Gefährlicher Unsinn mit psychisch Kranken

Behandlungen, die auf den Glauben oder vormoderne Vorstellungen zurückzuführen sind, haben nicht nur eine lange Tradition, sondern werden manchmal auch heute noch oder wieder wahrhaftig alternativ eingesetzt: Der Kranke wird nicht dem Arzt vorgestellt. Bei psychischen Erkrankungen ist dies in einem traditionellen Umfeld eine Option, weil auch noch bizarre Ideen zur Entstehung dieser Erkrankungen bestehen. Der Kranke wird als besessen gewähnt, weil man an Jinns oder Shaytane glaubt. Diese Wesenheiten können – so der Glaube – einen Menschen befallen, ihn „besessen machen“. Diese Vorstellungen finden sich leider verbreitet und scheinen vermehrt propagiert zu werden  Über die „echten“ psychischen Erkrankungen herrscht in diesen Milieus verbreitet Unwissen und eine solche Diagnose ist auch schambesetzt. Für manchen ist es einfacher, eine Besessenheit bei sich anzunehmen als die Vorstellung, er sei halt „verrückt“ geworden. Die vermeintliche Externalisierung der Ursache über ein traditionelles Konzept ist sozial leichter annehmbar.

Manche Symptome von psychischen Erkrankungen kommen diesen altertümlichen Vorstellungen entgegen bzw. die alten Erklärungsmuster entstammen der damaligen Gedankenwelt. Schließlich sind psychische Erkrankungen keine moderne Erfindung, sondern die Menschen litten zu allen Zeiten schon daran. Da man damals nichts ahnte von Rezeptoren und Neurotransmittern und auch um die Wirkung auf den Geisteszustand eines banalen Elektrolytungleichgewichts nicht wußte, wurden einfache Erklärungen erfunden: Das müssen Geister sein! Man hatte ja beobachtet, dass sich Menschen z.B. nach epileptischen Anfällen wieder erholten, dass sie nach ein paar Stunden Schlaf und Flüssigkeitszufuhr wieder normal wirkten. Also schloss man messerscharf, dass diese Geister auch wieder gehen konnten. Allerlei sinnlose Rituale entstanden, die wegen des schwankenden Befindlichkeitszustandes im natürlichen Verlauf nicht als klar unwirksam ausgesondert wurden.

Ein paar besonders eindrückliche Beispiele seien angeführt, in denen den psychisch Kranken die moderne Medizin verweigert wurde, da das gläubige Umfeld die Art der Erkrankung traditionell einordnete und auch einer traditionellen „Behandlung“ zuführte. Über den Langzeitverlauf solcher Experimente ist wenig bekannt. Der natürliche Verlauf wird aber bei ernsthaften psychischen Erkrankungen nicht verändert, so dass man verschleppte Verläufe und unnötiges Leid befürchten muss.

Mein mann hat einen Djinn, das ist sicher. Wir standen haaresbreite vor der Scheidung weil mein Mann wahnsinnig geworden ist. Mein keifen wurde er ein Mal ganz krumm und seine Pupillen waren weg. Die Kinder schauten zu. Ich flehte ihn an sich zu setzen und Koran zu lesen. Er antwortete: ´´ Ich lese keinen Koran´´. Ich kenne meinen Mann 19 Jahren, NIEMALS hätte er sowas gesagt!!!!!. Ich sagte Authu billäh minna al schaitan al raschiem nachdem er anfing mich ins Gesicht zu hauen, dann liess er von mir ab. So geht das schon Monate und wird immer schlimmer. Er erstickte mehrfach fast und schrie ´´ warum lassen sie mich nicht in Ruhe´´..
Ich könnte noch mehr erschreckende Dinge aufzählen, aber ich belasse es mal dabei..
Mein Mann weiss, dass er zumindest den ´´bösen Blick´´ erwischt hat und von wem er kommt Aber ich weiss, es ist schlimmer. Weiterlesen

