Alleingelassen mit dem Problem

Eltern, Lehrer und kommunale Entscheider mit leeren Händen: über den neuen Verfassungsschutzbericht und suboptimale Informationsverbreitung

Montag wurde der neue Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen vorgestellt. Nach dem jüngsten Verfassungsschutzbericht ist die Zahl der Salafisten auf 1650 gestiegen im Berichtszeitraum, die Zahl der Islamisten erhöhte sich auf 4150, S. 89 ff.:

Klicke, um auf LfV_Bericht-2015final_screen.pdf zuzugreifen

Im Bericht werden sie „Aktivisten“ genannt ohne dass dieser Begriff definiert würde. Ist ein Aktivist Objekt der Beobachtung? Ist er gewaltbereit? Was macht zum Aktivisten und was nicht?*

An islamistischen Einrichtungen werden genannt das Europäische Institut für Humanwissenschaften (EIHW) und der Rat der Imame und Gelehrten (RIGD), ohne jedoch deren konkreten Sitz aufzuführen (Ostparkstr. 45 bzw. im Islamischen Zentrum Frankfurt, Eichenstr. 41). Für Eltern, Lehrer und kommunale Entscheider sind das die unwichtigsten Einrichtungen, wenn man da eine Reihenfolge hineinbringen wollte. Als Akteure persönlich benannt sind Pierre Vogel, Abdellatif Rouali und Bilal Gümüs. [Der Abschnitt zur IGMG ist etwas präziser, aber auch dort werden nur „Vereine“ benannt; welche?]

Vogel ist nur sporadisch in Frankfurt, Rouali ist noch aktiv, hat aber an Einfluß in der Szene verloren und Bilal Gümüs zieht nach seinem Rauswurf bei LIES nunmehr mit Vogel durch die Lande.

In dem Bericht werden manche Aktivitäten, nicht aber Orte und weitere Aktive konkret benannt. So fand am 11. Januar 2015 eine Veranstaltung für Frauen statt „in einer Moschee“ oder „charismatische Prediger“ seien dabei beobachtet worden, um Anhänger zu werben. Die vielen weiteren Beobachtungsobjekte jenseits des EIHW und des RIGD und die Namen der Prediger werden jedoch nicht genannt. Dr. Khaled Hanafy wird nicht Weiterlesen

Koranverteilungen: Wieder Mißverständnisse

Projekte an sich wurden entgegen Presseberichten nicht verboten

Koranverteilungsprojekte wie „LIES!“ oder „Siegel der Propheten“ sind in vielen Innenstädten vorzufinden. Stolz präsentiert und dokumentiert wird das meist mit Fotos oder Videos auf der Facebook-Seite „Die wahre Religion“ bzw. der entsprechenden Seite von „Siegel der Propheten“.

Lies Hamm 151017

LIES, Beispiel-Bild

Diese Betätigungen sind den Kommunen natürlich wegen ihres bekannten Radikalisierungs-potentials ein Dorn im Auge. Ordnungsämter, Polizei und Verfassungsschutz haben jedoch mit dem  Problem zu kämpfen, dass die Aktion als solche, das Verteilen des Korans, als freie Religionsausübung aufgefasst wird (was durchaus mal zu prüfen wäre nach den mittlerweile vorliegenden Erkenntnissen). Sondernutzungen werden daher oftmals erteilt, weil man in fast 5 Jahren es in der Breite nicht schaffte, den Herausforderungen angemessene Sondernutzungssatzungen zu erstellen und man oftmals auch sonst hofft, das Problem werde sich entweder von selbst erledigen oder der Bundesinnenminister werde es schon richten. Die gewerbliche Komponente der LIES-Aktionen wurde – trotz Hinweises – anscheinend als wenig aussichtsreich erachtet.

