Die neue Erbsünde

Ein notwendiger Widerspruch

Nach den Ereignissen von Köln gibt es erbitterte Debatten darüber, wie diese einzuordnen sind. Das eine Extrem wird markiert durch die Pauschalisierung, dass alle Muslime, alle Flüchtlinge, am weitestgehenden alle Ausländer so ein Frauenbild hätten. Man muss kaum erwähnen, dass das Humbug ist. Eine grundsätzlich xenophobe, meist klar rassistische Haltung, da an (bis auf die Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft) Ethnien oder Nationalitäten festgemacht wird, die ein Mensch nicht frei wählen kann. Häufigkeiten von Frauenbildern wegen einer bestimmten zuzuordnenden Sozialisation gibt es trotzdem, das kann man anhand soziologischer Erkenntnisse aus verschiedenen patriarchalen Herkunftsländern festmachen. Die (vernünftige und sachliche) Mitte ist also, klar zu benennen, aber nicht zu pauschalisieren. Das andere Extrem stellt sich durch die Einordnungsversuche dar, dadurch, dass die Taten im Gender-Hintergrundrauschen verschwinden sollen. Das Verhalten der übergriffigen Gruppen wird als qualitativ nichts besonderes dargestellt, denn „deutsche Männer“, ja Männer allgemein seien halt so. Das gipfelt in der Selbstbezichtigung eines jungen Mannes von den Grünen, immerhin Vize in Hamburg, der meinte zur Debatte beitragen zu müssen, dass „alle Männer potenzielle Vergewaltiger“ seien, auch er:

http://www.abendblatt.de/hamburg/article206901503/Gruenen-Vize-Alle-Maenner-sind-potenzielle-Vergewaltiger.html

Das ist entweder banal oder bösartig. Banal, wenn es um die physische Umsetzbarkeit geht. Nur impotente Männer und kleine Jungen sind da außen vor. Ja, Männer sind i.d.R. stärker als Frauen und sie haben einen Penis. Willkommen in der Realität. Bösartig, wenn Gwosdz anderen Männern unterstellt, sie würden sich über die Wünsche von Frauen bei Gelegenheit hinwegsetzen und zwar entindividualisiert und sozialisationsunabhängig in gleicher Weise. Die „Realität“ von Gwosdz ist der Generalverdacht gegen Männer.

Der logische Fehler, dass bei der einen Gruppe Pauschalisierung ganz unzulässig sei, bei einer anderen, viel größeren Gruppe aber völlig akzeptabel, offenbart die intellektuelle Unredlichkeit nur teilweise. Die unredliche Haltung wird dadurch deutlich, dass man Menschen unterschiedlich gewichtet und ihnen im Grunde keine gleichen Rechte (mehr) zusteht unter der Vorspiegelung, genau das abzulehnen. Manche sind gleicher als andere..

Deutlich wird dies u.a. an dem Aufruf

http://ausnahmslos.org/

Für die Verfasserinnen sind nicht nur die Opfer von Köln Opfer, sondern es muss jetzt gleich um alles andere auch gehen – damit die Tätergruppe verschwimmt. Die Schlagrichtung wird noch deutlicher, wenn man weiß, dass die Frau, die die „Aufschrei“-Debatte lostrat, also die völlig belanglose und unwichtige Sache mit Rainer Brüderle in jener Hotelbar, auch hier den Anstoß gab.

 

Das Feindbild ist dort explizit der „weiße, heteronormative Mann“, dessen Neigungen und Taten nicht nur vergleichbar seien. Nein, man spricht ihm pauschal ab, sensibel zu sein. Insbesondere die Einlassungen zu den Medien im Aufruf zeigen auf, wo man hin will: Man will keinen objektiven Blick auf Geschehnisse, sondern den subjektiven Betroffenheitsblick. Medien sollen nicht mehr die Abwägung suchen, sondern sich gemein machen, sie sollen aus der Sicht des Betroffenen seine Sicht der Dinge darstellen. Bemühung um Objektivität war gestern.