Offenbacher Puzzle

Fünfter Tag der Verhandlung gegen Aria L. vor dem OLG Frankfurt am 07.06.2016

Teil 1: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/03/schoene-landschaft-mit-viel-blut/

Teil 2: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/04/ausser-kontrolle/

Teil 3: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/11/mucke-muckis-und-moschee/

Teil 4: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/17/rechenschaft-vor-den-kuffar/

Da eine Zeugin, eine ehemalige Freundin von Aria L,. trotz Ladung beim letzten Termin nicht erschienen war und auch eine Kontaktaufnahme aus der Verhandlung heraus gescheitert war, ordnete der Richter am 17.05. an, dass die junge Frau zum gestrigen Termin vorgeführt werde. Allen Anwesenden – es waren wenige Personen im Zuschauerraum – schärfste der vorsitzende Richter ein, diesen geplanten Vorführungsversuch nicht weiterzugeben, damit die vorzuführende Person nicht gewarnt werde. Der Vorführungsversuch scheiterte allerdings. Zum nächsten Termin wird noch einmal ein Kontaktversuch unternommen.

 

Die Vernehmung einer Zeugin aus dem Polizeipräsidium Südosthessen war überaus interessant. So stellte die Beamtin die ganz erheblichen Bemühungen ihrer Behörde dar, Aria L. sozial aktionsfähig zu halten. Er galt als Gefährder. Aktuell wird nur ein weiterer Islamist im Zuständigkeitsbereich derart intensiv betreut (man fragt sich allerdings, ob das nicht eigentlich Aufgabe von VPN und nicht des Staatsschutzes ist). In der Spitzenzeit wurden neben Telefonaten bis zu 4 Betreuungstermine pro Woche absolviert. Das ging vom Kurztermin bis hin zur Begleitung auf dem Gang zur Schuldnerberatung, vom Kümmern um einen Paß bis hin zur Arbeitssuche. Der junge Mann hatte völlig sein Leben aus der Hand verloren, kümmerte sich um wichtige Dinge und Post kaum noch. Trainingstermine hingegen habe er wahrgenommen, nachts viele Stunden lang telefonieren können. Seine Kooperativität sei anfangs gut gewesen, habe dann aber nachgelassen. Aria L., das wird deutlich, war trotz intensivster Betreuung immer auf auf der Kippe und wurde trotzdem straffällig. Hinsichtlich des Einbruchs in das Bieberer Pfarrhaus in Offenbach wurde gegen ihn  und mehrere Kumpane ermittelt, auch wegen eines Fundes bei ihm bei einer Hausdurchsuchung. Die Kumpane sind heute auch teilweise abgängig. Das Verfahren wurde aber dann eingestellt.

Insbesondere Beamtinnen gegenüber habe er häufig ein provokantes Verhalten an der Tag gelegt. Die Autorität wurde ständig herausgefordert. Von 2 Schulen sei er wegen Schlägereien „geflogen“. Die Beamtin bedauert, dass Aria L. nicht mehr aus seinem bisherigen Leben gemacht habe; sie meint, da wäre mehr möglich gewesen. Nach der Trennung der Eltern habe er die Schule ganz aufgegeben. An geregelter Arbeit sei nur etwa ein Monat Halbtagsarbeit bekannt, von November bis Dezember 2014.

In einem der Fitness-Studios in Offenbach habe es einen gesonderten Raum gegeben, der von Weiterlesen

