Islamismus – Substrat und „Frucht“

Auch für breitere Kreise wird Islamismus mittlerweile als Extremismusform sichtbar und deshalb in der Öffentlichkeit häufiger diskutiert. In vielen deutschen Fußgängerzonen stehen Jungen, Jugendliche und Männer und betreiben Dawa, die islamische Mission, für LIES und andere, ähnliche Gruppierungen. Doch wie verhält sich dieser sichtbare Aspekt zu den anderen Teilen der muslimischen Community?

Geht man von den Zahlen aus, die von Rückkehrern bekannt wurden, dann haben sich etwa ein Viertel der Personen durch eine Gemeinde, oft bekannte salafistische Problem-Moscheen, radikalisiert, weitere 10 % durch die Familie.

VfS Analyse Ausgereiste 20140930

Das sind jedoch Bereiche, die weniger stark gesellschaftlich diskutiert werden. Über Problem-Einrichtungen wird gelegentlich berichtet. Über die Rolle familiärer Tradition ist mir kein Bericht bekannt.

Dr. Marwan Abou Taam meinte vor einiger Zeit, dass die vertretenen Inhalte in konservativen Kreisen zu etwa 90 % mit denen der Ideologie des Islamischen Staates übereinstimmten. Aiman Mazyek widersprach im Interview, in dem diese Zahl genannt wurde, heftig. Leider wurde bei dieser Gelegenheit die Realität, nun, etwas gedehnt. Es handelt sich um die allgemeinen Glaubensgrundlagen, die in beiden Richtungen vermittelt werden. Dass der Koran-Text heilig sei beispielsweise, unabänderlich, allgültig und das direkte, wenn auch offenbarte Wort Gottes. De facto sind es sehr viel mehr als 90 %, denn Koran und Sunna werden von beiden Richtungen (und den meisten anderen auch; eine Ausnahme sind z.B. die „Nur-Koraner“) als verbindliche Quellen herangezogen und diese Quellen sind recht umfangreich. Es sind jedoch nur wenige Verse, die einmal wörtlich genommen werden und als persönlicher Auftrag verstanden und einmal als zeit- und situationsbedingt und nicht vorbildhaft eingeordnet werden. Durch die Strenge im Glauben und der Bindung an eine literalistische Lesart unterscheidet man sich, also im Maß an persönlicher Unterordnung und in welchem Maß die Religion das Leben beherrscht. Je weniger die fundamentalistisch ausgelegte Religion das Leben und die persönlichen Normen beeinflusst, desto besser läuft es in der Regel mit der demokratischen Gesellschaft, ihren Einrichtungen bzw. Angeboten und mit den Andersgläubigen.

Eine Studie aus 2013, einer Auswertung, „in sechs europäischen Ländern – Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Schweden – stellt erstmals eine solide empirische Basis zur Beantwortung dieser Fragen bereit. 2008 wurden 9.000 Personen mit türkischem oder marokkanischem Migrationshintergrund und eine einheimische Vergleichsgruppe befragt“ :

Fast 60 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Muslime zu den Wurzeln des Islam zurückkehren sollten; 75 Prozent meinen, dass nur eine Auslegung des Korans möglich ist, an die sich alle Muslime halten sollten; und 65 Prozent sagen, dass ihnen religiöse Regeln wichtiger sind als die Gesetze des Landes, in dem sie leben. Durchgängig fundamentalistische Überzeugungen mit der Zustimmung zu allen drei Aussagen finden sich bei 44 Prozent der befragten Muslime.

Und konkret in Deutschland:

30 Prozent der Befragten stimmen allen drei Aussagen zu. Vergleiche mit anderen deutschen Studien zeigen bemerkenswert ähnliche Ergebnisse auf. So stimmten 2007 in der Studie „Muslime in Deutschland“ 47 Prozent der befragten deutschen Muslime der Aussage zu, das Befolgen der Regeln der eigenen Religion sei wichtiger als die Demokratie, genauso viele, wie der Anteil jener in unserer Studie, die meinten, dass die Regeln des Koran wichtiger sind als die deutschen Gesetze.

https://www.wzb.eu/sites/default/files/u252/s21-25_koopmans.pdf

 

 

Mycel

Wachstum von Mycel des Austernpilzes mit Fruchtkörper Bild: Engl. WP, Tobi Kellner

 

Das heißt auch, dass nur ein Viertel der in Europa lebenden Muslime im Grunde anerkennt, dass es überhaupt verschiedene Lesarten geben kann (ein Problem zum Beispiel für die Ahmadiyya, deren Anerkennung aber wegen noch anderer theologischer Differenzen noch geringer sein dürfte; anerkannt sein dürften sie nur bei klar säkularen Muslimen). Die Personen, die diese 75 % (in Europa) ausmachen, gehören auch verschiedenen Strömungen an; erkennt man nur eine, die eigene, an, ist dies auch Quelle innerreligiöser Konflikte, sofern es sich zuspitzt in der Zukunft. Importierte religiöse Konflikte könnten bei entsprechender Grundhaltung hier aufflackern, wie schon zwischen Tschetschenen und anderen bereits geschehen. Bei dem genannten Viertel wird relevant sein, wie tolerant auch diese Teilgruppe ist und wo sie im Zweifelsfall ihre Loyalität und nicht nur die Bequemlichkeit sieht. Immerhin meinen fast 60 % der befragten Personen (in Europa), man müsse zu den Wurzeln des Islams zurückkehren. Das allerdings heißt Orientierung an den ersten 3 Generationen zur Zeit Mohammeds. Das heißt im Prinzip Rückbesinnung auf die Salafiyya.

Man mag sich somit zwar nicht Salafist nennen (den Begriff auch ablehnen bzw. für problematisch halten) und auch die ganz strenge Ausübung nicht für die persönliche Lebensgestaltung wählen, steht aber hinter wesentlichen Inhalten, wie dem Vorrang von menschlichen Gesetzen vor den religiösen, im Zweifelsfall nicht. Das ist das Fundament, der Boden, das Substrat.