Ab und an geistert durch die Medien, die Koranverteilungen seien von Kommunen verboten worden. Das war im letzten Jahr der Fall in Wiesbaden, wo der Ordnungsdezernent Franz stolz verkündete, man habe zielführend gegengewirkt:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/koranverteilung-in-wiesbaden-verboten-13407438.html

Bei genauer Nachforschung stellte sich dann heraus, dass es Bürgerbeschwerden gab, denen man einzeln nachgegangen war. Teilweise hatte man auch den fliegenden Verteilern vorgehalten, sie benötigten eine Sondernutzungssatzung (die sie nicht vorweisen konnten, weil sie halt nicht notwendig ist bei der Art der Betätigung, wie sie in Wiesbaden ausgeübt wurde; andernorts mit richtigen Ständen natürlich schon):

http://www.jurablogs.com/2015/02/04/wiesbaden-ordnungsamt-untersagt-koranverteilung-durch-salafisten

Aktuell rauscht der Hamburger Innensenator durch den Blätterwald; Andy Grote, so geht Weiterlesen

Leere Hände in der Prävention

Über die blinden Flecke in der Radikalisierungs-Prävention

In den meisten Bundesländern wird mittlerweile einiges an Präventionsprojekten gegen den islamistischen Extremismus voran gebracht. Bundesländer, die unter besonderen Problemen leiden, d.h. erhebliche Zahlen an Salafisten und anderen, gewaltbereiten Islamisten aufweisen, fassen eine Menge Geld an, um gegenzuwirken. Man ahnt, dass man, sofern es zu einem großen Anschlag kommt, mindestens Bemühung vorweisen muss, um nicht in dem Ruch der Untätigkeit zu stehen, will wahrscheinlich auch ernsthaft endlich etwas gegen Radikalisierung tun. Das ist zwar nur nach außen. Man ist mittlerweile auch nichtöffentlich nicht untätig, wenn auch nicht immer in konzertierter Weise. Nicht alle behördlichen Akteure agieren wirklich im Gleichtakt. Auch werden in Projekten Gruppierungen wie die Grauen Wölfe oder andere (noch) nicht zentriert, was ein schwerer handwerklicher Fehler ist und sich als äußerst kurzsichtig herausstellen wird.

Es wird aber tatsächlich eine Menge gemacht. Es gibt einen bunten Strauß an verschiedenen Ansätzen, Projektideen und Projektpartnern. Nicht alles, was gefördert wird, erscheint jedoch sinnvoll und zielführend. Einige Begrenzungen der Projekte offenbaren sich auch nur bei näherem Hinschauen. Die Spannweite ist recht groß, von der Salutogenese über Empowerment und Einwirkungen von Legalisten bis hin zur demütigungsfreien Nachsozialisation und Resilienzbetrachtungen. Das Patentrezept ist noch nicht gefunden und es ist fraglich, ob wir es über diesen evolutionären, man könnte auch sagen dezent anarchischen Ansatz finden. Vielleicht gibt es gegen diese Art des Totalitarismus auch nur verschieden schlechte Vorgehensweisen. Beim Kampf gegen Rechts ist es einfacher und klarer, weil man da keine Spiritualität abgrenzen muss und erhalten will.

Letzteres ist eine der wichtigen Begrenzungen, die Prävention in diesem Bereich so schwierig macht und daher auch fragwürdige Partner mit ins vermeintlich gemeinsame Boot holen lässt. Eine andere wichtige Begrenzung sind die Personen, die man nicht erreicht. Die ganzen Präventionsprogramme sind auf die Zielgruppe der klassischen Jugendhilfe zugeschnitten, also junge Menschen bis 25 etwa. Das ist zwar die größte Gruppe derer, die ausreisten, aber die anderen fallen schon durch das Alter heraus, obwohl sie eine relevante Größe darstellen. Mir ist kein Programm bekannt, dass sich an 25+ wendet. Das sind Personen, die oft schon Familie haben. Von deren Anzahlen in Aussteigerprogrammen liegen mir keine Zahlen vor. Von den 677 Personen aus der GTAZ-Auswertung von letztem Dezember waren immerhin ca. 150 in diesen höheren Kohorten Lebensalter 30+ zuzuordnen.

Die Radikalisierung in Frauengruppen wird auch meist nicht bearbeitet, weil diese völlig abgeschottet sind. Bei den Betätigungen im Internet wird mittlerweile etwas gemacht.