Der Aufruf wird u.a. von der Bundesfamilienministerin Schwesig vertreten. Männer scheinen da irgendwie nicht dazuzugehören, zumindest nicht, wenn sie „heteronormativ“ sind. Der normale hiesige Mann ist also im Fokus alleine durch seine physischen Merkmale. Ist der Mann – an den biologischen Realitäten kommen auch Feministinnen nicht vorbei – wenigstens nicht „weiß“, sieht es schon besser aus. Man muss sich wirklich fragen was für eine grundsätzliche Ablehnung dahinter steht, um eine solche Abwertung psychisch kompatibel zu machen. Jeder Mann, der mit den Unterzeichnerinnen zu tun hat, sollte ihnen eigentlich unter die Nase reiben, was für ein unpassendes und fast schon faschistoides Bild sie da von Männern im Allgemeinen und somit auch von ihm haben. Der Mann an und für sich – zumindest, wenn er weiß und „heteronormativ“ ist – als so eine Art Untermensch, als triebgesteuertes Wesen. Männer dürften sich so etwas nicht gefallen lassen. Man hat auch deutlich den Eindruck, dass die Erstunterzeichnerinnen zwar heftig über Männer nachdenken und über sie reden, aber eher weniger mit ihnen. Diese ganzen „Einzelfälle“ an kultivierten, freundlichen und nicht übergriffigen Männern im Umfeld müssten doch eigentlich auffallen… Und erst der eigene: one in a billion… Tut es aber diesen „besseren Menschen“ anscheinend nicht. Petitesse am Rande ist, dass auch angemahnt wird, dass mediale „Berufswege vor allem Menschen mit formal hoher Bildung offen“ stehen. Bildung ist also nicht erforderlich für Medienarbeit. Die richtige Gesinnung reicht, wer muss da schon gebildet sein. Die eigene Betroffenheit reicht. Einordnen können für die Rezipienten fällt dann ohne Bildung, also erweiterten Horizont im besten Falle, auch weg. Da tritt dann neben die Männerverachtung auch die Bildungsverachtung. Alles unnötig, Ballst bei der Darstellung subjektiven Empfindens.

Zu besichtigen ist eine sexistische und rassistische Haltung auch hier:

Frauenfrieden jetzt!

In diesem Aufruf werden auch Pornographie und Prostitution gegeisselt. So sehr Zwangsprostitution zu bekämpfen ist, so sehr sollten die Aufrufenden einmal realisieren, dass die freiwillige Vereinbarung zwischen einer Frau und einem Mann sie wenig angeht. Man kann dafür eintreten, dass Prostituierte eine Krankenversicherung etc. haben. Aber das Gewerbe an sich ist frei. Das ist auch gesellschaftlich gut so. Den Damen scheint es nicht klar, dass es nicht wenige Männer gibt, die „in der freien Wildbahn“ real wenig Chancen haben, ihre Sexualität auszuleben, Behinderte z.B. Will man ihnen – Freiwilligkeit vorausgesetzt – dieses verbieten? Was ist mit Frauen, die Männer zeitweise buchen? Auch scheinen die Damen nicht zu wissen – das sieht man schon bei kurzer Recherche – dass sich nicht wenige Frauen sehr wohl völlig freiwillig, nicht an Geld interessiert und mit Spaß vor Männern ausziehen und noch ganz andere Sachen machen. Es gibt entsprechende Portale für Erwachsene. „Pornographie“ findet längst eher privat organisiert und im Internet statt. Das klassische Bild, dass die Damen im Kopf haben, ist schlicht von vorgestern. Auch das soll verboten werden? Menschen die Freude an ihren Körpern verbieten? Erwachsene in ihrem Privatbereich gängeln?