Von den Socken

Fundamentalistisch eingestellte bzw. extrem religiöse Personen einiger Weltanschauungen vollziehen zum Teil Rituale, die befremden und die für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind. Es werden Opfer dargebracht, Reinigungsriten vollzogen, reliquien angebetet, bestimmte Körperhaltungen eingenommen, an Körpern bleibende Veränderungen vorgenommen, um die verschiedensten Gottheiten gewogen zu stimmen. Der Nachbar, der einer anderen Weltanschauung angehört, findet diese Riten zwar meist seltsam, was ihn aber oftmals nicht dazu bringt, die eigenen Handlungen zu hinterfragen. Jeder meint von sich, die eigenen Maßnahmen zur Angstabwehr seien zweifellos die geeigneteren Handlungen, um der eigenen Gottheit, die allen anderen überlegen und sicher die einzig anbetungswürdige sei, wohl zu stimmen. Dass die Angst wiederkommt, weil jenseits der Vergewisserung durch andere Personen, die die jeweils gleichen Handlungen vollziehen, keine relevante und objektivierbare Rückmeldung zu erwarten ist, fällt auch meist nicht auf. Der Weg aus dieser speziellen Angst, deren Urgrund meist durch die Eltern gelegt wurde nebst der Tradition ihrer Methode zur Abwehr dieser selbstgeschaffenen Angst, führte für viele aber in ein Szenario, das ihnen noch mehr Angst machte: Selbstbestimmung, Freiheit und selber, als Mensch, für Gerechtigkeit sorgen helfen müssen, beansprucht mehr als Sinn und göttliches Strafgericht als vorgegeben anzunehmen und dafür allerlei rituelle Handlungen zu vollziehen.

Ein seltsamer Brauch im fundamentalistischen Islam ist das Sockenstreichen. Erwachsene Menschen lassen sich in epischer Breite darüber aus, ob das Bestreichen der Socken erlaubt sei oder nicht, ob man damit eine Zustand der rituellen Reinheit erhalten könne oder nicht, welche Fristen gälten für das Sockenstreichen und wie diese Socken beschaffen sein müssten. Welche Art Socken wohlgefällig und erlaubt und welche Art Socken das Bestreichen ungültig machten. Ziel dieser Überlegungen ist es, den für das Gebet bedingenden Zustand einer rituellen Reinheit zu erzielen. Ist man nicht im Zustand der rituellen Reinheit im Gebet, verliert dieses seine Gültigkeit, wird vor Gott nach der fundamentalistischen Auslegung nicht anerkannt: Man hat demnach umsonst gebetet. Einige Beispiele:

Muhamed Ciftci, ein problematischer Prediger aus Braunschweig, relativ kurz über Befristung bestrichener Socken:

 

Der Herr Dabbagh, problematischer Prediger aus Leipzig, wie häufig relativ knapp und präzise. Er Weiterlesen

Islamisches Erwachen

Über verschiedene verdeckt islamistische Portale, die sich eher an jüngere Personen aus der Bildungsschicht wenden

Der Ansatz, wonach sich Muslime in nichtmuslimisch dominierten Ländern zusammenschließen müssten, also sozusagen in der Diaspora eine Gemeinschaft bilden als Gegenpol zur meist westlich genannten Gesellschaft, wird von einigen Gruppen forciert. Grundgedanke ist dabei, gemeinsame muslimische Interessen zu formulieren und in demokratischen Gesellschaften in der Minderheit durchzusetzen (wobei gegen eine Interessenvertretung im demokratischen, also nicht islamistischen Spektrum und nicht segregativ, nichts spricht; das ist gutes Recht. Hier sind jedoch islamistische und segregativ agierende Gruppen gemeint). Muslime werden also absichtlich dazu gebracht, sich eben nicht primär an den vielen anderen Eigenschaften, die ein Mensch hat, zu orientieren, sondern sollen sich zuallererst immer und überall als Muslime und folglich die anderen gesellschaftlichen Akteure als Nichtmuslime zu definieren.*

Die muslimische Weltgemeinschaft wird von Kader-Gruppen wie Hizbut Tahrir bis hin zu eher losen Facebook-Gemeinschaften beschworen. Hinter etlichen der letztgenannten mögen tatsächlich Aktivisten von Kadergruppen stecken, die ihre Ansichten und Ziele so in die Gesellschaft vor allem der jüngeren Menschen transportieren wollen.