Eine weitere Begrenzung ist, dass sogar Minderjährige nicht erfasst werden und in ein Programm kommen, wenn die Jugendlichen selber uneinsichtig sind und die Eltern keinen Handlungsbedarf sehen. Das Jugendamt hat nur begrenzte Möglichkeiten. Der Wuppertaler Jungprediger Saif Eddine Chourak ist so eine Person, bei der anscheinend der Zugang seit Monaten nicht gelingt. So kann er weitere Jungen anwerben wie diesen hier:

 

 

[Der Junge wirkt, als ob er gerade mal 13 wäre. Vater und anscheinend die ältere Schwester scheinen diese Betätigung zu billigen, denn sie liken diese Fotos. Die Schwester und der Junge sind in einer „Salafiyya“-Facebook-Gruppe.

Auch da wird es also evtl. schwierig werden, mit Jugendsozialarbeit voranzukommen. Es wird Weiterlesen

Essen: Jungprediger im Pott

Vor etwa 6 Wochen war es bei einem Sprengstoffanschlag junger Männer an einer Sikh-Einrichtung in Essen zu mehreren Verletzten gekommen:

http://www.faz.net/aktuell/politik/kampf-gegen-den-terror/sikh-anschlag-in-essen-mutmassliche-bombenleger-sind-is-sympathisanten-14204855.html

Die Jungen befanden sich durchaus im Fokus der Behörden, einer nahm an einem Präventionsprogramm teil, so dass man berechtigt die Frage stellen kann, wie es um die Vorgehensweise bei solchen Verdachtsfällen bestellt ist und ob man da ausreichend vorbereitet ist:

http://www1.wdhrgebiet/sikh-tempel-essen-bombenanschlag-100.html

Sicher ist eine vollständige Prävention solcher Taten nicht zu erzielen und so mancher Fall, bei dem die ergriffenen Maßnahmen ausreichten, mag gar nicht den Weg in die Öffentlichkeit finden. Bei all jenen, bei denen es sich nur um eine Phase handelt, mag das auch angehen.

Anders sieht es aus, wenn bei sehr jungen Menschen eine bereits seit Jahren verfestigte Haltung durch einschlägige Kontakte immer weiter in die Gegengesellschaft führt, aus der der Weg zunehmend schwerer wird. Fatal wird es, wenn diese junge Person dann andere Jugendliche zu werben trachtet. Es besteht eine erhebliche Vorbildfunktion und wenn sich der junge Mensch dann auch noch mit Szenegrößen zeigt, kann er eine soziale Sogwirkung entfalten.

Aktuell wirkt öffentlich in Essen und Wuppertal dieser junge Mann hier, 2. von links, mit Abou Nagie, ein Saif Eddine Chourak:

 

Hier mit Sven Lau, für dessen Freilassung sowie für die eines tschetschenischen Gefährders er sich Weiterlesen

Rechenschaft vor den Kuffar

Vierter Tag der Verhandlung gegen Aria L. vor dem OLG Frankfurt am 17.05.2016

Teil 1: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/03/schoene-landschaft-mit-viel-blut/
Teil 2: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/04/ausser-kontrolle/
Teil 3: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/11/mucke-muckis-und-moschee/

 

Zur Verlesung kommen weitere Auszüge aus der Telekommunikationsüberwachung (TKÜ). Aria L. telefoniert viel und lange zu nächtlicher Stunde. Viel mit Hayat L., die er nach der Rückkehr kennen lernte. Ihr erzählte er auch von der Zeit vor der Ausreise.

Zeitweise bestand bei L. wohl der Plan, gemeinsam mit einem Kumpanen nach Marokko zu gehen, dort einen Laden zu eröffnen. Der Vater werde alles vorbereiten und organisieren. Er sei für das Leben hier nicht geeignet, meint er. Der Plan zerschlägt sich dann.

