Armes Kind

Auf der Seite* des Frankfurter „Gangster-Rappers“ Sadiq Zadran wird aktuell ein Aufruf geteilt, der Beachtung verdient. Mit diesem Aufruf sollen Spenden für die notwendigen Operationen eines Kleinkindes aufgebracht werden. Die Eltern, Hakan und Funda Kaymak, scheinen in Gelsenkirchen zu leben. Angeblich soll die Behandlung nur im fernen Griechenland möglich sein und angeblich sollen die Kosten dafür nicht von der Krankenkasse getragen werden. Doch trifft dies zu?

Der Fall:

 

und Seite 1 des Befundes einer diagnostischen Herzkatheteruntersuchung: Weiterlesen

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Islamistische Heiler – viel Glaube, wenig Hoffnung

Medizinische Rituale gewinnen Terrain bei Gläubigen

Die Ausübung der Heilkunde ist in Deutschland an eine Zulassung oder Bestallung geknüpft: Nicht jeder, der sich dazu berufen fühlt, darf anderen Menschen heilende Einwirkung versprechen. Ärzte dürfen das – nach Approbation. Heilpraktiker dürfen dies auch – sofern sie eine diesbezügliche Genehmigung haben. Wird klar gemacht, dass es sich nicht um eine medizinische Handlung, sondern ein Glaubensritual handelt, darf leider sogar der „Heiler“ suggestiblen oder verzweifelten Menschen seine Dienste als Gewerbe anbieten. Es muss aber zu jeder Zeit klar sein und der Heiler muss im Streitfall darauf hinweisen, dass z.B. sein Internetangebot und ein Praxisaushang auf den Umstand aufmerksam machen, dass es sich NICHT um eine medizinische Vorgehensweise handelt. Eingriffe darf er nicht vornehmen und auch nichts zur Einnahme verordnen, allenfalls frei bleibend empfehlen. Heilpraktiker dürfen erstaunlich viel, insbesondere wenn man weiß, dass sie keine Ausbildung nachweisen müssen, sondern nur den Vorgaben der Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz genügen:

https://www.gesetze-im-internet.de/heilprgdv_1/BJNR002590939.html

Die vielen Personen, die im Zuge einer erstarkenden islamischen Rückbesinnung nun alte Heilrituale wiederbeleben, unterliegen also hierzulande ganz normal diesen Vorschriften zur Weiterlesen

Was geschieht mit Hanan?

Die seltene Xeroderma pigmentosum ist eine schwere erbliche und sich an der Haut manifestierende Erkrankung (wegen des Erbgangs sei auch noch einmal auf das Stichwort consanguine Ehen verwiesen, s.u.). Betroffene erleiden durch die UV-Strahlung im Sonnenlicht schwere Hautschäden, die zu Tumoren führen. Die Lebenserwartung ist deutlich herabgesetzt und dieses kurze Leben ist durch fortschreitende Verstümmelung beinträchtigt. Ein schweres Schicksal.

Seit einigen Wochen wird auf islamistischen Seiten Geld mit Bildern und Videos eines betroffenen Kindes eingesammelt. Traurig wäre es, wenn mit diesem armen Kind Spenden eingeworben würden, die ihm nicht zu Gute kommen. Die Summen variieren und das Geld soll auf das Konto einer „Aktion Europa hilft e.V.“ einfließen.

Die folgenden Bilder sind drastisch, aber sie sind den angegebenen Seiten entnommen. So sieht das betroffene Mädchen leider aus. Weiterlesen

Ein zu wenig beachtetes Thema – Infektionen

Auch medizinische Versorgung vieler Flüchtlinge notwendig

Die Bedingungen in den Flüchtlingscamps, in Turnhallen und anderen Unterkünften sind situationsbedingt sehr schwierig: Viele Menschen auf engem Raum. Das führt nicht nur zu sozialen Spannungen, sondern bietet auch Gelegenheit, dass sich Infektionskrankheiten verbreiten.