Benutzt man einmal eine biologische Metapher, so wird dieses Substrat von verschiedenen Pilzen durchzogen, die auf dieser Grundhaltung wachsen: Die islamistischen Strömungen, die u.a. vom Verfassungsschutz beobachtet werden. In den Fußgängerzonen sehen wir dann sozusagen die Fruchtkörper, das was wir als „Pilz“ erst sehen. Alles andere ist unter dem Boden und kaum sichtbar (nur mit dem Mikroskop).

Das mag teilweise erklären, warum es die muslimischen Gemeinden und Kulturvereine – alleine Frankfurt hat 46 (!) – es seit 4 Jahren nicht schaffen, etwas der Strassen-Missionierung der LIES-Gruppierung entgegenzusetzen. Mir ist aus den 4 Jahren keine einzige muslimische Aktion bekannt (die Ahmadiyya, die selber und andere Strassen-Dawa machen und die bereits von dem Umfeld der LIES-Aktivisten mehrfach schwer angegangen wurde, einmal ausgenommen). Einzelne Verteilungen des Grundgesetzes mag ich da nicht mitrechnen; diese Aktionen richteten sich mehr an die Mehrheitsgesellschaft, weniger an Jugendliche aus der angesprochenen Klientel. Die Aktionen von 12.Memorize, so öffentlichkeitswirksam die zwei Aktionen waren, mag ich auch nicht zählen. Die waren gegen den IS – das ist im Grunde trivial, denn dessen Bilder sprechen für sich. Aber gegen die Strassenradikalisierung – Fehlanzeige. Nicht wenige Muslime meinen, damit nichts zu tun zu haben. Andere unterstützen wesentliche Inhalte und sehen den Gang in den Jihad als persönliche Entscheidung, die man ablehnen kann, gegen die man aber strukturell nichts machen könne (sehr häufig genannt auf der Strasse!). Das wäre doch deren Privatsache, wird verbreitet gemeint.

Etwa 80 % der Menschen, die dann in Syrien landen, sind Personen aus einem muslimischen Kontext, familiär mal mehr, mal weniger religiös. Mir erscheint es erschütternd, dass man sich um die Jugend da auf der Strasse nicht kümmern mag.

Ganz klar: Die Bereitschaft zur persönlichen Gewaltausübung ist davon zu trennen und auch, wie sehr man bereit ist, diese Normen tatsächlich umzusetzen. Konservativ heißt noch nicht fundamentalistisch und fundamentalisch noch nicht gewaltbereit. Die Übergänge sind jedoch fließender, als man sich das wünschen würde und die Trennschärfe werden wir als Gesellschaft erst noch breit einfordern müssen und zwar über Lippenbekenntnisse hinaus. Wenn Jugendliche mit einer faschistoiden Ideologie angefüttert werden, geht uns das alle an. [Man beachte auch die Zahlen in der Studie zur Judenfeindlichkeit.] Ein Teil geht nach Syrien, ja. Ein anderer Teil verbreitet diese Haltungen in der Schule und im Beruf. Auch da kann solche Menschenfeindlichkeit nicht hingenommen werden.

Beruhigen können diese Zahlen also nicht insbesondere im Kontext bekenntnisorientierten Islamunterrichts trotz der staatlichen Eingrenzungen. Nicht immer wird das Spannungsfeld zur FDGO dort mit bearbeitet. Familiäre Haltungen bleiben meist unhinterfragt, auch repressive Erziehung, „schwarze“ Pädagogik, totalitäre oder menschenfeindliche Ansichten. Da kommt es dann dazu, dass einem selbst Kinder auf der Strasse den Tod androhen, weil man „ungläubig“ sei. Die „Jugend- oder Popkultur“ ist also nur der aktuell gesellschaftlich und medial sichtbarste Teil.

Auf der Strasse zeigt sich dieses nämlich unmittelbar und ganz unverblümt. Sehr häufig werden die Aktivisten von LIES nur als besonders fromme Brüder gesehen, deren starke Religiosität man zwar nicht teile, aber respektiere. Im Zweifel wird da zu oft eine ganz, ganz falsche Trennlinie dort gezogen, wo wir als Gesellschaft sie nicht haben wollen können. Viele Jahre lang wurde die Bindung an Tradition und Religion deutlich unterschätzt bzw. die Macht der „kritischen Masse“ falsch eingeschätzt. Es ist zu hoffen, dass das korrigiert wird. Verkannt wird allerdings noch immer die Wucht des totalitären narzisstischen Gewinns. Gleicher unter Gleichen mag mancher nicht sein; er will lieber selbstempfunden Elite sein.

Mit diesen 75 Prozent derer in Europa, die meinen, es gäbe nur eine verbindliche Lesart, nur einen Islam, die daher notwendigerweise das Differenzierungsangebot der z.B. deutschen Gesellschaft über die Trennung Islam – Islamismus ablehnen, wird man wesentlich klarer als früher reden müssen. Auch vor der aktuellen Lage, in der alles im Integrationsbereich überfordert ist und überläuft, muss man besonders wachsam sein, in welche Gesellschaft sich die Zuwandernden begeben.  Die Familie spielt eine Rolle, Tradition auch und die Moscheen.

All diese Bereiche sind relevant und über alle werden wir sprechen müssen.

 

 

https://vunv1863.wordpress.com/2015/08/21/kleine-literatur-und-mediensammlung/

Abou Nagies GmbH

 

Seit dem 24. September letzten Jahres hat Ibrahim Abou Nagie offiziell eine GmbH, die Lies-GmbH. Sie ist eingetragen im Handelsregister beim Amtsgericht Köln:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/05/21/der-preis-des-diesseits/

Der Unternehmensgegenstand beinhaltet nach diesem Eintrag den „Druck und Verkauf von Büchern sowie den Vertrieb im Onlineshopsystem“.

http://www.unternehmen24.info/Firmeninformationen/DE/4023280

GmbH sind Handelsgesellschaften bzw.:Kapitalgesellschaften

https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_mit_beschr%C3%A4nkter_Haftung_(Deutschland)

Der Herr Abou Nagie ist als Geschäftsführer eingetragen. Insofern hat er eine ordnungsgemäße Bilanz zu erstellen:

https://dejure.org/gesetze/HGB/242.html

An Ausgaben sollten der Einkauf der Koranexemplare (die Ausstattungsgegenstände einmal außen vor gelassen) und deren Verschickungskosten anfallen, die allgemeinen Betriebskosten im Sintherer Holzweg, die Kosten der „6 Hauptlager in Deutschland“ sowie seine „Geschäftsbesuche“ bei den Verteilern und die Geschäftsreisen. Natürlich auch sein Geschäftsführergehalt, denn es ist schwer vorstellbar, dass der Herr Abou Nagie noch Nachtschichten in einem Briefverteilungszentrum z.B. schiebt.