Es wird im Verlauf deutlich, dass L. viele marokkanische Freunde aus Nador hat. Er sei von den älteren Marokkanern der Moschee, in der er verkehrte, häufig eingeladen worden. Gegessen habe er bei ihnen, aber auch den Kindern Nachhilfe in Mathematik erteilt. Auch Glaube sei ein Thema gewesen. Viel Dawa habe er aber auch mit R. gemacht, habe viel mit den Brüdern von Lies unternommen. [gemeint ist wohl Tunay R. aus Dietzenbach; es wird nicht ganz klar, in welchem Zeitraum das erfolgte, SHM]

Er habe auch viele Vorträge gesehen auf seinem Tablet. Das sei jetzt noch in Syrien, das habe er vergessen. Es seien sehr viele Videos darauf. L. empfiehlt anderen die Vorträge von Abul Baraa und Marcel Krass. Letzterer halte jetzt „undercover“ Vorträge. Gemeint ist wohl die Wohnungsdawa wie sie auch Vogel durchführt, oder die „Seminare“, die er offiziell seinem „Dex-Institut“ zuordnet.

Von der Mekka-Reise im Dezember 2013 kehrt L. in einem desolaten psychischen Zustand zurück. Er Weiterlesen

Kassel: Feste Strukturen

Über die Kasseler Szene und ein Seminar am nächsten Wochenende

Kassel hat eine aktive islamistische Szene. Mehrere Einrichtungen stehen unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz:

http://www.hna.de/kassel/salafismus-kasseler-moscheen-unter-beobachtung-2330621.html

In einer dieser Einrichtungen, der Kaseler Al Rahman Moschee, soll sich sogar ein junger Mann radikalisiert haben, der nach einer kleinkriminellen Karriere und einem Anti-Gewalt-Training auf einem so guten Weg geglaubt wurde, dass er in Schulen ging. Das war jedoch nur das Gesicht für die Öffentlichkeit, das nach der Festnahme letztes Jahr in sich zusammenfiel:

Doch außerhalb seiner Tätigkeit als Konfliktmanager legte Walid D. eine andere Einstellung zum Thema Gewalt an den Tag. „Er hatte ein Problem mit Gewalt, kämpfte immer gegen seine dunkle Seite an. Er litt unter seinem geringen Selbstwertgefühl“, erklärt seine Sozialpädagogin gegenüber der „Bild“. Eigentlich sei ihm Religion nie wichtig gewesen. Doch nach und nach wurde er in der Al-Rahman-Moschee in Kassel radikalisiert.
[…] Was sie [die betreuende Sozialpädagogin, SHM] zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte: Der 28-Jährige zog in den Kampf nach Syrien. Dort habe er sich an den grausamen Morden der IS-Kämpfer beteiligt.
Erst als sein Vater im Dezember 2013 stirbt, kehrt Walid D. zurück nach Deutschland. Wenig später meldet er sich bei seiner Sozialpädagogin. Seinen Ausflug nach Syrien verschweigt er ihr allerdings. Er beginnt sogar wieder Anti-Gewalt-Seminare zu geben.
[…] Die Ermittler finden ein Sturmgewehr, eine Pistole, Macheten sowie Munition.

http://www.focus.de/politik/deutschland/er-unterrichtete-an-schulen-doppelleben-anti-gewalt-trainer-kaempfte-fuer-is_id_4429164.html

Das ist kein neues Phänomen, schon 2012 baten verschiedene salafistische Prominente zum Seminar:

abdulalif, Abou Nagie, abu abdullah, abu dujana, abu wala Weiterlesen

LIES Essen: Früh übt sich…

Nach dem Bombenanschlag in Essen auf einen Sikh-Tempel letzten Samstag wurden bislang zwei 16 jährige türkischstämmige Jungen festgenommen. Mindestens einer soll schon bei Koranverteilungen in Essen aufgefallen sein. Ein weiterer festgenommener Verdächtiger wurde wieder auf freien Fuß gesetzt:

http://www.morgenpost.de/politik/article207456051/Fahnder-vermuten-islamistischen-Terrorakt-in-Essen.html