Das ist etwas, worüber bei den Ereignissen der letzten Wochen nur vereinzelt oder von Fachverbänden öffentlich nachgedacht wurde. Das ist jedoch leider eine reale Herausforderung für die lokalen Gesundheitsbehörden. Die meisten der Flüchtlinge verfügen nicht über einen Impfschutz hiesigen Standards, sind also selber nicht geschützt gegen Masern, Mumps, Röteln und Co., sofern sie nicht schon Immunität erwarben. Das heißt zum einen, dass sich in den Lagern manche Erkrankungen rasend ausbreiten könnten, und zum anderen, dass Personen, die nicht geimpft werden können, potentiell gefährdet sind.

 

 

Neben den Personen in den Camps betrifft das hinsichtlich der impfpräventablen Erkrankungen vor allem Säuglinge im ersten Jahr allgemein, die noch nicht gegen einige schwerere Erkrankungen geimpft werden können.

Bei den prekären hygienischen Verhältnissen und begrenztem Zugang zu sanitären Einrichtungen kann schon eine Durchfall-Epidemie an den Rand der Verzweiflung führen. Dies hielt sich bislang in Grenzen, ein paar Fälle wurden berichtet. Das kann sich aber jederzeit ändern. Schon eine einzelne Person, die Rotaviren einschleppt, kann da genügen.

Schwerer wiegen Fälle von Tuberkulose, die aber bei der Menge der Flüchtlinge und dem häufiger nicht sehr guten Allgemeinzustand durch die Umstände der Flucht alleine erst einmal diagnostiziert sein will. Strapazen machen auch anfälliger.

Scabies, Krätzmilben, spielen eine größere Rolle, Malaria ist ein Thema.

Die Münchner Abendzeitung hatte das dankenswerterweise vor 2 Tagen schon einmal thematisiert und auch die aktuellen Problemerkrankungen aufgelistet. Die Symptome dieser Erkrankungen sollte jeder, der in der Flüchtlingsarbeit vor Ort ist, kennen:

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.malaria-grippe-kraetze-sorge-um-fluechtlinge-anfaellig-fuer-infektionen.f778843e-9883-4c1e-8804-3ac5b7400dd1.html

Eine Grunddurchimpfung einer Person kostet ca. 400 Euro, hilft jedoch Epidemien, die dann noch teurer werden (von potentiellen Opfern ganz zu schweigen), zu vermeiden. Das wird man zeitnah organisieren müssen, will man solche Krankheitsausbrüche verhindern oder zumindest eindämmen.

Ehrenamtliche Helfer sollten sich darüber informieren.

Blindflug ins Unglück

Unwissenheit über biologische Grundlagen schafft manches furchtbare persönliche Leid, das im Grunde vermeidbar wäre. Das geht vom Kind, das wegen Impfverweigerung der Eltern stirbt, über Frauen, die wegen des Vertrauens auf Quacksalberei qualvoll an Brustkrebs sterben, bis hin zu Menschen, die immer wieder auf (gesunde) Kinder hoffen, denen aber z.B. wegen mangelnder Information diese verwehrt bleiben. Auch in Parallelgesellschaften sind diese Probleme vorhanden. Dort hat dies jedoch meist noch andere Ursachen als in der Mehrheitsgesellschaft. Während in letzterer oft eine Furcht vor der „Pharma-Mafia“ eine Rolle spielt oder ein generelles, aber unbegründetes Vertrauen in „die Natur“, sind in diesen Communities nicht selten auch Tradition und Glaube Gründe für vermeidbares Unglück.

Aktuell aufkommend ist z.B. Hijama, das blutige Schröpfen, das gegen allerlei ernsthafte Erkrankungen eingesetzt wird. Oft von Personen, die nicht einmal die (untaugliche) Methode und die Hygieneregeln sicher beherrschen, aber in der Community fröhlich und ohne Heilpraktikergenehmigung, die rechtlich erforderlich ist, anbieten. Oder wenn der Rat bei ernsthaften psychischen Störungen beim Imam gesucht wird und nicht beim Fachmann. Mangelnde Impfungen sind in anderen Communities ein Problem (und ja, auch in der Gruppe der „Waldorf-Eltern“ ist das eine häufige Einstellung).