Gemacht werden solche Portale von jüngeren Menschen, oft hier geboren, oft haben sie hier die Schule durchlaufen. Beschworen wird die Rückkehr zur Religion, zum Islam. Als Gegensatz, als Gegenmodell. Maximale Rückbesinnung auf eine Gruppe, die es so bislang nicht gab, die aber geformt werden soll. Eine Ummah weltweit, lokal, aber auch transnational agierend.

Mal nur den Opferdiskurs propagierend mit dem Ziel, die Vereinigung der Muslime als Weg aufzuweisen, mal mit expliziteren Hinweisen, wohin die Reise gesellschaftlich gehen soll. Mal, wie unten, mit explizit extremistischen Inhalten. Opferdiskurs und antiwestliche, meist auch antiisraelische Haltung ist fast allen gemein, um die oben erwähnten Solidarisierungseffekte auszulösen.

Ein Beispiel ist das youtube-Portal und die zugehörende Facebookgruppe „Islamisches Erwachen“:

 

 

https://www.facebook.com/islamischeideen/timeline

Was verbirgt sich nun hinter einer Gruppe, die „intellektuell“ sein will und „den Euro-Islam“ ablehnt? Weiterlesen

Der böse Blick

Glaube und Aberglaube sind nicht selten nah beieinander. Beliebt unter islamistischen Predigern ist die Befassung mit dem „bösen Blick“.  Ein Synonym ist das „böse Auge“. Da sich viele Personen damit beschäftigen, es nur um glauben, anmuten oder wähnen geht, gehen Diagnose und Therapie unter den einschlägigen Spezialisten naturgemäß auseinander. Nichts davon ist natürlich dem Beweis zugänglich. Das böse Auge ist kein medizinisches Problem, sondern ein – freundlich formuliert – psychologisches. Um so interessanter ist es, diese verschiedenen Sichten zu betrachten.

Eine kleine Synopse beliebter Ratgeber aus der Szene:

Abu Abdullah (Brahim Belkaid) hält den bösen Blick für überaus weit verbreitet. Aber nicht nur der der Menschen. Nein, auch der Jinns…
Das sei die Haupt-Todesursache in der Ummah*. In einer Sekunde könne einen das zu Tode bringen – aber auch langes Siechtum hervorrufen.

[Jenseits des Lustigen werden in dem Video auch psychische Störungen fehlgedeutet, was zur Nichtbehandlung durch den Psychiater oder Psychologen führen kann.]

Der Herr Muhammad al Arifi, das ist der mit dem Persilschein für Selbstmordattentäter, wenn sie im Land Weiterlesen

Ein salafistischer Aktivist

Eindruck eines Gesprächs

Auf der Strasse: Der junge Mann und ich erkennen uns gegenseitig, obwohl wir noch nie persönlich aufeinander trafen. Bilder werden herumgereicht, seine wie meine, von den jeweiligen Interessierten. Da ich bei dem Aufeinandertreffen vor Wochen gerade aus einer anderen, sehr angeregten Diskussion komme, merke ich sein Nähertreten launig nickend mit „ah, die Konkurrenz“ an. Er ist ein wenig irritiert, erkennt die Ironie nicht sofort.

Wir kommen ins Gespräch über die Klärung des Missverständnisses.

 

Er hat etwas zu sagen, ich höre zu. Der Freund, mit dem er unterwegs ist, lauscht stumm uns beiden. Ob dieser auch zur Szene gehört, erkenne ich nicht, auf jeden Fall kein bekanntes Gesicht. Beide Männer tragen übliche Freizeitkleidung, der Aktive mit gehäkelter Kopfbedeckung. Sie sind jung, Mitte 20 vielleicht. Mindestens einer hat nach Bekunden und Namen einen Migrationshintergrund. Beide Männer sind kleiner als ich und wirken nicht aggressiv, trotzdem behalte ich ihre Hände in den Augenwinkeln. Er redet über die Weiterlesen