Man kann sich nun berechtigt fragen, wie so junge Menschen, halbe Kinder, zu Tätern werden können. Bei sehr jungen Tätern muss immer betrachtet werden, ob die Familie einen Anteil an dem letztlich fatalen Ereignis hatte. Die 15 jährige, die einen Polizisten schwer mit einem Messer verletzte vor sechs Wochen in Hannover, war als Kind schon in extremistische Moschevereine mitgegangen und hatte gemeinsame Video-Auftritte mit Pierre Vogel:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article152903029/Mutter-hielt-Messerstecherin-von-Reise-zum-IS-ab.html

Auch von etlichen anderen mutmaßlichen Tätern ist bekannt, dass die Familie nicht nur der radikalen Frömmigkeit, sondern dann auch den radikalen Taten billigend wenn nicht wohlwollend gegenübersteht. Das sind Familien, in denen radikale Äußerungen kaum auffallen, weil sie zum Familientenor gehören. Das sind nicht die Familien, die bei Präventionsprogrammen anklopfen. Schließlich sehen sie im radikalisierten Kind keine hilfsbedürftige Person, sondern einen zukünftigen Kämpfer, eine kommende Heldenmutter. Ein Objekt des Stolzes, nicht der Sorge. Dass unter diesen Umständen oftmals mehr als eine Person aus einer Familie sich auf den Weg nach Syrien macht, dass oftmals Brüder gemeinsam den Weg in den Terror gehen, erscheint als Beleg dafür, dass nicht selten auch bereits fundamentalistische Familien zum Ablauf beitragen.

Auch die Dawa, die islamische Mission ist erwünscht. Manche Eltern mögen nicht informiert sein, dass ein guter Teil der Lies-Aktivisten eine Weg in die rituelle Gewalt sucht, anderen mag dies egal sein. Man kümmert sich vielleicht wenig um den Nachwuchs, kennt seinen Freundeskreis nicht. Wieder andere begleiten auch die islamistische Betätigung durch Koranverteilung wohlwollend.

In Essen, aber auch den Nachbarkommunen, finden regelmäßig solche Koranverteilungsaktionen statt. Es gibt ein größeres Archiv an Bildern von diesen Events. Manche muslimische Eltern schicken ihre Weiterlesen

Kein Osterfriede bei LIES

LIES-Frankfurt Koordinator entlassen

Ibrahim Abou Nagie, seines Zeichens Erfinder der LIES-Koranverteilungen, Geschäftsmann und verurteilt wegen des unrechtmäßigen Bezugs von Sozialleistungen, hat immer wieder auch Probleme in der Marketing- und Befehlskette. Als Chef der LIES GmbH und der etwas verborgenen, aber zugehörenden britischen Limited achtet er peinlich darauf, dass Umsatz gemacht wird. Alles, was das stört, soll minimiert werden. So haben die Verteiler Anweisung, wie sie sich zu verhalten haben, und werden auch explizit angehalten, nicht zu diskutieren, sondern zu verteilen. Wer diskutiert, verteilt in der Zeit nicht und Nagie kommt es an diesem Punkt – ganz Geschäftsmann – auf die Menge der verteilten Exemplare an.

Der Frankfurter Bilal Gümüs, der jahrelang für das Projekt wichtiger Organisator der Verteilungen in Frankfurt war, wurde aktuell von Nagie aus dem Projekt gebannt:

 

 

Gümüs machte mit und für Nagie vielerlei Reisen auch ins europäische Ausland inkl. Türkei. Dass er nun nicht mehr dabei ist, wird von Nagie damit begründet, dass er Statements zu Brüssel abgegeben habe. Gemeint ist wohl eine recht geschmacklose Einlassung auf seinem facebook-Account, hier von Ismail Tipi zusammengestellt:

 

Das mag eine Rolle gespielt haben. Noch interessanter sind allerdings Nagies Einlassungen, wonach man „keine Verträge mit den Brüdern“ zu machen habe und LIES auch kein Projekt sei, das von einer Nationalität dominiert werde. Das hört sich so an, als habe Gümüs im LIES-Franchise eine Ebene zur eigenen Gewinnabschöpfung eingezogen und hätte somit versucht, sozusagen aus dem Franchise ein Schneeball-System zu machen. Bislang ist dies zwar Spekulation. Aber vielleicht ergibt sich diesbezüglich demnächst mehr.