Manche Vokabel bleibt auch im Nebel der feministischen Gedanken halb stecken: Eine „überall sichtbare Entmenschlichung von Frauen“ bleibt diffus. Ist die Abbildung von Frauen schon „Entmenschlichung“? Werden auch Männer in der Rasierwasser-Werbung „entmenschlicht“? Fragen über Fragen. Das gipfelt in der Darstellung „Trotzdem sind ALLE Frauen in der einen oder anderen Form von Diskriminierung und Sexismus betroffen.“

Dem ist deutlich zu widersprechen. Frauen sind nicht das genuine Opfer. Nicht mehr in der Breite in *dieser* Gesellschaft. Das ist auch gut so, aber jetzt schiesst man über das Ziel, Gleichberechtigung etc. hinaus. Schon die Sprachregelungen und -kosmetiken sind völlig unnötige und dekadente Problembeschaffungsmaßnahmen. Diese Opferzuweisung nervt nicht nur, sie ist auch falsch. Dieser Aufruf macht klar, dass alle Männer Täter seien. Es ist eine bizarre Nischenmeinung, dass alle Frauen Opfer und alle Männer Täter seien. Auch Frauen sprechen und handeln übrigens sexistisch nach deren Definition. Die Verfasserinnen dieses Aufrufs sogar explizit. Der Umstand, dass wir biologisch in zwei Geschlechter fallen, kann die Verfasserinnen noch so sehr stören; ihre Sichten werden daran wenig ändern (das ist auch gut so). Es ist wenig zielführend, wenn sie auch allen anderen Menschen die Freude am jeweiligen Geschlecht vermiesen und diese Leibfeindlichkeit und Verbissenheit auch noch für Feminismus verkaufen. Nein: Feminismus will Gleichberechtigung. Nicht mehr, nicht weniger. Der Mann ist Partner, ein Kamerad, nicht Untertan und nicht Untermensch.

Das bislang charakterlich minderwertigste und unanständigste von Journalistinnenseite ist jedoch dieser Artikel im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-den-uebergriffen-in-koeln-warum-habt-ihr-keinen-respekt/12810330.html

Die beiden Autorinnen stellen zunächst scheinheilig darauf ab, es ginge niemandem um die Opfer. Nur um dann selbst eben diesen Opfern zu unterstellen:

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen.

Das ist der Geist, aus dem Rotherham gemacht ist.

Im Grunde zielt all das darauf ab, den Mann an und für sich unter dem Deckmantel eines überbordenden Feminismus abzuwerten. Es geht um Macht. Um die, zu definieren, für manche auch um politische Macht und um Fördergelder. Es geht darum, die Idee von der Erbsünde gesellschaftsfähig zu machen und zwar die des weißen heteronormativen Mannes. Frauen sind ohne Sünde, Personen, die eine andere sexuelle Orientierung haben, auch und erst recht alle, die „nicht weiß“ sind. Weil der „weiße, heteronormative Mann“ der Feind ist, da er an der (oder noch zu viel) Macht gewähnt wird, gibt es seltsame Allianzen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und so tun sich Feministinnen mit Gruppierungen zusammen, die ebenfalls als marginalisiert wahrgenommen werden.

Bei all dem Aktionismus fällt kaum auf, dass manches „Victim Blaming“, also die Zuordnung der Verantwortung für sexuelle Übergriffe beim Opfer fester Bestandteil der Ideologie von „Mitstreitern“ ist. Was dem christlichen Konservativen der Minirock ist, ist dem islamischen Konservativen das nicht getragene Kopftuch. Eine anständige Frau bedeckt sich. Alles andere ist irgendwie Schlampe und daher vielleicht nicht legitimes Opfer, aber doch möglicherweise irgendwie selbst schuld.

Über all diese Dinge denkt man jedoch nicht nach, weil es gegen den gemeinsamen Feind gemeinsam so bequem ist. Sexualfeindlichkeit wird als Anti-Sexismus umgedeutet. Rassistische Inhalte werden durch andere ersetzt, deren Inhalt nur deshalb nicht angemahnt wird, weil er gegen eine Mehrheit gerichtet ist. Läuft.

