DITIB LJV Rheinland Pfalz: Unbunte Seminarreihe

Die DITIB Landesjugendverbände stellen sich selber als relativ selbständige Jugendorganisationen dar. In Hessen sind sie beispielsweise seit einigen Monaten als Träger der freien Jugendhilfe angemeldet. In Rheinland-Pfalz ist der Vorsitzende Ibrahim Alboga, der Sohn von Dr. Bekir Alboga, dem Beauftragten für interreligiösen Dialog des DITIB Bundesverbandes.

In der Jugendarbeit ist es besonders wichtig, welche Art von Selbstverständnis vermittelt wird. Schließlich sind manche Haltungen noch in der Findungsphase und auch die Lernbereitschaft ist oft auf einem besonders hohen Niveau. Im Grunde segregative Jugendangebote, unabhängig von welcher Seite, erscheinen gerade im Hinblick auf ein gutes Miteinander als Erwachsene wenig hilfreich, nehmen aber zu. Die Kontakte gerade in der Freizeit sind eigentlich wichtig, um Freundschaften entstehen und gedeihen zu lassen. Zusätzliche Konzepte wie Geschlechtertrennung erscheinen nur in wenigen Fällen wirklich nützlich und förderlich (z.B. wenn eine gesonderte Mädchen- oder Jungenförderung notwendig ist). Bei größeren Events, wie z.B. hier bei einer Jugendleitertagung der DITIB Jugend in Hessen, geht es zumindest auch hinsichtlich der geladenen Gäste noch relativ „bunt“ zu:

 

Bei eher internen Veranstaltungen ist das meist anders.

Der DITIB Landesjugendverband Rheinland-Pfalz plant aktuell eine Seminarreihe. In der Folge dieser Veranstaltungen tritt nicht nur der bereits erwähnte Landesvorsitzende auf, sondern es sind weitere Referenten eingeplant:

 

Mehmet Alparslan Celebi ist seit fast einem Jahr stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Weiterlesen

ZMD Hessen: Neuer Vorstand

Zentralrat der Muslime in Hessen wählt neuen Vorstand

Wie einer Mitteilung des Zentralrats der Muslime (ZMD) zu entnehmen war, hat man im Landesverband Hessen aktuell neu gewählt.

Zum neuen Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Said Barkan von den Delegierten (Moscheevorständen) gewählt. Als stellvertretender Vorsitzender wurde Oguzhan Aksoy bestätigt. […]  Der neue Vorsitzende bedankte sich bei dem bisherigen Vorstand für die geleistete Arbeit: „Ich freue mich, die sehr gute Arbeit des scheidenden Vorstandes weiter fortführen zu können, insbesondere zum einen weil mit Oguzhan Aksoy bereits ein erfahrenes Vorstandsmitglied weiter dabei ist und zum anderen, weil mit Dr. Nazife Dinc eine hochkompetente Ärztin das Team komplettiert.

http://www.zentralrat.de/28503.php

Der Herr El Yazidi, der den Vorsitz vorher inne hatte, war wegen seiner Betätigungen hier mehrfach Thema auf dem blog (ZMD, DIV z.B.).

Der neue Vorsitzende Said Barkan ist auch der „Beauftragte für Recht“ des ZMD.

Da die Struktur des ZMD ist, wie sie ist, sind die Personen, die sich im Vorstand des Dachverbandes befinden, meist Unterstrukturen zuzuordnen.

So wurden der Herr Aksoy und Frau Dr. Dinc z.B. im letzten Jahr in den ATIB-Vorstand gewählt:

http://ahaber.de/haber/2276/atib-22-olagan-genel-kurulunu-gerceklestirdi

U.a. zur ATIB, aus einer Kleinen Anfrage und deren Beantwortung der Hessischen Regierung letzten Oktober:

In den diesen drei Dachverbänden [d.h. ADÜTDF, ATB, ATIB] angegliederten Vereinen wird die Ideologie der „Ülkücü-Bewegung“/Grauen Wölfe auf lokaler Ebene gepflegt und vermittelt. Grundsätzlich verherrlichen nicht alle Vereinsmitglieder Gewalt oder agitieren rassistisch. Allerdings müssen sie sich die Förderung und Verbreitung einer Ideologie zurechnen lassen, deren Handlungsmotivation letztlich auf die Abwertung ethnisch Anderer bzw. auf Gewalt gegen Andersdenkende hinausläuft.

http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/2/03662.pdf

Als relativ starke und große Gruppierung, die sich unter dem Dach des ZMD, auch des Landesverbandes Hessen, befand, ist ebenfalls die IGD, die Islamische Gemeinschaft Deutschlands, zu nennen. Diese wird von den Verfassungsschutzämtern der Muslimbruderschaft zugeordnet, auch wenn sie selber das irgendwie nicht so richtig findet. Aktuell hat man die Mitgliederstruktur des ZMD nicht mehr öffentlich, vielleicht, damit man diese irgendwie nicht mehr so richtig findet.