Bis dahin bleibt es abzuwarten, ob die Frankfurter LIES-Aktion diese Maßnahme des Chefs übersteht. Zuletzt waren die Aktionen unregelmäßig durchgeführt und insgesamt seltener geworden, nicht nur wegen des Überprüfungsdrucks der Frankfurter Polizei.

Update 19.04.2016:

Die Facebook-Präsenz „LIES Frankfurt/Quran Verteilung“, auf der jahrelang die Frankfurter Aktionen durch Bilal Gümüs koordiniert wurden, ist wohl nicht mehr aufrufbar.

Limitierte Einsicht

Ibrahim Abou-Nagie, hauptberuflicher Buchhändler, betreibt seit geraumer Zeit einen schwunghaften Handel mit Koranen, die er als Massendruckware unter die Leute bringt. Erst als „Projekt“ bezeichnet, dann als „Stiftung“ geadelt, hat Abou-Nagie seit dem 24.09.2014 eine GmbH in Pulheim (bei Köln), wie er auf der Seite „Die wahre Religion“ angibt:

http://diewahrereligion.eu/hausdesqurans/?page_id=1795

Eine jüngere Eigendarstellung von Herrn Abou-Nagie:

 

Abou Nagie auf dem Weg zum Koran-Global Player.

All dies soll nach seinem Plan über Pulheim organisiert werden. Er kauft also nicht in einem anderen Land, in dem es günstiger sein könnte, von eingehenden „Spenden“ein, sondern verkauft nur seine Ausgaben. Es geht also weniger um den Text, sondern darum, seine eigene Ausgabe und nur diese zu vermarkten. Es geht für ihn also mindestens auch um das eigene Geschäft.

Am 09.09.2015 gründete er dazu zusätzlich eine „READLies“ Ltd, also eine Firma nach britischem Recht:

http://www.endole.co.uk/company/09770257/readlies-ltd

Er hat sich dort als „teacher“ bezeichnet.

Unter der angegebenen Adresse 18 Linden Drive, Leicester, sind noch weitere 7 Firmen gemeldet. Ob das steuerrechtlich relevant als Zweigstelle durchgeht oder nur ein Briefkasten ist, kann man prüfen.

2014 war noch Brahim Belkaid oder Abu Abdullah, Abou Nagies Statthalter auf der Insel, ab 4:20:

[Man beachte auch den Ausbruch des Herrn Abou Nagie ab 3:30, in dem er alle, die nicht auf seiner Seite sind, als „gesteuert vom Satan“ bezeichnet. Interessant auch der Frankfurter Protagonist mit der gestreiften Mütze und Abou Nagies Adlatus „Klaus“, der auch mit von der Partie war]

 
Mitte 2015 kehrte Belkaid nach Deutschland zurück. Seinen Posten übernahm Saif Uddin, Karlsruher Aktivist, der für die Firma schon in Indien war:

 

Das erscheint als Vertrauensposten.

Der flexible Herr Abou Nagie hat also verschiedene Auftritte, je nachdem, was gerade zweckmäßig ist.

Für die Geschwister: Die Stiftung
Für das deutsche Finanzamt: Die GmbH
Und: die Limited

Die könnte er für sich selbst haben. Jeder braucht ja ein Hobby. Oder so.

Auf jeden Fall sind Firmen nach britischem Recht oft der Annahme zu verdanken, dass Gelder dann steuerlich anders behandelt würden, man also der deutschen Steuer nur limitierte Einsicht in die Einnahmen gewähren müsste oder Steuervergünstigungen griffen. Das trifft aber meistens nicht zu bzw. ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, über die man sich leicht täuschen kann. Da empfiehlt sich eine gute Beratung.

Man wird sehen.

Das Schweigen der Muslime

Seit nunmehr über 4 Jahren wird in Deutschland offensiv Strassen-Missionierung betrieben. Von den Gruppierungen

LIES-GmbH (Abou Nagie)

Siegel des Propheten (Erol Selmani)

Jesus im Islam (Marcel Krass)

Die Aktivitäten sind also teilweise offen sichtbar (andere haben das weniger stringent und offen schon vorher gemacht). Sichtbar nicht nur für Insider, sondern auch für die Bürgergesellschaft, deren Teil die Muslime sein sollen und wollen, glaubt man z.B. Aiman Mazyek vom Zentralverband der Muslime. In den Fußgängerzonen flanieren nachweislich auch viele Muslime.