Laudämmerung

Der vorgestern verhaftete Sven Lau hat u.a. eine durchaus frequentierte fb-Seite. Immerhin über 54.000 Personen haben diese Seite markiert und können daher auf dem Laufenden gehalten werden. Dort werden Nachrichten, Botschaften und Videos von ihm gepostet. Aktuell wird auf seiner Seite von demjenigen, der in Laus Abwesenheit diese Seite betreut, eine Videobotschaft verbreitet, die nicht nur bizarr ist, sondern auch Anlass zu der Überlegung geben kann, was man all den Anhängern in dieser Lage damit sagen will.

Bei einigen Islamisten sind derzeit Endzeit-Phantasien hoch im Kurs. Das zieht sich durch verschiedene Gruppen und ähnlicher Weise. Laus Version besteht in einer Aufzählung der diesbezüglichen Hadithen und Verdeutlichung der Inhalte, wie er diese Volksmythen versteht. Im Beitrag erwähnt er, dass eine spezifische Endzeiterzählung, die Gog & Magog-Geschichte, älter sei als der Koran und schon biblisch:

 

 

[Nachtrag: Am Folgetag wurde das Video von der fb-Seite entfernt.

Es ist aber auf yt verfügbar, daher Neueinstellung.]

Er nennt Könige, die vielleicht zur Zeit des Religionsbegründers als „Weltherrscher“ gelten konnten (z.B. Nebukadnezar), als die „einzigen echten Weltherrscher“. Offenkundig nimmt er das für bare Münze. Er erzählt von Bergen, Sperrmauern und Höhlen.

Er liest die bevorstehende Endschlacht zwischen Gog und Magog (biblische Namen) aus diesen Überlieferungen vor. Es wird deutlich, dass er das für präzise Vorhersagen hält. Er weiß zwar nicht, wo – gemäß der Vorhersage – sich diese Wesen aktuell aufhalten. Irgendwo hinter zwei Bergen. Wo diese Berge sind, weiß er auch nicht. Dass es aber wie beschrieben sein muss, dass diese speziellen Berge existent sind, hält er für erwiesen, denn es handelt sich um authentische Hadithe, also Überlieferungen mit nach muslimischer Sicht mehr oder weniger gesicherter Überlieferungskette. Auf den Um- oder Ausweg, es könne sich um Gleichnisse handeln kommt er nicht.

Lau legt im Beitrag darauf Wert, dass die Endzeit nahe bevor stehe. Seine Vorstellung ist, dass die Lebewesen, die diese mythische Endzeit erleben bzw. herbeiführen werden, bereits existieren. Es scheint, als ob er tatsächlich von seiner Lebenszeit ausgeht, von der nahen Zukunft. Er stellt völlig auf diese Überlieferungen ab und erzählt sie, als ob sie nicht nur wahr seien, sondern auch der getreue Ablauf vorhergesagt würde. Ein Abgleich dieser alten Volksmythen aus dem Orient mit anderen Quellen bzw. Überlegungen, die ihm aus seinem „früheren Leben“, z.B. aus dem Biologie- oder Geschichtsunterricht präsent sein müssten, findet nicht statt.

Eine solche Befangenheit in dieser geistigen Parallelwelt macht fast sprachlos. Stellenweise rätselt er selbst vernehmlich, was die überlieferten Worte heißen könnten. Zum Zweifel reichen diese Rätsel jedoch nicht.

Er selber wird da kaum noch herausfinden. Es stellt sich die Frage, wie viele seiner Anhänger er in diese Phantasie mit einbeziehen kann und was das für deren Leben und Handlungen heißen mag.