Im Sinne der Transparenz wäre es schon angemessen, wenn der Vorsitzende einfach bekannt geben würde, welcher der Unterstrukturen er zuzuordnen ist. Da kann man zwar seine Vermutungen haben, die man auch gut begründen kann, aber genau diese Gruppierung erscheint da immer besonders schmallippig. Denn Zuordnungen sind irgendwie immer nicht so richtig. Die richtige will man alternativ – wenn es falsch sein soll, welches wäre die richtige? – aber auch nicht nennen. Alles soll möglichst dunstig sein hat man den Eindruck. Nichts soll mehr fassbar sein, die Struktur, die Ideologie, die vertreten wird, nur der persönliche Eindruck soll zählen und so verstehen es Anhänger der Ideologie der Grauen Wölfe oder der der Muslimbruderschaft schon mal, beim Small Talk zu glänzen. Wer wird denn da garstig noch direkt nach den Hintergründen fragen? Der ZMD erscheint also als black box. Vertrauen erweckt eine solche Geheimniskrämerei allerdings nicht. Offenheit erweckte vielleicht noch weniger Vertrauen, warum man diesen Weg möglicherweise gewählt haben könnte. Aber gut, das ist alles selbst gewählt.

Der Herr Barkan ist auch Vorsitzender der Deutsch-Marokkanischen Juristenvereinigung e.V., die Weiterlesen

Verbandsmarketing II

Lobbyismus, Vertretungsanspruch und Vertretungsmacht muslimischer Verbände

Erklärungsversuche Teil 2

Mit konkreten Mitgliederzahlen tun sich die Verbände nämlich eher schwer. So gibt es z.B. keine offizielle Angabe vom ZMD. Auch die Mitglieds-Vereine und -Verbände sind mittlerweile auf der aktuellen Internetseite des ZMD nicht mehr verfügbar. Hier jedoch findet sich die Übersicht:

https://web.archive.org/web/20160526181122/http://zentralrat.de/16660.php

Nähme man die Ansprache-Quoten in den sozialen Medien einmal als Hinweis, ergäbe sich nämlich ein anderes Bild:

Facebook-Follower oder „gefällt mir“ Zahlen, Twitter in eckigen Klammern, den jeweiligen Seiten entnommen:

ADÜTDF („Graue Wölfe“)                                                      ~ 14.800
ATIB                                                                                         > 2.400
DITIB (Hessen, ca. 10 % der Moscheen)                                   > 700
DITIB *                                                                                          [183]
IGBD                                                                                        ~ 3.000
IGD                                                                                          ~ 1.500
IGMG                                                                                       ~ 3.500 [7957]
Islamrat                                                                                      ~ 900 [958]
IGS (Schiiten)                                                                           > 3.600
Koordinationsrat (Twitterkanal, letzter Eintrag 2014)                        51
ZMD                                                                                           ~ 3.100
ZMD Hessen                                                                                      16

Jugendverbände:

ATIB                                                                                          ~ 12.000
DITIB (Hessen)                                                                          ~ 1.700
IGMG –
IGMG Kinderorganisation                                                            ~ 5.100
MJD                                                                                             > 6.000

Zum Vergleich:

Bund der alevitischen Jugend (nur NRW)                                 > 53.000

Einzelpersonen: Weiterlesen

Verbandsmarketing I

Lobbyismus, Vertretungsanspruch und Vertretungsmacht muslimischer Verbände

Erklärungsversuche

Nicht nur muslimische Verbände wie der Zentralrat der Muslime werden von der Gesellschaft häufig primär über ihre Öffentlichkeitsarbeit wahrgenommen – oder auch nicht. Es gibt große Verbände und Personenvereinigungen, die selten oder allenfalls anlassbezogen öffentliche Aufmerksamkeit erhalten; manchmal sind sie Fachkreisen nur bekannt. Manche NGO sind denen nur geläufig, die sich für die vertretenen Inhalte interessieren. Bei den muslimischen Verbänden wäre das an sich kaum anders, denn diese sind in der muslimischen Community selber wesentlich weniger bekannt, als so manchem politisch Aktiven vermittelt wird (ZMD z.B. ~ 25%).* Anlassbezogen äußern sich Verbandsvertreter, wenn es z.B. um Schulunterricht oder auch das Tragen des Kopftuchs in verschiedenen Zusammenhängen geht. Da es jedoch auch Anlässe gibt, die sehr erheblich aus der Normalität gesellschaftlichen Diskurses herausfallen und in diesen Zusammenhängen „muslimische Stimmen“ eingeholt werden, sind manche Verbandsvertreter auch dort Ansprechpartner der Medien, z.B. bei wichtigen Urteilen oder nach Attentaten (was dem einen oder anderen Funktionär auch missfällt, glaubt man den Einträgen in den sozialen Netzwerken). Es mag sicher anstrengend sein, sich da in eine oftmals noch vage Lage hinein zu äußern – an diesem Punkt kann man das sogar nachvollziehen, ist mancher doch schon länger aktiv und glaubt, schon alles zum Thema gesagt zu haben. Trotzdem ist natürlich ein Bedürfnis nach Erläuterung der Bevölkerung da – da muss man Profi sein. Insbesondere der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD) scheint häufig nachgefragt zu werden. Vertreter anderer Verbände sind wesentlich weniger präsent.

Das liegt u.a. daran, dass er und der ZMD ganz selbstverständlich den Anspruch zu erheben scheinen, für einen sehr großen Anteil der Muslime in Deutschland sprechen zu können. Das suggerieren der Name und das zugehörende Auftreten. Dieser Anspruch ist jedoch nicht zwangsläufig zutreffend, wird aber kaum hinterfragt. Das erhebliche Interesse, die eigene Vertretungsmacht größer erscheinen zu lassen, als sie ist, wird dort häufig nicht reflektiert. Während bei einem Lobbyisten aus einem anderen Bereich der Vertretungsanspruch einem raschen Faktencheck zugänglich ist, ist das bei Funktionären im Bereich der muslimischen Verbände schwieriger. Dort ist man im Wesentlichen auf die Eigenangaben angewiesen (oder teilweise auf die des Verfassungsschutzes). Bei christlichen Funktionären kann man beispielsweise mit der Zahl der Kirchensteuerzahler abgleichen, bei Fußballfunktionären mit der Größe des Clubs und der Liga-Zugehörigkeit. Auf Bundesebene käme von der Politik z.B. kaum jemand auf die Idee, allgemeinen Forderungen eines Vertreters der Freikirchen** dasselbe Gewicht zu verleihen wie einem Vertreter der katholischen Kirche***. Oder im Sinne eines politischen Interessenabgleiches die Stimme des Deutschen Fechterbundes mit etwa 25.000 Mitgliedern gleich zu gewichten wie die Anliegen des Deutschen Fußballbundes mit knapp 7 Mio. vertretenen Mitgliedern (Zahlen Wikipedia). Vertretungsmacht wird so in die Währung politischen Einflusses umgemünzt, dass mehr Mitglieder im Rücken den jeweiligen Vertretern auch mehr Gehör verschaffen. So weit das übliche Denken.

Bei den muslimischen Verbänden ist dies nun aber etwas anders. Beim größten Verband, der DITIB, kann man über die Zahl der Moscheen nur grob einen Rückschluß auf die Zahl der tatsächlich vertretenen Mitglieder ziehen, weil die DITIB-Gemeinden zwar lokal sozusagen selbst organisiert sind, aber über die Finanzierung mindestens der Imame mehr ein Angebot einer Art Staatskirche darstellen (deren Gewicht ist aber auch durch die deutsch-türkischen Beziehungen beeinflusst). Niemand weiß, wie viele tatsächlich übrig blieben von den 900 DITIB-Gemeinden (Eigenangabe), müssten die Weiterlesen

Familiy Business II

Über die ATIB und den dahinter stehenden Celebi-Clan

Fortsetzung zu:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/08/07/family-business/

Die dem Spektrum der sog. Grauen Wölfe angehörende ATIB war in den letzten Tagen Gegenstand einer breiteren Aufmerksamkeit. Zum einen wurde die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevim Dağdelen, Annette Groth, weiterer Bundestagsabgeordneter und der Fraktion DIE LINKE veröffentlicht, in der einigen interessanten Fragen nachgegangen wird.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/093/1809353.pdf

Zum anderen war in der BILD am Sonntag der stellvertretenden Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Mehmet Alparslan Celebi, der Sohn des Gründer des ATIB und Vorstandsmitglied erwähnt worden:

http://vorab.bams.de/mehrheit-der-deutschen-fuer-ende-des-fluechtlingsabkommens-mit-der-tuerkei/

Wichtig in der Beurteilung von Gruppierungen und Organisationen sind neben den Verbindungen auch die Finanzströme und die direkten Kooperationen. Nach bisherigem Kenntnisstand, s. Antwort der Bundesregierung, ging man davon aus, dass ein kleiner Teil der ATIB-Imame aus der Türkei bezahlt wird:

Die ATIB gibt an, „weder Verbindungen zu einer Partei noch einer staatlichen Institution“ in der Türkei zu haben (www.atib.org/de/content.php?baslik=haberler&detay=Die-atib-verurteiltdie-verleumdungskampagne-des-verbands-im-zdf). Diese Behauptung steht im Widerspruch zur Feststellung in einer Publikation des BMFSFJ, wonach in einigen ATIB-Moscheen Religionsbeamte des Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet Işleri Başkanliǧi) als Imame tätig sind, deren Gehalt zum Teil aus dem türkischen Staatshaushalt bezahlt wird. Diyanet Işleri Başkanliǧi ist eine Behörde in der Türkei, die direkt dem türkischen Ministerpräsidenten untersteht (www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/engagementtuerkisch/1-Einleitung/
1-4-verbaende,did=44816,render=renderPrint.html).

Nach einer jüngsten Einlassung von Mehmet Alparslan Celebi werden jedoch seit Jahren alle Imame Weiterlesen

Family Business

Über eine deutsch-türkische generationenübergreifende familiäre Arbeitsteilung

Die Avrupa Türk-İslam Birliği (ATIB), eine Organisation aus dem Spektrum der türkischen Grauen Wölfe, gewinnt derzeit an Gewicht und Bedeutung. Bei der Gruppierung, die in einigen Bundesländern unter Beobachtung der Landesämter für Verfassungsschutz steht, werden ihre Verflechtungen nun auch öffentlich sichtbarer. Die ATIB ist unter anderem Gründungsmitglied des Zentralrats der Muslime Deutschlands (ZMD). Wenig bekannt war, dass die Imame der ATIB-Moscheen zum Teil vom türkischen Staat bezahlt werden 1, was auch durch Eigendarstellung verschleiert wurde.2

Die Türkei unterhielt demnach nach den Verfassungsschutzberichten über die Jahre eine Art Lobby-Organisation, die hinsichtlich ihrer Ausrichtung einen klareren Abgrenzungskurs zur deutschen Gesellschaft und auch zur verfassungsmäßigen Ordnung betrieb, wenn auch nicht nach öffentlicher Eigenbekundung. Darüber mag sich mancher, der die DITIB als Verhandlungspartner für Schulunterricht sah, getäuscht haben: Es bestand dem Anschein nach eine Art Arbeitsteilung, hier mehr der religiös konnotierte Bildungssektor, dort mehr die religiös konnotierte, kulturell verbrämte Politik. Diese Arbeitsteilung, die geeignet war, die Öffentlichkeit und auch die politischen Entscheider zu täuschen, wird strukturell (s. gestriger Beitrag) zunehmend aufgehoben. Die DITIB wurde als einem liberalerem Islamverständnis angehörend verortet (was auch zeitweise und örtlich unterschiedlich der Fall gewesen sein mag) und als relativ unabhängig von türkischen Vorgaben ausgegeben. Dies entsprach – wie aktuell immer deutlicher wird – nicht umfänglich der Realität. Im Zuge der stärkeren Betonung des Nationalen und Religiösen unter Recep Tayyip Erdogan nähert sich die DITIB öffentlich den Haltungen der ATIB an während die ATIB versucht, sich in Deutschland als religiöser Kulturverein zu positionieren, der wenig politisch sei. Zugleich wird massiv versucht, die Geschichte der ATIB und insbesondere wohl auch ihres Gründers Musa Serdar Celebi vergessen zu machen.

https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6deration_der_T%C3%BCrkisch-Demokratischen_Idealistenvereine_in_Deutschland

Bewirkt wurde dieses, indem sich der Gründer offiziell von der Leitung der ATIB zurückzog und vor Jahren ein öffentlich weniger vorbelasteter Weggefährte Celebis, Ihsan Öner, den Vorsitz übernahm. Auf diese Weise wurde versucht, der ATIB ein besseres Image zu verschaffen.
Der Sohn des Gründers, Mehmet Alparslan Celebi, ist seit Mai 2016 als Stellvertreter Aiman Mazyeks im ZMD benannt. Celebi jun. soll als Vertreter einer neuen Generation das darstellen, was sich Deutschland als Einwanderungsgesellschaft idealtypisch unter einer integrierten Person vorstellt. Hier geboren und aufgewachsen, formal gebildet, soll und will er dem Anschein nach jedoch die Tradition fortführen ohne dass dies allzu offensichtlich ist:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/06/01/next-generation/

Dies wird ermöglicht, indem der Celebi sen. in Deutschland weniger stark im Fokus der Öffentlichkeit ist. In der Türkei bietet sich jedoch ein anderes Bild. Celebi sen. ist Weiterlesen

Die „Osmanische Generation“ formiert sich

Neues Projekt von ATIB, DITIB und IGMG: „Young Ummah“

Die meisten Menschen assoziieren mit jungen Menschen Positives: Sie gelten als frisch und „unverdorben“, werden für offen, freundlich und friedlich gehalten.

So weit das Klischee, das ja auch oft zutrifft. Junge Menschen können jedoch auch schon – weil man ihnen wenig Wahl ließ oder sie Dinge noch nicht einordnen können – indoktriniert sein und dann besonders fanatisch. Man denke an die Pimpfe der Nationalsozialisten etwa oder die Roten Garden Maos. Totalitäre Regime phantasierten meist auch von einer neuen Generation, einem neuen Menschen, den der feste Glaube an die Ideologie leitet. Der „alte Mensch“ war dann meist der politische Gegner, dem der Kampf angesagt wurde.

Auf die Jugend war man also schon zu anderen Zeiten aus und versuchte, sie zu indoktrinieren, um sie dann maximal benutzen zu können. Das ist kein Phänomen zwangsläufig der Vergangenheit. Von Bubenheim bis zu britischen Hardcore-Fundamentalisten (Sabeel, Hizb ut Tahrir z.B.) wird der Traum einer islamischen Jugend geträumt, die sich vereinigt. Das ist jedoch nicht nur dieser islamistischen Richtung eigen, es gibt mehr Denkschulen, mal mehr, mal weniger nationalistisch in der Konnotation, die das imaginieren. Offen agiert man wenig martialisch, eher geschmeidig sich den Bedingungen und Gegebenheiten anpassend. Schließlich ist man in den meisten Ländern in der Minderheit. Den besonderen Schutz, den Minderheiten (zu Recht) in Europa genießen, weiß man aber für die politische Agenda geschickt zu nutzen: Die menschenfreundlichen Werte werden für wenig Humanes und Egalitäres nur benutzt.

Etwas, was sich seit einiger Zeit schon auf Portalen wie „Osmanische Generation“ abbildete, spielt sich nun auch im realen Leben ab: Eine Vereinigung zunächst der türkischstämmigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird betrieben. Man findet sich in einer Art neuem Jugend-Dachverband zusammen, der sich „Young Ummah“ nennt. Der Begriff ist in gewisser Weise gut gewählt, ermöglicht er doch weiteren Gruppierungen, sich anzuschließen, und er klingt zugleich nicht nach den fundamentalistischen jungen Muslimen (ATIB!), die das betreiben. Er klingt frisch und international. Der Name ist auf Zuwachse gehäkelt. Bestens geeignet also, um mit politisch Aktiven, potentiellen Fördermittelgebern oder auch der Presse Katz und Maus zu spielen.

Die drei Jugendverbände von ATIB, DITIB und IGMG machen also unter diesem Namen gemeinsame Sache.

Es bestehen bereits erste Ortsverbände, beispielhaft: Weiterlesen