Das Thema Verwandtenehen ist heikel, weswegen die Betroffenen damit gerne alleine gelassen werden: Man nimmt lieber in Kauf, dass andere Menschen leiden aus Unkenntnis als durch die Thematisierung sich selber durch herzlose Personen, die das in falsche Zusammenhänge setzen wollen, vermeintlich angreifbar zu machen. Das ist menschlich teilweise verständlich, aber als Haltung dennoch politisch nicht akzeptabel. Es geht um Information, die frei bessere Entscheidungen potentiell Betroffener selber ermöglicht, und nicht um Paternalismus oder gar Schlimmeres.

Verwandtenehen über Generationen als Ursachen sind für manche Familien verantwortlich, in denen kaum ein Kind gesund zur Welt kommt oder häufig Fehlgeburten stattfinden. Die Frauen werden unter einen erheblichen Druck gesetzt, nun endlich den erwünschten gesunden, schlauen und fröhlichen Stammhalter in die Welt zu setzen. In mancher patriarchalen Community wird nicht die Genetik verantwortlich gemacht, sondern mangelnde Gottesfürchtigkeit, „schlechtes Blut“ oder böser Wille nur der Frau oder Sündhaftigkeit beider Eltern. Es wird also nicht nur die Ursache falsch beurteilt, sondern auch noch den (mit-)leidenden Eltern Schuld zugeordnet. Mir wurde unter vielen anderen ein besonders eklatanter Fall berichtet: 5 schwerstbehinderte Kinder aus einer Verwandtenehe, die Probleme wahrscheinlich durch diese bedingt. Die Frau war zum Berichtszeitpunkt zum 6. Mal schwanger und beide Eltern meinten, man versuche es weiterhin im Vertrauen auf Gott. Überdies seien die Kinder in der Einrichtung sehr gut aufgehoben, man sei dankbar, lehne aber eine genetische Beratung ab. Berichtet von einer Mitarbeiterin eines großen Wohlfahrtsverbandes, die die Pflege der Kinder organisierte. Solche Haltungen gibt es natürlich auch bei Fundamentalchristen, bei denen die Geschlechtspartner wegen gleichartiger, aber nicht direkt in Erscheinung tretender genetischer Probleme zwar Nachwuchs haben, aber sich diese Erkrankungen dann bei den Kindern zeigen. Bekannt ist dies z.B. von den Amish in den USA. Auch dort ist es ein Gründereffekt, ein Inzuchtproblem.

 

Bildquelle: s.u.

Es ist jedoch hierzulande mehrheitlich ein Problem innerhalb migrantischer Communities.

Meist vermeidbar wäre dies, indem man Menschen über die Gefahren fortgesetzter Verwandtenehen über Generationen aufklärt. Indem man ihnen vermittelt, dass arrangierte Ehen die biologischen Mechanismen der Partnerwahl außer Kraft setzen, die häufig solche Problemlagen umgehen helfen. Nebenbei werden auch Männer nicht selten nicht gefragt, welche Partnerin nun die ihre fürs Leben werden soll. Die Familie sucht aus unter traditionellen Gesichtspunkten. Dass diese Traditionen auch in Deutschland fortgeführt werden, ist wenig bekannt. Es betrifft nicht unerhebliche Anteile der türkischen, pakistanischen, indischen, (nord-)afrikanischen Community. Ebenso kommt es in indischen Familien vor, manchmal bei Tamilen, aber auch selten bei Aleviten. 1

In manchen Ursprungsländern werden bereits Kampagnen durchgeführt, um da zu helfen und aufzuklären. Warum nicht bei uns? Ein Angebot lässt doch immer noch die Freiheit, zu tun, was man beliebt.