Einige Angaben zum Umfang der Geschäftstätigkeit sowie Vergleiche mit seinem früheren Betrieb finden sich hier:

 

Von einer detaillierten Buchführungspflicht ist er nur bei Unterschreiten bestimmter Umsätze bzw. Erlöse entbunden:

https://dejure.org/gesetze/HGB/241a.html

Da der Herr Abou Nagie aber intensiv in Europa verteilen lässt und er – von ihm selber auf der fb-Seite „Die wahre Religion“ dokumentiert – „Geschäftsreisen“ großen Ausmaßes in Deutschland, Europa und in verschiedene entferntere Länder tätigt, deren Gesamtkosten schätzungsweise einen 5-stelligen Betrag im Jahr betragen, bestehen begründet Zweifel an der Unterschreitung dieser Grenze.

Die eingehenden Spenden müsste er dann als Einnahmen gegenüberstellen. Ob Zahlungen, die für einen konkreten Gegenstand entrichtet werden, überhaupt als allgemeine Spenden zu sehen sind, wäre zu prüfen. Es handelt sich wahrscheinlich banal um einen Kaufpreis, da Abou Nagie eben nicht frei entscheiden können soll, wofür die Spende genutzt wird (er sollte, nach Absprache, dafür Korane kaufen und verteilen, nicht z.B. Wasserpistolen und verschenken oder Nagellack). Es handelt sich vereinbarungsgemäß somit wohl um eine Gattungsschuld. Anders wären ggf. die Einnahmen zu sehen, die für seine Reisen genutzt werden oder für betriebliche Aufwendungen. Gehen mehr Einnahmen ein als Ausgaben getätigt werden, so macht die GmbH Gewinn, der den Gesellschaftern zu Gute kommt. Wer auch immer diejenigen sein mögen, die die 25.000 € Einlage beisteuerten.

Eine Spezialität des deutschen Kaufrechts macht diese Sicht auf die Betätigungen von LIES! als gewerbliche Handlungen zusätzlich möglich: Es gibt eine Trennung zwischen Verpflichtungss- und Verfügungsgeschäft. Der, der zahlt (hier: Spender), und der, der entgegennimmt (hier der Beschenkte), müssen nicht identisch sein. Der Schenker ist also nicht Abou Nagie, für den es n.m.M. immer eine gewerbliche Handlung bleibt, sondern der Spender. Der Spender kauft also bei Abou Nagie einen oder mehrere Korane für die „Spendensumme“, über die er verfügt, dass diese von ihm gekauften Korane an nicht näher bestimmte Dritte kostenlos abgegeben werden bzw. die sonstigen Kosten der GmbH decken helfen sollen.

Der Herr Nagie ist also über die GmbH Gewerbetreibender. Welchen rechtlichen Status unter dieser Prämisse die Verteiler haben, wäre zu prüfen. Kostenlose Arbeitsverrichtung ist bei einem Gewerbebetrieb so eine Sache. Ggf. müssten – selbst wenn der Arbeitslohn als Schenkung zurückflösse (wofür dann aber wieder ggf. Steuern zu entrichten wären) – die Personen trotzdem versichert werden. Als Gewerbetreibender unterliegt er natürlich nicht nur den Richtlinien für die Bilanzbuchhaltung und ggf. einer Versicherungspflicht für Personen, die in seinem Auftrag seine Geschäftstätigkeit ausführen, sondern auch allen anderen Regeln für Gewerbetreibende. Zum Beispiel dem UWG, dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Der Gesetzestext ist hier einsehbar:

http://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/index.html#BJNR141400004BJNE000402140

Da gibt es einige Vorschriften, die im Spannungsfeld zu Mitbewerbern – Buchhandlungen, Onlineshops – geprüft werden könnten. Dieses Arrangement ist also durchaus etwas für spitzfindige juristische Überlegungen. Das sollte man dann einmal tun.

Hajjar, Ibn Hajjar

Neue Gesichter der aktiven Predigerszene wirken zunächst eher im Verborgenen. Mal in einer Moschee, mal bei einer Wohnungs-Dawa (Missionierung). Wie überall müssen sie sich Ruf und Breitenwirkung erst erarbeiten. Einer, der für „Die wahre Religion“ vor einiger Zeit Videos erstellte, ist ein junger Mann, der sich als Prediger „Ibn Hajjar“ nennt.

„Ibn Hajjar“ ist im Frankfurter Raum aktiv. Das sieht man an den Hintergründen und Orten, die er für seine Videos wählt. Etliche Videos wurden in der schönen Kulisse des Frankfurter Palmengartens gedreht. Im Palmengarten sind Filmaufnahmen eigentlich genehmigungspflichtig. Auf Hinweis hin erfolgte zwar keine Antwort des Palmengartens, aber soweit bekannt wurden dort keine weiteren Videos erstellt. Andere Videos wurden im Offenbach im Büsingpark gedreht.