 

 

 

Die Angst im Klassenzimmer

Das Verhältnis Lehrer-Schüler soll von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt sein. Nur so entsteht eine Atmosphäre, in der Lernen und Lehren möglich ist. Für Kinder und Jugendliche, die aus autoritären Familien kommen, ist es oftmals die erste Gelegenheit, einen anderen Umgang mit Menschen zu erlernen und zu üben: Umgang älteren Personen anderen Bildungsgrades, mit Erfolg und Misserfolg, Umgang mit dem anderen Geschlecht, mit nicht verwandten Personen.

Die Angst von Schülern vor autoritären Lehrern konnte durch andere pädagogische Ansätze vermindert werden. Es wird auf ein mehr kameradschaftliches Verhältnis gesetzt. Dieser Umgang ist für Kinder, die autoritär erzogen wurden, manchmal irritierend: Er bietet zu wenig Orientierung hinsichtlich der als verboten oder erlaubt bewerteten Handlungen. Dieser Umgang baut darauf, dass die Kinder mit einer europäischen Sozialisation, in der viele Dinge auf Vorbild beruhen und viele Verhaltensweisen Verhandlungssache sind, vorgeprägt wurden. Anders vorstrukturierte Kindern, v.a. Jungen, können auf die Idee kommen, dass sie im weiblich dominierten Grundschulbereich dominant auftreten können. Da das bei manchem religiös-patriarchalisch legitimiert wird, ist das wenig verhandelbar. Diese Sozialisation kann zu deutlichen Autoritätsproblemen mit diesen Kindern führen. Auch das belastet das Verhältnis, kann aber kaum angesprochen werden, da Lehrer mit diesen Problemen meist alleine gelassen werden, selbst wenn sie es ansprechen. Die Schulleitung mag das oft nicht angehen, denn zwischen Angst um den Ruf der Schule und der Angst, lautstark wegen Diskriminierung angegangen zu werden, bleibt manche Einsicht auf halbem Wege stecken.

 

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Wenn jedoch die Angst konkreter wird, wenn Pädagogen Angst vor ihren eigenen halbwüchsigen Schülern haben, hört jede Berechtigung für solche Befindlichkeitsstörungen auf. Pädagogen, die fürchten müssen, dass sich Schüler zusammentun, dürfen nicht alleine gelassen werden. Aus einigen Schulen im Raum hört man, dass normaler Unterricht wegen abgesprochener Störung, wegen gezielter Missachtung bestimmter Lehrer oder strukturierter Zurückweisung kritischer Inhalte manchmal kaum noch möglich ist.
Die Störung bzw. Nichteinhaltung einer Schweigeminute nach „Charlie Hebdo“ ist da symptomatisch. Etwas Ähnliches wurde dem Anschein nach nach den jüngsten Pariser Attentaten gar nicht mehr versucht.

Ist nun endgültig die Angst vor den eigenen Schülern in manche Klassenzimmer eingekehrt?

„Die IS-Dschihadisten hatten erst im November zu Angriffen auf Lehrer in Frankreich aufgerufen. Sie seien „Feinde Allahs“, die sich in einem „offenen Krieg gegen die muslimische Familie“ befänden.“

http://www.focus.de/politik/ausland/feinde-allahs-messerangriff-auf-kita-erzieherin-nahe-paris-taeter-erwaehnt-is_id_5152256.html

[Nachtrag 19:25: Der Angriff war wohl erfunden, unglaublich. Hier die Einordnung:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/frankreich-lehrer-erfindet-islamistische-messerattacke-13966291.html

Das Zitat ist aber authentisch. SHM]

Wenn das so wäre, dann wären wir nicht mehr bei „wehret den Anfängen“. Dann wären wir schon mittendrin im Kampf im Klassenzimmer, der auch psychologisch geführt wird.

Diesen Kampf um die Köpfe dürfen wir jedoch nicht verloren geben.

Die Pädagogen brauchen da mehr, jede sinnvolle Unterstützung, die man ihnen geben kann. Sie kämpfen da für uns alle um die jungen Menschen. Wir müssen dafür sorgen, dass dies kein einsamer Kampf auf verlorenem Posten ist.