Besondere Hilfe ist da nötig, wo Menschen aus Unkenntnis heraus leiden. Diese Unkenntnis ist im beschriebenen Bereich besonders groß. Das kann man nicht den Imamen oder dem Familienoberhaupt überlassen. Die tun es nicht, weil sie in diesem Bereich selber nicht über genügend Bildung und z.T. auch Problembewußtsein verfügen. Beim Hausarzt oder Kinderarzt findet das auch eher nicht statt, vielleicht dann, wenn die Ehe schon geschlossen wurde und die ersten Kinder bereits leiden.
Wie also sollen betroffene Migranten, die nach neueren Erhebungen für eine solche Information VOR Eheschließung durchaus dankbar sind, an diese für sie wichtigen und leidvermindernden Informationen kommen? Wie kann man da Problembewußtsein schaffen? Ja, es wird von manchen auch als ungehörig betrachtet, als Einmischung in familiäre Angelegenheiten, als Tabuthema. Diese Sicht haben jedoch meist nur diejenigen, die einfach das Glück hatten, dass es bei ihnen nicht zu sichtlichen Problemen kam. Das kann schon wieder ganz anders sein, wenn sie Großeltern werden.

 

 

Es scheint schon, dass es dazu lediglich des Willens bedarf.
Neben der stark erhöhten Wahrscheinlichkeit der Auswirkungen auf Kinder (es gibt erschütternde Zahlen aus GB), gibt es weitere Folgen solcher Arrangements. Menschen, die sich trennen wollen, verlieren oft den ganzen Clan, weil dieser Selbstbestimmung nicht billigt. Das trifft stärker die häufig trennungswilligeren Frauen, die aus dieser Verwandtsschaftsfalle nie mehr entkommen können oder wenn, nur unter erheblichen Opfern und oft genug Gefahren.

Frau Yasemin Yadigaroglu hatte vor Jahren ein Projekt an einer vhs im Ruhrgebiet. „Sie wünscht sich deshalb größere Präventivkampagnen, wie es sie in der Türkei schon seit einigen Jahren gibt.“ 2

Das war 2007. Es sind 7 Jahre ins Land gegangen und wir lassen die Menschen immer noch alleine. In Frankfurt / Rhein-Main ist das so. Stattdessen wird verkündet, „dass Ärzte und Pfleger andere Verständnisse von Krankheit und Gesundheit anerkennen“ sollen. Das mag bei Befindlichkeitsstörungen angehen. Das mag auch in der Pflege gelten. Die biologischen Grundlagen allerdings kann man mit einem „anderen Verständnis“ nicht aushebeln. Die Natur funktioniert unabhängig davon, ob und wie sie verstanden wird. Die Natur agiert nicht kultursensibel, auch wenn man diesen Umstand kultursensibel, aber klar kommunizieren muss. Wenn man Menschen vermeidbar Versuch und Irrtum spielen lässt aus dem aktuellen Ansatz heraus, macht man sich mitschuldig an ihrem Leid und dem ihrer Kinder. Sie haben bei Information immer noch die freie Wahl, ob sie den gut begründeten Ratschlägen folgen wollen oder nicht. Anbieten aber muss man die Information – um der Menschen Willen.

Wahrscheinlich gibt man derzeit mehr öffentliches Geld aus, um Kulturvereinen bei der Gestaltung ihrer Feste zu helfen. Feiern ist schön – wenn nicht alle gesund und fröhlich mitfeiern können, bitter.
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1 http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-07/inzest-migranten-ehe

Ein passabler Artikel, auch wenn der Autor „Inzest“ schreibt, aber „Inzucht“ gemeint ist. Manche Journalisten sind leider nicht in der Lage nachzuschauen, weil sie glauben, sie wüssten schon, was das Wort bedeutet. Ein häufiger Fehler.

2 http://www.zeit.de/online/2007/12/verwandtenehe

Weitere Infos/Lesenswertes dazu:

http://www.zeit.de/2015/17/iran-tradition-junge-generation

http://www.thehindu.com/seta/2004/04/29/stories/2004042900161600.htm

Bei der ersten Cousinenheirat „nur“ Verdoppelung des Risikos. Bei Verwandtenehen über mehrere Generationen wesentlich höher, dazu sind aber Stammbaumanalysen notwendig:

http://www.genetics.edu.au/Publications-and-Resources/Genetics-Fact-Sheets/FactSheet16

 

Bilder: http://uncyclopedia.wikia.com/wiki/Amish

http://www.castlerockpediatrics.com/