Die Videos sind meist kürzer und an eine verringerte Aufmerksamkeitsspanne angepasst. Die Filme an sich sind nicht arg spektakulär; sie zeigen aber in der Gesamtschau (Inhalt, Orte, Verbreitung, Benennung) Strukturen und Vernetzungen auf. Zwei Beispiele:

 

 

 

Bei seinem Besuch Mitte Juni letzten Jahres in Frankfurt traf Sven Lau auch auf Ibn Hajjar:

 

 

Aber auch mit den Brüdern Belkaid bzw. „Medizin mit Herz e.V.“, früher als „Medizin ohne Grenzen e.V.“ firmierend, ist man nicht nur bekannt, sondern kommt auch zu Gast, hier bei einem Fußballturnier Mitte Juni 2014 in Frankfurt Fechenheim:

 

 

[Bei 1:08 wird Ibn Hajjar angekündigt. Ab 1:40 ist ein wichtiger LIES- und „Wacht Auf!“-Aktivist aus Frankfurt zu sehen, der aber seit Monaten nicht mehr öffentlich auftritt. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit macht er gerade Urlaub im blutigen Süden.]

Eine bei einem Besuch in NRW gehaltene Predigt aus diesen Tagen findet sich wiederum bei LIES NRW. So ähnlich mag er sie zwei Tagen danach auch im Grünen in Frankfurt vorgetragen haben:

 

 

„Ibn Hajjar“ ist also bestens vernetzt in der hiesigen Szene und darüber hinaus. Sicher ein Gesicht, das man sich merken muss, auch wenn er zur Zeit keine Videos macht.

Lies Frankfurt – gestern, heute, morgen

Die auf der Strasse sichtbaren Aktivisten von LIES! dienen nicht nur der Koran-Verteilung und der direkten Mission. Sie stellen auch den repräsentierten Teil der Gruppierung gegenüber Spendern und der eigenen Community im Netz dar.

Insofern werden Fotos von den Infoständen gemacht, um die Aktivität gegenüber diesen Spendern zu dokumentieren und neue Mitstreiter zu gewinnen.

Die Frankfurter Gruppierung leidet seit einiger Zeit unter optischem Schwund, der einen realen Schwund bei dieser Form der Missionierung darstellen kann, aber nicht muss. Bei unverändert wachsender Gemeinde und steigender Anzahl sich von der Gesellschaft abkehrender junger Menschen, mag sich nicht jeder dort präsentieren und will auch nicht jeder seine radikalen Sichten derart dokumentiert wissen. Die Jungen und Männer am rande und im Hintergrund sah man kaum auf den Fotos und nur selten in Videos.

Bilal Gümüs, Frankfurter Abteilungsleiter der LIES!-GmbH, stellt in letzter Zeit vermehr Alt-Bilder ein. So postet er zum 4. Jahrestag der Frankfurter Aktion dieses alte Bild:

 

 

Zum Vergleich ein durchaus derzeit typisches Bild der letzten Aktion:

 

 

[Man beachte die exakt gleiche Zahl likes bei den Bildern.]

 

Das mag an der überregionalen Einbindung und Beschäftigung von Herrn Gümüs, der ein sehr aktiver Vernetzer in die Sossenheimer Szene war, liegen. Es kann auch am bürgerschaftlichen Gegenwind durch die Mahnwache liegen und an den vermehrten Personenstandkontrollen. Der Schwund ist relevant auch durch die Abreise vor einigen Monaten von Aktivisten nach Syrien bedingt, dem nicht mehr Aktivisten in gleicher Zahl als Ersatz folgten.

Natürlich gibt es immer Schwankungen und noch letztes Jahr waren LIES!-Aktionen zu beobachten, an denen sehr viele junge Menschen teilnahmen, v.a. wenn sich Personen wie Sven Lau ankündigten.

Andere Aktivitäten wie Grillfeste gab es dieses Jahr wohl nicht. Zu diesen Grillfesten wie hier in 2014 waren Szenegrößen wie Abdellatif Rouali und Bernhard Falk geladen:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/polizei-kontrolliert-salafisten-treffen-sich-in-frankfurter-waeldchen-12992377.html

Das zog natürlich eine Menge Personen.

LIES! Frankfurt scheint also bei unverändertem Zulauf zu der Szene auf einem absteigenden Ast. Die Frankfurter Szene verlagert sich, diversifiziert sich, trifft sich woanders und in anderen Formen. Das wird man genau beobachten müssen, auch wenn es der Beobachtung weniger leicht zugänglich ist.

Denn die Personen mit faschistoidem bzw. totalitärem Gedankengut werden weiterhin da sein und aktiv sein, auch wenn die LIES!-GmbH dereinst verboten wird. Es wird andere Formen geben. Diese gilt es frühzeitig zu erkennen und gegenzuwirken.

Keiner hört auf Abou Nagie

Von jemandem, der Korane verteilt unter anderem mit der Aufforderung, man möge diese lesen, sollte man eigentlich annehmen, dass er selber das getan hätte. Sollte man.

Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus. Erol Selmani, Chef von „Siegel der Propheten“ und wiedervereinigt mit Ibrahim Abou Nagie

https://vunv1863.wordpress.com/2015/09/17/nagie-und-selmani-wiedervereinigung-der-herzchen/

scheint die Aufforderung von Wiedergänger-Chef Abou Nagie nicht allzu ernst genommen zu haben. Anders ist dieses Video, das Selmani vor einigen Monaten ins Netz stellte, kaum zu erklären:

 

 

Man sehe einmal von der ätzenden Angstmacherei bei den 10 Jährigen ab. Auch vom eigentlichen Inhalt des Videos, sondern konzentriere sich auf den Titel:

Islamhasser versucht mit falschen Koran (von Ahmadiya), kleine Kinder zu widerlegen

Die Ahmadiyya haben eine „eigene“ Koranübersetzung. Zumindest dem Titel nach. Inhaltlich bzw. von der Übersetzung her ist diese Übersetzung jedoch quasi textgleich mit der von ibn Rassoul.

Das Peinliche daran ist: Das ist die von Abou Nagie verteilte Übersetzung.
Die Textkenntnis von Herrn Selmani reicht also nicht einmal so weit, diesen Umstand zu kennen (ein durchaus verbreiteter Irrtum).

Da wird der Herr Abou Nagie seinem neuen „Abteilungsleiter NRW“ aber einmal ins Gewissen reden müssen. Den Firmen-Slogan nicht ernst genommen? Geht gar nicht!