Die salafistischen Grundhaltungen der jeweiligen Begründer sind bekannt und unbestritten jenseits der eigenen Angaben der jeweiligen Gruppierungen („wir sind nur Muslime“). Letztere Eigeneinschätzung wird von vielen Personen auf der Strasse geteilt. Eine strukturierte Erfassung dazu fehlt jedoch, wäre aber interessant und aufschlußreich.

Das Radikalisierungspotential ist ebenso seit Jahren bekannt. In einer Auswertung des Gemeinsamen Terror-Abwehrzentrums (GTAZ) und der Hessischen Kompetenz-Zentrums Extremismus (HKE) werden 23 % der Ausgereisten als Personen bezeichnet, die mit der Straßen-Missionierung in Verbindung standen. Da die Rohdaten nur auf der Einschätzung der beobachtenden Beamten beruhen, können das unbemerkt noch mehr sein, nur zur Hälfte der Ausgereisten konnten diese Angaben gemacht werden. Etliche Ausgereiste fielen ja vorher strafrechtlich nicht oder kaum auf, werden von ihren Verwandten gar nicht als vermisst gemeldet oder haben sich so schnell im Umfeld der Stände überzeugen lassen, dass kaum Wahrnehmungsmöglichkeit bestand. Bei der Vielzahl der Aktivitäten und der behördlichen Personaldecke muss man sich fast wundern, dass es zu immerhin der Hälfte diese Informationen gab.

 

Bild Petition Salafisten

 

Die Gefährdung ist also bekannt. Zudem wird geschätzt, dass es etwa zu 80 % Personen aus dem muslimischen Kontext betrifft. Die muslimischen Verbände und Vereine wären alleine schon aus Fürsorgepflicht, so man sie denn empfindet, gefordert.

Von den großen muslimischen Verbänden ist jedoch dazu wenig Gehaltvolles zu finden. Aus 2012:

http://www.derwesten.de/politik/islamverbaende-fuerchten-dass-der-koran-der-salafisten-im-altpapier-landet-id6551940.html

Daraus, von dem Sprecher des Koordinationsrats der Muslime Ali Kizilkaya:

Vom Staat erwartet Kizilkaya nun rechtsstaatliches Handeln. „Ich würde die Aktion nicht als Grund zur Beunruhigung betrachten“, sagte er.“

Ebenda, von dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek:

Vor diesem Hintergrund ist die millionenfache Verteilung des Korans an beliebige Haushalte umstritten, denn das Wort Gottes ist kein PR-Flyer oder Flugblatt, den man als Massenware verteilt. Mazyek äußerte die Sorge, der Koran werde im schlimmsten Fall als Altpapier weggeworfen.

Von der DITIB ist bei kurzer Recherche wenig zu finden.

Von Herrn Mazyek finde ich nichts Gehaltvolleres, habe allerdings auch seine vielfachen Show-Auftritte in Funk und Fernsehen nicht allesamt gesehen und geprüft. Man könnte fast annehmen, dass, weil er den Begriff Islamisten ablehnt und nur „Terroristen“ gelten lassen will, alle Personen unter seiner „Terrorschwelle“ normale Muslime sind. Für die Salafisten und die Grauen Wölfe oder die Muslimbrüder fehlte da schlicht der Oberbegriff. Konkreter wird er erst recht nicht, er nennt nicht Roß und Reiter nach meiner Kenntnis. Terroristen sind die LIES-Unterstützer ja nun noch nicht. Da muss man also nix machen. Wegdefiniert. So einfach kann das Leben sein. Ich bin für Korrekturen offen (und sollte ich da was übersehen haben, tut mir das leid).

Doch auch andere scheitern am offen bekundeten Bürgersinn.