Das wird diesen „Super-Feministinnen“, den einzig echten wahren selbstempfundenen, noch, das ist absehbar, vor die Füsse fallen. Ein nicht sexistischer und nicht rassistischer Diskurs, eine Bewegung kann daher nur unter Einbindung der freundlichen, nicht sexistischen Männer gelingen. Ob sie weiß sind und mit wem sie ins Bett gehen, darf keine Rolle spielen. Die Haltung dieser Männer zählt, sonst nichts. Wie bei jeder Bewegung für Frauen jemals zuvor. Emanzipation kann nur gelingen MIT den Männern, nicht gegen sie. Die Linie ist zwischen den menschenfeindlichen, übergriffigen Männern und der Gesellschaft zu ziehen, nicht zwischen Männern und Frauen.

Opfer-Regeln für Köln

Die Stuttgarter, Hamburger und Kölner Vorgänge in der Silvesternacht, Raub und sexuelle Übergriffe in größeren Männergruppen, haben es denn doch breiter in die Medien und die internationale Presse geschafft. Sogar die New York Times berichtete nachfolgend. Die Politik greift es auch auf und spricht von ungeheuerlichen Vorfällen. Hinsichtlich der Einordnung ist man sich jedoch noch nicht so sicher. Was heißt das nun?

In Köln gab es heute eine „Krisensitzung“, in der Vorgänge und evtl. Versäumnisse beleuchtet werden sollten. Die Polizei hatte in ihrem Bericht von der Silvesternacht zwar von einer Gruppe von etwa 1000 Personen berichtet. Sexuelle Übergriffe kamen darin jedoch nicht vor. Heute wurde nun ergänzt, dass die Lageeinschätzung wohl falsch war:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/henriette-reker-sieht-keine-hinweise-auf-fluechtlinge-als-taeter-13998784.html

Man muss sich fragen, wenn die Lageeinschätzung so falsch war und es wohl zu etlichen Übergriffen kam, wie dann von einer ausreichenden Präsenz gesprochen werden kann. Wenn Übergriffe nicht einmal bemerkt wurden, ist „ausreichende Präsenz“ schon die nächste falsche Einschätzung. Polizisten werden nicht wie Tannenbäume nach Fläche berechnet, sondern ob die Aufgaben erfüllt werden konnten, was hier offenkundig nicht der Fall war. Man sollte aufhören, das zu beschönigen.

Sicher muss bei den nun vorliegenden 90 Strafanzeigen geschaut werden, was eine Relevanzschwelle überschreitet. Unter dem Aspekt, dass eine solche Strafanzeige von weiblichen Personen, die meist wissen, dass vor Gericht im Zweifelsfall penibel und peinlich nachgefragt wird, eher nicht erstattet wird bzw. große Hemmungen bestehen, kann man jedoch eine gewisse weitere Anzahl im Hintergrund vermuten. Solche Strafanzeigen werden, zumal sie nicht in einem Beziehungszusammenhang stehen, in dem Falschanzeigen schon mal vorkommen, meist nicht leichtfertig gestellt.

Es wird eine Aufarbeitung geben, die sicher einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Da mit dem Kölner Karneval bereits das nächste Großereignis absehbar ist, haben die Kölner Verantwortlichen auch bereits dieses in ihre Überlegungen einbezogen. Ab diesem Punkt wird es jedoch ebenso weltfremd wie bizarr..

So soll es etwa „Verhaltensregeln“ für junge Frauen und Mädchen geben, „damit ihnen solche Dinge nicht widerfahren“, sagt Reker mit Bezug auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht. Es gebe bereits einen Verhaltenskatalog, der nun aktualisiert würde und bald online abrufbar sein wird.

Einen ersten Vorgeschmack gibt es bereits:

Frauen sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Distanz halten

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/koeln-krisenstab-will-verhaltensregeln-fuer-karneval-aufstellen-aid-1.5669639

http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Verhalten-der-Taeter-war-absolut-intolerabel-article16695326.html

 

atoms

Kölner Modell gegen Vergewaltigung im Bild rechts Bild: http://www.chemguide.co.uk/atoms/properties/atradius.html

 

Das wird sicher ein Exportschlager.