Vielleicht kann der Herr Abou Nagie dem Herrn Selmani einmal ein paar Coaching-Stunden spendieren. Gibt es in anderen Firmen ja auch. Die Aufforderung „LIES!“ alleine tat es offenkundig nicht. Da muss dann schon eine richtige Nachschulung her. Oder ein Hörbuch, wenn es mit dem Lesen nicht so klappt.

Auf jeden Fall ist da noch einiges zu tun.
Oder: Bleiwe losse und vielleicht mal nicht mehr nur „Chief Executive Officer“ (kein Scherz, Eigenbezeichnung*) bei „Siegel der Propheten“, öhm, Allah, öhm, freiberuflicher Lagertätigkeit sein.

 

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* In einem kleinen Verein wie SDP ist der „CEO“ natürlich Mädchen für alles:

Das ist an sich normal und bei jedem kleinen Verein so. Das ist völlig in Ordnung und man sollte darüber kein Wort verlieren und schon gar nicht spotten. Aber sich bei noch selbstausgeführten Lagertätigkeiten dann „CEO“ zu nennen, ja, das offenbart schon ein gewisses Geltunsgbedürfnis. Zudem darf man berechtigt fragen, was der Herr Selmani unter „privaten Ermittlungstätigkeiten“ versteht. In anderer Leute Unterhosen schauen? Nicht doch, wer wird denn.

LIES Frankfurt am Hauptbahnhof

In den letzten Wochen war es zunehmend schwerer geworden für die Aktivisten von LIES, auf der Zeil noch ungestört ihren Betätigungen nachzugehen. Häufigere Personenstandsfeststellungen bewirkten, dass sich das Klientel durchaus beobachtet fühlte. Die Akhis waren zwar nach wie vor vor Ort, deren Daten werden ja nicht aufgenommen in der Regel, es war jedoch nicht mehr so gemütlich wie in den vergangenen Jahren.

Vor dem Hintergrund, dass etliche Aktivisten vor einiger Zeit einen langen Urlaub im Süden angetreten haben, und verlässlich weniger Personen sich auch Bildern und Öffentlichkeit stellen wollten, wurde es schwieriger. Von ehemals 3 Aktionstagen wurde auf einen reduziert.

 

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LIES!-Aktivisten vor dem Frankfurter Hauptbahnhof Bild: fb-Seite „Die wahre Religion“

 

Vor diesem Hintergrund ist der Ortswechsel an den Frankfurter Hauptbahnhof verständlich. Man hat dort zunächst seine Ruhe, glaubt man, hat Nähe zu Einrichtungen, in denen man Unterstützer wähnt oder weiß, und kann bei ankommenden Flüchtlingen auch gleich präsent sein.

 

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Bilal Gümüs am Hauptbahnhof Bild: fb-Seite „Die wahre Religion“

 

Es wird sich weisen, ob der Bahnhofsvorplatz schon öffentlicher Platz oder noch DB-Gelände ist. Die Verantwortlichen der Stadt oder auch die der DB sollten auf jeden Fall darauf achten, dass Frankfurter Gäste und Reisende nicht gleich behelligt werden und auch dafür Sorge tragen, dass junge Flüchtlinge nicht schon dort angeworben werden. Es geschieht leider schon in und an verschiedenen Einrichtungen verschiedener Träger. Man ist noch nicht hinreichend für die salafistischen Umtriebe dieser Gruppierung und anderer Akteure sensibilisiert.

Salafismus: keine reine Jugendkultur und auch nicht „pop“

Geht es um radikale Strömungen im Islam werden gerne Schlagworte benutzt, da die meisten Menschen sich mit dem Thema nur oberflächlich beschäftigen. Schlagworte sollen nicht nur neugierig machen auf den nachfolgenden Text oder den Beitrag, sondern sie sollen auch bei der ersten Einordnung helfen. Zwei der aktuell aufkommenden Einordnungen, die zunehmend häufiger verwendet werden, sind, Jihadismus und Salafismus seien ein Jugendphänomen und auch eine „Popkultur“. Beide Schlagworte sind wenig hilfreich im Verständnis des Phänomens, da sie die Strömung und ihre Anhänger in gewisser Weise verharmlosen, verniedlichen und das Ganze auch ohne Zutun als temporäres Phänomen missdeuten lassen.

 

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Koranverteilung in Frankfurt 2015 Quelle: fb-Seite „Die wahre Religion“

 

 

In vielen Großstädten sind sie immer wieder präsent: die Koranverteiler. Viele werden sie schon gesehen haben und mancher sich gefragt, was die jungen Männer umtreibt, sich einer so totalitären Bewegung anzuschließen. Schon die Frauen sieht man nicht, die der Bewegung anhängen. Sticht einem das Phänomen so ins Auge, kann man leicht auf die Idee kommen, dies sei eine Art Mode, die gegenwärtig nur um sich greift. Das täuscht jedoch. Die jungen Männer, die in den Fußgängerzonen stehen und von denen dann nicht wenige den Weg in den Jihad finden, sind nur der sichtbare Teil des Phänomens, die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Schon frühere Vernetzungen und Aktivitäten, z.B. von Millatu Ibrahim in Mönchengladbach, waren öffentlichkeitswirksam, wenn auch nicht derart durchschlagend und beharrlich vollzogen.LIES! wirbt, ja, mag auch ein Katalysator sein, weil die Schwelle so niedrig ist, hinein zu geraten in den Strudel des Fanatismus, aber die Konzentration auf diesen Aspekt ist unzureichend. Der Tunnelblick lässt die Vernetzung und das Ausmaß dunkel.