Nicht öffentlich scheint etwas mehr zu gehen. Nicht von Mazyek, aber immerhin ZDM Hessen, bei einer Anhörung im Hessischen Landtag zu Beginn dieses Jahres:

Auch Abdassamad El-Yazidi, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Hessen, forderte bei einer Lantagsanhörung: „Wir müssen diesen Lies!-Aktionen den Nährboden entziehen.“ Die Koranbücher in deutscher Sprache würden in erster Linie von Saudi-Arabien finanziert, darin werde „eine ganz bestimmte Ideologie“ des wahabitischen und damit strenggläubigen Koran vermittelt. „Wir müssen dazu einen Gegenpol schaffen“, betonte El-Yazidi.

Die Ahmadiyya wollen bei den gleichen Anlass – das passt zu ihrem Langsfrist-Plan – lieber selber übernehmen.

Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Gemeinden Deutschland, forderte: „Wir friedlichen Muslime müssen uns die Deutungshoheit zurückerobern.

Da sind allerdings schon Jahre ins Land gegangen.

Allgemeine, öffentliche Aufrufe an Eltern und junge Menschen: Fehlanzeige (ich kenne zumindest nichts).

Die vielen, vielen kleineren Gemeinden, die nicht in den großen Verbänden organisiert sind, bringen da ebenfalls wenig:

Keine Aktionen in der Öffentlichkeit im Umfeld der Stände

Keine öffentlichen Aufrufe an die Muslime, auf die Kinder zu achten

Keine ehrenamtliche muslimische Sozialarbeit um die Stände herum, die, v.a. wenn mehrere Vereine sich zusammen täten, leicht zu organisieren wäre

Frankfurt hat 46 grob als muslimisch einzustufende Vereinigungen. All diese schaffen es nicht aus eigener Kraft oder Willen. Woran liegt das?

Schon hunderte Male bekam ich von normalen muslimischen Passanten auf Vorhalt zu hören, das seien doch nur besonders fromme Brüder. Was wir denn gegen diese Koranverteilungen hätten und ob ICH SELBER bei so einer Radikalisierung und einer Ausreiseanregung dabei gewesen wäre? Der Verweis auf die Dokumentationen hilft nicht, denn das wird als Verschwörung der Massenmedien , auch der öffentlich-rechtlichen Sender bezeichnet. Allesamt muslimfeindlich. Die Berichte seien nur geeignet, um das Ansehen der Muslime (die LIES-Protagonisten werden auch da nicht „exkommuniziert“) herabzusetzen. Erwähnt man Eltern, mit denen man sprach und erwähnt ihre Verzweiflung, dann ist das wahlweise die freie Entscheidung des Gotteskriegers in spe oder die Eltern sind halt schlechte Eltern. Man lässt die Belege einfach nicht gelten. Die „besonders frommen Brüder“ kommen sehr häufig mit ganz reiner Weste aus der Debatte.

Das selbe Bild bei den Auftritten von Pierre Vogel und Co.
Wo bleibt die offene muslimische Gegenhaltung und öffentliche Aktionen?

Vereinzelt gab es Aktionen, die sich aber mehr an die Mehrheitsgesellschaft richteten.
Es gibt wenige liberale Vereinigungen, die sich klar positionieren, aber die vertreten nur eine Handvoll Muslime. Auf der Strasse, so mal als Zeichen, waren die aber auch noch nicht. Es sind einzelne Personen, die sich positionieren oder sich auch mal – bei unserer Mahnwache haben wir häufiger solche Personen dabei (meist Exil-Iraner) – zu einem Straßenprotest bekennen.

Derweil postet der Herr Abou Nagie, wie viele „Geschwister“ ihn mit „Spenden“ unterstützten.
„Free Gaza“-Demos finden großen Zulauf. Da geht was. Bei den Salafisten wohl nicht.

Die muslimischen Organisationen haben so noch einen weiten Weg, um in der Bürgergesellschaft anzukommen. Da heißt es Verantwortung zu übernehmen aus sich selbst heraus und nicht nach dem Staat zu rufen, öffentlichen Geldern oder nach Gott. Das muss man schon selber tun.

Ihr Aufschlag, Aiman Mazyek.