Reker und der Kölner Polizeipräsident scheinen die eigenen Berichte nicht gelesen zu haben und auch nicht die aus Hamburg. Da war von Jagden auf Frauen die Rede und Umzingelungen. Reker und Albers scheinen sich so etwas gar nicht vorstellen zu können: Personen, die einen feuchten Kehrricht auf die eigenen Distanzbemühungen geben, sondern trotz Aufforderung und eigenem Abrücken so nah kommen, dass man ihren Atem im Nacken spürt. Eine Armlänge Distanz ist irrelevant, wenn man gejagt wird. Ist man umzingelt auch. Rekers und Albers Tipps hätten – eingehalten – den Opfern ungefähr so geholfen wie der Knoblauch auf der Fensterbank.

Es ist aber mehr als Hilflosigkeit, wenn solche Statements erfolgen: Es ist der alte Minirock im neuen Schnitt: Mädchen, passe dein Verhalten an, dann passiert weniger. Regeln für die Frauen zu machen, heißt Regeln für die Opfer zu machen, weil man die Regeln bei potentiellen Tätern nicht durchsetzen kann. Man macht weitere Regeln für diejenigen, die Regeln einhalten, weil man bei denen, die Regeln nicht einhalten, nicht oder nicht spürbar genug durchgreifen kann. Und natürlich ist das im Vorfeld schwierig. Diese Bankrotterklärung nebst mehr Regeln für die Regelgetreuen hätte man sich aber sparen sollen. Dann lieber ehrlich gesagt: Wir denken noch mal in Ruhe drüber nach, was man zweckmäßig machen kann.

Ich gebe zu, dass das Sicherheitskonzept für den Karneval herausfordernd ist. Was aber Reker und auch Albers dringend begreifen müssen, ist, dass Regeln für den sind, der sie bricht. Bei den Männern, nicht bei den Frauen.

Sonst ist das erste wirklich abschließend Geschaffte der Kölner Karneval.

It´s a man´s Kölle

Über die „Maskulinisierung des öffentlichen Raumes“, zur Einordnung der Vorfälle in mehreren Städten in der Silvesternacht, bei denen es zu erheblichen sexuellen Belästigungen von Frauen kam

Mancher wird sich noch an die Minirock-Debatten der 70er erinnern oder hat über sie gelesen: Sind Frauen selbst daran schuld, wenn sich Männer nicht mehr beherrschen können? Kann die „Provokation“ den Übergriff erklären, kann sie Grund für Strafmilderung sein?

Die Gesellschaft hierzulande hat sich nach erbitterten Debatten und manchem Rückschlag zur Zeit so entschieden, dass Männer sich im Griff haben müssen. Sie müssen ein Nein akzeptieren und da gibt es auch keine Debatten mehr. Schon das zu intensive Schauen, das Gaffen, wird gesellschaftlich abgelehnt, da hat Mann noch gar nichts gesagt, geschweige denn getan. Das gilt für Frauen in jedwedem Bekleidungszustand, Nicht wenige europäisch sozialisierte Männer, vor allem der akademischen Schicht, sind mittlerweile so konditioniert, dass sie sich kaum noch trauen, Frauen überhaupt zu fragen, ob denn vielleicht was möglich wäre, es sei denn, sie bekommen von der Frau klare Signale, dass eine Anfrage nicht nur in Ordnung ist, sondern vielleicht auch erfolgversprechend sein könnte. Ausnahmen gibt es immer.

Frauen haben sich also daran gewöhnt, dass sie im öffentlichen Raum meist unbelästigt bleiben können, egal was sie tragen. Leider gibt es Kulturkreise, in denen das noch sehr, sehr anders ist. Vor drei Jahren ging der Fall einer indischen Studentin um die Welt, die von 6 Männern brutal vergewaltigt wurde. Man benutzte sie wie ein Stück Vieh und warf sie zum Sterben auf die Strasse. Schon aus dem relativ nüchternen Wikipedia-Beitrag erkennt man die völlige Empathie-Losigkeit der Täter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenvergewaltigung_in_Delhi_2012

 