Die sichtbare Aktion, der öffentliche Auftritt ist also nur Teil des Phänomens. Schaut man sich die Daten schon der deutschen Rückkehrer an, so ergibt sich ein gemischtes Bild:

VfS Analyse Ausgereiste 20140930

Es sind zwar mehrheitlich jüngere Personen, die ausreisten und teilweise wieder einreisten. Jüngere Personen sind z.B. vielen Straftaten ebenfalls überrepräsentiert. Ein in jüngeren Jahren erhöhter Antrieb und der Umstand, dass der eigene Platz im Leben noch nicht dauerhaft gefunden wurde, mag bei den Ausreisen hineinspielen. Bei den Frauen spielt eine Rolle, dass sie nicht alleine verreisen dürfen. Wurden sie im Gebiet des IS verheiratet mit einem dortigen Mann, so ist die Rückkehr besonders schwer und unwahrscheinlich. Auch das ergibt eine b Beobachtungslücke. Über die generellen Haltungen zum Salafismus und Jihadismus bei Älteren gibt dies jedoch keine Auskunft. Man beobachtet deren Aktivitäten nur weniger stark bzw. sie haben Möglichkeiten gefunden, weniger im Visier der Öffentlichkeit zu stehen. Man tut also gut daran, die Beschränkungen der Beobachtungen und Erhebungen zu erkennen.

Es gibt eine Reihe indirekter Hinweise.

Einen Eindruck mag geben, dass jüngere Kinder von 8-10, die noch weniger unter dem Einfluss von peer groups stehen und bei denen die Prägungen durch das Elternhaus im Vordergrund stehen, nicht selten bei Konfrontation bereits Haltungen spiegeln, die für eine Radikalisierung prädisponieren. Von der Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft und der Abwertung von „Ungläubigen“ ist nur ein kleiner Schritt, wenn gleichzeitig der Korantext als heiliges, wörtliches Vermächtnis verstanden und die Befolgung der wörtlich belegten Aufträge an die Menschen gelehrt wird. Ein „Kinderkoran“ hilft wenig, wenn dann später zum Originaltext gewechselt wird und der Text an sich nicht profanisiert und kritisch hinterfragt werden kann.

Einen weiteren Hinweis mag geben, dass viele der Moscheevereine, die mit Problem-Moscheen auffallen, bereits seit vielen Jahren existieren und oftmals eine wechselhafte Geschichte aufweisen. Dies ist vielfach bereits durch die im Internet verfügbaren Dokumente und Hinweise belegbar. Aus diesen Problem-Moscheen gehen seit Jahren Reisende zum IS oder anderen jihadistischen Gruppierungen hervor. Das ist weder ein neues Phänomen noch wird die zugrunde liegende Ideologie nur von jungen Menschen vertreten. Hassan Dabbagh ist nicht mehr so ganz jung, Abou Nagie ist über 50 und viele andere der zentralen Figuren, die die Jungen anleiten, anstiften oder auch „inspirieren“, sind keine Personen mehr, die noch mit Pubertätspickeln zu kämpfen hätten. Sie haben sich seit vielen Jahren in ihrer Gegengesellschaft eingerichtet und bauen sie weiter aus. Auf einen, der ausreist, kommen 5, die in der Fußgängerzone stehen und 100, die direkt sympathisieren. Das fehlt jegliches jugendliches Augenzwinkern, das ist bitterernst. So ernst wie der Faschismus war und ist und jeglicher Totalitarismus. Wer da Assoziationen mit jugendlichen Flausen weckt, der verkennt Macht, Verführungskraft und Nachhaltigkeit des Totalitarismus. Wenn es schlecht läuft, bleibt uns das bis auf weiteres, man rechne da mit Jahrzehnten, erhalten.

Die „König-Fahd-Akademie“, eine höchst problematische Einrichtung, gibt es zum Beispiel schon seit 1995. Frankfurter Problem-Einrichtungen sind auch schon weit über 10 Jahre alt. Das kam nicht plötzlich und schnell verschwinden wird es auch nicht, wenn LIES! einmal verboten oder nicht mehr sichtbar sein sollte.

Es gibt Inhalte, die prädisponieren und man muss auch ganz klar sagen, dass schon der konservative Islam etwa 90 % (M. Abou Taam) der Inhalte abdeckt, die auch vom IS vertreten werden. Diese restlichen 10 % Inhalte sind z.B. durch das Internet leicht verfügbar. Die 90 % sind sehr, sehr „pop“ im Sinne von populär, das ist die Basis, muss man leider konstatieren. Viel populärer also als gemeinhin bekannt und uns auch lieb sein kann. Die restlichen 10 %, die dann in die Ausreise münden, sind dem Klientel zwar bekannt, führen aber noch nicht zwingend in die Ausreise. Da kommen noch weitere Faktoren hinzu. Aktuell sind so 800 Fälle bekannt, in denen Ausreisen nachweisbar sind, es gibt eine relativ hohe Dunkelziffer. „Pop“ ist diese letzte Konsequenz also glücklicherweise noch nicht.

Dass dieses Wachstum gebremst wird, wird viel gesamtgesellschaftliche Anstrengung erfordern. Diese werden wir jedoch nicht aufbringen, wenn wir das Problem verniedlichen. Darüber müssen wir also reden. So bitterernst, wie es die Feinde dieser Gesellschaft auch meinen.

 

 

Islamisten Bild UK

Anjem Chouwdary mit Gefolgschaft

Nagie und Selmani: Wiedervereinigung der Herz(ch)en

Abou Nagies LIES-GmbH ist das erfolgreichste Koran-Verteilungs-Projekt in Deutschland und Europa, der Marktführer sozusagen, und er dürfte mit dieser Geschäftsidee wohl der Erste gewesen sein.

Nach einiger Zeit wollte Erol Selmani, in Düsseldorf ansässiger Aktivist der LIES-Aktion, wohl auch ein Stück vom „Dawa-als-Geschäft“-Kuchen abhaben. Er gründete „Siegel der Propheten“ und zog kurzerhand seine eigenes Koranverteilungsprojekt durch. Er verteilt die Übersetzung von Bubenheim und trat damit in Konkurrenz zu Nagie.

Es gab einige erbitterte Wortwechsel zwischen Nagie und Selmani* – so erbittert, dass alleine dieser Kampf um die Meinungsführerschaft eine Geschäftsabsicht vermuten ließ. Wenn beide Übersetzungen in Ordnung sind und es beiden nur um die Dawa, die Mission, ginge, wäre das sonst nicht erklärlich.

Selmani war nur mäßig erfolgreich mit dem kopierten Konzept. Bis auf Hamburg und Düsseldorf wurden über die Republik lediglich vereinzelt (auch mal in Frankfurt) Aktivisten mit der gleichartig aufgemachten, aber andersfarbig durchgestylten Aktion gesichtet.

Selmanis hat „Siegel der Propheten“ mittlerweile in der Talstraße 101 in Düsseldorf als Verein eingetragen. Die Gemeinnützigkeit wurde dem Verein vom Finanzamt Köln jedoch vor Kurzem verweigert.

Aktuell haben Nagie und Selmani beschlossen, sich wieder miteinander zu vertragen und hat gemeinsam ein großes „wir sind eine Ummah“-Video veröffentlicht:

 

 

Man könnte die Vermutung haben, dass bei den mutmaßlichen Geldströmen und der jetzigen Lage die Gelder für die Dawa bei Flüchtlingen besonders üppig fließen. Das reicht für zwei, da ist Nagie wohl großzügig. Und weil er gerade in Geberlaune scheint, aber doch ein wenig Pathos nicht fehlen darf, ernennt er sozusagen Selmani gleich zu seinem Kronprinzen. Der Mann der Zukunft, der, der das Projekt weiterführen wird, würde gekört. Das wird Brahim Belkaid, Bilal Gümüs und Saif Uddin zwar ein bisschen ärgern, die die ganze Zeit fleißig für den Chef unterwegs waren. Vielleicht kann man ihnen aber in dieser misslichen Lage die Bibel andienen. So die Geschichte vom verlorenen Sohn zum Beispiel.

* An anderem Ort war darüber berichtet worden:

http://boxvogel.blogspot.de/2014/11/von-erol-selmani-und-ibrahim-abu-nagie.html

Flüchtlingsunterkunft Darmstadt: Salafis vor Ort

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Aktivisten der LIES-GmbH in Darmstadt, 2014 Bild: Die wahre Religion fb-Seite

In Darmstadt gibt es eine aktive Salafisten-Szene, die auch häufig in der Innenstadt mit Koranverteilungen auftritt. Angebunden an die Aktivisten in der ganzen Rhein-Main-Region werben sie dort um Anhänger.

Von einer Vertreibungsstrategie, wie sie in Frankfurt gemacht wird, ist in Darmstadt wenig öffentlich zu sehen, auch wenn die Aktivisten mit Rückensegel unterwegs sind. Man ist häufig am gleichen Platz.

 

Ein Bericht von einem vor Jahren Angeworbenen, Gespräch mit einem Darmstädter Aktivisten:

 

 

[Zur Beachtung: Der geworbene „Kevin“ hat mittlerweile eine völlig veränderte Sprachmelodie, die auf eine Einengung des sozialen Umfeldes schließen läßt.]

 

In der Starkenburg-Kaserne an der Waldsiedlung in Darmstadt sind derzeit Flüchtlinge untergebracht. Diese werden auch als Ziele der Anwerbung angesehen. Darmstädter islamistische Aktivisten waren deshalb gestern vor Ort:

 

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U.a. 4. von links mit Käppchen, Salafis vor der Unterkunft Starkenburg-Kaserne, 16.09.2015 Bild: Privat

 

Eingesetzte Helfer wurden von einer aufmerksamen Bürgerin informiert, konnten die Lage aber nicht einschätzen und machten deshalb nichts.

Möglicherweise ist das nicht der erste Besuch dort. Wahrscheinlich war es auch nicht der letzte, denn Abou Nagie ruft zur „Flüchtlingshilfe“ auf.

Mahnwache vom 01.08.2015

Vor dem „My Zeil“ von 17-19 Uhr. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für aufmerksame Betreuung.

 

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Vielen Dank auch explizit an den Kurdisch-Israelischen Freundschaftsverein (KIFA e.V.) für die Unterstützung.

Ein jüdischer Mitbürger, Akademiker, der häufiger vorbeikommt, teilte seine pessimistische Einschätzung mit. Er hält die Sache für verloren und wird in naher Zukunft nach Israel gehen. Bei den anbrandenden jungen Menschen, die ihren Judenhaß oftmals ganz frei und völlig selbstverständlich dort auf der Frankfurter Zeil artikulieren, könne man nur bestürzt und besorgt sein. Ich teile seine Einschätzung nicht und selbst wenn ich da keine Hoffnung mehr hätte, so könnte man doch nichts anderes tun: Wir müssen versuchen, das friedlich und mit rechtsstaatlichen Mitteln und auch bürgerschaftlichem Engagement hinzukriegen. Und wenn es das letzte ist, was man täte, diese Sache kann man gar nicht aufgeben.

 

Mahnwache 150801

 

Es waren gestern viele englischsprachige Touristen auf der Zeil unterwegs, die oftmals neugierig fragten. Ein vielleicht 12 jähriger Junge verstand die Problematik nach kurzer Erläuterung umgehend. Schwieriger war es mit einer jungen Muslima, Anfang 20, nach eigenem Bekunden „Medienfrau“ aus UK. Sie verstand nur wenig bzw. wollte auf die Schiene, ob ich denn persönlich dabei gewesen sei, wenn die Gruppen radikalisierten. Sie leugnete problematische Textstellen im Koran und versuchte, mit dem bekannten „wenn man einen Menschen tötet…“-Zitat gegenzuhalten. Wie das weitergeht, wusste sie nicht bzw. in welchem Kontext das steht. Es gilt nämlich nur für „die Kinder Israels“ (s. Sure 5, Vers 32). Das wird trotzdem immer wieder gerne zitiert von Personen, die entweder ihren heiligen Text nur oberflächlich kennen oder die über diese Einbindung bzw. deren Bedingung täuschen wollen. Es ist erstaunlich, wie sich manche Haltungen und Denkarten ähneln über die Ländergrenzen hinweg bei fundamentalistischeren Anhängern.