Tod durch religiösen Ritus?

Am Wochenende ist eine koreanischstämmige Frau im Frankfurter Hotel Intercontinental getötet worden. Sie soll durch eine „Teufelsaustreibung“ zu Tode gekommen sein. Eine weitere Frau wurde verletzt und unterkühlt in Sulzbach / Taunus aufgefunden.

„Die Frau erstickte schließlich. Ihr Körper war von Blutergüssen übersät. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen.

http://hessenschau.de/panorama/frau-stirbt-bei-teufelsaustreibung-in-frankfurter-hotelzimmer,teufelsaustreibung-100.html

 

 

Ein ähnlicher Fall wurde in 2008 in den Staaten aufgeklärt, eine junge Frau fand den Tod:

„In Korean shamanism, a woman is typically the shaman, or mudang, and communicates with gods or spirits not only to drive out evil but also to resolve financial problems or improve a person’s health.

Cha said some Koreans „believe in multiple spirits that are active and present. Whether an illness is physical or emotional, it is evil done by these spirits.“

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/10/21/AR2009102104110.html

Die Vorstellung, man könne den Teufel oder, weiter gefasst, böse Geister austreiben durch rituelle Handlungen, ist kein christliches Spezifikum. Das erscheint nur so, wenn man nur vom katholischen Exorzismus weiß. Tatsächlich sind dies archaische Vorstellungen, die in die Religionen, auch die monotheistischen, teilweise inkorporiert wurden. Nicht immer von allen Strömungen mitgetragen, aber nachweisbar. Auch in der Moderne.

Auch im Islam finden sich solche Vorstellungen. Ein ganzer Geschäftszweig hat sich dies zur Aufgabe gemacht, die sogenannten Quran-Heiler. Sie agieren i.d.R. ohne Heilpraktiker-Erlaubnis, machen aber oftmals gesundheitsbezogene Aussagen. Daneben bieten sie allerlei gegen böse Geister oder gar den Teufel an. So manche psychische Erkrankung wird aus einem altertümlichen kulturellen Verständnis heraus nicht z.B. einem Neurotransmitter-Ungleichgewicht zugeschrieben, sondern man greift auf vermeintlich einfachere Erklärungen zurück. Beispiel:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/05/19/der-teufel-in-mainz-kostheim/

Nähere Einzelheiten zum Eingangsfall werden sicher noch im Laufe der Ermittlungen bekannt werden. Es ist jedoch wichtig wahrzunehmen, dass bei manchen Personen, auch hier unauffällig lebenden, sich das Menschen- und Weltbild so grundsätzlich unterscheidet, dass solche Handlungen subjektiv völlig logisch erscheinen und ich-synton erfolgen können (das beeinflusst auch Krankheitsursachen-Einsicht und -Schilderung). Man lebt in wirklich verschiedenen Welten subjektiv empfunden. Schuldempfinden oder Reue wird an diesem Punkt schwierig, den subjektiv wurde auf dieses völlig andersartige Weltbild vertraut. Vielleicht lassen sich die Beschuldigten wenigstens so weit ein, dass ein Blick in diese andere Binnenwelt ermöglicht wird. Vier der Tatverdächtigen sind noch sehr jung. Sie werden noch – nach Verbüssen einer Jugendstrafe, sofern ihnen Tatbeteiligung nachgewiesen werden kann – eine lange Zeit mitten unter uns leben. Hoffen wir, dass sie aus ihrer Parallelwelt herausfinden.