Solche Taten sind nicht so selten in Indien, wenn auch dieser Fall durch besondere Grausamkeit imponiert. Oft werden die Frauen, auch Kinder oder halbe Kinder, „nur“ vergewaltigt und danach getötet oder sie werden von den Verwandten als Exemplar nun ohne Wert umgebracht. Opfer erzählen oftmals also besser nicht von der Tat; sie werden dadurch ein weiteres Mal Opfer. Sie leben fortan in Angst, denn der Vergewaltiger könnte von der Vergewaltigung erzählen, sie könnten gezwungen werden, ihn zu heiraten. Frauenverachtung ist dort gesellschaftlich akzeptierte Haltung, Frauen gelten als minderwertig. Verbreitet werden weibliche Föten abgetrieben, was den Frauenmangel zusätzlich zuspitzt. So eine Haltung gibt es durchaus verbreitet in Afrika, Indien, Pakistan, Bangladesh, im nahen und mittleren Osten. Beispielhaft:

http://www.smithsonianmag.com/smart-news/egypt-99-women-have-been-sexually-harassed-180951726/?no-ist

Gesellschaften, die immer noch Clanstrukturen aufweisen, auf die modernere Gesellschaftsstrukturen gleichsam draufgepfropft wurden. haben eine besondere Beharrungstendenz in diesen archaischen Mustern. Es sind Männergesellschaften, in denen die Frauen im öffentlichen Raum nicht oder kaum vorkommen. Sind sie das doch, dann nehmen sich Männer häufiger das, was sie dann als herrenloses Gut meinen klassifiziert zu haben. Es gibt ekelhafte Sprichwörter, die sich darum drehen, dass Männer wie Hunde wären und Frauen wie Fleisch. Das Menschenbild ist für beide Geschlechter gleichermaßen widerwärtig. Personen aus einfacheren Schichten werden oftmals so erzogen, dass das die Normalität in den Köpfen ist. Auch die akademische Schicht ist davon manchmal noch nicht frei (es wäre wichtig, dass die freiheitlich Denkenden hier lebenden darunter sich jetzt engagieren und aufklären!). In der Gruppe auf der Strasse können Männer relativ sicher sein, dass ihre Tat schlimmstenfalls halbherzig verfolgt und bestraft wird. Sind sie daher in der Gruppe auf der Strasse, agieren sie oftmals als Gruppe. Berichte von Frauen aus den genannten Ländern über das tägliche Spießrutenlaufen finden sich in großer Zahl im Internet inkl. widerwärtigster Videos, die manchmal von den Tätern selber veröffentlicht wurden.

Kindermund:

In völlig islamistischen Ländern wie Saudi-Arabien oder dem Iran kommt es durch die verbreitete Geschlechtertrennung kaum noch zu solchen Strassenszenen. Vielfach wird die Frau jedoch der Unzucht angeklagt und oft auch von Staats wegen getötet, sollte sie eine Vergewaltigung anzeigen oder dies öffentlich werden.

Diese Haltung wirft auch noch einmal ein Licht auf die Entsendung von mehrheitlich jungen Männern in der aktuellen Lage: Misstrauen in die Disziplin schon der mitreisenden Männer ist wohl Teil des Kalküls.Vergewaltigungen auf der Flucht sind nicht unüblich und werden häufig berichtet.

Derlei Dinge sind bei uns ganz unverstellbar. Die brutale Frauenverachtung ist fremd und die Gruppenaktionen sind noch befremdlicher. Zum Vergleich die vielen Gelegenheiten von public viewing die letzten Jahre: Auch da ein Männerüberhang, darunter auch viele alkoholisierte Männer, aber dass sich ganze Gruppen zusammentaten, um über Frauen herzufallen, ist ein untypisches Verhalten.

Ihn Köln brach sich jedoch genau ein solches Verhalten, wie man es z.B. in den Strassen von Kairo nicht so selten beobachten kann,  in der Silvesternacht Bahn. Eine große Anzahl von Männern, jeweils in Gruppen, belästigte Frauen und raubte sie bei Möglichkeit gleich noch aus. Polizei, Polizeigewerkschaft und Stadt sind sich einig, dass so etwas noch nie da war und dies eine völlig neue Qualität sei:

http://www1.wdr.de/themen/aktuell/koeln-uebergriffe-silvester-hauptbahnhof-100.html

Die Berichterstattung über dieses Phänomen läuft erst mühsam an. Vielleicht weiß man in den Redaktionsstuben nur nicht, dass es das Phänomen auch andernorts gibt und setzt daher nicht in Zusammenhang. Es ist redlich und richtig, dass man versucht einer evtl. möglichen Pauschalisierung entgegenzuwirken und das ist auch etwas, was nicht sein darf. Trotzdem sollte und muss man die Struktur dieses Verhaltens erkennen. Das gab es nämlich auch noch in anderen Städten:

Zum Beispiel in Stuttgart, dort ein Vorfall mit ähnlicher Masche, auch aus der Gruppe heraus:

http://www.focus.de/regional/stuttgart/vorfall-in-stuttgart-junge-maedchen-sexuell-belaestigt-und-ausgeraubt_id_5188052.html

Ähnliche Vorgänge gab es wohl auch in Hamburg in der gleichen Nacht. Ein Augenzeuge berichtet:

[…]

„Danke! Da gab es kein „Entgegenstellen“. Da waren hunderte, die nur aufeinander zugerannt sind und allen Frauen zwischen die Beine gegriffen haben!
Es war eine halbe Massenvergewaltigung/-Nötigung.
Unfassbar!!!
Die Polizei hat den ganzen Abschnitt gesperrt!“ […]

„Hätten uns hunderte Deutsche Skinheads eingekreist, hätte ich etwas über das Nazi-Pack gepostet.
Hand drauf.
Das ist KEINE Propaganda.
Das ist Realität!
Ich wünsche dir und deinen Lieben, dass du NIEMALS so etwas erleben musst. Wenn doch: Dann bin ich auf deine „Propaganda“ gespannt.
Wenn du ggf. zur gleichen ethnischen Gruppe gehören solltest: Du hast mein Mitgefühl, dass du indirekt unter den Taten dieser widerlichen Wichser leiden musst.“

Die Bild hat es gerade eben aufgegriffen:

„Einige Mädchen wurden wie Vieh gejagt. Das so etwas in Hamburg möglich ist, macht mich fassungslos. Da bekommt man Angst, auf dem Kiez zu feiern.“
Andere Frauen schilderten in sozialen Netzwerken, dass ihnen unter den Rock gegriffen wurde. Wenn sie sich wehrten, wurden ihnen die Hände festgehalten.“

http://www.bild.de/regional/hamburg/sexuelle-belaestigung/auf-der-reeperbahn-44017940.bild.html

Im StGB ist im § 177 die sexuelle Nötigung qualifiziert u.a. durch:

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn

1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder
2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

Das kann, muss aber nicht Haft bedeuten (genau 2 Jahre können noch zur Bewährung ausgesetzt werden). Kommt da noch etwas hinzu, ist es sicher Haft. Eine Ausweisung ist bislang ab 3 Jahren Haft möglich. Meiner Ansicht nach sollte das auf ein Jahr abgesenkt werden.

Es wird jetzt wichtig sein, die Täter zu fassen und die Vorgänge so gut es geht, aufzuklären. Es wird ebenfalls wichtig sein, zu erkennen, was an Aufklärung über hiesige Gebräuche und Regeln in der Vermittlung unabdingbar ist. Sollte die Einschätzung von Opfern und Polizei zutreffen, wären das auch Personen, die keinen Anspruch auf Aufenthalt hätten, also im Prinzip illegale Einwanderer, auf die man natürlich üblicherweise kaum Zugriff hat. Unter den Festgenommenen scheinen viele keine Papiere mit sich geführt zu haben, was alles erschwert. Ungeachtet dessen muss dort gegengewirkt werden. Es wäre nicht hinnehmbar, dass Frauen sich im öffentlichen Raum abends weniger frei bewegen können. In Köln, in Stuttgart, in Hamburg und anderswo. Dieser Preis wäre zu hoch.