Ein Junge, wohl aus Eritrea herstammend, selber Muslim und ca. 15, fragte neugierig nach. Er berichtete, dass es in seinem schulischen Umfeld durch andere Jungen, die durch LIES! beeinflusst seien, zu Problemen käme. Er fand es sehr wichtig, dass wir auf das Problem aufmerksam machten. Leider wurden wir dann getrennt, so dass ich nicht nachfragen konnte, um welche Schule es sich handelt.

Eine sehr junge und schmale Mitstreiterin, die syrische Christin ist, wurde von der Unterstützerszene heftig angegangen und mehrreihig eingekreist. Sie hielt stand, war extrem mutig gerade wegen ihrer Angst. Mut hat ja auch immer etwas damit zu tun, wie man eine Situation einschätzt und ob man seine Angst dann überwindet. Wer keine Angst empfindet, auch wenn die Lage objektiv nicht ganz unproblematisch ist, braucht weniger Mut als jemand, dessen Gedanken ständiger Beruhigung bedürfen.

Interessant war der schrille Auftritt einer Muslima mit ihren zwei Töchtern. Alle drei waren extrem auffallend zurechtgemacht, alle drei mit geblondeten Rastazöpfen, sehr auffälliger westlicher Kleidung im 60er Stil und v.a. die Mutter sehr lautstark und aggressiv. Sie fragten, was mein Plakat solle. Ich trug zu diesem Zeitpunkt das Plakat mit der Auflistung der Gruppierungen, das auf der Rückseite ungefähr als Aufschrift hat „Mahnwache gegen Islamismus und Straßenradikalisierung. 80 % der geworbenen Kinder und Jugendlichen stammen aus muslimischen Familien. Ihr Kind könnte das nächste sein“. Immer, wenn ich ansetzte zu erklären, was Islamismus heißt, keifte mich die Mutter an, dass sie Muslima sei und ich sie beleidige. Nach dem dritten Versuch meinerseits keifte dann eine Tochter gleichartig. Es war eine bizarre Szene: „Westlich“ aufgemachte Muslima, die optisch integriert schienen, verfallen in eine aggressive Haltung auf ein Wort hin, das sie nicht verstehen, dessen Erklärung sie nicht anhören wollen und das sie trotzdem als Auslöser für aggressives Handeln nehmen. Man fühlte sich – ich bin ja von Haus aus Biologin – nicht das erste mal an klassische Konditionierung erinnert.

Eine ältere Frau – optisch linkes Bürgertum, Alt-68erin – versuchte mir Pauschalisierung vorzuwerfen. Mein Hinweis auf die genaue Benennung der Gruppierungen half nicht, auch nicht die Erklärung des Wortes Islamismus (das sie nicht verstand). Sie ärgerte sich über unsere Aktion und meinte besserwisserisch, sie setze ja auf Dialog. Leider hörte sie meine Replik, ob sie denn auch bei Neonazis auf Dialog setze und wie sie sich Dialog vorstelle mit Personen, die ihr den Lebenswert aberkennen und ihren Dialog gar nicht führen wollten, sondern nur bestimmen und herrschen, nicht mehr. Diese Sofatäter wissen alles so viel besser angeblich und sie fühlen sich ungemein wohl mit ihrer Projektion, es ist schauderhaft. Wenns hoch kommt die Ringparabel gelesen und subjektiv aber Bescheid über diese ganzen Dinge und die Handelnden wissen – so einfach kann die Welt sein, wenn man sie sich so einrichtet und keine Fakten mehr heran lässt.

Aus dem Feedback einer Person, die gestern als Beobachter dabei war und mir – die Person wurde durch das Erlebte sehr aufgewühlt – dazu noch etwas rückmelden wollte (es handelt sich eigentlich um eine Privatmail, die auch privat bleiben sollte. Ich habe aber die Erlaubnis der Person, den Auszug öffentlich zu machen, eingeholt):

Ich bin gelinde gesagt, geschockt. Es geht ja zu wie im Gaza-Streifen. Wenn wir nicht so alt wären, würden wir auswandern. Wirklich. In Australien nehmen sie uns trotz Studium nicht mehr, wenn wir über 40 sind. Sind wir. Und wir sind nicht die einzigen, die sich darüber Gedanken gemacht haben.
Ich habe nie so deutlich gespürt, dass wir verloren sind. Seien wir ehrlich. Es ist doch gelaufen. Jeder dieser Typen ist mit 2 Sätzen aktivierbar.[…] Es wäre schön, wenn wir noch ein paar Worte dazu austauschen könnten. Ich muss jetzt erst mal ins Bett und mich ausweinen. Es hat mich echt fertig gemacht.

Fertig machen darf es einen natürlich nicht. Verzweiflung führt nicht weiter.
Wahrnehmen, drüber reden, schütteln und weitermachen. Allen klar machen, dass die „Generation Allah“ mitten unter uns unterwegs ist. Dass sie Unterstützer und Mitläufer haben und dass diese jungen Menschen das hiesige Bildungssystem durchlaufen können, ohne dass das ihren Fanatismus bremst oder berührt. Allen Entscheidern immer wieder sagen, dass wir einen Masterplan brauchen, eine konzertierte gesellschaftliche Anstrengung, die Querschnittaufgabe ist. Unsere Lehrer und Polizisten mit dem Problem nicht alleine lassen. Allen klar machen, dass wir mehr politischen Unterricht brauchen und mehr naturwissenschaftlichen, aber nicht noch mehr Religion. Diese Rückbesinnung auf die Religionszugehörigkeit, die auch von außen herangetragen wird DURCH den Religionsunterricht, ist Teil des Problems. Und Berater, die ihrerseits von Fundamentalisten beraten werden, die eigene Interessen vertreten im Gegenzug gegen angeblichen Einfluss auf die Jugendlichen oder Straftäter. Da wird doch einer Drohkulisse schon falsch, mit den falschen Personen und an einer fragwürdigen Stelle begegnet.

Es geht um die Zukunft. Packen wirs an.