Rapp mir das Lied vom Tod

Rapp ist Teil einer Jugendkultur: Man hört diesen Singsang und er spiegelt, wenn er erfolgreich ist, die Gefühle und Bedürfnisse seiner Hörer und Käufer wieder. Ein Teil der Anziehungkraft der Szene mag durch die meist bekundete grobe Virilität, die äußeren Merkmale des Wohlstands und die vorwiegende Anspruchslosigkeit der inhaltlichen Aufarbeitung zustande kommen. Rapp versteht (fast) jeder. Rapp ist eher nichts für Feingeister und die artikulierten Wünsche sind auch eher undifferenziert und archaisch. Die erzählten Geschichten sind einfach. Es ist wenig musikalisches und stimmliches Können beim Erschaffen notwendig, auch das mag manchen locken: Jeder Hörer sagt sich, Mensch, also eigentlich könnte ich das auch. So mancher versucht denn auch, sich seinen Wunsch nach Ruhm und Reichtum über eine imaginierte oder echte „Musik-Karriere“ zu erfüllen.

Schrödingers Denis* Der Rapper Denis Cuspert ist so eine Person, die für eine Karriere in unserer Gesellschaft zu viele Chancen ausschlug. Er wid nicht alle gehabt haben, ja. Aber von seiner Seite mag eine Neigung zu einfachen Lösungen, wenig differenziertes Denken und ein Hang zur körperlichen „Lösung“ von Problemen hinzugetreten sein. Er versuchte sich dann als Rapper, wurde schließlich Islamist und zuletzt klinkte er sich aus dieser Gesellschaft ganz aus und ging nach Syrien. Er stieg zu einem international bekannten Top-Terroristen auf, zum weltweit bekannten und gefürchteten Mörder, der lachend anderen den Tod brachte. Ob er aktuell noch lebt, ist fraglich. Mal wird er tot gemeldet, dann wieder lebendig. Da wird man erst sicherere Todeszeichen abwarten müssen als mündliche Meldungen.

Andere Personen aus der Musikszene kokettieren ebenfalls mit dem Salafismus. Der Berliner Musikmanager Ashraf Rammo, der von den Medien häufiger in dem Zusammenhang mit organisierter Kriminalität genannt wird, trifft sich mit LIES-Aktivisten und lässt seinen Schützling „Massiv“ einen tränenreichen Rapp über den Frankfurter LIES-Aktivisten Bilal Gümüs singen. Der ist inhaltlich fragwürdig, stellt aber den musikgewordenen Opferdiskurs dar: alle schuld außer Bilal:

 

 

Frankfurt hat ebenfalls einen Rapper, der sich weniger durch seine Musik auszeichnet denn seine Kontakte:

Auch der Frankfurter Rapper Sadiq, der mit seiner Nähe etwa zu den Salafisten der Koran-Aktion „Lies!“ kokettiert, macht auf Facebook regelmäßig Werbung für das Andalus.

http://www.fr-online.de/frankfurt/andalus-grillhaus-grill-imbiss-bleibt-geschlossen,1472798,32439826.html

Man ist eine große Familie, auch in Berlin bei Rammo war Sadiq schon dabei.

All diese Rapps werden hundertausendfach angesehen und angehört. Sie spiegeln das Gefühl einer bestimmten Klientel und sie verstärken über die Inhalte Haltungen oder rufen sie hervor. Die zur Mehrheitsgesellschaft hin sind das nicht. Traurigerweise werden v.a. junge Männer dann über falsche Informationen bei ihrem Schutz- und Gemeinschaftstrieb instrumentalisiert und über ein diffuses Gerechtigkeitsgefühl auf die Gedanken gebracht, selber „helfen“ zu wollen. Das treibt sie zu fragwürdigen Hilfsvereinen und in den Irrglauben, ihre Ummah in einem Kampf verteidigen zu müssen. Die Musik dazu ist erst der Rapp:

Der Song über Märtyrer:

 

 

Und später dann der Nasheed, der islamistische Kampfgesang, beispielhaft:

 

 

Musik spielt bei manchen auch eine Rolle in der Radikalisierung. Sie spricht die Emotion an und der Rapp ist so manchem seine persönliche Marschmusik in den Tod.

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  • Der Witz erschließt sich eher den Naturwissenschaftlern unter meinen Lesern. Für alle anderen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze